Menschen, Gruppen und Teams bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kommunikativen, leitenden oder pädagogischen Möglichkeiten zu unterstützen und mit ihnen weitere Perspektiven zu (er-)finden, erfüllt mich und macht mich zufrieden.
Hilfreiche Fragen könnten sein:
Was ist Ihre Aufgabe?
Was wollen Sie erreichen?
Was hindert Sie bisher oder stört Sie?
Was können Sie?
Welche Lösungswege haben Sie schon versucht?
Was ist Ihnen schon (teilweise) gelungen; wann?
Die Version für Eilige: tl;dr
Als DGSv-zertifizierter Coach/Supervisor und Fortbildner unterstütze ich Menschen, die mit anderen Menschen arbeiten, Ihre Aufgaben (selbst-)bewusst, erfolgreich, zufrieden und anhaltend gesund zu bewältigen.
In strukturierten Gesprächen und Übungen suchen wir nach Verständnis, Möglichkeiten, verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten.
Grundsätzlich ist mir die Anerkennung bisheriger (Lösungs-)Versuchen wichtig. Anschließend können eingeübte Sicht- und Erlebnis-Gewohnheiten angefragt, eventuell verlassen und damit neue Wege entdeckt, erkundet, erprobt und eingeübt werden.
Mehr Möglichkeiten (er-)finden, Verbindendes wahrnehmen, ermöglichen, anreichern, reflektieren, entscheiden und gut leben, wirksam (zusammen-)arbeiten, (sich) verstehen, entwickeln, wagen und erproben.
Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit
Wer Berufliches oder Ehrenamtliches überwiegend gerne und länger tut und dabei auch reflexiv und selbstreflexiv weiterdenkt und -lernt, wird auf Dauer sehr wahrscheinlich Qualität, Selbstwirksamkeit und daher Sinn und Zufriedenheit erleben.
Anfangenist ein guter Anfang – mit hilfreichen Gewohnheiten und Verstehen, gerne auch in kleinen Schritten
und aufhören – mit Ablenkungen, Abwertungen (von sich selbst und anderen) und Hass
Entwicklung, Lernen, Leiten und Zusammen-Arbeiten kann große Freude machen – wenn wir gemeinsam dabei erfolgreich sind!
Gute Leitungen fördern Leistungen, Kreativität, Lösungen und Zusammenhalt.
Erfolgreiches Lernen (ob in Fortbildungen oder im Unterricht) macht Lernenden, Lehrenden und Leitenden Freude und wirkt nach.
Eine „kollaborative Grundhaltungen“ führt in der Regel zu kreativen und erfolgreichen Arbeitsgruppen, Teams und Kollegien. (Die Rahmenbedingungen sollten stimmen und dafür haben alle Beteiligten mit zu sorgen.)
Dazu möchte ich jeweils Anregungen und Beiträge leisten.
Verständnis und Klärung Ihrer aktuellen Situationen
bisherige (Lösungs-)Versuche
Erweiterung Ihres Überblicks und Suche nach möglichen Entlastungen
Erweiterungen Ihrer Entwicklungschancen für Sie, Ihrer Arbeitsgruppen, Teams oder Kollegien und gelingende Zusammenarbeit.
Ich habe über 22 Jahre unterrichtet und die Entwicklung von Schulen und Kollegien gefördert.
Dazu finden Sie hier Ideen, Protokolle und Reflexionen meines Unterricht, kollegiale Anregungen und Material für den eigenen Unterricht. Gerne lade ich dazu ein, barcamps als Schulentwicklungsinstrument zu nutzen, außerdem rege ich Pädagogische Fallbesprechungs-Gruppen an und bin auch bereit, den Start-Impuls einer solchen Gruppe zu begleiten.
Aktuell können/müssen/dürfen wir alle Gelassenheit angesichts vieler krisenhafter Entwicklungen lernen.
Ich selbst habe gelernt mit technischen Möglichkeiten auch passende Formate für online-Kontakte für Zeitdruck oder angesichts großer Entfernungen bereitzustellen.
Eine mir wichtige, wesentliche Erkenntnis
„Am Ende läuft es darauf hinaus: Balance ist eine Illusion, Balancieren eine Notwendigkeit.“ Reinhard K. Sprenger in Kursbuch 222 (Juni 2025)
Kurz-Information zur Supervision/Coaching
Supervision und Coaching verstehe ich als einen verabredeten und begleiteten Such-, Er-Finde- und Lernprozess zu für Sie passenden Antworten, Lösungen und Perspektiven Ihrer Entwicklung.
Dabei habe ich die gelegentliche Tempo-Verlangsamungen für mehr Genauigkeit als hilfreich entdeckt: Lieber nicht vorschnell behaupten, verstanden zu haben, sondern nochmals prüfen und nach-fragen, die Blickwinkel wechseln und Verhaltensweisen überprüfen und erproben.
Seit 2008 blogge ich hier unregelmäßig, denke dabei schriftlich über meine Projekte nach, vergewissere mich so dabei selbst und teile meine Ideen.
Wenn wir uns gute Ideen mitteilen und sie austauschen, gestalten wir unser Leben und Arbeiten entlastender, angeregter, (selbst-)reflexiver und – so meine Erfahrung – zufriedenstellend. Diesen Austausch fördere ich hier.
Meine Themen sind:
bewusst, neugierig, selbstreflexiv und selbstwirksam arbeiten, entscheiden und gestalten
lernen und lehren mit Spaß: Fortbildung, Leitung, Kooperation, Schule und Unterricht
bewusst engagiert, mehrperspektivisch und belastbar gut leben – auch in ungünstigen Rahmenbedingungen
Ich unterstützeals lebens- und berufserfahrener Coach, Supervisor (DGSv) und Fortbildner überwiegend sozial, lehrend und leitend Handelnde, Ihre Aufgaben zufrieden und anhaltend gesund auszuüben.
14 Jahre unterstützte ich Jugendliche bei ihrer persönlichen Entwicklung und über 22 Jahre habe ich an beruflichen Schul-Zentren mit Technischen Gymnasienunterrichtet und gearbeitet.
Mit Fragen nach Wachstum, Planung, Orientierung, Denken, Lernen, Entscheidungen und Organisation kenne ich mich aus.
eine andere Darstellung meiner Anliegen und Arbeitsweise finden Sie im Berater-Profil
Die erste Grundidee für diesen Text stammt aus 2018; inzwischen mehrfach überarbeitet; zuletzt am 24.05.2025; redaktionell zuletzt bearbeitet am 5. Oktober 2025Drucke diesen Beitrag
Wer kennt nicht die vielen guten Vorsätze, die wir uns gerne zum Geburtstag, am Beginn eines neuen Lebensabschnitts oder an Silvester für das neue Jahr vornehmen?
Viel zu wenig davon wird wirklich wahr; ob im privaten Leben, beim Lernen oder in beruflichen Zusammenhängen. – Warum das so ist?
Vermutlich sind die meisten Vorsätze viel zu allgemein und zu groß. – Der erste Schwung geht angesichts der Anstrengungen bald verloren und die wohlmeinenden Ideen und hochstrebenden Ideale verlieren ihren Einfluss auf das alltägliche Leben. Zum Beispiel stapelten sich bei mir regelmäßig Papier-Berge:
Sich einfach mehr anzustrengen, hilft selten bei der Umsetzung von Vorsätzen!
Solange Verhaltensänderung von außen angetrieben werden müssen, sind alle Beteiligten sehr angestrengt. (Das scheint mir das Grund-Drama in den allermeisten Schulen zu sein.) Da hilft es nicht, den Druck (von außen oder innen) einfach zu erhöhen. – Ich schlage vor, einen anderen Blick auf die Aufgabe zu versuchen:
Mein Vorschlag: Klein beginnen und dranbleiben.
Beginnen Sie klein! Entwickeln Sie neue Routinen für Ihren Tages- und Wochen-Ablauf. Üben Sie längere Zeit – länger als Sie denken, es wäre notwendig!
Ziel-Formulierungen sollen konkret, überschaubar, terminiert und nachprüfbar sein, damit sie auf dem Weg zu einem angestrebten Zustand hilfreich werden können.
Überschaubare Schritte auf dem Weg zu einem angestrebten Zustand können fast alle Menschen beschreiben. Allerdings entwerten die meisten diese ersten Schritte ganz schnell. Sie zweifeln daran, dass man sich mit kleinen Schritten ein langfristiges und hoch gestecktes Ziel erreichen kann. – Ich behaupte: Jede Weltreise beginnt mit einem ersten Schritt. Jede Karriere beginnt mit dem Verständnis der ersten Vokabel der Fachsprache. Jede Beziehung beginnt mit einem ersten, neugierigen Blick zu einem anderen Menschen.
Wenn Sie einen ersten Schritt gefunden haben, so üben Sie diesen ersten Schritt neun Monat lang. Auf diese Weise geben Sie sich die Chance, sich an die neue Verhaltensweise so zu gewöhnen, dass Sie diese auch nach dieser ersten Zeit wahrscheinlich beibehalten. – Überprüfen Sie ihren Erfolg.
Neurobiologische Begründung
Genau das ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Verhaltensänderung: Sie lernen durch Regelmäßigkeit, auch Routine genannt. – Wenn Sie es geschafft haben, einen ersten Monat lang eine neue Vorgehensweise beizubehalten (z. B. angesammelte Stapel am Ende eines Arbeitstages eine Viertelstunde lang zu sortieren und weg zu räumen) , ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie den Sinn dieser neuen Angewohnheit erspüren und sie die inzwischen antrainierte Vorgehensweise weiter beibehalten werden.
Sollte sich die neue Idee als nicht erfolgreich erweisen, ändern Sie diese in einer bewussten Entscheidung so, dass sich ein Weg zum erstrebten Ziel eröffnet. Die neu entwickelte Verhaltensweise halten Sie wieder einen Monat lang durch und ziehen dann erneut Zwischenbilanz. Tatsächlich fest eingeprägt haben sich Routinen dann erst nach vielen Monaten.
Lernkurven verlaufen selten linear, sie mäandrieren eher.
Dazu habe ich eine anregende, künstlerische Performance entdeckt:
Yoann Bourgeois Captivates Audience with Powerful Performance About Life (Original Video)
Ich wünsche Ihnen gute Ideen und viel Erfolg mit Ihren neuen Vorsätzen, besser: Gewohnheiten.
Quellenhinweise
Zum Konzept der intelligenten Selbstregulierung und Eigensteuerung von Lernprozessen wurde ich angeregt durch: JANSEN, Fritz / STREIT, Uta: Positiv lernen. Springer: Heidelberg; 2. Aufl. 2008
Besonders in unübersichtlichen Zeiten – und sicherlich überhaupt im Leben – ist die hier von Rilke ausgedrückte Fähigkeit, das Offene auszuhalten und Vertrauen in Lösungen zu haben, erstrebenswert und hilfreich.
In einem modernen Emoticon, dem shruggy, wird dieser Haltung Ausdruck verliehen:
„… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“
Rainer Maria Rilke
Zitiert aus einem Brief an Franz Xaver Kappus, geschrieben in Worpswede bei Bremen, am 16. Juli 1903
Davon wünsche ich allen Leserinnen und Lesern und auch mir selbst mehr und übe mich selbst darin.
Leben wir unaufgeregt und realistisch mit der Überforderung angesichts der Komplexität:
Wir können die Welt nicht überblicken und die meisten Prozesse nicht steuern!
Rechnen wir humorvoll und zuversichtlich mit einer guten Zukunft.
Handeln wir, wo wir es können.
Ein realistischer Blick auf die komplexe Welt
Wir leben in einer Wachstumsgesellschaft. Es „wachsen“:
Wirtschaftsleistung
verfügbares Wissen
Freiheitsgrade
Energiebedarf
Umweltbelastung
Unübersichtlichkeit
Unsicherheit
und damit die Herausforderungen an einzelne, Gruppen und ganze Gesellschaften, damit umzugehen.
Ein gängiger Bewältigungs-Versuch ist die Reduktion der Komplexität durch das feste, zuweilen fanatische Behaupten einer – meistens – einfachen Wahrnehmung, Meinung oder Deutung.
Was, wenn Kontrolle eine Illusion ist?
Wenn wir uns die Begrenzungen unserer Lösungsansätze eingestehen?
Wie ändert sich das Bild der Welt, wenn wir sie realistisch anschauen und unsere Wahrnehmungen von Wunschdenken oder Größenphantasien befreien?
¯_(ツ)_/¯-Haltung: Gelassen und humorvoll mit Komplexität rechnen.
Mit der ¯_(ツ)_/¯-Haltung können wir entspannt und gelassen in die Welt blicken. – Diskussionen können friedlich und entspannt verlaufen.
Wir haben bisher keine bewährten Verfahren und kaum angemessene Sprache für den Umgang mit Komplexität und tasten uns langsam und mühsam heran. Tatsächlich neigen wir zu sprachlich linearen (und damit vereinfachte) Darstellungen.
Komplexität entsteht andererseits aus der Gleichzeitigkeit sehr unterschiedlicher Phänomene mit ganz unterschiedlichen Logiken, ist demnach genau nicht linear beschreibbar.
Das ist herausfordernd, teilweise verwirrend. Manchmal wird es unangenehm empfunden und fordert „Überforderungsbewältigungskompetenz“. Das ist die Übersetzung des Fachbegriffs „Ambiguitätstoleranz“: Wir sind genötigt, die Gleichzeitigkeit von vielfältigen Widersprüchlichkeiten auszuhalten.
Wie wäre es mit:
humorvoll mit den Schultern zu zucken
uns der begrenzten Reichweite eigener Einsicht einzugestehen
probeweise zu handeln
dabei realistisch zu sein
und auf eine gute Zukunft zu hoffen.
Dafür gibt es im Netz das Emoticon „Shruggie“:
Eine alte Weisheit
In meiner Studienzeit lernte ich die Werke von Hans-Georg Gadamer über die Wissenschaft vom Verstehen, die Hermeneutik, kennen. Herrn Gadamer wird als Haltung für erfolgreiches Verständnis der Satz „Der andere könnte Recht haben.“ zugeschrieben.
Respekt gegenüber den Beweggründen des Gegenübers als Chance
Darauf kann man mit der Hintergrundweisheit der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) ankoppeln: Alle menschlichen Handlungen werden von Bedürfnissen angetrieben. Wenn wir uns dahin empathisch einfühlen, können wir (vielleicht) verstehen und Lösungen er-finden.
Es ist erstaunlich, welche Spiel- und Handlungsräume sich aus der ¯_(ツ)_/¯-Haltung ergeben.
Armin Nassehi: Die letzte Stunde der Wahrheit: Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft. kursbuch.edition; 2. Auflage 2018 gerade gelesen, anspruchsvoll – dazu auch:
Dirk von Gehlen: Freiheit zum Andersdenken (Streitexperiment der sz) Ein aktueller Grundimpulse zu diesen Gedanken mit einer spannenden und funktionierenden Diskussionsidee
oder: Wieviel wird uns ein „enkeltauglicher“ Lebensstil kosten?
Lesezeit: circa 9 Minuten
Die Vorstellung vom ewig wachsenden und sicheren Wohlstand ist zerbrochen. Stattdessen wachsen Sorgen um Klima-Kipp-Punkte, Umweltbelastungen und notwendige, persönliche, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen.
Disclaimer Dieser Textes könnten Sie verunsichern, konfrontieren, aus gewohnter Verdrängung der Problematik herausführen oder zu Wahrnehmungs- und Verhaltensänderungen motivieren.
Update vom Juli 2022 Der Handlungsdruck wird immer massiver, je länger wir einfach Vieles weitermachen. Das wissen wir nach dem letzten IPPC-Bericht von Ende Februar 2022. Lesen Sie den Beitrag bitte trotzdem. Finden Sie Ihre eigene Position zum Thema. Fördern Sie Diskussionen und handeln Sie! Auch wenn jede und jeder „nur“ kleine Schritte geht, so ist Ihr Beitrag einer zur in die gewünschte Richtung. Vielen Dank.
tl;dr
Dissonanzen, Zweifel und Sorgen statt Vorstellungen vom andauernden, komfortablen Wirtschafts- und Wohlstands-Wachstum. | Wir – als menschliche Weltbevölkerung – bewegen uns mit unserer Konsum- und Wachstums-Zug wie auf ein Tsunami-Gebiet zu. Wir diskutieren über die Neigung der Schienen, wer die Mehrkosten für die Umwege bezahlen soll und welche Ziele wir jenseits der Gefahr erreichen wollen. Wir steuern nicht oder noch entschieden genug um! | Ob wir aus dem Zug herauskommen werden, ist unklar. – Ob wir es tatsächlich gemeinschaftlich wollen leider auch noch. – Darüber schlage ich vor, miteinander zu reden – und dann immer dringlicher politisch, wirtschaftlich und auch persönlich zu handeln! – Auch kleine Schritte sind ein Beitrag in die gewünschte Richtung.
1. Ausgangspunkt Klimakrise
Über Details kann man immer weiter streiten, weil Prognosen und Klima-Modelle immer von Vorannahmen ausgehen und diese auch anders angenommen werden können. Und: Die sehr erdrückende Mehrzahl der Forscherinnen und Forscher sind sich einig, dass es eine Erwärmung der Atmosphäre in bisher nicht gekanntem Ausmaß gibt und dieser Prozess weiter drastisch ansteigen wird.
Einige beispielhaft ausgesuchte, anschauliche Zusammenfassungen:
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber erklärt in klarer deutscher Sprache: Vom „Kosmos“ zur „Erdsystemanalyse“ (13.11.2019) in einem Youtube-Video; (z. B. Klima-Kipp-Elemente ab 6:40; zurückgehend auf einen Vortrag von ihm in Oxford schon im Jahr 2000)
Der Meteorologe Özden Terli (https://twitter.com/TerliWetter) spricht im heute-journal vom 13.11.2019 von der überdurchschnittlichen Erwärmung der Meere(13.11.2019)
Weitgehende Einigkeit gibt es auch über mögliche, dramatische Folgen, beispielsweise
Deutlich wie nie zuvor hat der Weltklimarat vor dem Klimawandel gewarnt und drastische Maßnahmen gefordert, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Denn die 1,5-Grad-Grenze werde schon im nächsten Jahrzehnt überschritten (Tagesschau: Die Klima-Zeitbombe tickt. IPCC stellt düstere Prognose im März 2023)
Klimazonen werden sich verschieben, Tiere werden sterben/aussterben, Pflanzen sterben oder bringen drastisch weniger Ertrag …
2. Eigene und verbreitete Schwierigkeiten, zu erkennen und zu reagieren
Eigentlich können durchschnittlich interessierte Zeit-Genoss*innen diese Krisen-Vorhersagen wissen. Oder sie können sie sich erschließen: Die Natur und die natürlichen Rohstoffe sind begrenzt. Die Biosphäre der Erde ist ein zerbrechliches Ökosystem.
Tatsächlich habe ich mich selbst immer wieder mit diesem Themenbündel beschäftigt – und es dann wieder gelassen.
Bei manchen wirtschaftlichen Entscheidungen, wie z.B. der fortgesetzten politischen Bevorzugung des Automobils als Fortbewegungsmittel hatte ich Bedenken. Ich wählte meine eigene Alternative und opponierte gegen vorherrschende Bewertungen. Auch ich bildete mir lange ein, es könne schon irgendwie gut ausgehen. Ohnmacht zu empfinden ist unangenehm. Also hoffte ich – und schaute lieber nicht so genau hin und delegierte die Verantwortung an politische Entscheidungsträger*innen.
Unterstützt wurde diese – vermutlich nicht nur bei mir stattfindende – Vermeidung des Problembewusstseins auch noch von einem Technik-Glauben, der nur zu gerne annehmen wollte, es gäbe für viele Probleme technische Lösungsansätze.
„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“Albert Einstein
Die Verweigerung der dringend notwendigen Problematisierung kann ich mir auch mit dem psychologischen Phänomen des Zuschauereffektes in Gruppen erklären: Eine Gruppe beobachtet etwas Problematisches. Gleichzeitig reagiert niemand aus der Gruppe: Die Verantwortung wird anonymisiert und diffundiert: Weil alle nichts tun, wird angenommen, es sei schon nicht so schlimm.
Hinzu kommt wahrscheinlich eine große Ungeübtheit – vielleicht ist es auch tatsächlich eine kulturelle Überforderung, auf globale Zusammenhänge zu reagieren. Wir Westeuropäer begreifen uns doch sehr individuell. Da fallen kollektive Abstimmungsprozesse schwer: Warum soll ich meinen Lebensstil herausfordern lassen, wenn doch die anderen … Damit entschuldige ich weder mich selbst noch andere. Ich ahne nur, wie wir soweit kommen konnten.
Auch Greenwashing-Einladungen waren und sind für mich und viele verlockend: Wir tun ja etwas für die Umwelt, kaufen BIO-Produkte, verwenden wenig Plastik, verschwenden möglichst wenig Rohstoffe und recyceln. Die gerne genommene Illusion ist dann, das würde ausreichen. Tut es tatsächlich nicht.
3. Daten erheben, sich engagieren statt wegzuschauen!
Im Zusammenhang mit Unterrichtsvorbereitungen zum Oberstufen-Thema Zukunft konnte ich mich der Daten- und Nachrichten-Lage nicht mehr länger verschließen. Ich recherchierte und suchte meinen eigenen Standpunkt.
Viele Gespräche, die ich wagte, zeigten mir das erschreckende Bild, dass in meiner Umgebung viele Menschen die Bedrohung wahrnahmen, aber – wie ich – zu keinen entschiedenen Handlungen fanden.
Bei Mahatma Gandhi habe ich gelernt, man könne bei sich selbst mit dem Gewünschten beginnen:
Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.Mahatma Gandhi
Das ist tatsächlich nicht einfach, aber es ist immerhin in unserem Einflussbereich und damit möglich.
4. Postwachstums-Ökonomien: Verzicht und Gewinn
In Diskussionen über meinen vormaligen Hoffnungs-Ansatz, dass wir die notwendigen technischen Lösungen schon finden würden, wurde ich durch einen Freund mit naturwissenschaftlicher Ausbildung auf Prof. Dr. Niko Peach, einen Postwachstumsökonomen, aufmerksam. Herr Peach beeindruckte mich durch sehr kenntnisreiche und gleichzeitig unaufgeregt-humorvolle Darstellung der Menschheitssituation in der ökologischen Krise.
Seine Hauptaussage ist bitter und realistisch: Ein Weiter-So mit der Erwartung eines fortdauernden Status-Quo-Schutzes für unseren Wohlstand ist keine Lösung, sondern verstärkt das ökologische Problem progressiv.
Seine Ideen sind radikal – im guten Sinne von „an der Wurzel ansetzend“. Dabei formuliert er, dass wir seit mindestens 30 Jahren auf ökologischen Kredit leben und umdenken und umsteuern müssen. Wir sind gerade dabei, die Biosphäre der Erde dauerhaft so zu schädigen, dass menschliches Leben darin sehr unangenehm werden wird.
Im Klartext:
Wir sollen verzichten
auf eine auf Wachstum setzende Wirtschaft
damit auch auf einen Teil unseres materiellen Wohlstands
auf die Hälfte der klassischen Erwerbsarbeit in der bisher bekannten Form.
Wir können auch gewinnen
weniger beruflichen Stress
mehr Sozialzeit; z. B. für Partner*innen, Kinder, Freunde und die Pflege von lieben Menschen
mehr Selbstvorsorge-Handlungen; z. B. für Reparaturen von Maschinen und alltägliche Gegenstände und Selbsterzeugung von Nahrungsmitteln
Das sind ungewöhnliche Ideen. Sie können Lösungswege sein.
Schon länger kenne ich die Ideen einer Gemeinwohl-Ökonomie, wie sie Christian Felber verbreitet. Hauptanliegen dieser Denkrichtung sind, die Zielrichtung der wirtschaftlichen Aktivitäten nicht auf die Gewinn-Maximierung zu begrenzen, sondern anzunehmen, dass Wirtschaft vor allem der Bedürfnisbefriedigung der Menschen dienen solle und dabei keine Zusammenhänge erzeugen soll, die Menschen, Gemeinschaften oder Umwelten schädigen. Soweit ich den Ansatz verstanden habe, wird die Steuerung über einen variablen Mehrsteuersatz organisiert: Wer also mehr Schaden anrichtet, bezahlt mehr.
An dieser Stelle scheinen sich die Ideen von Herrn Prof. Dr. N. Peach und Herrn Chr. Felder zu berühren.
5. Diskussionen, auch Probehandlungen und die Rollen-Wahl jeder einzelnen Person erscheinen mir notwendig
Eine Einigkeit, wie auf die ökologische Krise (also weit mehr als nur die Klimakrise) reagiert werden kann, kann ich derzeit nicht sehen. Ich kann nicht erkennen, wie wir dahin kommen können.
Die politischen Akteure fürchten um ihre Wiederwahl. Viele Wählerinnen und Wähler befürworten Klimaschutzmaßnahmen grundsätzlich, reagieren aber kritisch, wenn diese spürbare Kosten für sie verursachen.
Hier sind alle gefordert, zügig – d.h. jetzt(!) – zu handeln
Wähler*innen, die Entscheidungsträger*innen und die politischen Akteure sollen sich in die Meinungsbildung einmischen und andere – als die von Politiker*innen befürchteten – öffentliche Stimmungen bewirken. Das wünsche ich mir.
Auch bewusste Probehandlungen, also alternative Lebensweisen zur aktuellen, konsumorientierten sind dringend notwendig. Wie oben angedeutet: Ab jetzt leben, wie man es sich (von anderen) wünscht.
Einige Beispiele
Efeu als nachwachsendes Wachmittel Herkömmliche, häufig in Plastik verpackte Waschmittel ersetzen wir in der Familie seit über einem Jahr durch den natürlichen Rohstoff Efeu.
Natron-Pulver als Deo funktioniert ganz gut.
werkstattüberholte, aufbereitete Gebrauchtgeräte, z. B. PCs statt neu produzierten Hightech-Geräten kaufen. In der Regel funktionieren diese genauso, sind nur eben nicht hipp.
regional produzierte Produkte kaufen spart Transportwege und damit „Umwelt-Kosten“
Autofahrten möglichst reduzieren oder gar vermeiden (geht erstaunlich oft)
Echte Herausforderungen, die ich gerne sportlich nehme. – Ich sehe keinen anderen Weg.
Bin gespannt, wie dieses Groß-Experiment weiter geht.
Eine umfangreiche Hilfestellung für die konstruktive Kommunikation zum Thema „Klima“: Handbuch Klimakommunikation (mit Zusammenfassungen und Video-Schnippsel; als Buch oder kostenloser pdf-download und als podcast) von klimafakten.de
Mehrheitsentscheidungen führen immer wieder zu unangenehmen Wirkungen. Machtspiele sind lästig und langfristig schädlich, zum Beispiel, weil sich weniger mächtige als „Verlierer und Verliererinnen“ empfinden.
Immer den Konsens in einem Gespräch zu suchen, kann anstrengend sein!
Ein pfiffiger Perspektiven-Wechsel führt zu unerwartet hoch akzeptierten Lösungen: durch „konsensieren“.
Mehrheitsentscheidungen haben deutliche Nachteile.
Immer wieder wird begründet bezweifelt, ob die üblichen Mehrheitsentscheidungen günstig sind, denn es gibt häufig „Verlierer“ oder taktisch Unterlegene.
Im privaten Bereich und in kleinen Gruppen geben wir uns normalerweise Mühe, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung – also einen guten Konsens – zu finden. Die Schäden an den Beziehungen wären sonst einfach zu hoch.
Wie kann dieses Prinzip auch für größere Gruppen mit verträglichem Aufwand angewendet werden? Wir suchen auch dort Lösungen, die für die allermeisten Fälle ohne „Verlierer“ oder „Überstimmte“ ausgehen könnten.
Der Dreh: Die Perspektive wird auf die Widerstände gegen die einzelnen Optionen gewendet. Das heißt, die normalerweise schwarz-weiß unterscheidende Mehrheitswahl wird in Stufen aufgebrochen. Jede Lösungsmöglichkeit wird nach „Widerstand“ auf einer Skala von 00 (ohne Widerstand = eine mögliche Ja-Stimme im Mehrheitswahlmodus) bis 10 (geht gar nicht = mögliche Nein-Stimme im Mehrheitswahl-Modus) bewertet und anschließend verrechnet.
Vorteile
In einer ersten Zwischenphase können weitere Lösungen oder Lösungsvarianten vorgeschlagen werden. Damit ergibt sich eine deutliche Steigerung der Beteiligungsmöglichkeiten.
Der Charme dieser Vorgehensweise ist, dass man mit diesem Verfahren mehrere Ja- oder Nein-Stimmen und auch noch alle Abstufungen dazwischen zu allen zur Auswahl stehenden Möglichkeiten abgeben kann.
Die Konsens-Lösungen werden sehr gut von allen aus der Entscheider-Gruppe akzeptiert.
Allermeist gibt es keine „Verlierer“; alle sind am erfolgreichen Konsens beteiligt. (Manchmal ist eine Moderation sinnvoll.)
Der Fokus wird durch das Verfahren auf kreative und sinnvolle Lösungen und weg vom reinen Macht-Erhalt verschoben. (Darum kann man das Verfahren mit Recht „systemisch“ nennen.)
Nachteile
Das Verfahren entspricht nicht unseren eingeübten Wege und Erwartungen. Es bedarf einer Hin- und Einführung.
Es ist aufwändig (zeitlich und inhaltlich).
In den meisten Geschäftsordnungen von Entscheidungsgremien sind Mehrheitsentscheidungen als Standard-Verfahren festgelegt. Daher muss nach dem Konsensieren noch ein formaler Mehrheitsbeschluss über die einvernehmlich gefundene Lösung herbeigeführt werden. (Das sollte dann auch kein wirkliches Problem mehr darstellen.)
Ein leistungsfähiges – und kostenpflichtiges – online-Tool
Meine ersten Tests in 2017 mit https://www.konsensieren.eu/de/ sind positiv verlaufen. Inzwischen habe ich das Verfahren vielfach erproben. Beispielsweise wurde es bei Entscheidungen über Wahl-Themen im Unterricht einsetzt. Manchmal waren allerdings entweder das Schulnetz oder die Server des Anbieters – oder gar beide – überfordert,
Seit einiger Zeit gibt es ein leistungsfähigeres und intuitiv nutzbares Nachfolge-Werkzeug: acceptify
Noch einige, wenige Tipps für den Admin / den Anlegenden:
Ich arbeite in der Regel mit wenig Sicherheit und hoher Anonymität, d.h. mit öffentlichem Link und ohne Anmeldung via Email-Adresse. Das setzt ein gewisses Vertrauensverhältnis unter den Teilnehmenden voraus.
Legen Sie bitte fest, dass das Ergebnis schon vor Ende des Bewertungszeitraumes sichtbar wird!
Ich finde es sinnvoll, die sogenannte „Passivlösung“ auszuschließen, also die Teilnehmer*innen zu nötigen, sich die Mühe der Positionierung auch wirklich zu machen.
Oft bitte ich die Teilnehmenden, auf Fragen und Variationen der Themen zu verzichten und kläre die Alternativen vorher. Das spart Zeit und schränkt ein.
Weniger komfortabel und optisch anspruchsvoll und genauso wirksam sind andere Tool
Selbst arbeite ich z.B. mit mentimeter.com. Nur die Überschrift wird entsprechend angeglichen und es wird nach Widerstand gefragt.
Update März 2024: ein neues, kostenfreies Werkzeug https://konsens.it/de/
Dazu einige wenige Tipps:
In jedem Fall sollten Sie einen Phasen-Code festlegen, um später den Zeitraum für die Entscheidungsphase ändern zu können und ein (unabsichtliches) Löschen der Frage zu vermeiden.
Man kann die Vorschlagsphase auf diesem Weg (durch Eingabe des Phasencodes) ebenfalls zu einem eigens bestimmenten Zeitpunkt beenden.
Wenn eine anonymisierte Umfrage angestrebt ist, sollten die Teilnehmenden zur Eingabe von Phantasienamen aufgefordert werden, sonst kann nach der Abstimmung den Namen das Abstimmungsverhalten zugeordnet werden.
Nein, ich werde in diesem Jahr keine Pause mit dem traditionellen Impulstext zum Start in den Advent einlegen.
Aktuell gibt es eine Vielzahl bedrückend-drängender Themen. Mit einigem Recht darf man sie Krisen nennen. Manche finden auch schon sprachliche Neubildungen wie „Polykrise“ dafür. Die mediale Aufbereitung kann überschwemmen und die Summe der Nachrichten mut- und kraftlos machen. An manchen Tagen habe ich mich auch schon entschieden, keine weiteren (Krieg-)Nachrichten aufzunehmen, um mein mentales Gleichgewicht zu bewahren.
Resignation und Mutlosigkeit sind für mich keine sinnvollen Optionen.
Allerdings werde ich älter. Dadurch konnte, wolle und musste ich lernen, sorgfältig auf meine Kräfte und Erholungsphasen zu achten. Tatsächlich war es in diesem Jahr eine Zeitlang unsicher, ob es diesen traditionellen Impulstext zum Start in den Advent 2022 auch dieses Jahr wieder geben würde.
Schlussendlich habe ich entschieden, genau diesen Bedarf nach Energie und Durchhaltevermögen zum Thema meines diesjährigen Impuls-Textes zu machen. Ich schreibe diese schließlich auch für mich selbst und suche dabei auch für mich Klarheit und Übersicht.
Unterbrechen wir die alltägliche Geschäftigkeit, nehmen wir uns Pausen!
Tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, die gerne (und auch viel) arbeiten. Nur ist es sicher ungesund, dies rund um die Uhr zu versuchen.
Unterbrechungen, Distanzierungen und Perspektivenwechsel verhelfen häufig zu neuen Einsichten und fördern damit Qualität. Darum schätze ich Unterbrechungen und nehme mir dafür Zeit. Dafür muss man sich auch nicht das Rauchen angewöhnen. Bewusste Pausen und Verteidigung dieser zweckfreien Zeiten kann auch schon bedeutsam und wirkungsvoll sein.
In meinem Hauptberuf als Lehrkraft gibt es immer mal wieder die unangenehme Tendenz, „noch schnell in der Pause“ eine Absprache zu treffen oder etwas zu organisieren. Manchmal werden sogar Konferenzen in die „Pausenzeiten“ gelegt. Dann werde ich rebellisch. Ich verteidige meine wirkliche Pause und behaupte ‑ außer in Krisensituationen ist es möglich ‑ die Arbeit regelmäßig für Pausen zu unterbrechen.
Mit Abstand kann auch der Luxus eines Meinungswechsels möglich werden
Wer aus dem Trott und den täglichen und lieb gewonnenen Angewohnheiten und Annahmen heraustreten kann, findet neue Perspektiven und könnte auch seine Meinung ändern.
Die Änderung der eigenen Meinung braucht ein viel besseres Image.
Journalist und Autor Dirk von Gehlenhttps://www.instagram.com/p/CeWOI8aKaM_/
Dirk von Gehlen regt mich regelmäßig zum Nachdenken an. In der durch die Mechanismen der interaktiven Medien-Kultur radikalisierten, öffentlichen Gesprächsatmosphäre klingt dieses Zitat für mich wie Balsam. Tatsächlich benötigen wir meiner Meinung nach nämlich mehr Nachdenklichkeit, Faktenorientierung und Beweglichkeit und weniger Lautstärke in den Lösungsversuchen oder Fundamentalismus zu wichtigen Fragen. Da hilft, sich selbst und sein Selbst-Marketing weniger wichtig zu nehmen als sachliche Argumente und sich inhaltlich beweglich zu halten.
Wer gewohnte Geschäftigkeiten unterbricht und sich eine Pause gönnt, gewinnt oft neue, wertvolle Perspektiven.
Der Herbst, Advent, Weihnacht und die Jahreswende bieten Gelegenheiten, sich Muße, Unterbrechungen, Pausen und Perspektivenwechsel zu gönnen. Ich wünsche Ihnen und mir, dass es gelingt, nachzusinnen, sich zu überprüfen, zu relativieren und eventuell Positionen oder Meinungen zu wechseln.
So wünsche ich Mut für Unterbrechungen, Erholung und Gesundheit und Zuversicht und einen guten Start in das neue Jahr 2023!
Weiterführende Quellen und Verweise
Ronja von WURMB-SEIBEL: Wie wir die Welt sehen. Was negative Nachrichten mit unserem Denken macht und wie wir uns davon befreien können. Kösel. München, 2. Aufl. 2022
Sinn entsteht immer dann, wenn Menschen das, was sie tun, mit dem in Verbindung bringen, was ihnen wichtig ist.
Viktor E. Frankl
Viele, immer dringlicher werdende Krisen
Im Herbst 2021 häufen und bündeln sich bei mir die Wahrnehmungen vielfältiger globaler Krisen und ich erkenne dabei eine wachsende Dramatik:
Biodiversität
Klima
Corona
Legitimation von Institutionen und auch Staaten
Hass-Äußerungen und Fake-News
Wachsende Ungerechtigkeit
Die Dringlichkeit wird übersehen und Lösungsschritte nur versprochen, statt umgesetzt.
Manche Krisen-Wahrnehmungen werden sicher durch die interaktivere und digital getriebene Kommunikation verstärkt, manchmal auch verzerrt oder verkürzt.
Dramatisch erscheint mir nicht nur die Vielzahl, sondern ich erkenne auch ein fatales Muster: Die Menschheit, die politischen Leitungen und auch wir Einzelnen haben offensichtlich größte Mühe, Auswirkungen komplexer Zusammenhänge über längere Zeit vorherzusehen, Handlungsmöglichkeiten abzuleiten und uns dann für die beste zu entscheiden. Auf langen Aushandlungswegen gehen häufig verbindliche Entscheidungen für konkrete Handlungen verloren. Stattdessen werden Meinungen und Ankündigungen veröffentlicht und der Medien-Circus zeigt sich beeindruckt, zufrieden, vielleicht sogar begeistert. Genau das beobachtete ich bei der Klimakonferenz in Glasgow: Wieder wurden konkrete Lösungs-Handlungen gescheut und dann vertagt.
Für Einzelne sind diese komplexen Herausforderungen unlösbar.
Leider habe ich weder für mich persönlich noch für größere Zusammenhänge Lösungen anzubieten.
Mir scheint, Einzelpersonen können das einfach auch nicht ändern. Die Lösung liegt wesentlich in politischen Weichenstellungen. So übe ich mich im gelassenen Ansprechen und Aushalten.
Verzweifeln ist keine Option
Andererseits: Verzweifeln ist keine Option für mich! Solange ich handlungsfähig bin, werde ich mich für ein sinnerfülltes Leben entscheiden wollen. – In diesem Zusammenhang hat mich Viktor E. Frankl – der Athlet der Bewältigung von Sinnkrisen – beeindruckt und darum zitiere ich Ihn hier zu Beginn dieses Textes.
Für mich ergeben sich daraus zwei Bereiche für meine Aufmerksamkeit:
1. Sinnvolles Handeln kann helfen – in der Krise und mir selbst
Das vor uns liegende, christliche Weihnachtsfest kann dazu ein Fingerzeig sein:
„Das Geheimnis der Weihnacht besteht darin, dass wir auf unserer Suche nach dem Großen und Außerordentlichen auf das Unscheinbare und Kleine hingewiesen werden.“ (unbekannter Autor)
Ich engagiere mich in ausgewählten Bereichen persönlich, achte auf meinen eigenen „ökologischen Fußabdruck“ und versuche meinen kleinen Einflussbereich sinnvoll zu nutzen. Gelegentlich engagiere ich mich auch politisch.
Handeln – auch im Kleinen – hilft mir, mit der oft ausweglos wahrgenommenen Situation klarzukommen und kann ich darum auch anderen weiterempfehlen.
Niemand ist zur „lebenslangen Pflege der Probleme“ verpflichtet. Dazu hatte ich auf twitter am 3.02.21 einen Gedanken gefunden:
Bei guter Pflege halten hochwertige Probleme ein Leben lang.
2. Selbstfürsorge
Ich pflege sorgsam meine Fähigkeit, gesund zu bleiben, mich berühren zu lassen und dabei nicht in Sinn- oder Mutlosigkeit zu ertrinken. Fachsprachlich wird diese Fähigkeit als Resilienz bezeichnet.
Neulich habe ich auf twitter dazu einen weiteren Gedanken geschrieben:
Gute Wünsche
Von Herzen wünsche ich gute Adventszeit, sinnerfüllte Weihnacht, einen erholsamen Jahresausklang mit vielen aufbauenden Kontakten, stabile Gesundheit und einen zuversichtlichen Start ins neue Jahr mit mancher sinnvollen Handlung.
maiLab: Welle X: zur aktuellen, der vierten Welle und was jetzt zu tun ist
Schon sehr denkwürdig-verrückte Zeit, wenn die ursprünglichen Spaßmacher in den ernsten Ton wechseln (müssen), um das Notwendige zu sagen: DIE ANSTALT vom 7. Dezember 2021 zur zweiten Corona-Weihnachtsfeier.
entwickelt im November 2021; zuletzt einen Link verändert am 26.02.2025 Drucke diesen Beitrag
Im Alltags-Autopilot konsumieren Viele (ich auch) Vieles und Vielfältiges und entscheiden dabei oft nicht bewusst, auch zu verdauen.
Selbst entdecke ich gerade (wieder) die Chance der Unterbrechung oder Pause und der bewussten Entscheidung zur Selbst-Steuerung.
Gewöhnlich konsumiere ich viel.
Wenn ich meine Umgebung und mich selbst beobachte, nehme ich wahr: Viele (zumindest die Mehrheit – mich eingeschlossen) arbeiten und konsumieren viel, ja zu viel und können oft nicht verdauen, was wir uns aus dem reichhaltigen Angebot alles „einverleiben“ und anschauen.
Das geschieht oft ohne bewusste Entscheidung.
Dabei ermüden unsere Entscheidungskräfte angesichts einer überwältigenden Vielfalt und der Dauerverfügbarkeit, so dass eine Änderung nicht einfach erreicht werden kann. Der große Vordenker Peter Drucker stellte dies in einen größeren Zusammenhang und schrieb:
„In einigen Jahrhunderten, wenn die Geschichte unserer Zeit aus einer längerfristigen Perspektive geschrieben wird, werden die Historiker wahrscheinlich weder die Technologie noch das Internet oder den E-Commerce als wichtigstes Ereignis betrachten, sondern die große Veränderungen der Lebenssituation. Zum ersten Mal hat eine erheblich, schnell wachsende Zahl von Menschen die Freiheit zu wählen. Zum ersten Mal müssen sie sich selbst managen. Und darauf ist unsere Gesellschaft in keiner Weise vorbereitet.“
(zitiert nach A. Förster/P. Kreuz: Nein; 36 – zitiert hier Stephen R. Covey: Der 8. Weg)
NEIN hat Konjunktur.
Die Fähigkeit, zu unterscheiden und auch einmal „NEIN!“ zu sagen, wird in diesem Zusammenhang wichtig. Dass Steuerung bei der Selbst-Steuerung beginnt, ist nicht neu, aber immer noch zutreffend. Darauf macht das schon zitierte Vordenkerpaar Anja Förster und Dr. Peter Kreuz in Ihrem Werk NEIN aufmerksam.
Manchmal benötigen wir Freiraum vor Neuem.
Manches Mal muss auch erst die Möglichkeit und der Raum für Nachdenken, Steuern und Entwicklungen geschaffen werden, in dem Gewohntes und Vertrautes einfach gelassen wird.
Es geht mir hier nicht um Kulturpessimismus oder Abwertung der Medien. Ich schätze die Anregungen über vielfältige mediale Kanäle. Andererseits bemerke ich eine wachsende Sehnsucht nach ungestörtem Nachsinnen, Reflektieren, Meditieren und dann auch Konzipieren. Nach meiner Erfahrung bedarf es der störungsarmen Verarbeitungsphasen, damit ich kreativ sein und auf neue Ideen oder Ansätze kommen kann. Eine Pionierin der Programmierkunst, Grace Murray Hopper (1906 – 1992), macht allerdings schon auf die Beharrungskräfte aufmerksam und meinte sinngemäß: The most dangerous phrase in the language is, „We’ve always done it this way.“ [Die gefährlichste Redewendung ist „Das haben wir schon immer so gemacht!“]
Ich möchte regelmäßig prüfen, ob ich auf meinem Pfad bin.
So sehe ich die Herausforderung, immer wieder aus dem Autopilot-Modus des gewohnheitsmäßigen Konsums auszusteigen und zu prüfen, ob wir auch verdauen und verarbeiten oder uns vorwiegend unterhalten lassen. Sollte das der Fall sein, könnten wir die unterhaltende Aufnahme von „Neuem“ unterbrechen – und uns entscheiden und selbst steuern.
Advent und die Zeit des Jahreswechsels bergen Chancen.
Der kommende Advent und die Jahreswende können dazu Einladung für persönliche Klausuren sein.
Ganz besonders die Zeit zwischen den Weihnachsfeiertagen und Neujahr hat sich für meine Überrpüfungen als geeignet erwiesen.
Weiterführende Links
Kabarettistisch hat Marc-Uwe Kling das NEIN-Sagen mit seinem Spruch „Das steht auf meiner Not-To-Do-Liste!“ in seiner Känguru-Triologie und dem zugehörigen Spiel umgesetzt. – Warum nicht eine eigene not-do-do-list erstellen?
Die inspirierende Leitseite von Anja Förster und Dr. Peter Kreuz: www.foerster-kreuz.com
Neulich wurde ich gebeten, zum Thema „Änderung der Konferenzstruktur in Schulen“ zu schreiben.
Mir scheint das Thema deutlich komplexer, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.
Viele Änderungs-Impulse scheitern
Am Beispiel der Verbesserung der Konferenz-Vorbereitung und Durchführung gibt es viele klugen Vorschläge. Auch ich habe dazu schon beigetragen:
Mein Vorschlag war, schon bei der Sammlung der möglichen Tagesordnungspunkte die Teilnehmenden einzubeziehen und nach Ziel, passender Methode, Zeitbedarf und Moderation zu fragen.
Dieser Veränderungsversuche von Konferenzkultur wurden auch erprobt und hatten – nach meiner Einschätzung – auch eine Zeit lang funktioniert.
Langfristig rekonstruieren sich die Zustände vor den Veränderungsimpulsen aber wieder und es bleibt Vieles, wie es schon vorher lange war.
Dazu vertrete ich inzwischen die These:
Konferenzen sind ein Ausdruck der Organisationskultur (in meinem Beispiel: der Schule) und können nachhaltig nicht als losgelöste Elemente geändert werden. – Wohlmeinende Versuche werden oft darin münden, dass die alte und lange eingeübte Struktur sich wieder herstellt. (Viele sind erstaunt, manche enttäuscht.)
Erklärungsversuche
Wer sich länger mit der Dynamik von Systemen, den Gesetzmäßigkeiten von Organisationen (hier am Beispiel des Systems Schule) beschäftigt hat, der wird nicht überrascht werden:
In Konferenzen wird eine wesentlicher Ort der Kommunikation in der Organisation (der Schule) sichtbar und greifbar.
Damit kommen mindestens diese weiteren Themen mit ins Spiel
Selbstbilder der Kollegen
Leitungsvorstellung
Konflikt-Kultur
veröffentliche Werte und Verfahren (Leitbild) besonders der Thema „Gestaltung von Veränderungen“
und – ganz wesentlich – die Identitätsfrage: Wer sind wir und wollen wir sein?
Auch Systeme können zu Entwicklungen angeregt werden!
Die Anzahl gescheiterter Änderungsversuche in meinem Wahrnehmungsbereich ist groß. Dies heißt nur, dass es nicht so einfach ist, eine Organsiation zu Veränderungen anzustoßen, wie dies vielleicht auf den ersten, naiven Blick angenommern werden könnte. Sehr oft werden die Beharrungskräfte von Organisationen deutlich unterschätzt.
Bedingungen für den Erfolg solcher Anregungen sind die eingehende Beschäftigung mit
dem Veränderungswillen und was dieser für die Organisation bedeutet
der Kultur der Organisation (besonders im Umgang mit Irritationen)
den Systembedingungen (Wie definiert sich das System? Nach welchen „Spielregeln“ lebt das System?)
Schließlich kann dann bewusst, mit Nachdruck und einem langen Atem interveniert und aufmerksam registriert werden, wer und was sich bewegt und wie die Organisation sich verändert.
Wer Systeme zu Entwicklungen anregen möchte, benötigt ein hilfreiche Theorie.
Wer Systeme mechanisch versteht, missversteht sie gründlich. Einladungen zu diesen Missverständnisse aus unserem Alltgasbewusstsein sind reichlich. Systeme sind aber wesentlich komplexer, als wir normalerweise wahrnehmen!
Was Lisa Roth hier schreibt finde ich allgemein für Organisationen anregend. Herr Willke behandelt ja auch ganz allgemein „Interventionstheorie“.
Ich las ihren und seinen Text mit großem Gewinn und auch mehrfach und empfehle beide gerne weiter.
Das Buch von Helmut Willke lohnt sich: Es ist anspruchsvoll und verständlich – eine wohltuende Mischung aus sorgfältiger Beobachtung und erhellender Theorie.
Weiterführende Links
Die Arbeit von Otto Scharmer und dem Presencing Institute kann einen Hinweis auf hilfreiches Leitungsverhalten geben.
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