Unterricht verbessern

Lehrerinnen und Lehrer können durch regelmäßige Auswertungen

  • ihre Erfolge realistisch einschätzen,
  • erfahren, wo der Unterricht verbessert werden soll,

und organisieren so einen fortlaufend verbesserten Unterricht.

Ich empfehle:

  1. konzeptorientiert und (schriftlich) vorbereitet zu unterrichten
  2. regelmäßig auszuwerten (mit Feedback von Schüler/-innen und selbst)
  3. Verbessungsideen zu notieren
  4. Unterrichts-Entwürfe in konzentrierten Phasen zu überarbeiten

Weiterführende Hinweise:

  • Ein Konzept und eine schriftliche Vorbereitung zu haben, hilft auch, nach dem Unterricht zu entscheiden, ob dieser Unterricht gut – mäßig oder schlecht (sehr verbesserungswürdig) war.
  • Regelmäßige Auswertungen (mit Schüler/-innen und ohne sie) schafft Sicherheit zur Frage, was noch zu verbessern ist.
    Am Ende jeder Unterrichtseinheit halte ich eine kurze Auswertung mit Versicherung des Zugewinns durch den Unterricht und Lernprozessen drum herum für sinnvoll.
    Hier ist auch der Platz, die Schüler/-innen nach Verbesserungs-Ideen und -Wünschen zu fragen. – Manche gute Anregung verdanke ich solchen Rückmeldungen.[Aktualisierung aus 2021] Inzwischen befrage ich die Schüler/-innen über das online-Werkzeug mentimeter.com und sichere so die Rückmeldungen ohne viel Aufwand und übertrage Anregungen zu den entsprechenden Unterrichts-Themen (oder schreibe sie in die Dateien mit den Unterrichtsplänen oder der Unterrichtsübersicht in den „To-Do-Kasten“).
    Wesentlich dabei ist, dass ich diese Anregungen für eine Überarbeitung wieder finde.
  • Wenn das Unterrichtsthema das nächste Mal unterrichtet wird, kann ich mich entscheiden, ob die Überarbeitung in die normale Unterrichts-Vorbereitung passt, oder ob dafür einen konzentrierte Extra-Zeit für einen grundsätzlichere Überarbeitung eingeplanen sollte.
    Manche Veränderungen sind tatsächlich schnell und unkompliziert einfach einzubauen, bei anderen Verbesserungen stellen sich Grundsatzfragen und die Gesamt-Konzeption des Unterrichts ist betroffen. Dann sind konzentrierte Phasen der Verbesserungsarbeit in einer zusamenhängenden Arbeitsphase sicher sinnvoller.
  • Auch kollegiale Unterrichtsbeobachtung kann Hinweise zur Verbesserung der Unterrichts-Qualität geben. Dazu gibt es reichlich anregende Arbeitsmittel auf dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg. (3. Auflage 2022; pdf).

Interessante Links:

entwickelt im Frühjahr 2010;
zuletzt ergänzt am 5. Oktober 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Warum der Lehrerberuf wunderbar ist: Reflexionen und Ermutigungen (Profession Lehrkraft – 24)

1. Ich gehe in einer positiven Grundstimmung, bin gerne Lehrer und habe bis zum Ende Freude am Unterrichten

Lehrkräfte haben eine wunderbare, bedeutsame, sinnvolle (manche sagen auch „machtvolle“) Aufgabe: Wir dürfen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei Ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Entwicklung begleiten.
Ende Juli 2024 beende ich meine Tätigkeit an beruflichen Schulen nach 22 Jahren. Ich möchte diese lange Zeit mit einer ermutigenden Bilanz meiner Arbeit abschließen.

Mit der Veröffentlichung dieses ausführlichen Blog-Beitrags trage ich dazu bei, die Redezeit in der Abschluss-Konferenz Ende Juli kurz zu halten.

Ich gehe mit mehrdeutigen Gefühlen: Einerseits bin ich zufrieden und andererseits ahne ich auch, dass manche Aspekte meiner aktuellen Berufsrolle mir zukünftig auch fehlen werden. Und schließlich gibt es – wie in jedem Beruf – selbstverständlich manches, auf das ich in Zukunft gerne verzichte.

2. Worauf ich zukünftig gerne verzichte

2.1 Verunsichernde und anstrengende Kursbildungen am Anfang und unangekündigte Unterrichtsausfälle am Ende des Schuljahres

  • In den ersten drei bis vier Wochen am Schuljahresbeginn musste ich regelmäßig bangen, ob Kurse eventuell nicht zustande kommen könnten, weil zu wenig Schüler*innen den Religionsunterricht wählten. Die Alternative zum Religionsunterricht war jahrelang Unterrichtsentfall und nicht das Ersatzfach Ethik. Daraus konnte sich dann Fehlstunden in meinem Deputat ergeben, das heißt, ich musste im nächsten Schuljahr nacharbeiten.
  • In den ersten vier bis fünf Schulwochen musste ich allen möglichen Listen hinterherjagen: Welche Schüler*innen gehören in meinen Kurs? Und welche gehen nach Ethik? Bleiben Schüler als sogenannte „U-Boote“, also „ducken sich weg“ und erscheinen so weder im Ethik- noch im Religionsunterricht? Wie finden und sprechen wir diese an?
  • Gegen Ende des Schuljahres gibt es vermehrt Betriebsbesichtigungen oder andere Ausflüge. Solche Unternehmungen sind sicher sinnvoll und unterstütze ich gerne.
    Ärgerlich reagiere ich allerdings, wenn die planenden Kolleg*innen es unterlassen, die auch noch betroffenen Fachlehrkräfte rechtzeitig von ihren Plänen und den Auswirkungen auf geplanten Unterricht zu informieren. So ist zum Beispiel der Versuch einer Auswertung der dreijährigen Oberstufe statt mit der Gesamtgruppe von zweiundzwanzig Personen nur mit zwei Anwesenden sinnlos. Dieser Ärger wäre leicht vermeidbar: Wenn die Information rechtzeitig kommt, kann noch umgeplant werden!

2.2 Ineffiziente Konferenzkultur

  • In schlecht vorbereiteten Konferenzen habe ich regelmäßig gelitten und es wurde manche unnötige Arbeitsstunde und Motivation „verbrannt“.
    Die meisten Konferenzen fanden im Sitzen, methoden-monoton und ohne eigene Moderation (getrennt von den Personen mit inhaltlichen Interessen) statt. Hier gibt es viele gute Ideen, wie z.B. Stehtisch-Konferenzen, rollierende Moderation oder Methoden-Vielfalt.
  • Einzelne Konferenz hätte sehr viel effizienter durch eine Informations-E-Mail ersetzt werden können.
  • Manche andere wäre durch genügend Vorinformationen (Was geschah bisher? Welchen Entscheidungsrahmen haben wir? Wer ist beteiligt? Bis wann muss die Entscheidung gefällt werden? Gibt es schon Erfahrungen mit den unterschiedlichen Modellen aus anderen Bereichen? …) deutlich effektiver geworden. Schade.

2.2 Korrekturen und neue Prüfungsformate

  • Allgemein habe ich nicht gerne korrigiert. Noch weniger gerne korrigierte ich Abitur-Prüfungen, bei denen ich in den ersten beiden Arbeitsschritten nach Fehlern suchen musste. Schlecht lesbare und lieblos hingeschmierte Schüler-Antworten zu korrigieren, war besonders herausfordernd.
  • Die neue Abiturprüfung ohne die Chance der Schüler*innen, selbst Präsentationsthemen vorzuschlagen, und jetzt mit vielen, kleinteiligen Prüfungsfragen, bewerte ich als einen bedauerlichen Rückschritt bei modernen Prüfungsformaten.

2.3 Ständige Aufgaben-Erweiterungen ohne angemessene Ressourcen-Steuerung

  • Gefühlt alle sechs bis neun Monate wurden neue pädagogische Moden, Modelle oder auch Verfahren angeregt, für die dann allerdings oft keine zusätzlichen oder ausreichenden Ressourcen bereitgestellt wurden. – Ganz nach dem baden-württembergischen Motto „Wir wolle(n) alles; darf nur nix koschde!“.
  • Überhaupt habe ich nur sehr selten erlebt, dass eine Aufgabe wegfallen konnte. Die sehr produktiven Kontroll-Fragen „Was kann ohne Qualitätsverlust unterlassen werden?“ und „Was kann statt des neuen Verfahrens wegfallen?“ wurde leider zu wenig gestellt und offensichtlich auch zu selten beantwortet.
    Die Steuerung der Belastung wird so auf die individuelle Ebene jeder einzelnen Lehrkraft verlagert.

2.4 Unangenehme Arbeitsbedingungen

  • Der ständige Kampf um Aufmerksamkeit in einer reiz- und mediengefluteten Umwelt macht es mir zunehmend schwer – am meisten in pubertierenden Mittelstufenklassen, in eine konzentrierte Unterrichtsatmosphäre zu gelangen.
    Als allgemeinbildender Lehrer habe ich den Anspruch, Texte und Gedanken-Zusammenhänge zu erschließen und zur Auseinandersetzung mit verstandenen Inhalten herauszufordern. Im Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit mit Spielen oder „witzigen YouTubes“, die jederzeit auf dem Handy erreichbar sind, kann ich leider eher selten gewinnen.
    Zuweilen beschleicht mich zusätzlich der Eindruck, dass die Eltern bei der Regulierung des Medienzugangs und der Medienbildung ihrer Kinder kapituliert haben.
    Aufgeben ist keine passende Option für mich und meine Vorstellung von meiner Berufsrolle. Die fortdauernde Werbung um Konzentration und Regulierung eines zielführenden Medieneinsatzes macht auf die Dauer aber sehr müde.
  • Je komplizierter und komplexer die eingesetzte Technik ist, umso mehr kann es Technik-Probleme geben: schwaches oder nicht funktionierendes WLAN, defekte Verdunkelungen in den Unterrichtsräumen, fehlende Schülerdaten im elektronischen Klassenbuch oder der Lernplattform Moodle, fehleranfällige elektronische Notenerfassungsprogramme, defekte Bildschirme und PCs, „kreative“ Änderungen der Verkabelung durch Kolleg*innen, etc.).
    Der Mulimedia-Beauftragte im Kollegium und die Kollegen aus der Netzwerkbetreuung engagieren sich stark. Dennoch kommt es immer wieder zu Ausfällen oder Defekten mit teilweise erheblichen Stör-Auswirkungen auf den Unterricht.
  • Überhitzte Klassen-, Arbeits- und Konferenz-Räume wurden in den letzten Jahren immer problematischer: Im Juni/Juli wird es in manchen Räumen im Betongebäude schon auch mal 30 Grad und mehr heiß.
    Mein Seniorenkörper hat das immer weniger gut vertragen und auch für die Schüler*innen waren diese Raumtemperaturen eine echte Zumutung. Das melden mir die Schüler*innen auch regelmäßig in den Auswertungen der Schuljahre als sehr belastend zurück.

3. Was ich an meinem Beruf geliebt habe und wofür ich dankbar bin

Ein lachendes smiley aus kleinen plastiksmilies auf einer Holzfläche

In meinen letzten Arbeitswochen verteilte ich kleine, bunte Smileys – immer wieder an Orten oder in die Postfächer von Kolleginnen und Kollegen.

Ich zeigte damit an, wo und mit wem ich es angenehm und/oder auch hilfreich empfunden hatte.

Angeregt wurde ich zu dieser Aktion durch Berichte über die Ulmer Rathausente.

3.1 Begegnungen und Beziehungen

  • In diesem Beruf konnte ich meine menschen-zugewandte Grundhaltung ausleben und bin nur selten enttäuscht worden.
  • Immer wieder junge Menschen und auch Kolleg*innen treffen und kennenlernen zu dürfen, hat meine geistige Beweglichkeit gefordert und gestärkt.
    Die Schüler*innen werde ich vermissen – fast alle!
    Und manche Schüler*innen sagten mir beim Abschied, sie würden auch mich im nächsten Schuljahr vermissen. Danke; tut gut.
  • Ich schätze Kollegialität und habe einen Kreis verlässlicher Kolleg*innen gefunden und gepflegt. Mit ihnen konnte ich mich abstimmen, reiben und weiterentwickeln. Gelegentlich wurden sie auch „meine Klagemauer“.
    Höhepunkte wechselseitiger Unterstützung waren die Jahrestagungen der Religionslehrer*innen in Hohritt und Rastatt, die pädagogische Fallbesprechungsgruppe an der Schule von 2009 bis 2023 und das vertraute Kollegium im Lehrerarbeitsraum 309.
  • Auch die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und die Technikfachleute waren freundlich und zielstrebig bei der Unterstützung von uns Lehrkräften.

3.2 Herausforderungen und Erfolge im Unterricht

  • Ich liebe die Herausforderung, komplexe Zusammenhänge so zu vereinfachen, dass sie verständlich sind, ohne falsch zu werden. Wenn dann „Ach-So-Momente“ möglich waren, entlohnte mich dies für die investierte Vorbereitungen und machte zufrieden.
  • Ich habe gerne (gut) vorbereiteten Unterricht gehalten und darum langfristig geplant und häufig auch schon eine Skizze der Klassenarbeit vor Unterrichtsbeginn erstellt. So sorgte ich für eine ruhige Unterrichtssteuerung und förderte meine Gelassenheit.
  • Mein konstruktivistisches Lernverständnis hat sich für mich und meinen Unterricht bewährt. (Ausgewählte Annahmen in Stichworten: Empfänger*innen bestimmen die Bedeutung der Nachricht; kommunikative Missverständnisse sind wahrscheinlicher als selbstverständliches Verstehen; Lernen ist hoch-individuell und weitgehend selbstbestimmt …). Die daraus entwickelte Unterrichtsroutine mit jeweils individuellen, persönlichen Lernzielen innerhalb der allgemeinen Bildungsplanziele war fast durchgehend erfolgreich: Die – nach anfänglichen Einwänden – doch oft motivierten Schüler*innen konnten am Ende der Unterrichtseinheiten nach den eigenen Unterrichtszielen auswerten und waren überwiegend zufrieden.

3.3 Persönliche Entwicklung und Selbstreflexion

  • Gerne habe ich die Herausforderungen im Kontakt mit anderen Menschen dazu genutzt, als Persönlichkeit weiter zu wachsen. So konnte ich im Laufe der Berufsjahre als Lehrer meinen antrainierten Perfektionismus etwas mildern.
    Inzwischen meine ich: Es ist schon gut, wenn mehr gelingt als misslingt!
    Das gilt besonders in einem Feld, in dem viel auch vom jeweiligen Gegenüber, den Rahmenbedingungen und auch der Gruppendynamik abhängt.
  • Da ich auch für die Inhalte meines Fachs und die theologischen, philosophischen, soziologischen und psychologischen Aspekte der Themen fortdauerndes Eigeninteresse entwickeln konnte, durfte ich mich in meinem Beruf mit für mich auch persönlich spannenden Themen befassen.

3.4 Gestaltungsfreiraum und Eigeninitiative

  • Die Grundliberalität an der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg wird wohl oft nicht wahrgenommen: Die Schul- und Abteilungsleitungen lassen uns Lehrkräften viel Gestaltungsfreiraum. Wer wusste, was er wollte, konnte eigene Schwerpunkte setzen.
    Das habe ich gerne genutzt – frei nach dem Motto der Rebels@Work Gründerin Anja Förster: „Frag nicht, was deine Kollegen, dein Chef, dein Unternehmen oder dein Land für dich tun können. Mach es einfach selbst!“.
  • In alle Schularten außer dem Technischen Gymnasium sind die Lehrpläne für das Fach Religion sehr offen und fordern ausdrücklich zur Berücksichtigung der Interessen der Schüler*innen auf. So konnte ich die Lerngruppen an der Themenfindung beteiligen. Immer wieder führte das auch zu Motivation und engagierter Beteiligung und schließlich auch positiven Rückmeldungen.

3.5 Anerkennung und Wertschätzung

  • Es tut einfach gut, immer mal wieder zu spüren und rückgemeldet zu bekommen, dass meine Arbeit eine Wirkung hat, sinnvoll ist und gewürdigt wird.
  • Gerne gebe ich die Anerkennung und den Dank an die Vielen auf und hinter der Bühne der Schule auch zurück, ohne deren Arbeit ich selbst nicht arbeiten hätte können oder zumindest nicht so gut:
    + die Reinigungskräfte
    + die Techniker
    + die Verwaltungsmitarbeitenden
    + die Medienzentralen im Landkreis und der Erzdiözese Freiburg
    + die Fachberater*innen
    + das Team um Holger Radenz vom AOK-Forum für schmackhafte und angenehme Mittagspausen
    + meine Männergruppe
    + alle in den virtuellen Lehrer*innen-Zimmern, ob früher auf twitter, in den verschiedenen Barcamps oder in der Blase der Edu-Blogger*innen oder aktuelle Kontakte über die Schule hinaus
    + die Kolleg*innen in der Fachgruppe, im Wohlfühlort Raum 309 und im Gesamtkollegium der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg

4. Eine konzentrierte Kurz-Version in vier Punkten

Diese Version ist meine Kurz-Ansprache auf der Abschluss-GLK am 19. Juli 2024:

  1. Als Lehrkräfte haben wir eine wunderbare, bedeutsame, sinnvolle (manche sagen auch „machtvolle“) Aufgabe:
    Wir dürfen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei Ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Entwicklung begleiten.
    Das hat mich dauerhaft motiviert.
  2. Anspruchsvolle Professionalität.
    Ich lege Wert auf anspruchsvolle Fachlichkeit und langfristige Planung. Diese Ansprüche habe ich auch auf andere übertragen. Manchmal führte das zu Reibungen. ‑ Insgesamt habe ich überwiegend gute Erfahrungen mit dem hohen Anspruch an mich als Professional gemacht und auch viele bestärkende Rückmeldungen bekommen.
    Ich habe regelmäßig in diesem Bereich reflektiert und an mir gearbeitet.
    Das hat sich gelohnt!
  3. Gepflegte Kollegialität.
    Mir tut es gut, mich mit anderen Menschen zu verbinden.
    Ich habe einen Kreis verlässlicher Menschen gefunden. Mit diesen Vertrauten konnte ich die Höhen und Tiefen des Lehrerlebens bewältigen und gemeinsam neue Sichtweisen entwickeln.
    Ich habe immer wieder Aufmerksamkeit für andere aufgewendet.
    Mir hat es gutgetan; ich hoffe Ihnen/Euch auch.
    Mein Tipp: Haltet zusammen!
  4. Lust an der Neugier und mutigem Experimentieren.
    Tatsächlich arbeite ich seit Ende 1987 in pädagogischen Feldern.
    Ich fürchte, es wäre mir langweilig geworden, wenn ich nicht ab und zu auch Neues erprobt hätte.
    Meine Neugierde auf Menschen und neue Situationen war mir dafür hilfreich.
    Im Laufe meiner Entwicklung konnte ich auch Abschied vom Perfektionismus nehmen.
    Es ist gut genug, wenn mehr als die Hälfte gelingt! Das gilt besonders in einem Feld, in dem viel vom jeweiligen Gegenüber, komplexen Rahmenbe­dingungen und auch den Gruppendynamiken abhängt.

Herzlichen Dank für die gemeinsame Zeit
und ich wünsche Euch und Ihnen viel Freude,
nachhaltige Erfolge
und stabile Gesundheit!

Quellen und Verweise

entwickelt zwischen März und Mitte Juli 2024; zuletzt leicht erweitert am 14.10.2025/13:07 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Profession Lehrkraft (4): Unterrichtsstörungen und Chaos im Klassenzimmer begrenzen

Zur Professionalität von Lehrkräften zähle ich

  • persönliche Kompetenz (persönliche Bewusstheit, Selbstreflexivität, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und Glaubwürdigkeit)
  • ausgewiesene Fachkompetenz für die unterrichteten Fächer
  • pädagogische Kompetenz (Zielgerichtetheit des pädagogischen Verhaltens auf dem Hintergrund eines eigenen pädagogischen Konzeptes)

Zurecht werden Schulen kritisiert, wenn Unterricht nicht stattfindet oder statt dessen Chaos im Klassenraum herrscht.

Regelmäßig nehmen Medien sich der Themen Unterrichtsstörungen, fehlender Lernbereitschaft von Schüler-Gruppen und der Ohnmacht einzelner Lehrkräfte an. So zeigte das Magazin Panorama im Ersten Deutschen Fernsehen am 5. Juli 2007 erschreckende Ausschnitte aus Video-Clips, die im Internet über Youtube frei zugänglich waren. Zwischenzeitlich ist die Paorama-Sendung vom 5. Juli 2007 nicht mehr im Netz zugänglich. Das Manuskript der Panorama-Sendung steht leider auch nicht mehr zur Verfügung.

Zusammenfassend einige Eindrücke zu solchen Szenen:

  1. Es ist uangenehm laut im Klassenraum.
  2. Die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten werden in den ursprünglichen Videos missachtet, denn jeder Mensch hat ein Recht darauf, mitzubestimmen ob und wie man Filmaufnahmen von ihr/ihm machen darf. – Im von Panorama ausgestrahlten Video wurden die Gesichter aus diesen Gründen unkenntlich gemacht. – Viele Schulen ergänzen derzeit Ihre Schulordnungen und verbieten Aufzeichnungen vom Unterricht ohne Genehmigung noch einmal ganz ausdrücklich.
  3. Die Schulordnung wird krass missachtet: Es wird durcheinander gesprochen, gepöbelt und geraucht. Jeder tut, was gerade einfällt.
  4. Man kann Schülerinnen und Schüler dabei beobachten, wie sie jeden Unterricht unmöglich machen.
  5. Man kann ohnmächtige oder teilnahmslose, das heißt wirkungslose Lehrer beobachten.
  6. In diesem Chaos ist offensichtlich kein vernünftiges Lernen möglich.
  7. Update: Inzwischen fällt mir auch die Beziehungslosigkeit zwischen allen Beteiligten auf.

Bemerkenswert finde ich dabei,

  • dass solche Filmausschnitte große Aufmerksamkeit bekamen (über 89.200 Klicks; Stand: 7.11.2008)
  • dass dieses Video unter „fun“ bei isnichwahr.de verlinkt ist, also als „lustig“ bewertet wird
  • dass die zuständigen Leitungen von Schulen und Schulaufsicht diese „Fälle“ herunterspielen und ausweichend reagieren
  • dass in diesem Video-Ausschnitt und der zugehörigen Kommentierung des Redakteurs und in einer Bemerkung des Psychologen Prof. Dr. U. Schaarschmidt der Eindruck nahe gelegt wird, dies sei der „Normalfall“. –
    Hier widerspreche ich energisch: In meinem Erfahrungsbereich sind solche Zustände absolut undenkbar!
    Allerdings kommen immer wieder Klassen-Situationen vor, in denen Kolleg/innen und ich entstehendes Chaos begrenzen und unterbinden müssen.

Auf eine so extreme Unterrichtsstörung muss man nachdrücklich reagieren!

Solche Situationen sind oft das Ende einer langen, mühsamen und erfolglosen Geschichte von Lehr-Lern-Bemühungen.

Ich behaupte: Szenen dieser Art sind nicht der Normalfall von Unterricht – auch nicht an den angeblich so „schwierigen“ Berufsschulen.
(Ich unterrichte selbst an einem technischen Berufsschulzentrum in Freiburg und weiß, wovon ich schreibe!)

Andererseits kann ich mir aus meinen Erfahrungen als Lehrer-Coach gut vorstellen, wie sich solche Situationen im Laufe der Zeit bei einzelnen Lehrerinnen und Lehrern und einzelnen Klassen entwickeln und zuspitzen können.

Ist es erst einmal zu solch chaotischen Verhältnissen gekommen, ist Veränderung dringend notwendig.
Allerdings ist ein Umgestaltung solcherart eskalierter Situationen mühsam.

Was kann eine Lehrkraft in einem solchen Umfeld tun?

  • Allein kommen Lehrpersonen in solchen Problem-Lagen nicht mehr weiter.
    Hier sind das Klassen-Lehrer-Kollegium, die Schulleitung und die Schulbehörde – als verantwortliche Leitungsinstanzen – gefordert.
  • Außerdem ist externe Hilfestellung von sozialpädagogischem und psychologischem Fachpersonal, besonders Schulsozialarbeitern gefragt.
    (Leider wird an dieser Stelle immer noch gespart. Es ist nach meiner Erfahrung und Bewertung eindeutig die falsche Stelle!)
  • Den betroffenen Lehrkräften ist dringend persönliche Hilfestellungen von Fachpersonen zu wünschen, denn solche Erlebnisse sind hoch belastend für die Betroffenen.
    Ein erster Schritt dazu kann kollegiale Beratung, eine Supervision, ein Coaching oder auch eine Gruppensupervision für Lehrkräfte sein.

Weitere Aspekte von möglichen Unterrichtstörungen

  • Je größer Klassen sind, weil wieder „gespart“ wird, und je unterschiedlicher und/oder „schwieriger“ die Geschichte der einzelnen Schülerinnen und Schüler ist, um so wahrscheinlicher kann eine Klasse sich so entwickeln, dass Unterricht in diesem Rahmenbedingungen zumindest anstrengend, wenn nicht unmöglich wird.
  • Je weniger Eltern und andere Erziehungsinstanzen vor den Schulen erfolgreich waren, um so mehr Erziehungsarbeit bleibt den Lehrkräften – unter Beibehaltung Ihres inhaltlichen Unterrichtsauftrags.
  • Wenn Lehrkräfte in ihrer Rolle zunehmend verunsichert werden und zu diesem Themenbereich keine oder wenig kollegialer Austausch und wenig hilfreiche Fortbildungsangebote – auch Supervisionen oder Coaching – angeboten werden, reagieren Lehrerinnen und Lehrer auch wahrscheinlicher ungünstig, zum Beispiel eskalieren statt überlegt und entschieden zu korrigieren.
  • Manche Unterrichtsstörung ist auch ein Hinweis auf Veränderungsbedarf.
  • Statt einzelne Personen (Schülerin, Schüler oder Lehrerin oder Lehrer) dafür verantwortlich zu machen, kann es auch sehr sinnvoll sein, nach dem „Aussagewert“ oder der Nachricht hinter der als „gestört“ wahrgenommenen Situation zu suchen. – Oft benötigen Betroffene, um dies sehen zu können, einigen Abstand und Entlastung. – Reflexionen in kollegialen Gesprächen, kollgialen Beratungen und auch Supervision/Coaching sind dazu hilfreich.
  • Dazu zähle ich auch die zunehmende Heterogenisierung der Schülergruppen über kulturelle Vielfalt. (Zum Beispiel kommt es zu einem kulturellen Zusammenstoß, wenn arabisch-stämmige, junge Männer mit einer weiblichen Lehrkraft konfrontiert werden und lernen müssen, dass im westlich geprägten Deutschland auch Frauen mit Männern gleichberechtigte Leiterinnen von Unterricht oder Betrieben sein können. – Dazu fällt uns in der Lehrerschaft oft noch wenig ein!)
  • Es gibt immer noch viel zu wenig „bewegte Pädagogik“, also die Durchlässigkeit der Unterrichtssituationen für den natürlichen Bewegungsdrang der Schüler*innen.
  • Aktuell dazu: Bent Freiwald in krautreporter.de „Warum Kinder in der Schule nicht stillsitzen sollten. – Es schadet nicht nur ihrer Gesundheit, sie lernen deshalb auch schlechter.“

Es gibt schon hilfreiches und anregendes Material zur Vorbeugung von Unterrichtsstörungen. Einige Beispiele:

Beziehungsaufbau im pädagogischen Zusammenhang ist wesentlich für gelingendes Lernen.
Ein eigenes Unterrichtskonzept ist sehr hilfreich für klare Kommunikation und Reflexion.
Ein zur Lehrer-Persönlichkeit passendes Methoden-Repertoire ist sicher hilfreich. Beispielhafte, methodische Anregungen gibt es vielfältig, z. B. auch auf Seiten von Universitäten, hier der in Köln.
Dieser Text gehört zur Text-Reihe Profession Lehrkraft

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wesentlich entwickelt im November 2008;
zuletzt überarbeitet am 14.11.2025      Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Trauer in der Schule (Schule verbessern – 5)

schwimmende Teelichter auf Wasser und vor einem dunklen Hintergrund

Zusammenfassung

Manchmal sind Schüler*innen und Lehrkräfte geschockt und herausgefordert:
Eine Person ist verstorben, kommt nicht mehr zum Unterricht.
Wie kann man darauf angemessen reagieren?
Was hilft in so einer Situation?

Ausnahmezustand

Ob durch Unfall, Krankheit oder Selbsttötung ausgelöst, die Reaktionen sind oft Erschütterung und Herausfallen aus dem Normalzustand. Oft herrscht Sprachlosigkeit – oder aber Dauer-Reden.
Beides signalisiert den Ausnahmezustand.

Vier empfohlene Schritte

Hier beschreibe ich vier einfache und bewährte Schritte mit den betroffenen Gruppen, die ohne große methodische Vorbereitung durchführbar erscheinen.

1. Informationen sorgsam zusammentragen und Spektulatioonen verhindern

Manche Gruppen neigen zur stillen Lähmung, die anderen zum gebannten Dauergespräch.
Zum Start der Gesprächs-Runde erscheint es darum hilfreich, die vorhandenen Informationen zu sammeln. Oft wird wild spekuliert, Halbwissen lädt zur Ausschmückung ein und der Boden der Realität wird schnell verlassen. Dieser einfache Schritt der Sammlung von tatsächlich verfügbaren Informationen hilft, den Kontakt mit der Realität zu wahren.
Außerdem fällt es relativ leicht über Fakten zu sprechen, so dass auch stumm-gelähmte Personen möglicherweise wieder zu sprechen beginnen.

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, zum Sprechen aufzufordern, das Aussprechen-Lassen zu garantieren und immer wieder auf die Tatsachen zu achten und diese behutsam und doch deutlich von Vermutungen zu unterscheiden.

Es ist auch zu empfehlen, die Sozial-Media-Walze zu begrenzen und um eine zurückhaltende Nutzung der entsprechenden Plattformen zu bitten. Das kann auch die Trauerfamilie entlasten.

2. Reaktionen ausdrücken

Im nächsten Schritt fordere ich die Anwesenden auf, ihre ersten Reaktionen für sich selbst wahrzunehmen und dann für die anderen auszudrücken. Oft kommen dann Worte wie Überraschung, Schock, dann aber auch die Frage nach der Schuld und ob etwas getan hätte werden können, was nun leider unterlassen wurde.
Manche Personen spüren auch so etwas wie Wut.

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, alle Gefühle, Gedanken und Ausdrücke zu schützen:
Das wird so empfunden und darf so sein.
Außerdem mache ich deutlich, dass ich von „Schuld“ in diesem Zusammenhang nichts halte. Hier versuche ich zu entlasten.

3. Bewältigungs-Rituale anbieten

Anknüpfend an die Wut-Äußerungen frage ich im nächsten Schritt, wie sich die Zurückgebliebenen vom Abwesenden verabschieden wollen. Wenn eine Beerdigung besucht werden kann, ist dies eine Möglichkeit.
Es gibt noch andere – zum Beispiel:

  • gemeinsam zu einem Gottesdienstraum zu spazieren
  • einen Abschiedsbrief zu schreiben
  • selbst ein Bild zu malen
  • ein vorhandenes Foto heraus zu suchen
  • eine Beileidskarte an die Angehörigen zu schreiben
  • auch eine Sammlung kurzer Grüße an die Trauerfamilie kann passend und hilfreich sein

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, alle Ideen zuzulassen und die Kommentierungen weitgehend zu dämpfen: Jede und jeder darf den eigenen Weg des Abschieds für sich wählen. Oft entlasten solche Handlungen und schließen (wenigstens vorläufig) einen Trauerschritt ab.

4. Hilfsmöglichkeiten in Krisen-Zeiten sammeln

Unweigerlich stellen sich die Zurückgebliebenen die Frage, was mit Ihnen selbst ist, wenn Sie in eine Krise kommen. Besonders deutlich wird diese Frage nach einer Selbsttötung.
Hier fordere ich die Anwesenden auf, eigene Möglichkeiten des Umgangs mit krisenhaften Zuständen zu überlegen und möglichst in der Gruppe auszutauschen.

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, zu Hilfsangeboten zu ermutigen und konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen. So verweise ich selbst auf die Beratungslehrer/innen, Telefonseelsorge und auf psychosoziale Beratungsstellen.

Die moderierende Lehrkraft ist persönlich gefordert

Diese Situationen wünscht sich niemand. – Die eigene Betroffenheit und die Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler und der Kolleg*innen können sich überlagern. Wichtig erscheint mir, dass die moderierende Person fähig bleibt, den Prozess zu steuern.

Dazu ist es sicher hilfreich, sich schon einmal mit diesem Thema vor dem akuten Fall auseinander gesetzt zu haben:

  • Welche Erfahrungen mit Leid und Tod habe ich selbst?
  • Welche Einstellung zu Leid und Tod habe ich entwickelt?
  • Kenne ich Hilfsangebote?
  • Welche Kolleg*innen können mich in solchen Situationen unterstützen?
  • Welche Material (z.B. Trauerkoffer) gibt es wo in meiner Schule?

Weiterführende Links

in 2013 entwickelt, zuletzt ergänzt am 2.07.2023       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Anonyme Noten für Lehrerinnen und Lehrer ohne Schadenfreude

Feedback finde ich sehr wertvoll.

Einerseits halte ich viel von Feedback und gebe es Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen gerne. Ich fordere auch auf, mir – als Lehrer – Rückmeldung zu geben.

Gelegentlich habe ich auch schon die schriftliche Abfrage von Feedback von Schülern vorgestellt. (siehe dort)

Feedback für die Lehrerin oder den Lehrer ist für Schüler manchmal schwierig.

Andererseits weiß ich auch, dass es nicht immer gelingt, eine Rückmeldung von Schüler/innen an die Lehrkräfte ehrlich und zeitnah zu geben.

Das hängt nicht immer nur an den Schülerinnen und Schülern.
Manchmal verbreite ich sicher selbst auch den Eindruck, keine Zeit und vielleicht auch kein Interesse dafür zu haben.
Manchmal habe ich auch einfach tatsächlich keine Energie oder Zeit, ernsthaft und ruhig auf eine Rückmeldung von Schülern zu hören, weil zum Beispiel andere Aufgaben drängen …

Schließlich könnte auch die Vermutung entstehen, dass unerfreuliche Rückmeldungen vielleicht doch – trotz anderslautender Beteuerungen – ungünstige Auswirkungen auf die Noten haben könnten.

Selbst möchte ich das für mich dringend auseinander halten.
Aber für Hemmungen, eine Rückmeldung zu geben, reicht ja oft schon allein die Vermutung aus, eine unangenehme Rückmeldung könne vielleicht doch zu schlechten Noten führen.

Öffentliches Feedback (über spickmich.de etc.) hilft manchmal, Druck abzubauen.

Allerdings wird diese Form von vielen Lehrkräften gefürchtet, weil die Öffentlichkeit auch dazu genutzt werden kann, jemanden herabzuwürdigen ohne dass eine realistische Chance auf Korrektur und sinnvollen Austausch bestünde.
Darum sind Feedbacks über ein öffentliches Portal wahrscheinlich ein Angebot für den Abbau von Druck auf der Schülerseite und weniger die sinnvolle Einladung, in einen produktiven Austausch und eine mögliche Verhaltensänderung zu kommen.

Wem nützt es? –
Ich finde da einen anderen Weg sinnvoller:

Es gibt Chancen, Feedback für Lehrkräfte anonym und doch direkt zu gestalten und so ehrlich und hilfreich zu werden.

Die Plattform schule.net bietet eine für meine Vorstellung hilfreiche Möglichkeit für nicht öffentliches Schüler/innen- Lehrer/innen-Feedback an. Dabei melden sich die Lehrkräfte und die Schüler und Schüler an und die Schüler können den Lehrer/innen Zeugnisse ausstellen.
Diese Zeugnisse sind aber nur für die betroffene Lehrkraft sichtbar.

Ich kann mir vorstellen, dass sich so mehr Lehrerinnen und Lehrer auf diese Anwendung einlassen.

Ich werde diese Möglichkeit mit meinen TG-Klassen zum Halbjahres-Wechsel erproben und gelegentlich wieder von meinen Erfahrungen berichten.

Über die Mitteilung Ihrer Erfahrungen mit solchem Vorgehen -gerne über die Kommentar-Funktion hier – freue ich mich. Vielen Dank.

Weitere Artikel zum Thema:

Feedback von Schüler/innen einholen

Weiterführende Links:

Urteil des BGH vom 23.06.2009:
Das BGH weist eine Klage einer Lehrerin gegen ihre schlechte Beurteilung auf spickmich.de ab.

zur Text-Reihe Profession Lehrkraft

erstellt am 19.01.2009; zuletzt einen Link bearbeitet am 13.11.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Warum Organisationen nur mühsam verändert werden können

Neulich wurde ich gebeten, zum Thema „Änderung der Konferenzstruktur in Schulen“ zu schreiben.

Mir scheint das Thema deutlich komplexer, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Viele Änderungs-Impulse scheitern

Am Beispiel der Verbesserung der Konferenz-Vorbereitung und Durchführung gibt es viele klugen Vorschläge. Auch ich habe dazu schon beigetragen:

Mein Vorschlag war, schon bei der Sammlung der möglichen Tagesordnungspunkte die Teilnehmenden einzubeziehen und nach Ziel, passender Methode, Zeitbedarf und Moderation zu fragen.

Dieser Veränderungsversuche von Konferenzkultur wurden auch erprobt und hatten – nach meiner Einschätzung – auch eine Zeit lang funktioniert.

Langfristig rekonstruieren sich die Zustände vor den Veränderungsimpulsen aber wieder und es bleibt Vieles, wie es schon vorher lange war.

Dazu vertrete ich inzwischen die These:

Konferenzen sind ein Ausdruck der Organisationskultur (in meinem Beispiel: der Schule) und können nachhaltig nicht als losgelöste Elemente geändert werden. – Wohlmeinende Versuche werden oft darin münden, dass die alte und lange eingeübte Struktur sich wieder herstellt. (Viele sind erstaunt, manche enttäuscht.)

Erklärungsversuche

Wer sich länger mit der Dynamik von Systemen, den Gesetzmäßigkeiten von Organisationen (hier am Beispiel des Systems Schule) beschäftigt hat, der wird nicht überrascht werden:

  1. In Konferenzen wird eine wesentlicher Ort der Kommunikation in der Organisation (der Schule) sichtbar und greifbar.
  2. Damit kommen mindestens diese weiteren Themen mit ins Spiel
  • Selbstbilder der Kollegen
  • Leitungsvorstellung
  • Konflikt-Kultur
  • veröffentliche Werte und Verfahren (Leitbild) besonders der Thema „Gestaltung von Veränderungen“
  • und – ganz wesentlich – die Identitätsfrage: Wer sind wir und wollen wir sein?

Auch Systeme können zu Entwicklungen angeregt werden!

Die Anzahl gescheiterter Änderungsversuche in meinem Wahrnehmungsbereich ist groß. Dies heißt nur, dass es nicht so einfach ist, eine Organsiation zu Veränderungen anzustoßen, wie dies vielleicht auf den ersten, naiven Blick angenommern werden könnte. Sehr oft werden die Beharrungskräfte von Organisationen deutlich unterschätzt.

Bedingungen für den Erfolg solcher Anregungen sind die eingehende Beschäftigung mit

  • dem Veränderungswillen und was dieser für die Organisation bedeutet
  • der Kultur der Organisation (besonders im Umgang mit Irritationen)
  • den Systembedingungen (Wie definiert sich das System? Nach welchen „Spielregeln“ lebt das System?)

Schließlich kann dann bewusst, mit Nachdruck und einem langen Atem interveniert und aufmerksam registriert werden, wer und was sich bewegt und wie die Organisation sich verändert.

Wer Systeme zu Entwicklungen anregen möchte, benötigt ein hilfreiche Theorie.

Wer Systeme mechanisch versteht, missversteht sie gründlich. Einladungen zu diesen Missverständnisse aus unserem Alltgasbewusstsein sind reichlich. Systeme sind aber wesentlich komplexer, als wir normalerweise wahrnehmen!

Wer Systeme zu Entwicklungen anregen möchte, muss sie – mindestens teilweise – verstehen. Wir benötigen eine Theorie, welche der komplexen Thematik angemessen komplex und dennoch handhabbar ist. Von Lisa Roth habe ich dazu einen sehr aufschlussreichen und anregenden Text gelesen, den ich hier gerne weiter empfehle: Bis Du nicht willig, so brauch ich Gewalt? – Systemtheorie für Lehrer: Helmut Willkens Grundzüge einer Theorie der Intervention in komplexe Systeme (auf shift. Weblog zu Schule und Gesellschaft; August 2012)

Was Lisa Roth hier schreibt finde ich allgemein für Organisationen anregend. Herr Willke behandelt ja auch ganz allgemein „Interventionstheorie“.

Ich las ihren und seinen Text mit großem Gewinn und auch mehrfach und empfehle beide gerne weiter.

Das Buch von Helmut Willke lohnt sich: Es ist anspruchsvoll und verständlich – eine wohltuende Mischung aus sorgfältiger Beobachtung und erhellender Theorie.

Weiterführende Links

erstellt am 16.10.2014; zuletzt bearbeitet am 22.12.2014       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

plan- und lustvoll ins neue Schuljahr

Zusammenfassung

Vor dem Unterrichtsbeginn wende ich die Vorfreude und Spannung in vorbereitende Arbeiten: Ziele, eigene Unterstützung und ein Unterstützungsangebot in Freiburg organisieren.

Den Reiz des Anfangs nutzen

Gegen Ende der Sommerferien der Schulen in Baden-Württemberg kribbelt es bei mir und ich empfinde Vorfreude und Spannung vor dem neu beginnenden Unterrichtsjahr.

Diese Energie werde ich für ein paar vorbereitende Arbeiten verwenden.

Ich setze mir ausgewählte Ziele

Aus dem Hintergrund der Auswertung des vergangenen Jahres habe ich mir einige Ziele für das neue gesetzt. Es sollen nicht mehr als drei sein. Sonst wird es zu anstrengend und frustriert.

Hier eine graphische Darstellung meiner Vorhaben:

Start - Ordnung - Brenzung - Ergebnis und Ziel

In den nächsten Tagen werde ich drei Termine in meinen Kalender eintragen: Wann werde ich diese Vorhaben überprüfen und so eventuell noch etwas korrigieren können oder müssen?

Unterstützung durch eine Gruppe zur kollegialen Beratung

Wie die letzten Jahre werde ich mich wieder mehrmals (6-8 Male) im Schuljahr mit ausgesuchten Kolleg/innen zur gemeinsamen Reflexion und Bearbeitung von Fällen treffen.

  • Dabei können wir uns Erfolge anschauen und fragen, wie sie erreicht wurden und wie wir dafür sorgen wollen, dass sie mehrmals erreicht werden können.
  • Häufiger arbeiten wir an herausfordernden Situationen, an „schwierigen“ SchülerInnen, Inhalten, Rahmenbedingungen oder Leitungs- oder Politik-Entscheidungen und suchen nach günstigen Verhaltensweisen.
    Manches ist nicht zu ändern, oder zumindest nicht von den beteiligten Kolleginnen und Kollegen. Dann ist die Aufgabe, eine entsprechende, hinnehmende Haltung dazu zu finden.
    Anderes ist in unserem Einflussbereich. Dann suchen wir nach möglichst vielen Verhaltensweisen, so dass die beratene Person am Ende für sich auswählen kann, was sie versuchen möchte.

Eine bewährte Struktur der kollegialen Beratung finden Sie hinter diesem Link (pdf; 75 KB)

Mein aktuelles Angebot:

Professionelle Unterstützung in einer Supervisionsgruppe für Lehrkräfte
Sollen Sie keine Fallbesprechungsgruppe zur kollegialen Beratung zur Verfügung haben oder Ihnen diese nicht ausreicht, kann ich Ihnen in diesem Schuljahr mit dem Neustart einer Gruppensupervision in Freiburg für Lehrkräfte ein Unterstützungsangebot machen.

Herzlichen Dank an Kolleginnen und Kollegen und meine Schülerinnen und Schüler für viele Anregungen

Ich mag meinen Beruf und schätze besonders die vielen Anregungen und Herausforderungen. Ich habe den Eindruck, ständig Neues lernen zu können. – Dafür danke ich meinen Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen.

Weiterführende Links

erstellt am 3.09.2014; zuletzt bearbeitet am 25.09.2014       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

im rasanten Wandel – Schule verbessern (1)

Kurze Zusammenfassung und Gliederung

Die Welt, für die Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studierende gebildet und ausgebildet werden sollen, verändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Steigerungsraten sind exponentiell.
Damit werden die Rahmenbedingungen für Schulen, Ausbildungen und Studiengänge extrem unübersichtlich.
Klagen helfen nicht! – Alle Beteiligten sollten sich damit auseinander setzen und produktiv nach Lösungswegen und Lösungen suche.

  • Eine Empfehlung: Bleiben Sie positiv gestimmt und formulieren Sie auch positiv.
  • Bedenkenswerte Ansätze und gute Praxis wird hier gesammelt und weiter gegeben.
  • Shift happens! – Did You Know?
  • Eine aktualisierte, deutsche Version von März 2009
  • Weitere Hintergrund-Informationen und Versionen
  • Einige bemerkenswerte und herausfordernde Aussagen
  • Nun beginnt die pädagogische Herausforderung
  • Tipps und Hinweise und selbstverständlich auch Diskussionsbeiträge sind sehr erwünscht
  • Weiterführende Links

Bleiben Sie positiv gestimmt und formulieren Sie auch positiv.

Mit diesem Artikel beginne ich eine lose Reihe mit gesammelten Ideen und Überlegungen zur Verbesserung der Schulen.

Gejammert und beklagt wird genug über:

  • mangelnde Ausstattung der Schulen und Klassenzimmer
  • die optimierbare Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer
  • fehlende Schlüsselqualifikationen, Grundbildung und auch Erziehung von Schülerinnen und Schülern
  • schlechtes Image der Lehrkräfte und der Schulen, Ausbildungen und Studiengänge

Aus meiner Kenntnis hirnphysiologischer Bedingungen des menschlichen Lernens weiß ich, dass Verneinungen vom Gehirn ignoriert werden. Damit sind Negativ-Aussagen genau nicht produktiv handlungsleitend, sondern sie wirken in die unerwünschte Richtung: Die beklagten Zustände werden in dieser Negativ-Sprache für das Gehirn statt dessen bestätigt und verfestigt!

Bedenkenswerte Ansätze und gute Praxis wird hier gesammelt und weiter gegeben.

Es gibt eine Menge guter Ideen und bedenkenswerter Ansätze. Manchmal sind sie allerdings etwas versteckt. Manchal wundere ich mich im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, dass diese von einer Quelle oder eine Idee noch nichts erfahren hatten.
Dies war dann zuletzt der Anstoß für diese Reihe: Wenn ich etwas Anregendes finde oder schon kenne, von dem ich annehme, dass diese Idee oder Praxis aufbauende für gute Schulen der Zukunft sein könnte, werde ich davon dieser Reihe „Schule verbessern“ berichten.

Shift happens! – Did You Know?

Schon vor über einem Jahr wurde ich auf eine kurze Präsentation aufmerksam: Der US-Amerikaner Karl Fisch hatte in sechs Minuten die immensen Veränderungen in unserer Gesellschaft und die sich in rasantem Tempo verändernden Anforderungen an die zukünftigen Generationen eindrucksvoll zusammen gestellt. – Er gab seiner Präsentation den hintergründig anlautenden Titel „Shift happens!“

Neulich stieß ich wieder darauf und stellte fest, dass es inzwischen mehrere aktualisierte Versionen und auch eine etwas ältere deutsche Version im Netz gibt:

Did You Know – Shift happens! (by Karl Fisch)

Das zum zugehörigen Team- und Schul-Entwicklungsprozess gehörendes Blog „Fischbowl“ (Dort finden Sie auch den Text der ursprünglichen Power-Point-Präsentation vom August 2006 und Vieles mehr.)

Den Hinweis auf dotSUB.com ist dotsub.com und die neueste Version – mit dem Vorteil, dass man die Untertitel in vielen Sprachen wählen kann, fand ich beim Torsten Meyer, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg.

Weitere Hintergrund-Informationen und Versionen:

Einige bemerkenswerte und herausfordernde Aussagen:

  • Ganz viele Rahmenbedingungen ändern sich in zunehmender Geschwindigkeit. Die Kurve verläuft exponentiell!
  • Die Bevölkerungsanteile der Weltbevölkerung werden sich sicher verschieben.
  • Das verfügbare Wissen wächst rasend schnell und die Zugangsmöglichkeiten für viele Menschen wachsen noch schneller.
  • Durch expotenziell wachsende Medien-Nutzung verändert sich unsere Wahrnehmung der Welt und die Bewertung des Wissens
  • Schließlich können wir annehmen, dass die Anforderungen an erfolgreiche Lernumgebungen sich auch verändert haben.

Nun beginnt die pädagogische Herausforderung

Was bedeutet dieser Wandel für Schülerinnen und Schüler und natürlich auch für Lehrerinnen und Lehrer?
Die Diskussionen haben in manchen Kollegien und Meinungsgruppen und der pädagogischen Theorie begonnen.
Nun sind die Lehrkräfte gefordert, Versuche zu starten, zu erproben und Erfahrungen zu sammeln.

Die Lehrkräfte und die Schule sollen selbst in einen Lernprozess eintreten.
(Mehr dazu bald in einem nächsten Text in dieser Reihe.)

Weitere Tipps und Hinweise und selbstverständlich auch Diskussionsbeiträge sind sehr erwünscht

Wenn Sie Material verfügen

  • über Ausgangspunkt für neue Entwicklungen
  • über erfolgsversprechende Ideen
  • oder gelingende Praxis

bitte ich um einen Hinweis und möchte diese Tipps und Materialien dann gerne wieder hier veröffentlichen.

Auch Kommentare sind mir herzlich willkommen!

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erstellt am 30.03.2009; zuletzt geändert am 10. Mai 2013 Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Eltern und Lehrer sollten miteinander sprechen lernen (Schule verbessern -4)

Zusammenfassung

Schulen wollen Schüler/innen in ihren Lern-Erfolgen fördern.
Eltern wollen den Erfolg ihrer Kinder.
Vielfältig sind Gespräche zwischen Eltern und Lehrerinnen und Lehrer allerdings unproduktiv angespannt und latent oder offen aggressiv.
Entspannung und gelingende Gespräche würden das gemeinsame Ziel wesentlich voran bringen.

Vom Ziel der Schule her denken: „Lernen möglich machen“

Wie im ersten Textbeitrag dieser Reihe schon beschrieben, halte ich es für wesentlich, dass die Schulen selbst zu lernenden Organisationen werden.
Das bedeutet, dass Lehrerinnen und Lehrer ständig weiter dazu lernen.

Eltern empfehle ich, zwischen ihrer eigenen Geschichte und der Gegenwart ihrer Kinder zu unterscheiden.

Auch wenn viele Menschen sich wohl mit einem Rest-Ärger an ihre eigene Schulzeit und an ihre Lehrkräfte erinnern, geht es in den aktuellen Gesprächen ja nicht um die alte Wut oder zurückliegende Kränkungen, sondern meistens um die Kinder und ihren Erfolg.

Lehrerinnen und Lehrer können von den Eindrücken der Eltern profitieren.

Kinder und Jugendliche erzählen manches vielleicht mehr zu Hause als im Unterricht. Eltern haben außerdem individuelle Informationen über ihre Kinder, die auch einem engagierten Lehrer, einer engagierten Lehrerin vielleicht entgehen könnte.

Eltern und Lehrer haben jeweils wichtige Rollen für den Erfolg der Schülerinnen und Schüler.

Die Eltern und die Lehrkräfte haben jeweils einen spezifischen Blick auf die Kinder und Jugendlichen.
Es bleibe allerdings subjektive Wahrnehmungen – aus einem bestimmten Blickwinkel – und sollten darum niemals absolut gesetzt werden.

Grenzüberschreitungen bitte vermeiden

Für einen produktiven Austausch von Wahrnehmungen im Sinne der Optimierung der Lernmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler sind zwei selbstbewusste und sich ihrer selbst bewusste Personen hilfreich:

  • Die Eltern kennen ihre Kinder oft sehr gut aus dem häuslichen Bereich.
  • Die Lehrer kennen die Kinder aus dem schulischen Umfeld.

Misslingen wird die so schön bezeichnete „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Eltern und Lehrern,

  1. wenn Eltern versuchen, den Lehrkräften zu sagen, wie diese unterrichten sollen
  2. oder wenn Lehrkräfte den Eltern sagen wollen, wie sie ihre Kinder zu erziehen hätten.

Diese wechselseitig möglichen Grenzüberschreitungen behindern eine förderliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit und erinnern die Eltern an zurückliegende Kränkungen aus ihrer eigenen Schulzeit. Die Lehrerinnen und Lehrer werden möglicherweise in ihrem Verdacht bestätigt, die Eltern würden ihnen eh nichts zutrauen.

Kommentare sind mir herzlich willkommen!

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erstellt am 6.05.2013; zuletzt geändert am 12. September 2021       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Schulisches Lernen und mobiles Internet – Blogparade-Start

Zusammenfassung

Das Wahrnehmungs- und Kommunikationsverhalten hat sich durch mobiles Internet, Smartphones und Tablets verändert. Durch die verfügbare Technik ändern sich auch die Erwartungshaltung und die Gewohnheiten der Nutzer/innen und die Herausforderungen an die Schulen.

Meine Thesen:
  • Medieneinsatz kann das Lernen fördern und Unterricht lebendig machen.
  • Medieneinsatz kann Lernen sehr wohl auch (ver-)hindern.
  • Fortdauerender Medieneinsatz kann die Wahrnehmung von „Wirklichkeiten“ verändern. Daher gibt es auch oft eine Kluft der Vorstellungen zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen.
  • Lehrerinnen und Lehrer haben die Aufgabe, zu leiten, zu steuern und zu moderieren. Ich empfehle dringend, diese Aufgaben nicht einfach zu unterlassen oder an irgendeine andere Agentur oder ein Medium abzugeben.

Der behauptete Kontrollverlust in der Schule: Der angebliche Zwang zum Internet

Der Autor ein heise-Artikel, Jöran Muuß-Merholz, transportiert seine eigenen Schul-Erfahrungen und unterstellt, dass in der Schule Kontrolle sehr wesentlich sei.

Zutreffend ist: Schulen haben einen Bildungs-und Erziehungs-Auftrag. Lernen soll ermöglicht, gefördert und gelernt werden. Zur Schule gehört nach Auffassung vieler Lehrkräfte auch, korrigierende und damit manchmal unangenehme Rückmeldungen zu geben und Leistung zu messen. Auch das kann gelegentlich unangenehm erlebt werden.

Als Lehrer möchte ich aber meistens nicht die Recherchefähigkeit via Google & Co, sondern das Wissen der Schülerinnen und Schüler messen. Darum halte ich die Regelung, die kleinen multimedialen Viel-Könner vor der Klausur bei der Aufsicht abzulegen, keineswegs für einen unangemessenen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Schülerschaft. – Wo steht geschrieben, dass ich jederzeit (und auch im Unterricht) mein Smartphone bedienen darf? – Im Prinzip geht es um einen möglichen „digitalen Spickzettel“ und der war in der Schule bei Klassenarbeiten schon immer gut begründet verboten und dem sportlichen Wettstreit zwischen Schülerinnen und Schülern und den aufsichtführenden Lehrkräften ausgesetzt: Was erfinden die Schüler/innen und was bemerken und sanktionieren die Lehrer/innen?

Die Realität muss im Unterricht vorkommen!

Darum kann ein bewusster und eingeplanter Medieneinsatz im Unterricht eigentlich nach meiner Auffassung fast nicht mehr ausgelassen werden.

Wer meinen Unterricht kennen gelernt hat, weiß, dass ich vielfältige mediale Impulse einbaue und auch die Schüler/innen an ausgesuchten Stellen solche einbringen lasse.
Das macht den Unterricht lebendig und bringt eine große Nähe: Ich lerne über diesen Weg viel von der Lebenswirklichkeit meiner Schüler/innen kennen.

Für manche Aufgaben und Unterrichts-Sequenzen ist Internet-Unterstützung tatsächlich hinderlich und darum auszusperren.

Allerdings hätte man früher (also vor circa 10 Jahren) kaum geduldet, dass Schüler/innen Zeitungen lesen, einfach so während des Unterrichts. Freie Internet-Nutzung als Quasi-Zwang in allen Unterrichtssituationen läuft aber eigentlich genau darauf hinaus – die Auswahl der Inhalte wird dem Schüler / der Schülerin und dem Medienangebot überlassen und je nach Interesse des Nutzers zur Kenntnis genommen oder nicht.

Wenn zum Beispiel die Aufgabe gestellt wird, eine eigene Meinung zu formulieren oder eine erlernte Wissensstruktur selbstständig darzustellen oder gar, wenn die Vokabeln in einer Fremdsprache getestet werden sollen, dann ist Internet-Recherche genau nicht erwünscht, ja kontra-produktiv.

Ich bin nicht bereit, alles zuzulassen.

Mag sein, dass ich mich unbeliebt mache: Bis jetzt gibt es Aufgabenbeschreibungen von Schule, Lehrkräften und Schüler/innen, in denen ein zielgerichteter Lernprozess (auch Unterricht genannt) dazu führen soll, dass die Teilnehmenden Fähigkeiten und Kenntnisse für Ihr Leben mitnehmen und mindestens so viel lernen, dass sie die angezielten Prüfungen bestehen.

Ich befürchte, dass wir gesellschaftlich derzeit eine „Kultur der Nebenbei-Aufmerksamkeit“ großflächig trainieren.

Grundsätzlich schätze ich die Möglichkeiten der mobilen Internet-Angebote und der kleinen und leistungsfähigen Endgeräte und nutze diese auch für mich privat und in ausgewählten Unterrichtssituationen.

Unangenehm auffällig empfinde ich die Abwesenheit von Nebengeräuschen und Stille: Nur noch in Kirchen und Konzertsälen ist es möglich, sich dem Mithören von Handy-Gesprächen zu entziehen.

Selbst in privaten oder beruflichen Gesprächen widerfährt mir, dass mein Gegenüber und bisheriger Gesprächspartner sich spontan zum Annehmen eines Anrufs oder einer SMS oder Email entscheidet.

Oft habe ich in Unterrichtssituationen zu unterbinden, dass sich Schülerinnen und Schüler z. B, mit der Pflege ihrer Facebook-Profils beschäftigen oder Emails beantworten, statt sich mit dem angebotenen Unterrichtsstoff zu beschäftigen.
Selbstverständlich sind sie dann nicht so konzentriert, wie sie ohne Nebenbeschäftigung sein könnten.

Herzlichen Dank an Tipp- und Rat-Geber und den Heise-Verlag

Gunnar Thörmer hat mich auf den c’t-Artikel aufmerksam gemacht. Der Heise-Verlag ist so freundlich, den Artikel in ganzer Länge online zu stellen. Beiden vielen Dank.

Ausdrücklich bedanke ich mich auch bei meinen vielen Schülerinnen und Schülern, die einem schon älteren Lehrer geduldig seine viele Fragen beantworten und mich so immer wieder informell fortbilden.

Schließlich bedanke ich mich bei den Fortbildnern, die zu diesem Thema eingeladen haben. Dieser Text ist ein erster Teil meiner Vorbereitung auf diese Veranstaltung.

Einladung zur Blogparade und zu Diskussion

Sehr gerne lade ich alle interessierten Blogger zu einer Blogparade bis 6. März 2013 ein.
[Kurzinfo „Was ist eine Blogparade? Blogger schreiben einen Artikel im eigenen Blog zum Thema und verlinken dabei auf diesen Artikel. Ich schalte alle inhaltlichen Kommentare frei. Am Ende werde ich die Ergebnisse aus meiner Sicht selbstverständlich nochmals zusammenfassen.
Viel Spaß und manchen guten Gedanken wünsche ich!]

Ich bitte auch Nicht-Blogger – vor allem Schülerinnen und Schüler – um Ihre Meinungsäußerung und freue mich besonders über eine Diskussion via Kommentar-Funktion:

Weiterführende Links

erstellt am 2.02.2013; zuletzt bearbeitet am 13.11.2025      Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag