Übergänge kosten Kraft und eröffnen unvermutete Freiheiten durch innovative Exnovation

lichtdurchfluteter Helbstwald

Wer nicht aufhören kann,
mit dem ist nichts anzufangen.

Dieser Motto-Gedanke stammt von Wolf Lotter in seinem Text „Der End-Effekt“; aus dem anderen Wirtschaftsmagazin brand eins 5/2006; zitiert nach: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt (16.11.2024)

Mit diesem Text überdenke ich meinen eigenen Übergang in den Ruhestand. Ich gehe davon aus und wünsche mir, dass meine Überlegungen auch für andere Übergänge hilfreich und anregend sein können.

Der Eintritt in den Ruhestand ist ein markanter Einschnitt. Ich möchte Möglichkeiten offen halten und gestalten.

Über 37,5 Jahre habe ich mich leidenschaftlich in der Bildungsarbeit engagiert:

  • planen und koordinieren
  • viele Kontakte und Gespräche
  • fördern
  • mich weiterbilden und auf dem Laufenden halten
  • vorbereiten
  • Konzepte entwickeln. erproben und evaluieren
  • präsentieren und moderieren
  • später Unterricht entwickeln und vorbereiten
  • Fortbildung
  • Unterricht, Konferenzen, Fördergespräche, Elternkontakte
  • Notengebung
  • individuelle und kollegiale Reflexion
  • Mitarbeit an der Schulentwicklung

In meinem bisherigen Berufsleben war ein Kalender unverzichtbar.

Meist war mein Plan voll mit Projekten, Terminen und Verpflichtungen, reservierten Zeiten und To-Do-Listen.
Und aus der beruflichen Arbeit habe ich immer wieder eine tiefe Befriedigung gezogen, weil ich die eigene Arbeit als sinnvoll und notwendig erlebt habe.

Herausfordernde und anstrengende Belastungsspitzen gab es immer wieder, z.B. zu Prüfungszeiten und zum Anfang und zum Ende der Schuljahre.

beispielhafter Wocheneintrag im Planungsbuch - nsa-sicher, also noch in alter Papierform
ein für Prüfungszeiten typischer Wochenplan – hier „NSA-sicher“

Dann kam der Abschied in den Ruhestand, eine Zäsur. Ich hatte mich durch eine intensive Reflexion meiner beruflichen Tätigkeit und viele Gespräche gut vorbereitet. Ganz bewusst hatte ich keine neuen Projekte und Aufgaben für die Zeit nach dem Renteneintritt geplant.

Fast vier Jahrzehnte hatte ich engagiert und mit einem ausgeklügelten Plan gearbeitet und auch gelebt.

Als ich in Rente ging, wollte ich ausdrücklich keinen Plan haben. Ich wollte spüren, was kommen würde. Statt der von vielen geforderten Pläne wollte ich mir Zeit und den Luxus einer bewussten Pause und Unterbrechung gönnen:

  • Wie fühlt sich der neue Lebensabschnitt an?
  • Wo bringt die Ruhe neue Einsichten?
  • Wo bleibt der gewohnte Sinn und wo entsteht neuer?
  • Was zeigt sich noch?

Loslassen und Vermissen

Was ich schnell bemerkte: Vieles fehlt.

Es sind nicht nur die strukturierten Tage, Routinen und festen Aufgaben, die plötzlich wegfallen. Vielmehr fehlt mir das Selbstverständliche, das mein Leben jahrelang fast unbemerkt geprägt hat: die täglichen Kontakte, die spontanen Gespräche im Lehrerzimmer, die Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern, die vielen zwischenmenschlichen Beziehungen, die mir eine tiefe Verankerung und Sicherheit gegeben haben.

Der Sinn, den ich in meinem Beruf gefunden habe, war immer unmittelbar da. Sie war Teil meiner Identität und oft spürbar bei Planungen, Begegnungen und nach vielen Unterrichtsstunden.

Die Wiederentdeckung von Langsamkeit und Muße

In der Unterbrechung, der Pause oder der Stille liegen auch neue Freiräume: Ich gönne mir bewusst ein langsameres Tempo und wieder mehr Zeit für meine Interessen. So kann ich mehr Zeit mit liebgewonnenen Tätigkeiten verbringen: ausschlafen, spazieren gehen, in Ruhe ein gutes Buch lesen oder Musik hören, einen fesselnden Podcast hören, meinen Gedanken nachhängen oder auch längere Gespräche führen.

Ein Tagebuch, ein Füller und eine braune Kaffeetasse mit Schümli-Kaffee auf einer Holzplatte

Diese Muße hat eine eigene Qualität, die ich für mich neu entdecke. Mit weniger Verpflichtungen öffnen sich Räume und Möglichkeiten für Tätigkeiten und Themen, die im früheren Berufsalltag oft zu kurz kamen.

Es macht mir wieder Freude, von Hand mein Tagebuch zu schreiben oder auch einen handgeschriebenen Brief zu verfassen, die Worte und Gedanken bewusst zu gestalten und mit Bedacht zu formulieren.

Momente des Innehaltens sind kostbar. Die Eile, mit der ich den vielfältigen Berufsalltag bewältigt habe, kann einer tieferen Ruhe weichen.

Politische Partizipation und gesellschaftliches Engagement

Und dann ist da noch das Gefühl der Zugehörigkeit und der gesellschaftlichen Mitverantwortung. Das ist geblieben. In der Bildungsarbeit war mein Engagement immer auch politisch. Ich wollte die Gesellschaft positiv gestalten. Ich wollte junge Menschen zur Auseinandersetzung mit ihren Werten herausfordern und mit ihnen gemeinsam Wissen über ein gelingendes Zusammenleben entwickeln.

Mein Beruf steht nicht mehr im Vordergrund. Mein politisches Engagement – im weiteren Sinne – empfinde ich nach wie vor als Impuls: Ich reserviere mir immer wieder bewusst eine begrenzte Zeit, um mich zu informieren, mich zu Wort zu melden und mich einzubringen. In gewisser Weise ist das eine Fortsetzung einer meiner beruflichen Motivationen, nur in anderer Form.

Neues zu entdecken und zu entwickeln kostet Energie.

Ursprünglich hatte ich erwartet, dass mit dem Ende meiner langjährigen Berufstätigkeit sofort Ruhe und Entspannung einkehren würden.

Da war ich wohl einer naiven Illusion aufgesessen. Die selbstgewählte Offenheit auszuhalten, die neue Tagesstruktur und für mich passende Routinen zu entwickeln, forderte meine Aufmerksamkeit und Kraft

Vermutlich sind diese Anstrengungen vergleichbar mit denen, die eine neue berufliche Rolle oder ein neues politisches Amt mit sich bringen. Nicht umsonst hat es sich eingebürgert, neuen Amtsträgern in Politik und Verwaltungsleitungen eine Schonfrist von 100 Tagen einzuräumen.

Zwischen Vergangenheit und vielen neuen Möglichkeiten

Übergänge, Abschiede und Neuanfänge stehen in einem interessanten Spannungsverhältnis.

Auf der einen Seite stehen vermutlich Verlusterfahrungen.

In meinem Fall fallen folgende Punkte weg:

  • selbstverständliche, vielfältige Kontakte zu anderen Menschen
  • bedeutungsvolle, berufliche Rollen
  • Sinnerfahrungen
  • ein selbstverständlicher Tagesrhythmus
  • täglich unvorhersehbare Herausforderungen
    (da ich mit Gruppen und Menschen gearbeitet habe)

Andererseits eröffnete mir die neue Situation auch Freiheiten und viele Möglichkeiten, die ich zu schätzen lernte.

Die Herausforderung besteht wohl darin, Altes zu verabschieden und Neues bewusst und mit offenem Herzen aufzunehmen und weiterzuentwickeln

Dazwischen lebe ich gerade. Persönlich habe ich der spürbaren Einladung widerstanden, die ungewohnt offene Situation am Ende einer langen, planorientierten Lebensphase wieder mit neuen Plänen und Projekten zu gestalten.

Ich fühle den Luxus, mir dafür Zeit zu nehmen. Ich bin gespannt, was mir diese Reise noch bringen wird, welche Menschen, Themen und Räume ich noch – vielleicht auch überraschend – finden werde und wie ich meine Aufgaben immer wieder neu definieren werde.

Andere Menschen ziehen es vor, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben und dem Eintritt in den „Ruhestand“ konkrete Pläne und Projekte zu haben, z.B. eine längere Reise, eine Teilzeitbeschäftigung, ein neues, bereits organisiertes gesellschaftliches Engagement in einem Ehrenamt etc.

Zur Zeit überlege ich, ob die bisherigen Routinen noch passen und weitergeführt oder beendet werden sollen.

Kleiner Theorieimpuls: Unterlassen ist notwendig für Entwicklung, ein Lob der „EXnovation“

In der Literatur und Theoriebildung gibt es einen Gegenpol zur INnovation: die EXnovation. Dahinter steht die Erfahrung, dass das Aufhäufen von immer mehr Zielen und Aufgaben auf Dauer nicht leistbar sind und auch krank machen.

„Es braucht mehr Bereitschaft zur Exnovation, der Kehrseite von Innovation. Das Festhalten an gewohnten Denkweisen, Handlungsmuster, Strategien verstellen den Raum für wirklich Neues.
Solange ich die Luft anhalte, kann ich nicht einatmen.“Prof. Dr. Klaus Gourgé, Professor FWR, Leitung MBA Zukunftstrends und Nachhaltiges Management;
zitiert aus der Mitgliederzeitschrift der DGSv, Journal Supervision 1/2024; 14

Für Neues benötigen wir Zeit und Energie.
Diese notwendigen Ressourcen werden in der Regel durch das Unterlassen bisheriger Gewohnheiten und Abläufe frei. („Höre immer wieder mit ausgewähltem Blödsinn auf!“)

Darüber habe ich schon früher geschrieben und in letzter Zeit finde ich immer mehr kluge Texte dazu.
(Links zur Vertiefung siehe unten unter „Weiterführende und vertiefende Hinweise“).

In diesem Jahr beende ich den langjährigen Versand von gedruckten Adventskarten

Fast zwei Jahrzehnte lang habe ich über 100 Adventskarten verschickt, im letzten Jahr etwa 200.
Es hat mir Freude gemacht, sie zu entwerfen, zu planen und herzustellen.

Meine Grußkarte zum Advent 2022

Diese Muße hat eine eigene Qualität, die ich für mich neu entdecke. Mit weniger Verpflichtungen öffnen sich Räume und Möglichkeiten für Tätigkeiten und Themen, die im früheren Berufsalltag oft zu kurz kamen.

Es macht mir wieder Freude, von Hand mein Tagebuch zu schreiben oder auch einen handgeschriebenen Brief zu verfassen, die Worte und Gedanken bewusst zu gestalten und mit Bedacht zu formulieren.

Momente des Innehaltens sind kostbar. Die Eile, mit der ich den vielfältigen Berufsalltag bewältigt habe, kann einer tieferen Ruhe weichen.

Politische Partizipation und gesellschaftliches Engagement

Und dann ist da noch das Gefühl der Zugehörigkeit und der gesellschaftlichen Mitverantwortung. Das ist geblieben. In der Bildungsarbeit war mein Engagement immer auch politisch. Ich wollte die Gesellschaft positiv gestalten. Ich wollte junge Menschen zur Auseinandersetzung mit ihren Werten herausfordern und mit ihnen gemeinsam Wissen über ein gelingendes Zusammenleben entwickeln.

Mein Beruf steht nicht mehr im Vordergrund. Mein politisches Engagement – im weiteren Sinne – empfinde ich nach wie vor als Impuls: Ich reserviere mir immer wieder bewusst eine begrenzte Zeit, um mich zu informieren, mich zu Wort zu melden und mich einzubringen. In gewisser Weise ist das eine Fortsetzung einer meiner beruflichen Motivationen, nur in anderer Form.

Neues zu entdecken und zu entwickeln kostet Energie.

Ursprünglich hatte ich erwartet, dass mit dem Ende meiner langjährigen Berufstätigkeit sofort Ruhe und Entspannung einkehren würden.

Da war ich wohl einer naiven Illusion aufgesessen. Die selbstgewählte Offenheit auszuhalten, die neue Tagesstruktur und für mich passende Routinen zu entwickeln, forderte meine Aufmerksamkeit und Kraft

Vermutlich sind diese Anstrengungen vergleichbar mit denen, die eine neue berufliche Rolle oder ein neues politisches Amt mit sich bringen. Nicht umsonst hat es sich eingebürgert, neuen Amtsträgern in Politik und Verwaltungsleitungen eine Schonfrist von 100 Tagen einzuräumen.

Zwischen Vergangenheit und vielen neuen Möglichkeiten

Übergänge, Abschiede und Neuanfänge stehen in einem interessanten Spannungsverhältnis.

Auf der einen Seite stehen vermutlich Verlusterfahrungen.

In meinem Fall fallen folgende Punkte weg:

  • selbstverständliche, vielfältige Kontakte zu anderen Menschen
  • bedeutungsvolle, berufliche Rollen
  • Sinnerfahrungen
  • ein selbstverständlicher Tagesrhythmus
  • täglich unvorhersehbare Herausforderungen
    (da ich mit Gruppen und Menschen gearbeitet habe)

Andererseits eröffnete mir die neue Situation auch Freiheiten und viele Möglichkeiten, die ich zu schätzen lernte.

Die Herausforderung besteht wohl darin, Altes zu verabschieden und Neues bewusst und mit offenem Herzen aufzunehmen und weiterzuentwickeln

Dazwischen lebe ich gerade. Persönlich habe ich der spürbaren Einladung widerstanden, die ungewohnt offene Situation am Ende einer langen, planorientierten Lebensphase wieder mit neuen Plänen und Projekten zu gestalten.

Ich fühle den Luxus, mir dafür Zeit zu nehmen. Ich bin gespannt, was mir diese Reise noch bringen wird, welche Menschen, Themen und Räume ich noch – vielleicht auch überraschend – finden werde und wie ich meine Aufgaben immer wieder neu definieren werde.

Andere Menschen ziehen es vor, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben und dem Eintritt in den „Ruhestand“ konkrete Pläne und Projekte zu haben, z.B. eine längere Reise, eine Teilzeitbeschäftigung, ein neues, bereits organisiertes gesellschaftliches Engagement in einem Ehrenamt etc.

Zur Zeit überlege ich, ob die bisherigen Routinen noch passen und weitergeführt oder beendet werden sollen.

Kleiner Theorieimpuls: Unterlassen ist notwendig für Entwicklung, ein Lob der „EXnovation“

In der Literatur und Theoriebildung gibt es einen Gegenpol zur INnovation: die EXnovation. Dahinter steht die Erfahrung, dass das Aufhäufen von immer mehr Zielen und Aufgaben auf Dauer nicht leistbar sind und auch krank machen.

„Es braucht mehr Bereitschaft zur Exnovation, der Kehrseite von Innovation. Das Festhalten an gewohnten Denkweisen, Handlungsmuster, Strategien verstellen den Raum für wirklich Neues.
Solange ich die Luft anhalte, kann ich nicht einatmen.“Prof. Dr. Klaus Gourgé, Professor FWR, Leitung MBA Zukunftstrends und Nachhaltiges Management;
zitiert aus der Mitgliederzeitschrift der DGSv, Journal Supervision 1/2024; 14

Für Neues benötigen wir Zeit und Energie.
Diese notwendigen Ressourcen werden in der Regel durch das Unterlassen bisheriger Gewohnheiten und Abläufe frei. („Höre immer wieder mit ausgewähltem Blödsinn auf!“)

Darüber habe ich schon früher geschrieben und in letzter Zeit finde ich immer mehr kluge Texte dazu.
(Links zur Vertiefung siehe unten unter „Weiterführende und vertiefende Hinweise“).

In diesem Jahr beende ich den langjährigen Versand von gedruckten Adventskarten

Fast zwei Jahrzehnte lang habe ich über 100 Adventskarten verschickt, im letzten Jahr etwa 200.
Es hat mir Freude gemacht, sie zu entwerfen, zu planen und herzustellen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern:

eine möglichst gelingende Advents- und Weihnachtszeit,

einige Inseln der Ruhe,

gutes Essen

und gelingende Feste,

Muße,

Nachdenklichkeit,

Erholung

und frische und ausreichend Kraft für die Herausforderungen im neuen Kalenderjahr.

Einladung zur Selbstreflexion, zum aktiven Verlernen von Überholtem und zur Diskussion

Diese zum Teil privaten Gedanken habe ich hier aufgeschrieben und geteilt, um andere zur Selbstreflexion anzuregen und einzuladen.

Über Kommentare unter diesem Text oder Rückmeldungen auf anderen Wegen freue ich mich.

Weiterführende und vertiefende Hinweise

Entwickelt im November 2024, zuletzt bearbeitet am 19.01.2026/18.55 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Wie wir lernen

Zusammenfassung und Gliederung

Das Gehirn kann nicht anders: Es lernt immer!
Alle Tätigkeiten und Regungen, ja auch unsere Träume hinterlassen Spuren in unserem Gehirn.

Wenn wir die Grund-Funktion unseres Gehirns verstehen, können wir unser Gehirn besser nutzen: Dann können wir uns für das Lernen entscheiden und wissen, wie es geht: Wir werden erfolgreich lernen, kreativ sein und haben Spaß dabei!

  • „Lernen“ ist ein sehr schillernder Begiff.
  • Eine Zusammenfassung: aktuelle, neurowissenschaftliche Erkenntnisse
  • Zusammenfassend: Die vier Säulen des Lernens (aktuelle Theorie-Zusammenfassung)
  • Tun Sie etwas für das Gelingen von Lernprozessen und entscheiden Sie sich!
  • Man kann Lernprozesse willentlich unterstützen.
  • Man kann dem Gehirn das Lernen auch erschweren oder unmöglich machen.
  • Man kann ein Leben lang lernen.
  • Weiterführende Links

„Lernen“ ist ein sehr schillernder Begriff.

Je nach psychologischem oder philosophischem Weltbild werden sehr unterschiedliche Vorgänge als „lernen“ bezeichnet.
Eine schöne Übersicht habe ich in Beats Biblionetz im Artikel „Wie funktioniert Lernen?“ gefunden.

Meiner Wahrnehmung nach gehen die Mehrzahl moderner Veröffentlichungen vordergründig von konstruktivistischem Hintergrund aus. Wer genauer liest und hinschaut und den Gedanken länger folgt, findet allermeist auch Einsprengsel früherer Modellvorstellungen.
Meine Selbstbeobachtung ergibt genau dieses Bild von Brüchen in meinen Argumentationen auch. – Durchaus verständlich, denn die meisten von uns wurden ja noch auf dem Hintergrund anderer Modell geprägt und ausgebildet.

Eine Zusammenfassung: aktuelle, neurowissenschaftliche Erkenntnisse

Ich fasse die mir wesentliche Hauptaussagen der Hirnforschung hier zusammen:

  1. Das Gehirn ist ein Organ, das begierig ist und bleibt, zu lernen.
  2. Es lernt immer. Das Gehirn kann nichts anderes. Es muss lernen und lernt besonders, was wir mit Begeisterung immer wieder tun! Jede Lebensäußerung hinterlässt dabei Spuren.
  3. Das Gehirn lernt sowohl Wissens- als auch Gefühls- und Handlungsstrukturen.
    Es trennt diese nicht – entgegen unseren lieb gewonnenen und sehr weit verbreiteten Vorstellungen.
  4. Besonders gut lernen wir, was wir uns aktiv aneignen: Wenn wir uns eine eigene Gedankenlinie oder eine eigenen Zusammenfassung erstellen.
  5. Lernen bedeutet in diesem Zusammenhang schon sehr bald in der Entwicklung des Gehirns, dass Regeln aus den Sinneseindrücken und Wahrnehmungen herausgefiltert werden: Was sich immer wieder zeigt, was also einer regelhaften Wiederholung unterliegt, wird als Struktur gelernt. Biologisch sind messbare Verstärkungen der Synapsen-Verbindungen entsprechend den wiederholt dargebotenen Regelabläufen nachweisbar. So lässt sich auch erklären, warum wir manches „wie im Schlaf“ tun können.
  6. Wesentlich scheint die Aufmerksamkeit dabei zu sein:
    Mit was beschäftige ich mich / lasse ich micht beschäftigen?
  7. Lernen kann Spaß machen, sogar viel Spaß – wenn es gelingt. Um diese schöne Erfahrung dauerhaft zu ermöglichen, sollten Kinder (schon sehr früh im Elternhaus, dem Kindergarten und spätestens in der Grundschule) lernen, dass Bemühungen Erfolg bringen. Diese Erfahrung muss nicht mit klassischem Lernstoff gemacht werden, sie kann auch beim Üben eines Spieles oder eines Instrumentes gewonnen werden.

Hinweis auf einen aktuellen, kurzen Theorie-Input: „Vier Säulen des Lernens“

Bent Freiwald, der Bildungsreporter aus krautreporter.de hat knapp und fachlich kundig zusammengefasst, was unser Gehirn zum Lernen benötigt:

  1. Aufmerksamkeit
  2. Neugier, also wissen wollen
  3. produktive Rückmeldung (= möglichst individuelles Feedback, nach möglichst notenfreien Tests)
  4. Konsolidierung (also Verfestigung und Routinisierung, bis die „Kunst“ wie unbewusst gelingt)

Tun Sie etwas für das Gelingen von Lernprozessen und entscheiden Sie sich!

Wir können unterstützen und günstige Rahmenbedingungen schaffen:

Wesentlich ist die Grund-Entscheidung, lernen zu wollen:

  • Wir können uns für das Lernen entscheiden.
  • Wir können für dieses Ziel Zeit reservieren.
  • Wir können dafür sorgen, dass wir in der reservierten Lern-Zeit ungestört (ohne Ablenkung) lernen können.

Man kann Lernprozesse willentlich unterstützen.

Neuere psychologische Forschungen zu den Fragen, wie wir unser Verhalten beeinflussen und erfolgreich verändern können, haben ergeben, dass außer der Motivation wesentlich der Wille zur Veränderung, zum Lernen, wesentlich ist.
Das Lehrgebiet Mediendidaktik der Fernuniversität Hagen hat dazu einen hilfreichen Test, den Volitionaler Personer Test (VPT) veröffentlich.
In 10 bis 15 Minuten können Sie online und anonym einen Fragebogen zu Ihrem Lernverhalten in herausfordernden Bedingungen ausfüllen und erhalten eine statistische Auswertung und einige Hinweise, wie Sie Ihr Verhalten verbessern können. Ich kann diese Test gerne empfehlen.

Man kann dem Gehirn das Lernen auch erschweren oder unmöglich machen.

Wir können dem Gehirn aber auch ungünstige Bedingungen für seine Lieblingsbeschäftigung „lernen“ bieten, in dem wir ihm eine Lern-Umgebung mit:

  • [Angst-]Stress
  • Druck
  • dauerhaft langweilige Inhalte (Unterforderung)
  • monotone Darstellungsform der Inhalte
  • zu viele unterschiedliche Inhalte auf einmal oder parallel (Versuch des „Multitaskings“).
    Experten raten von Multitasking ab:
    „Das Ergebnis der Studie ist ein klares Warnsignal. Wir sollten versuchen, digitales und nicht-digitales Multitasking zu reduzieren, stattdessen besser eine Aufgabe nach der anderen erledigen. Außerdem sollte man sich möglichst vor störenden Unterbrechungen schützen, und beispielsweise auch die ständige Erreichbarkeit überdenken – dies gilt praktisch für alle Situationen mit Mehrfachbelastungen – am Arbeitsplatz wie im Privatleben“.
  • Auch Schlafmangel ist ein sehr wirksames Mittel, dem Gehirn das Lernen sehr nachdrücklich zu erschweren.

Man kann ein Leben lang lernen.

Die Lernfähigkeit verändert sich im Laufe der Lebensalter, sie bleibt aber zeitlebens erhalten!
Erst der Tod beendet das Lernen.

Weiterführende Links

In dieser Website wird das Thema „lernen“ zur Zeit in drei thematischen Artikel-Reihen behandelt:
und es gibt auch Empfehlungen zur Vertiefung:
und schließlich Empfehlungen für Schülerinnen und Schüler:

entwickelt im Frühjahr 2008 und immer weiter um neue Erkenntnisse ergänzt;
zuletzt am 5. Oktober 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

(Wandel lernen – 9)

Zusammenfassung

Im Alltags-Autopilot konsumieren Viele (ich auch) Vieles und Vielfältiges und entscheiden dabei oft nicht bewusst, auch zu verdauen.

Selbst entdecke ich gerade (wieder) die Chance der Unterbrechung oder Pause und der bewussten Entscheidung zur Selbst-Steuerung.

Gewöhnlich konsumiere ich viel.

Wenn ich meine Umgebung und mich selbst beobachte, nehme ich wahr: Viele (zumindest die Mehrheit – mich eingeschlossen) arbeiten und konsumieren viel, ja zu viel und können oft nicht verdauen, was wir uns aus dem reichhaltigen Angebot alles „einverleiben“ und anschauen.

Das geschieht oft ohne bewusste Entscheidung.

Dabei ermüden unsere Entscheidungskräfte angesichts einer überwältigenden Vielfalt und der Dauerverfügbarkeit, so dass eine Änderung nicht einfach erreicht werden kann. Der große Vordenker Peter Drucker stellte dies in einen größeren Zusammenhang und schrieb:

„In einigen Jahrhunderten, wenn die Geschichte unserer Zeit aus einer längerfristigen Perspektive geschrieben wird, werden die Historiker wahrscheinlich weder die Technologie noch das Internet oder den E-Commerce als wichtigstes Ereignis betrachten, sondern die große Veränderungen der Lebenssituation. Zum ersten Mal hat eine erheblich, schnell wachsende Zahl von Menschen die Freiheit zu wählen. Zum ersten Mal müssen sie sich selbst managen. Und darauf ist unsere Gesellschaft in keiner Weise vorbereitet.“

(zitiert nach A. Förster/P. Kreuz: Nein; 36 – zitiert hier Stephen R. Covey: Der 8. Weg)

NEIN hat Konjunktur.

Die Fähigkeit, zu unterscheiden und auch einmal „NEIN!“ zu sagen, wird in diesem Zusammenhang wichtig. Dass Steuerung bei der Selbst-Steuerung beginnt, ist nicht neu, aber immer noch zutreffend. Darauf macht das schon zitierte Vordenkerpaar Anja Förster und Dr. Peter Kreuz in Ihrem Werk NEIN aufmerksam.

Manchmal benötigen wir Freiraum vor Neuem.

Manches Mal muss auch erst die Möglichkeit und der Raum für Nachdenken, Steuern und Entwicklungen geschaffen werden, in dem Gewohntes und Vertrautes einfach gelassen wird.

Über diese Idee einer persönlichen oder auch institutionellen „Entsorgung“, frei nach P. Drucker/Malik hatte ich schon in einem früheren Text einmal geschrieben.

Ich schätze auch Zeiten des Verarbeitens.

Es geht mir hier nicht um Kulturpessimismus oder Abwertung der Medien. Ich schätze die Anregungen über vielfältige mediale Kanäle. Andererseits bemerke ich eine wachsende Sehnsucht nach ungestörtem Nachsinnen, Reflektieren, Meditieren und dann auch Konzipieren. Nach meiner Erfahrung bedarf es der störungsarmen Verarbeitungsphasen, damit ich kreativ sein und auf neue Ideen oder Ansätze kommen kann.
Eine Pionierin der Programmierkunst, Grace Murray Hopper (1906 – 1992), macht allerdings schon auf die Beharrungskräfte aufmerksam und meinte sinngemäß: The most dangerous phrase in the language is, „We’ve always done it this way.“ [Die gefährlichste Redewendung ist „Das haben wir schon immer so gemacht!“]

Ich möchte regelmäßig prüfen, ob ich auf meinem Pfad bin.

So sehe ich die Herausforderung, immer wieder aus dem Autopilot-Modus des gewohnheitsmäßigen Konsums auszusteigen und zu prüfen, ob wir auch verdauen und verarbeiten oder uns vorwiegend unterhalten lassen. Sollte das der Fall sein, könnten wir die unterhaltende Aufnahme von „Neuem“ unterbrechen – und uns entscheiden und selbst steuern.

Advent und die Zeit des Jahreswechsels bergen Chancen.

Der kommende Advent und die Jahreswende können dazu Einladung für persönliche Klausuren sein.

Ganz besonders die Zeit zwischen den Weihnachsfeiertagen und Neujahr hat sich für meine Überrpüfungen als geeignet erwiesen.

Weiterführende Links

  • Kabarettistisch hat Marc-Uwe Kling das NEIN-Sagen mit seinem Spruch „Das steht auf meiner Not-To-Do-Liste!“ in seiner Känguru-Triologie und dem zugehörigen Spiel umgesetzt. – Warum nicht eine eigene not-do-do-list erstellen?
  • Die inspirierende Leitseite von Anja Förster und Dr. Peter Kreuz: www.foerster-kreuz.com

erstellt am 22.11.2016; zuletzt bearbeitet am 18.05.2017       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Das Schuljahr auswerten und sich weiterentwickeln

Wer Lernprozesse bewusst gestaltet, hält ab und an inne

  • schaut zurück
  • erinnert sich an die eigenen Ziele
  • vergleicht das Erreichte damit
  • und entwickelt neue Ziele/Entwicklungsfelder.
Schuljahresauswertung als Chance für die Weiterentwicklung der Lehrkraft

Für mich hat sich bewährt, die Auswertung und Entwicklungsziele schriftlich zu fassen, kollegial auszutauschen und gelegentlich zu überprüfen.

Mögliche Fragen könnten sein

  1. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Schuljahre (auf einer Skala von 0 bis 10)?
  2. Woran erkennen Sie, dass Sie zufrieden sind?
  3. Welche Faktoren sind dafür wesentlich?
  4. Welche Faktoren gefährden den Erfolg?
  5. Welche Entwicklungsfelder nehmen Sie sich für das nächste Schuljahr vor? (Wie werden Sie erkennen, dass Sie dieses Ziel erreicht haben?)
  6. Wie könnten Sie sich selbst am Erfolg hindern?
  7. Wer oder was kann das angestrebte Ziel befördern?
  8. Wie werden Sie das Erreichen Ihres Zieles feiern?

Eine Auswertung des Schuljahres biete ich auch als begleiteten Prozess an.

Am Freitagnachmittag, dem 15. Juli 2016 / in der Zeit zwischen 16 bis 18 Uhr, treffen sich interessierte Lehrkräfte für 60 [1 – 2] bis 90 Minuten [ab 3 Personen] zu einem moderierten Austausch mit kleinen Supervisions- oder Coaching-Elementen (bei Bedarf) zum Preis von 45 €/Person.

Wer ein Interesse hat, melde sich (sehr gerne per E-Mail). Anschließend gibt es ein kurzes Telefonat zur Klärung der Interessenlage und der Rahmenbedingungen. Geben Sie bitte in Ihrer Interessensmail eine Telefonnummer und günstige Kontaktzeiten an. Danke.

erstellt am 16.06.2016; zuletzt bearbeitet am 27.07.2017       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Ehrenamtliche Supervision mit Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit

Einige Gedanken und Reflexionen zur Supervision im Rahmen des Projektes „Ehrenamtliche Supervision von ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit“ (ESEFA) der Freiburger Vereinigung von SupervisorInnen e. V.

1. Ehrenamtliche Supervision mit Ehrenamtlichen – Spiegelungseffekte, die reflektiert gehören

In den Diskussionen unseres berufsständischen Vereines waren wir uns schnell einig, dass wir kein Interesse an Gewinn im Zusammenhang mit der supervisorischen Begleitung der großen gesellschaftlichen Herausforderung entwickeln werden. Wir dachten über unseren Beitrag angesichts der vielen in unser Land geflüchteten Menschen nach.

So entstand die Idee, die Supervision für die Ehrenamtlichen ebenfalls in einem Projekt als kostenloses Angebot, also ehrenamtlich, anzubieten.

Noch mehr als auch sonst lädt diese Konstellation zu Spiegelungs- und Übertragungseffekten ein. Damit wollten wir rechnen und dies selbstverständlich – entsprechend unserer Profession – in Intervisionen und Kontroll-Supervisionen reflektieren.

Umgekehrt bieten sich so auch besondere Interventionsmöglichkeiten, denn der Supervisor kann als Modell für klar begrenztes, strukturiertes und durchdachtes, ehrenamtliches Angebot wahrgenommen werden.

2. Ehrenamtliche Personen haben spezifische Bedürfnisse

Bei ehrenamtlich engagierten Personen entfällt z. B. die gesellschaftlich eingeübte Gratifikation über Entlohnung. So werden andere Bedürfnisse der Anerkennung oder Begründung wichtig.

So unterschiedlich die engagierten Personen sind, so unterschiedliche Bedürfnisse können sie entwickeln und als Motive für Engagement nennen.
Das könnten beispielsweise sein:

  • angenehme Kontakte
  • Sinnstiftung
  • Anerkennung
  • öffentliche Wahrnehmung
  • Horizonterweiterung, z.B. durch Lernen neuer Verhaltensweisen …

Supervisorisch kann die Klärung der Motivation für ehrenamtliches Engagement ein sinnvolles Angebot darstellen.

3. Kulturelle Kompetenzen

Das Feld der Flüchtlingsarbeit bedarf einer reflektierten inter- oder transkultureller Kompetenzen. Diese Aussage könnte fast schon trivial empfunden werden.

Tatsächlich engagieren sich viele Menschen aus einem menschlichen Impuls heraus in diesem Feld und haben dann bald mit möglichen Verwicklungen zu tun, die sich bei näherer Betrachtung als in unterschiedlichen Kulturen gründend entschlüsseln lassen.

Für die Supervidierenden gilt dies selbstverständlich ebenso. Die Aufgabe besteht darin, die eigenen kulturellen Prägungen, Vorlieben und Gewohnheiten und auch Wahrnehmungen und Bewertungen zu entdecken und zu befragen.

Supervisorisch werden diese kulturellen Gewohnheiten und Verwicklungen dargestellt, dechiffriert und alternative Deutungs- und Verhaltensweisen gesucht und hoffentlich auch gefunden.

4. Hoch volatile gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen

Das Feld der Flüchtlingsarbeit findet in einem sich rasend schnell wandelnden Umfeld statt. Phasenweise sind Rechtsnormen faktisch außer Kraft gesetzt gewesen, dann änderte sich die Stimmung und die politische Meinung und die Normen sollen wieder angewendet werden.

Hier wird die Supervision den Umgang mit den – auch wechselnden – Dynamiken, Realitäten und Bewertungen begleiten und die Begrenzungen der Einflussmöglichkeiten reflektieren.

5. Wer darf wie lange bleiben?

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob sich die Begleitung von Personen „lohnt“, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bald abgeschoben werden.
Meine eigene Antwort darauf: Wenn die geflüchteten Personen eine gute Erfahrung machen und/oder etwas lernen können, dann hat sich das Engagement für mich gelohnt.

Tatsächlich müssen die Ehrenamtlichen auch mit der Abschiebung von Betreuten rechnen und die vorhersehbaren Ent-Täuschungen und die Grenzen des Rechts und der Einflussmöglichkeiten können Gegenstand in den Supervisionen werden.

6. Dramatische Themen der Geflüchteten

Schließlich kommen die teilweise dramatischen Erlebnisse und deren Verarbeitung als Inhalte der Kommunikation der Ehrenamtlichen mit den Geflüchteten als herausfordernde Themen noch dazu.

Nicht jede Supervisorin, jeder Supervisor kann und muss Trauma-Experte sein. Es sollte allerdings damit gerechnet werden, dass Trauma-Reflexe oder -Inhalte direkt oder indirekt thematisiert werden.

Professionelle supervisorische Begleitung kennt ihre Grenzen und kann – im Bedarfsfall – auch an traumatherapeutische Fachstellen verweisen.

Supervisorisch könnte mit den Ehrenamtlichen auch an solchen Begrenzungen und Verweismöglichkeiten gearbeitet werden.

Schließlich sollen Supervisorinnen und Supervisoren sich auch immer wieder de-identifizieren, wieder Distanz herstellen und aus dem „Sog des Systems“ heraustreten und so neue Sichten und Zugänge eröffnen.

Einige, weiterführende Links

erstellt am 15.01.2016; zuletzt bearbeitet am 6.05.2016       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

noch schnell … im Advent … (gut leben – 5)

Meine Entscheidung für diesen Advent.

Handschriftlicher Abschied von der Eile im Advent

und wie ich darauf gekommen bin …

Schon wieder Herbst!

Der lange und schöne Spätsommer endet. – Die Zeit scheint zu fliegen.

Eine Chance zur Prüfung

In dieser Jahreszeit nehme ich mir regelmäßig vor, mich neu zu sortieren, Überflüssiges auszusondern, Gewohnheiten zu überprüfen und den Start in den Advent als Chance für neues Üben zu begreifen.

Wie oft spreche ich das Wort „schnell“?

Zur Zeit achte ich auf das Wort „schnell“: Ich habe es mir – wie viele andere – angewöhnt und nutze es häufig. Seit ich darauf achte, verrät das kleine Wörtchen mir die vielfältigen Einladung zu einer antrainierten Eile in meinem Leben.

Anregungen aus Yaloms Anleitung zum Glücklichsein.

Dieses Jahr bin ich von der Dokumentation über Irvin D. Yalom und seine Frau Marylin angeregt, auf ein zufriedenstellendes Leben zu achten: Was würde ich im Rückblick bereuen?

Dann möchte ich es lieber anderes versuchen: Lieber unter­breche ich den Zeitdrang und die gewohnte Schnelligkeit und konzentriere mich auf Wesentliches.

Weiterführende Links

erstellt und zuletzt bearbeitet am 29. November 2014       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

plan- und lustvoll ins neue Schuljahr

Zusammenfassung

Vor dem Unterrichtsbeginn wende ich die Vorfreude und Spannung in vorbereitende Arbeiten: Ziele, eigene Unterstützung und ein Unterstützungsangebot in Freiburg organisieren.

Den Reiz des Anfangs nutzen

Gegen Ende der Sommerferien der Schulen in Baden-Württemberg kribbelt es bei mir und ich empfinde Vorfreude und Spannung vor dem neu beginnenden Unterrichtsjahr.

Diese Energie werde ich für ein paar vorbereitende Arbeiten verwenden.

Ich setze mir ausgewählte Ziele

Aus dem Hintergrund der Auswertung des vergangenen Jahres habe ich mir einige Ziele für das neue gesetzt. Es sollen nicht mehr als drei sein. Sonst wird es zu anstrengend und frustriert.

Hier eine graphische Darstellung meiner Vorhaben:

Start - Ordnung - Brenzung - Ergebnis und Ziel

In den nächsten Tagen werde ich drei Termine in meinen Kalender eintragen: Wann werde ich diese Vorhaben überprüfen und so eventuell noch etwas korrigieren können oder müssen?

Unterstützung durch eine Gruppe zur kollegialen Beratung

Wie die letzten Jahre werde ich mich wieder mehrmals (6-8 Male) im Schuljahr mit ausgesuchten Kolleg/innen zur gemeinsamen Reflexion und Bearbeitung von Fällen treffen.

  • Dabei können wir uns Erfolge anschauen und fragen, wie sie erreicht wurden und wie wir dafür sorgen wollen, dass sie mehrmals erreicht werden können.
  • Häufiger arbeiten wir an herausfordernden Situationen, an „schwierigen“ SchülerInnen, Inhalten, Rahmenbedingungen oder Leitungs- oder Politik-Entscheidungen und suchen nach günstigen Verhaltensweisen.
    Manches ist nicht zu ändern, oder zumindest nicht von den beteiligten Kolleginnen und Kollegen. Dann ist die Aufgabe, eine entsprechende, hinnehmende Haltung dazu zu finden.
    Anderes ist in unserem Einflussbereich. Dann suchen wir nach möglichst vielen Verhaltensweisen, so dass die beratene Person am Ende für sich auswählen kann, was sie versuchen möchte.

Eine bewährte Struktur der kollegialen Beratung finden Sie hinter diesem Link (pdf; 75 KB)

Mein aktuelles Angebot:

Professionelle Unterstützung in einer Supervisionsgruppe für Lehrkräfte
Sollen Sie keine Fallbesprechungsgruppe zur kollegialen Beratung zur Verfügung haben oder Ihnen diese nicht ausreicht, kann ich Ihnen in diesem Schuljahr mit dem Neustart einer Gruppensupervision in Freiburg für Lehrkräfte ein Unterstützungsangebot machen.

Herzlichen Dank an Kolleginnen und Kollegen und meine Schülerinnen und Schüler für viele Anregungen

Ich mag meinen Beruf und schätze besonders die vielen Anregungen und Herausforderungen. Ich habe den Eindruck, ständig Neues lernen zu können. – Dafür danke ich meinen Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen.

Weiterführende Links

erstellt am 3.09.2014; zuletzt bearbeitet am 25.09.2014       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Lehrer-Blogs – sich anregen lassen und von anderen lernen

AutorMichael Veeser-DombrowskiHinterlasse einen KommentarBearbeiten

Zusammenfassung

Bloggen hilft mir zu reflektieren. –
Die Blogger-Szene von Lehrkräften ist lebhaft und anregend:
Hier gibt es Hinweise auf Übersichten und eine Selbstreflexion.

Wieder einen Überblick finden: neue Listen

Die Blogger-Szene ändert sich schnell und ist unüberschaubar geworden. Also sind auch viele, sehr unterschiedliche Lehrerblogs öffentlich.

Manchmal versuchen Kolleginnen oder Kollegen einen Überblick zu gewinnen und – noch seltener – werden Aufrufe zu Vorstellungen und der Wahl zum „Blog des Jahres“ gestartet.

Den neuen Versuch von fontanefan unterstütze ich durch Tipps von Anfang an.

Meine eigenen Blog-Projekte

Selbst betreibe ich diese Hauptseite mit den Schwerpunkten

mindmap zu "bloggend reflektieren" mit den Stichworten: systematisch, methodisch arbeiten; lernen; Professionalisierung

Insofern ist dieses Blog kein lupenreines Lehrerblog.

In einem zweiten, einem Unterrichtsblog zum Religionsunterricht experimentiere ich mit dem Blog-Format als Unterrichtsmedium. Begonnen habe ich mit Ergebnis-Sicherungen und kann mir eine Weiterentwicklung bei Gelegenheit (und verfügbarer Energie) durchaus vorstellen.

Welche Blogs nehme ich selbst wahr?

In meinen beiden Blogs liste ich jeweils aktuell beobachtete Lehrer-Blogs auf. – Tatsächlich beachtet ich diese Kolleg/innen saisonal und je nach Interesse an einem Thema.

Seit dem Spätjahr 2013 lasse ich mich außerdem durch Twitter auf neue Themen aufmerksam machen und habe ausgesuchte Tweets in meinen Hauptblog eingebunden.

Drei wahrscheinlich wenig bekannte, empfehlenswerte Blogs

webcompetent
ein medien- und religionspädagogisches Blog mit vielen Anregungen, den ich sehr schätzen gelernt habe

http://fachschule.blogs.rpi-virtuell.net/
neos digitale Lernlandschaft für Ethik/Religion
Die beiden Blogs von Marion Holzhüter. Sie veröffentlicht seit Beginn des Jahres 2014 aus ihrer reichen Erfahrung mit handlungsorientiertem Unterrichten mit evangelischen Lerngruppen in einer sozialpädagogischen, beruflichen Schule und aus der Ausbildung für Lehrkräfte.
Ich profitiere immer wieder von dieser fleißigen Kollegin: Herzlichen Dank und herzliche Empfehlung.

Herzlichen Dank an fontanefan und die Kolleginnen und Kollegen für viele Anregungen

Nochmals herzlichen Dank an fontanefan für die Initiative und den Anstoß, zur Reflexion und erweiterten Wahrnehmung.

Und Danke an die vielen Kolleg/innen, die ihre Erfahrungen schriftlich reflektieren und anderen verfügbar machen.

Weiterführende Links

erstellt am 5.03.2014; zuletzt bearbeitet am 14. März 2014       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

auswerten und neu ausrichten (Profession Lehrkraft – 16)

Die pädagogische Arbeit als Lehrer empfinde ich als sinnvoll und wichtig.
Ich bin gerne Lehrer!
Weil ich gesund bleiben möchte und die Anstrengungen kenne, werte ich meine Belastungen regelmäßig aus.
Anschließend gleiche ich meine Ziele und Planungen entsprechend an.

Die meisten Menschen wissen, dass körperlichen Ausgleich wichtig ist.

Wie dieser Ausgleich im Alltag eingebaut und auch tatsächlich geübt wird, ist den Neigungen und der Kreativität überlassen. Ich selbst fahre zurzeit regelmäßig Fahrrad.

Wissen Sie auch, wie belastet oder zufrieden Sie mit Ihrer Berufstätigkeit sind?

Wenn Sie das testen wollen, habe ich Ihnen einen Tipp:
Der COPSOQ-Fragebogen (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) zur psychischen Belastungen am Arbeitsplatz kann kostenlos am Rechner ausgefüllt und ausgewertet werden.

Ich speichere die Angaben und Auswertungen bei mir – mit einem Datum – ab und kann so Entwicklungen verfolgen und auch überprüfen.

Nach der Analyse kann ich meine Planung angleichen.

Wenn ich Belastungsquellen ausfindig gemacht habe, wende ich diesem Punkt mehr Aufmerksamkeit zu und plane entsprechend um.

Den Wechsel der Schulhalbjahre empfinde ich dazu als eine günstige Zeit.

Wünsche herausfordernde und zufriedenstellende Arbeits-Erlebnisse und nachhaltige Gesundheit!

Weiterführende Links

erstellt am 6.02.2014; zuletzt ergänzt am 15. Oktober 2016       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

sich lieber begegnen als daddeln – Kampagne gegen Phubbing (gut leben – 4)

Zusammenfassung

Eine Initiative, die mir aus dem Herzen spricht: Smartphones sind tolle Geräte, nur ihre dominante Nutzung in allen unmöglichen Situationen nervt mich – und offensichtlich nicht nur mich.

Jetzt gibt es auch ein Kunstwort dafür aus „phone“ und „snubbing“ (rüffeln, verächtlich abweisen).

Möglichkeiten werden Zwänge.

Wunderbar, was man mit den kleinen und leistungsstarken Geräten alles machen kann – und so praktisch: aus der Hosen- oder Handtasche heraus.

Allerdings kann ich von vielen Gelegenheiten erzählen, in denen die vielen Möglichkeiten der Geräte auch ungewollte Zwänge nach sich ziehen.

recherchieren, schreiben, updaten

Auch wieder zugegeben: Manchmal ist es hilfreich, in einem Gespräch oder auch in einer Entscheidungssituation wichtige Informationen oder Daten zu bekommen: Das Kino- oder Konzert-Programm, die Wetterprognose oder ein historisches Datum.

Meistens – so habe ich entdeckt – kann man auf diese Information in Echtzeit auch ohne Verluste verzichten.

Die Aufmerksamkeit leidet

Entgegen allen Beteuerungen geht ein Teil der Aufmerksamkeit auf die anderen genutzten (oder möglichen) Kommunikations-Kanäle.
(Sogar das Abwehren der Nutzungs-Impulse kostet nachweislich Energie!)

So passiert es, dass jemand nach dem Update seines Kurznachrichten-Dienstes den Verlauf des Gespräches aus dem Blick verloren hat oder dass während eines dienstlichen Gespräches die sms einer wichtigen Person für Ablenkung sorgt.

Das nervt.

Herzlichen Dank an den Initiator Alex Haigh und sueddeutsche.de

Sie schreiben mir aus dem Herzen.

Weiterführende Links

erstellt am 9.08.2013; zuletzt leicht überarbeitet am 13. November 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag