Mit dem zweiten Blick sieht man besser und erreicht mehr

Wer kennt das nicht? – Hinterher bin ich immer schlauer!

Nach einer herausfordernden Situation fallen mir oft weitere mögliche Entgegnungen, Redebeiträge oder kluge Fragen ein. Ich wäre gerne geistesgegenwärtiger, schlagfertiger oder reaktionsschneller. –

Die gute Gelegenheit scheint aber vorüber!

Wer legt das fest? Warum lege ich mich fest?

Warum lasse ich mich oft einschränken?
Vielleicht sollte ich mir und der Situation eine weitere, zweite Chance geben!

Was ist der zweite Blick?

Ich schlage regelmäßig „den zweiten Blick“ vor: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, nochmals über das Zurückliegende nachzusinnen und alternative Umgangsweisen oder andere Reaktionen durchzuspielen.

Es geht darum, sich Zeit und Gelegenheit zu nehmen, um über das Zurückliegende nachzusinnen, zu reflektieren und einen anderen Ausgang für möglich zu halten.

Damit gebe ich mir selbst die Chance, aus Gewohnheiten, Standardbewertungen und damit der unwillkürlichen, automatischen Steuerung meines Lebens (dem „Autopilot-Modus“) auszusteigen.

Reflexion hat Vorteile.

Reflexion ist ein mächtiges Werkzeug. Sie ermöglicht es uns, unsere Gedanken und Handlungen zu überprüfen und zu verbessern. Durch Reflexion können wir mehr und möglicherweise bessere Einfälle finden. Im Nachhinein, beim zweiten Blick, fallen uns oft klügere Lösungen ein.

Zudem gibt uns die Reflexion mehr Wahlfreiheit. Durch das Überdenken von Situationen erkennen wir, dass nichts wirklich alternativlos ist. Dabei können reflexartige Reaktionen noch einmal kritisch beleuchtet, tiefer durchdrungen und möglicherweise auch korrigiert werden.

Allgegenwärtige Dilemmata und Ambivalenzen wahrnehmen und aushalten

Mit mehr Ruhe und Distanz kann ich auch Dilemmata und Ambivalenzen als Realitäten in meinem Leben erkennen und würdigen. Manche antrainierte Routine stammt aus dem Vermeidungsversuch dieser tatsächlich kaum zu vermeidenden Spannungsfelder.

Erst ein ruhiger und zweiter Blick lässt zwiespältige Gefühle und Spannungen zu. Die Hoffnung, Dilemmata aufzulösen, halte ich für eher idealistisch. Realistisch ist wohl eher, einen geduldigen Umgang damit zu finden und sie zu ertragen.

Ressourcen und Wahlfreiheit

Reflexion offenbart mehr Ressourcen und Wahlfreiheit. Wenn wir uns Zeit nehmen, um über Situationen nachzudenken, erkennen wir, dass es oft viel mehr Möglichkeiten gibt, als wir zunächst dachten.

Dies gibt uns die Freiheit, uns für die beste und angemessene Option zu entscheiden.

Im Laufe der Einübung kann außerdem eine reflexive Grundhaltung entstehen, die zu schnelle Reaktionen bei wesentlichen Punkten vermeidet und zu spontane Fehlleistungen eher minimieren.

Stimmigkeit und stimmige Kommunikation

Stimmigkeit ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Beziehungen. Durch den zweiten Blick können wir unsere Kommunikation verbessern und sicherstellen, dass unsere Worte und Handlungen im Einklang mit unseren Werten stehen. Stimmige Kommunikation ist ein Weg zu erfolgreichen Beziehungen und einem erfüllten Leben.

Praktische Anregungen

Wie kann man den zweiten Blick umsetzen? Hier sind einige Wege:

  • Reflexionszeiten einüben, etwa Tagebuch, Briefe oder andere Texte schreiben: Ein Tagesrückblick am Abend oder das Aufschreiben von Gedanken können helfen, Situationen besser zu verstehen und den Raum für alternative Lösungen zu eröffnen.
  • Kurzfristige, gedankliche Reflexion und zeitnahe Korrektur: In manchen Alltagssituationen erlebe ich, dass ich mich zu einer schnellen und unklugen Aus- oder Zusage hinreißen lasse. Dann bemerke ich schon beim Herausgehen aus der Situation eine Unstimmigkeit oder ein Bedauern. Z. B. „Hier hätte ich realistisch sicher nicht zusagen dürfen! Warum habe ich nicht Nein gesagt?“
    Hier empfehle ich, sich kurz Zeit zu nehmen und dann – lieber zeitnah als mit längerem Abstand – das Geschehene nochmals anzusprechen und die passendere Antwort zu geben, zum Beispiel „Danke, dass Du mir das zutraust und es lockt mich auch. Tatsächlich ist es für mich realistisch nicht zu leisten und ich muss Dir leider absagen.“
  • Gespräche mit vertrauten Menschen: Durch das Nachbesprechen von Situationen mit anderen können wir neue Perspektiven gewinnen. Tatsächlich hilft mir die Suche nach Formulierungen zu einem tieferen Verständnis.
  • Auch andere Sichtweisen wahrnehmen.
    Beispielsweise findet die Politologin und Nato-Strategin Florence Gaub, dass man die aktuelle Vorgehensweise des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auch nicht-katastrophisch interpretieren könne: „Eine krassere Aussage gibt es doch nicht“ (über die Äußerungen zu Europa; im Interview von Marc von Lüpke; T-Online-Portal, zuletzt aktualisiert am 18.12.2025)
  • Kollegialer Beratung: Manchmal helfen Kolleg*innen. Eine bewährte Struktur für kollegiale Beratung können Sie hier herunterladen (pdf; 283 KB).
  • Professionelle Begleitung im Coaching oder der Supervision
    Manchmal reichen eigene Arbeit oder die Unterstützung des sozialen Umfeldes nicht aus und es ist sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu gönnen. Mehr dazu und zu meinen Angeboten

Probieren Sie die zweite Chance aus!

Der zweite Blick ist eine wertvolle Möglichkeit zum besseren Verständnis von Situationen, zu besseren Entscheidungen und zu stimmigeren Kommunikation.

Warum nicht regelmäßig den zweiten Blick einüben?

Sicher bedarf jede neue Gewohnheit Übung:

  • Man kann üben, den zweiten Blick überhaupt erst zuzulassen.
  • Und man kann üben, mit der nötigen Freiheit – zum Beispiel – eine vorschnelle Zusage auch wieder zurückzunehmen.

Quellen und Verweise

entwickelt zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2025;
zuletzt ergänzt am 22.12.2025/12 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Sie können mich buchen: Höre zu, rege an, entwickle, vernetze und biete Coaching, Supervision und Fortbildung.

Menschen, Gruppen und Teams bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kommunikativen, leitenden oder pädagogischen Möglichkeiten zu unterstützen und mit ihnen weitere Perspektiven zu (er-)finden, erfüllt mich und macht mich zufrieden.

Hilfreiche Fragen könnten sein:

  • Was ist Ihre Aufgabe?
  • Was wollen Sie erreichen?
  • Was hindert Sie bisher oder stört Sie?
  • Was können Sie?
  • Welche Lösungswege haben Sie schon versucht?
  • Was ist Ihnen schon (teilweise) gelungen; wann?

Die Version für Eilige: tl;dr

Als DGSv-zertifizierter Coach/Supervisor und Fortbildner unterstütze ich Menschen, die mit anderen Menschen arbeiten, Ihre Aufgaben (selbst-)bewusst, erfolgreich, zufrieden und anhaltend gesund zu bewältigen.

In strukturierten Gesprächen und Übungen suchen wir nach Verständnis, Möglichkeiten, verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten.

Grundsätzlich ist mir die Anerkennung bisheriger (Lösungs-)Versuchen wichtig. Anschließend können eingeübte Sicht- und Erlebnis-Gewohnheiten angefragt, eventuell verlassen und damit neue Wege entdeckt, erkundet, erprobt und eingeübt werden.

Das für Ihr Anliegen passende Format finden wir gemeinsam in einem Vorgespräch, in dem wir auch klären können, ob ich zu Ihrem Auftrag passe.
Schreiben Sie mir gerne Ihr Anliegen per Mail oder rufen Sie mich an.

Glut in einem Holzfeuer

Ausführlicher: Wofür ich mich gerne engagiere

Mehr Möglichkeiten (er-)finden,
Verbindendes wahrnehmen,
ermöglichen, anreichern, reflektieren, entscheiden
und gut leben, wirksam (zusammen-)arbeiten,
(sich) verstehen, entwickeln, wagen und erproben.

Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit

Wer Berufliches oder Ehrenamtliches überwiegend gerne und länger tut und dabei auch reflexiv und selbstreflexiv weiterdenkt und -lernt, wird auf Dauer sehr wahrscheinlich Qualität, Selbstwirksamkeit und daher Sinn und Zufriedenheit erleben.

Anfangen ist ein guter Anfang
– mit hilfreichen Gewohnheiten und Verstehen,
gerne auch in kleinen Schritten

und aufhören
– mit Ablenkungen, Abwertungen
(von sich selbst und anderen) und Hass

Entwicklung, Lernen, Leiten und Zusammen-Arbeiten kann große Freude machen – wenn wir gemeinsam dabei erfolgreich sind!

  • Gute Leitungen fördern Leistungen, Kreativität, Lösungen und Zusammenhalt.
  • Erfolgreiches Lernen (ob in Fortbildungen oder im Unterricht) macht Lernenden, Lehrenden und Leitenden Freude und wirkt nach.
  • Eine „kollaborative Grundhaltungen“ führt in der Regel zu kreativen und erfolgreichen Arbeitsgruppen, Teams und Kollegien. (Die Rahmenbedingungen sollten stimmen und dafür haben alle Beteiligten mit zu sorgen.)

Dazu möchte ich jeweils Anregungen und Beiträge leisten.

Ich berate, supervidiere und coache

in Supervision und Coaching – in unterschiedlichen (auch online-) Formaten – für

  • Verständnis und Klärung Ihrer aktuellen Situationen
  • bisherige (Lösungs-)Versuche
  • Erweiterung Ihres Überblicks und Suche nach möglichen Entlastungen
  • Erweiterungen Ihrer Entwicklungschancen für Sie, Ihrer Arbeitsgruppen, Teams oder Kollegien und gelingende Zusammenarbeit.

Ich habe über 22 Jahre unterrichtet und die Entwicklung von Schulen und Kollegien gefördert.

Dazu finden Sie hier Ideen, Protokolle und Reflexionen meines Unterricht, kollegiale Anregungen und Material für den eigenen Unterricht.
Gerne lade ich dazu ein, barcamps als Schulentwicklungsinstrument zu nutzen, außerdem rege ich Pädagogische Fallbesprechungs-Gruppen an und bin auch bereit, den Start-Impuls einer solchen Gruppe zu begleiten.

Ich bilde fort

Menschen, Teams, Kollegien, die mit anderen arbeiten, für

  • gelingende Selbststeuerung und Zusammenarbeit
  • gutes Leiten, Lehren und Unterrichten
  • Entwicklung passender Arbeitsstrukturen und entlastender Routinen
  • … oder zu Ihren Themen.
    Ich bin gespannt.

Das große Hintergrundthema ist „lernen“.

Menschen können immer weiter lernen.
Damit dürfen wir rechnen.
Selbst nutze und gestalte ich diese Möglichkeiten – gerne mit und für Sie.

Aktuell können/müssen/dürfen wir alle Gelassenheit angesichts vieler krisenhafter Entwicklungen lernen.

Ich selbst habe gelernt mit technischen Möglichkeiten auch passende Formate für online-Kontakte für Zeitdruck oder angesichts großer Entfernungen bereitzustellen.

Eine mir wichtige, wesentliche Erkenntnis

„Am Ende läuft es darauf hinaus:
Balance ist eine Illusion,
Balancieren eine Notwendigkeit.“
Reinhard K. Sprenger
in Kursbuch 222 (Juni 2025)

Kurz-Information zur Supervision/Coaching

Supervision und Coaching verstehe ich als einen verabredeten und begleiteten Such-, Er-Finde- und Lernprozess zu für Sie passenden Antworten, Lösungen und Perspektiven Ihrer Entwicklung.

Dabei habe ich die gelegentliche Tempo-Verlangsamungen für mehr Genauigkeit als hilfreich entdeckt:
Lieber nicht vorschnell behaupten, verstanden zu haben, sondern nochmals prüfen und nach-fragen,
die Blickwinkel wechseln und Verhaltensweisen überprüfen und erproben.

Dabei sichere ich meine eigene Berater-Qualität durch kollegiale Kontrolle und den Fachdiskurs in meinem Berufsverband Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching und im kollegialen Netzwerk der Freiburger Vereinigung von SupervisorInnen.

über Michael Veeser-Dombrowski

Seit 2008 blogge ich hier unregelmäßig,
denke dabei schriftlich über meine Projekte nach, vergewissere mich so dabei selbst und teile meine Ideen.

Wenn wir uns gute Ideen mitteilen und sie austauschen, gestalten wir unser Leben und Arbeiten entlastender, angeregter, (selbst-)reflexiver und – so meine Erfahrung – zufriedenstellend.
Diesen Austausch fördere ich hier.

Meine Themen sind:

  • bewusst, neugierig, selbstreflexiv und selbstwirksam arbeiten, entscheiden und gestalten
  • lernen und lehren mit Spaß: Fortbildung, Leitung, Kooperation, Schule und Unterricht
  • bewusst engagiert, mehrperspektivisch und belastbar gut leben
    – auch in ungünstigen Rahmenbedingungen
Michael Veeser-Dombrowski schaut freundlich und neugierig

Ich unterstütze als lebens- und berufserfahrener Coach, Supervisor (DGSv) und Fortbildner überwiegend sozial, lehrend und leitend Handelnde, Ihre Aufgaben zufrieden und anhaltend gesund auszuüben.

14 Jahre unterstützte ich Jugendliche bei ihrer persönlichen Entwicklung und über 22 Jahre habe ich an beruflichen Schul-Zentren mit Technischen Gymnasien unterrichtet und gearbeitet.

Mit Fragen nach Wachstum, Planung, Orientierung, Denken, Lernen, Entscheidungen und Organisation kenne ich mich aus.

eine andere Darstellung meiner Anliegen und Arbeitsweise finden Sie im Berater-Profil

Fragen beantworte ich – nach Möglichkeit – immer wieder gerne

Stellen Sie mir diese gerne per E-Mail.

Die erste Grundidee für diesen Text stammt aus 2018; inzwischen mehrfach überarbeitet; zuletzt am 24.05.2025; redaktionell zuletzt bearbeitet am 5. Oktober 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Unübersichtlichkeit und Unsicherheit gelassen aushalten

Besonders in unübersichtlichen Zeiten
– und sicherlich überhaupt im Leben –
ist die hier von Rilke ausgedrückte Fähigkeit,
das Offene auszuhalten
und Vertrauen in Lösungen zu haben,
erstrebenswert und hilfreich.

In einem modernen Emoticon, dem shruggy, wird dieser Haltung Ausdruck verliehen:

Emoticon Shruggie - aus japanischen Schriftzeichen zusammengesetzt

„… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

Rainer Maria Rilke

Zitiert aus einem Brief an Franz Xaver Kappus,
geschrieben in Worpswede bei Bremen, am 16. Juli 1903

Davon wünsche ich allen Leserinnen und Lesern
und auch mir selbst
mehr
und übe mich selbst darin.

Weiterführende Links für Nonkonformisten

entwickelt im Dezember 2020;
zuletzt bearbeitet am 18.01.2024       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Andere könnten recht haben (Wandel lernen – 10)

Zusammenfassung der Shruggie-Haltung

Leben wir unaufgeregt und realistisch
mit der Überforderung angesichts der Komplexität:

  • Wir können die Welt nicht überblicken und die meisten Prozesse nicht steuern!
  • Rechnen wir humorvoll und zuversichtlich
    mit einer guten Zukunft.
  • Handeln wir, wo wir es können.

Ein realistischer Blick auf die komplexe Welt

Wir leben in einer Wachstumsgesellschaft.
Es „wachsen“:

  • Wirtschaftsleistung
  • verfügbares Wissen
  • Freiheitsgrade
  • Energiebedarf
  • Umweltbelastung
  • Unübersichtlichkeit
  • Unsicherheit
  • und damit die Herausforderungen an einzelne, Gruppen und ganze Gesellschaften, damit umzugehen.

Ein gängiger Bewältigungs-Versuch ist die Reduktion der Komplexität durch das feste, zuweilen fanatische Behaupten einer – meistens – einfachen Wahrnehmung, Meinung oder Deutung.

Was, wenn Kontrolle eine Illusion ist?

Wenn wir uns die Begrenzungen unserer Lösungsansätze eingestehen?

Wie ändert sich das Bild der Welt, wenn wir sie realistisch anschauen und unsere Wahrnehmungen von Wunschdenken oder Größenphantasien befreien?

¯_(ツ)_/¯-Haltung: Gelassen und humorvoll mit Komplexität rechnen.

Mit der ¯_(ツ)_/¯-Haltung können wir entspannt und gelassen in die Welt blicken. – Diskussionen können friedlich und entspannt verlaufen.

Wir haben bisher keine bewährten Verfahren und kaum angemessene Sprache für den Umgang mit Komplexität und tasten uns langsam und mühsam heran.
Tatsächlich neigen wir zu sprachlich linearen (und damit vereinfachte) Darstellungen.

Komplexität entsteht andererseits aus der Gleichzeitigkeit sehr unterschiedlicher Phänomene mit ganz unterschiedlichen Logiken, ist demnach genau nicht linear beschreibbar.

Das ist herausfordernd, teilweise verwirrend. Manchmal wird es unangenehm empfunden und fordert „Überforderungsbewältigungskompetenz“. Das ist die Übersetzung des Fachbegriffs „Ambiguitätstoleranz“: Wir sind genötigt, die Gleichzeitigkeit von vielfältigen Widersprüchlichkeiten auszuhalten.

Wie wäre es mit:

  • humorvoll mit den Schultern zu zucken
  • uns der begrenzten Reichweite eigener Einsicht einzugestehen
  • probeweise zu handeln
  • dabei realistisch zu sein
  • und auf eine gute Zukunft zu hoffen.

Dafür gibt es im Netz das Emoticon „Shruggie“:

Emoticon Shruggie

Eine alte Weisheit

In meiner Studienzeit lernte ich die Werke von Hans-Georg Gadamer über die Wissenschaft vom Verstehen, die Hermeneutik, kennen.
Herrn Gadamer wird als Haltung für erfolgreiches Verständnis der Satz „Der andere könnte Recht haben.“ zugeschrieben.

Respekt gegenüber den Beweggründen des Gegenübers als Chance

Darauf kann man mit der Hintergrundweisheit der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) ankoppeln: Alle menschlichen Handlungen werden von Bedürfnissen angetrieben. Wenn wir uns dahin empathisch einfühlen, können wir (vielleicht) verstehen und Lösungen er-finden.

Es ist erstaunlich, welche Spiel- und Handlungsräume sich aus der ¯_(ツ)_/¯-Haltung ergeben.

Weiterführende Links

entwickelt im Oktober 2018;
zuletzt leicht ergänzt am 14.11.2025 / 17:07 Uhr       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Konferenzen effektiv gestalten

Konferenzen können effektiv gestalten werden und machen dann sogar Spaß!

Konferenzen werden dann effektiv und gut, wenn

  • sie die angemessene Arbeitsform sind, weil eine gemeinsame Arbeit erforderlich ist
  • sie gut vorzubereitet wurde [nochmals wichtiger, wenn es online-Konferenzen sind]
  • sie klug und stringent moderiert werden
  • ungute Stimmung vermieden wird
  • die Aufgaben sachgerecht und effektiv erledigt werden
  • sie Ergebnisse bringen, die auch festgehalten und weiterverwendet werden und so eine Bedeutung haben.

Selbst beteilige ich mich gerne an gut vorbereitet und effektiv geleitete Konferenzen, weil so notwendige Meinungsbildungen, Absprachen und Entscheidungen sinnvoll zusammen bearbeitet werden können.

Leider habe ich auch immer wieder erlebt und erlitten, dass sinnlos Zeit und Energie von vielen Menschen “verbrannt” wurde, weil unnötige, nicht gut vorbereitete oder wirkungslose Konferenzen durchgeführt wurden.

Ich empfehle …

1. Immer die Grundfrage zu beantworten:
Ist die Konferenz überhaupt notwendig und angemessen?

Reine Informationen oder Einzeleinschätzungen können angenehmer und zielgerichteter eingesammelt oder verteilt werden über

  • Aushang
  • Rundbrief oder E-Mail
  • Intranet-Information oder ein
  • Umfrage-Tool

2. Beziehen Sie die Teilnehmenden durch rechtzeitige Information mit ein.

Für Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse kann es häufig sinnvoll und notwendig sein, dass die betroffenen Personen sich in einem [virtuellen] Raum versammeln.
Informieren Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Konferenz

  • über die Themen
  • über die Ziele (Information, Meinungsbildung oder Entscheidung?)
  • über bereits vorhandene Vorinformationen (Geschichte der Frage, frühere Entscheide, Teil-Ergebnisse, Vor-Entscheidungen der Leitung, Modelle)

3. Auch methodische Gedanken sind für die Konferenzvorbereitung sinnvoll.

  • Mit welchem Verfahren soll das Ziel erreicht werden?
  • In welcher Zeit?
  • Mit welcher Moderation?
    (Sehr entlastend und klärend kann es sein, wenn die Moderation von inhaltlichen Interessen getrennt handeln kann.)
  • Wie können die Konferenz-Teilnehmer/innen einbezogen, eventuell aktiviert werden?
    (Z. B. in die Vorbereitung, durch Sammlung und Gewichtung der Punkte, durch Trend-Umfragen…)
  • Manchmal sind auch neue Rahmenbedingungen hilfreich: Warum nicht mal an Stehtischen tagen
    oder in einer festgefahrenen Diskussion die (steh- oder Sitz-)Plätze tauschen, um andere Blickwinkel zu gewinnen?
  • Welche Punkte sind dramaturgisch sinnvoll für den Anfang, welche für später?

4. Ergebnisse zu erreichen und diese auch in einem Ergebnis-Protokoll mit verbindlichem Überprüfungszeitpunkt festzuhalten.

  • Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
    (Eventuell kann dies auch in der Sitzung selbst einvernehmlich festgestellt werden, um spätere Interpretationsstreitigkeiten des Ertrages zu vermeiden. )
  • Wer macht was bis wann (evtl. wie)?
  • Bitte unbedingt festlegen: Wann wird wie überprüft?

5. Schließen Sie grundsätzlich mit einer Kurz-Auswertung ab und etablieren Sie so eine lernende Grundhaltung.

  • Was war hilfreich?
  • Was war hinderlich?
  • Was soll darüber hinaus auf jeden Fall nicht vergessen werden?

Diese höchstens fünf Minuten immer nach jeder Aktion als Routine einzuführen, ist ein sehr mächtiges Instrument zu einer lernenden und Frustration vermeidenden Kultur. Sonst passiert es Ihnen, dass dieselben ungünstigen Vorgehensweisen ständig wiederholt werden. Solche frustrierenden Wiederholungen führten – sehr zuverlässig –zu schlechter Stimmung und fallender Arbeitszufriedenheit. (Merke: Man kann Menschen nicht motivieren, das können sie nur selbst; allerdings kann man Menschen der wirksam demotivieren!) Das sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Hilfsmittel zum Download, Links und Anregungen zur Vertiefung

Für Ihre effektive Konferenz-Gestaltung schlage ich Ihnen hier zwei vorbereitete Formulare vor und biete diese zum kostenlosen herunterladen (Download) an:

  • Formular zur vorbereitenden Sammlung von Tagesordnungspunkten – mit der Aufforderung, sich schon bei der Anmeldung von Konferenz-Punkten auch Gedanken über Ziel, Methode, Zeitbedarf und mögliche Moderator/innen zu machen
    (Word-Datei, 26 KB – für Ihre Zwecke veränderbar)
  • Protokoll-Formular
    (Word-Datei, 32 KB – für Ihre Zwecke veränderbar)

Wenn Sie ein fortlaufendes Dokument pflegen, können Sie über die Suchfunktion leicht frühere Arbeiten und Ergebnisse auffinden.

Weitere Hilfen

Wenn Sie als Leitung (z.B. als Klassen-Lehrer/in oder Teamleitung) mit Ihren Konferenzen und oder Elternabenden Unterstützungsbedarf haben sollten, könnten Sie sich in einer kollegialen Beratung, einer Gruppensupervision oder in einem Coaching unterstützen lassen.

Interessante Links

zur Vertiefung

entwickelt zwischen 2005 und 2011;
zuletzt leicht überarbeitet am 2.10.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Warum der Lehrerberuf wunderbar ist: Reflexionen und Ermutigungen (Profession Lehrkraft – 24)

1. Ich gehe in einer positiven Grundstimmung, bin gerne Lehrer und habe bis zum Ende Freude am Unterrichten

Lehrkräfte haben eine wunderbare, bedeutsame, sinnvolle (manche sagen auch „machtvolle“) Aufgabe: Wir dürfen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei Ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Entwicklung begleiten.
Ende Juli 2024 beende ich meine Tätigkeit an beruflichen Schulen nach 22 Jahren. Ich möchte diese lange Zeit mit einer ermutigenden Bilanz meiner Arbeit abschließen.

Mit der Veröffentlichung dieses ausführlichen Blog-Beitrags trage ich dazu bei, die Redezeit in der Abschluss-Konferenz Ende Juli kurz zu halten.

Ich gehe mit mehrdeutigen Gefühlen: Einerseits bin ich zufrieden und andererseits ahne ich auch, dass manche Aspekte meiner aktuellen Berufsrolle mir zukünftig auch fehlen werden. Und schließlich gibt es – wie in jedem Beruf – selbstverständlich manches, auf das ich in Zukunft gerne verzichte.

2. Worauf ich zukünftig gerne verzichte

2.1 Verunsichernde und anstrengende Kursbildungen am Anfang und unangekündigte Unterrichtsausfälle am Ende des Schuljahres

  • In den ersten drei bis vier Wochen am Schuljahresbeginn musste ich regelmäßig bangen, ob Kurse eventuell nicht zustande kommen könnten, weil zu wenig Schüler*innen den Religionsunterricht wählten. Die Alternative zum Religionsunterricht war jahrelang Unterrichtsentfall und nicht das Ersatzfach Ethik. Daraus konnte sich dann Fehlstunden in meinem Deputat ergeben, das heißt, ich musste im nächsten Schuljahr nacharbeiten.
  • In den ersten vier bis fünf Schulwochen musste ich allen möglichen Listen hinterherjagen: Welche Schüler*innen gehören in meinen Kurs? Und welche gehen nach Ethik? Bleiben Schüler als sogenannte „U-Boote“, also „ducken sich weg“ und erscheinen so weder im Ethik- noch im Religionsunterricht? Wie finden und sprechen wir diese an?
  • Gegen Ende des Schuljahres gibt es vermehrt Betriebsbesichtigungen oder andere Ausflüge. Solche Unternehmungen sind sicher sinnvoll und unterstütze ich gerne.
    Ärgerlich reagiere ich allerdings, wenn die planenden Kolleg*innen es unterlassen, die auch noch betroffenen Fachlehrkräfte rechtzeitig von ihren Plänen und den Auswirkungen auf geplanten Unterricht zu informieren. So ist zum Beispiel der Versuch einer Auswertung der dreijährigen Oberstufe statt mit der Gesamtgruppe von zweiundzwanzig Personen nur mit zwei Anwesenden sinnlos. Dieser Ärger wäre leicht vermeidbar: Wenn die Information rechtzeitig kommt, kann noch umgeplant werden!

2.2 Ineffiziente Konferenzkultur

  • In schlecht vorbereiteten Konferenzen habe ich regelmäßig gelitten und es wurde manche unnötige Arbeitsstunde und Motivation „verbrannt“.
    Die meisten Konferenzen fanden im Sitzen, methoden-monoton und ohne eigene Moderation (getrennt von den Personen mit inhaltlichen Interessen) statt. Hier gibt es viele gute Ideen, wie z.B. Stehtisch-Konferenzen, rollierende Moderation oder Methoden-Vielfalt.
  • Einzelne Konferenz hätte sehr viel effizienter durch eine Informations-E-Mail ersetzt werden können.
  • Manche andere wäre durch genügend Vorinformationen (Was geschah bisher? Welchen Entscheidungsrahmen haben wir? Wer ist beteiligt? Bis wann muss die Entscheidung gefällt werden? Gibt es schon Erfahrungen mit den unterschiedlichen Modellen aus anderen Bereichen? …) deutlich effektiver geworden. Schade.

2.2 Korrekturen und neue Prüfungsformate

  • Allgemein habe ich nicht gerne korrigiert. Noch weniger gerne korrigierte ich Abitur-Prüfungen, bei denen ich in den ersten beiden Arbeitsschritten nach Fehlern suchen musste. Schlecht lesbare und lieblos hingeschmierte Schüler-Antworten zu korrigieren, war besonders herausfordernd.
  • Die neue Abiturprüfung ohne die Chance der Schüler*innen, selbst Präsentationsthemen vorzuschlagen, und jetzt mit vielen, kleinteiligen Prüfungsfragen, bewerte ich als einen bedauerlichen Rückschritt bei modernen Prüfungsformaten.

2.3 Ständige Aufgaben-Erweiterungen ohne angemessene Ressourcen-Steuerung

  • Gefühlt alle sechs bis neun Monate wurden neue pädagogische Moden, Modelle oder auch Verfahren angeregt, für die dann allerdings oft keine zusätzlichen oder ausreichenden Ressourcen bereitgestellt wurden. – Ganz nach dem baden-württembergischen Motto „Wir wolle(n) alles; darf nur nix koschde!“.
  • Überhaupt habe ich nur sehr selten erlebt, dass eine Aufgabe wegfallen konnte. Die sehr produktiven Kontroll-Fragen „Was kann ohne Qualitätsverlust unterlassen werden?“ und „Was kann statt des neuen Verfahrens wegfallen?“ wurde leider zu wenig gestellt und offensichtlich auch zu selten beantwortet.
    Die Steuerung der Belastung wird so auf die individuelle Ebene jeder einzelnen Lehrkraft verlagert.

2.4 Unangenehme Arbeitsbedingungen

  • Der ständige Kampf um Aufmerksamkeit in einer reiz- und mediengefluteten Umwelt macht es mir zunehmend schwer – am meisten in pubertierenden Mittelstufenklassen, in eine konzentrierte Unterrichtsatmosphäre zu gelangen.
    Als allgemeinbildender Lehrer habe ich den Anspruch, Texte und Gedanken-Zusammenhänge zu erschließen und zur Auseinandersetzung mit verstandenen Inhalten herauszufordern. Im Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit mit Spielen oder „witzigen YouTubes“, die jederzeit auf dem Handy erreichbar sind, kann ich leider eher selten gewinnen.
    Zuweilen beschleicht mich zusätzlich der Eindruck, dass die Eltern bei der Regulierung des Medienzugangs und der Medienbildung ihrer Kinder kapituliert haben.
    Aufgeben ist keine passende Option für mich und meine Vorstellung von meiner Berufsrolle. Die fortdauernde Werbung um Konzentration und Regulierung eines zielführenden Medieneinsatzes macht auf die Dauer aber sehr müde.
  • Je komplizierter und komplexer die eingesetzte Technik ist, umso mehr kann es Technik-Probleme geben: schwaches oder nicht funktionierendes WLAN, defekte Verdunkelungen in den Unterrichtsräumen, fehlende Schülerdaten im elektronischen Klassenbuch oder der Lernplattform Moodle, fehleranfällige elektronische Notenerfassungsprogramme, defekte Bildschirme und PCs, „kreative“ Änderungen der Verkabelung durch Kolleg*innen, etc.).
    Der Mulimedia-Beauftragte im Kollegium und die Kollegen aus der Netzwerkbetreuung engagieren sich stark. Dennoch kommt es immer wieder zu Ausfällen oder Defekten mit teilweise erheblichen Stör-Auswirkungen auf den Unterricht.
  • Überhitzte Klassen-, Arbeits- und Konferenz-Räume wurden in den letzten Jahren immer problematischer: Im Juni/Juli wird es in manchen Räumen im Betongebäude schon auch mal 30 Grad und mehr heiß.
    Mein Seniorenkörper hat das immer weniger gut vertragen und auch für die Schüler*innen waren diese Raumtemperaturen eine echte Zumutung. Das melden mir die Schüler*innen auch regelmäßig in den Auswertungen der Schuljahre als sehr belastend zurück.

3. Was ich an meinem Beruf geliebt habe und wofür ich dankbar bin

Ein lachendes smiley aus kleinen plastiksmilies auf einer Holzfläche

In meinen letzten Arbeitswochen verteilte ich kleine, bunte Smileys – immer wieder an Orten oder in die Postfächer von Kolleginnen und Kollegen.

Ich zeigte damit an, wo und mit wem ich es angenehm und/oder auch hilfreich empfunden hatte.

Angeregt wurde ich zu dieser Aktion durch Berichte über die Ulmer Rathausente.

3.1 Begegnungen und Beziehungen

  • In diesem Beruf konnte ich meine menschen-zugewandte Grundhaltung ausleben und bin nur selten enttäuscht worden.
  • Immer wieder junge Menschen und auch Kolleg*innen treffen und kennenlernen zu dürfen, hat meine geistige Beweglichkeit gefordert und gestärkt.
    Die Schüler*innen werde ich vermissen – fast alle!
    Und manche Schüler*innen sagten mir beim Abschied, sie würden auch mich im nächsten Schuljahr vermissen. Danke; tut gut.
  • Ich schätze Kollegialität und habe einen Kreis verlässlicher Kolleg*innen gefunden und gepflegt. Mit ihnen konnte ich mich abstimmen, reiben und weiterentwickeln. Gelegentlich wurden sie auch „meine Klagemauer“.
    Höhepunkte wechselseitiger Unterstützung waren die Jahrestagungen der Religionslehrer*innen in Hohritt und Rastatt, die pädagogische Fallbesprechungsgruppe an der Schule von 2009 bis 2023 und das vertraute Kollegium im Lehrerarbeitsraum 309.
  • Auch die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und die Technikfachleute waren freundlich und zielstrebig bei der Unterstützung von uns Lehrkräften.

3.2 Herausforderungen und Erfolge im Unterricht

  • Ich liebe die Herausforderung, komplexe Zusammenhänge so zu vereinfachen, dass sie verständlich sind, ohne falsch zu werden. Wenn dann „Ach-So-Momente“ möglich waren, entlohnte mich dies für die investierte Vorbereitungen und machte zufrieden.
  • Ich habe gerne (gut) vorbereiteten Unterricht gehalten und darum langfristig geplant und häufig auch schon eine Skizze der Klassenarbeit vor Unterrichtsbeginn erstellt. So sorgte ich für eine ruhige Unterrichtssteuerung und förderte meine Gelassenheit.
  • Mein konstruktivistisches Lernverständnis hat sich für mich und meinen Unterricht bewährt. (Ausgewählte Annahmen in Stichworten: Empfänger*innen bestimmen die Bedeutung der Nachricht; kommunikative Missverständnisse sind wahrscheinlicher als selbstverständliches Verstehen; Lernen ist hoch-individuell und weitgehend selbstbestimmt …). Die daraus entwickelte Unterrichtsroutine mit jeweils individuellen, persönlichen Lernzielen innerhalb der allgemeinen Bildungsplanziele war fast durchgehend erfolgreich: Die – nach anfänglichen Einwänden – doch oft motivierten Schüler*innen konnten am Ende der Unterrichtseinheiten nach den eigenen Unterrichtszielen auswerten und waren überwiegend zufrieden.

3.3 Persönliche Entwicklung und Selbstreflexion

  • Gerne habe ich die Herausforderungen im Kontakt mit anderen Menschen dazu genutzt, als Persönlichkeit weiter zu wachsen. So konnte ich im Laufe der Berufsjahre als Lehrer meinen antrainierten Perfektionismus etwas mildern.
    Inzwischen meine ich: Es ist schon gut, wenn mehr gelingt als misslingt!
    Das gilt besonders in einem Feld, in dem viel auch vom jeweiligen Gegenüber, den Rahmenbedingungen und auch der Gruppendynamik abhängt.
  • Da ich auch für die Inhalte meines Fachs und die theologischen, philosophischen, soziologischen und psychologischen Aspekte der Themen fortdauerndes Eigeninteresse entwickeln konnte, durfte ich mich in meinem Beruf mit für mich auch persönlich spannenden Themen befassen.

3.4 Gestaltungsfreiraum und Eigeninitiative

  • Die Grundliberalität an der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg wird wohl oft nicht wahrgenommen: Die Schul- und Abteilungsleitungen lassen uns Lehrkräften viel Gestaltungsfreiraum. Wer wusste, was er wollte, konnte eigene Schwerpunkte setzen.
    Das habe ich gerne genutzt – frei nach dem Motto der Rebels@Work Gründerin Anja Förster: „Frag nicht, was deine Kollegen, dein Chef, dein Unternehmen oder dein Land für dich tun können. Mach es einfach selbst!“.
  • In alle Schularten außer dem Technischen Gymnasium sind die Lehrpläne für das Fach Religion sehr offen und fordern ausdrücklich zur Berücksichtigung der Interessen der Schüler*innen auf. So konnte ich die Lerngruppen an der Themenfindung beteiligen. Immer wieder führte das auch zu Motivation und engagierter Beteiligung und schließlich auch positiven Rückmeldungen.

3.5 Anerkennung und Wertschätzung

  • Es tut einfach gut, immer mal wieder zu spüren und rückgemeldet zu bekommen, dass meine Arbeit eine Wirkung hat, sinnvoll ist und gewürdigt wird.
  • Gerne gebe ich die Anerkennung und den Dank an die Vielen auf und hinter der Bühne der Schule auch zurück, ohne deren Arbeit ich selbst nicht arbeiten hätte können oder zumindest nicht so gut:
    + die Reinigungskräfte
    + die Techniker
    + die Verwaltungsmitarbeitenden
    + die Medienzentralen im Landkreis und der Erzdiözese Freiburg
    + die Fachberater*innen
    + das Team um Holger Radenz vom AOK-Forum für schmackhafte und angenehme Mittagspausen
    + meine Männergruppe
    + alle in den virtuellen Lehrer*innen-Zimmern, ob früher auf twitter, in den verschiedenen Barcamps oder in der Blase der Edu-Blogger*innen oder aktuelle Kontakte über die Schule hinaus
    + die Kolleg*innen in der Fachgruppe, im Wohlfühlort Raum 309 und im Gesamtkollegium der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg

4. Eine konzentrierte Kurz-Version in vier Punkten

Diese Version ist meine Kurz-Ansprache auf der Abschluss-GLK am 19. Juli 2024:

  1. Als Lehrkräfte haben wir eine wunderbare, bedeutsame, sinnvolle (manche sagen auch „machtvolle“) Aufgabe:
    Wir dürfen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei Ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Entwicklung begleiten.
    Das hat mich dauerhaft motiviert.
  2. Anspruchsvolle Professionalität.
    Ich lege Wert auf anspruchsvolle Fachlichkeit und langfristige Planung. Diese Ansprüche habe ich auch auf andere übertragen. Manchmal führte das zu Reibungen. ‑ Insgesamt habe ich überwiegend gute Erfahrungen mit dem hohen Anspruch an mich als Professional gemacht und auch viele bestärkende Rückmeldungen bekommen.
    Ich habe regelmäßig in diesem Bereich reflektiert und an mir gearbeitet.
    Das hat sich gelohnt!
  3. Gepflegte Kollegialität.
    Mir tut es gut, mich mit anderen Menschen zu verbinden.
    Ich habe einen Kreis verlässlicher Menschen gefunden. Mit diesen Vertrauten konnte ich die Höhen und Tiefen des Lehrerlebens bewältigen und gemeinsam neue Sichtweisen entwickeln.
    Ich habe immer wieder Aufmerksamkeit für andere aufgewendet.
    Mir hat es gutgetan; ich hoffe Ihnen/Euch auch.
    Mein Tipp: Haltet zusammen!
  4. Lust an der Neugier und mutigem Experimentieren.
    Tatsächlich arbeite ich seit Ende 1987 in pädagogischen Feldern.
    Ich fürchte, es wäre mir langweilig geworden, wenn ich nicht ab und zu auch Neues erprobt hätte.
    Meine Neugierde auf Menschen und neue Situationen war mir dafür hilfreich.
    Im Laufe meiner Entwicklung konnte ich auch Abschied vom Perfektionismus nehmen.
    Es ist gut genug, wenn mehr als die Hälfte gelingt! Das gilt besonders in einem Feld, in dem viel vom jeweiligen Gegenüber, komplexen Rahmenbe­dingungen und auch den Gruppendynamiken abhängt.

Herzlichen Dank für die gemeinsame Zeit
und ich wünsche Euch und Ihnen viel Freude,
nachhaltige Erfolge
und stabile Gesundheit!

Quellen und Verweise

entwickelt zwischen März und Mitte Juli 2024; zuletzt leicht erweitert am 14.10.2025/13:07 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Selbstorganisation und Ablage

Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte haben die große Chance und Aufgabe, einen Teil ihrer Arbeitszeit selbst zu organisieren.

Ich rate hier allen , diese Chance zu ergreifen:
Eine für sich selbst passende Selbstorganisation mit funktionierender, intelligenter Archivierung von Material und Unterrichtsdokumentationen
zu entwickeln, lohnt sich auf Dauer ganz sicher.

Für mich gehört zur Selbstorganisation:

  1. Ziele entwickeln und deren Umsetzung planen
  2. Zwischenreflexionen (möglichst mit Feedbacks)
  3. Ein Ablage- und Archiv-System entwickeln und diese Ordnung konsequent umsetzen

Ideen zu Selbststeuerung:

  • Ziele finden und deren Umsetzung planen
    „Wer nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, für den ist jeder Wind der falsche.“
    Diese Segler-Weisheit gilt für viele Bereiche der planvollen Arbeit.
    Wenn ich meine Ziele formuliert habe und die Umsetzung tatsächlich anstrebe,  so sind als nächstes erste Schritte zu planen.
    (Ich rate ja nachdrücklich zu einem eigenen Konzept der Arbeit; z. B. hier.)
  • Zum Thema „Ziel- und Zeit-Management“ gibt es Berge von Hilfestellungen und Theorien. Jenseits aller Wettkämpfe um die beste Organisation der Ziele, Zeiten und Aufgaben erscheint mir die Entscheidung für die tatsächliche Umsetzung ein wesentlicher Punkt zu sein.
    Meine Erfahrung:
    Anfangen
    und die Mittel nach persönlichem Interesse und persönlichen Vorlieben und Rhythmen weiter entwickeln, hat sich bei mir selbst bewährt. [vertiefend lesen Sie hier]
  • Kein vernünftiger Mensch würde ein großes Projekt (Reise, sportliches Leistungstraining etc.) ohne Zwischen-Reflexion und Angleichung der Verfahren bestreiten wollen.
    Im Bereich der geistigen Arbeit ist diese Zwischenreflexion sicher genau so wichtig. – Manchmal sogar noch wichtiger, weil wir sonst erst am Ende des Unterrichts oder gar erst bei der Prüfung entdecken, was verbesserungsbedürftig gewesen wäre. Dann ist diese Einsicht manchmal eher tragisch, weil zu spät und nicht mehr zu ändern.
    Ich empfehle Zwischen-Reflexionen nach ungefähr drei Monaten, also in der Hälfte des Schulhalbjahres und am Ende (eines Projektes).

Erste Ideen zu einer systematischen Ablage und einem für Lehrer/innen passenden Archiv-System

  • Die Datenmenge wächst ständig. Wer einmal einen Unterricht (für Lehrer/innen) oder eine Zusammenfassung des Lernstoffs (für Schülerinnen und Schüler) entworfen hat, möchte dieses Ergebnis wieder finden.
    Entwürfe, Zusammenfassungen oder Kopiervorlagen zu suchen, bedeutet für mich sinnlose Vergeudung von Zeit und Energie.
    Ein einfaches, intelligentes und passendes System für die Ordnung zu haben und anzuwenden, spart Zeit und Ärger.
  • Ich habe entdeckt, dass für mich als allgemeinbildender Lehrer eine Ablage nach inhaltlichen Schlagworten sinnvoller und beständiger ist, als die Systematik des derzeit gültigen Lehrplans zu übernehmen:
    Lehrpläne ändern sich immer wieder, inhaltliche Zusammenhänge wesentlich seltener. Sowohl in der Verzeichnis-Struktur meines Rechners als auch in den Archiv-Ordnern für Material und ausgedruckte Unterrichtsentwürfe verfolge ich dieses Verfahren seit nunmehr neunzehn Jahren und habe gute Erfahrungen damit.

Meine Empfehlungen für eine Struktur der Ablage im PC

  • Geben Sie Ihrer Ablage (auch im PC) eine eindeutige und überzeugende Ordnung, die zu ihnen selbst passt und setzen sie diesen eigenen Standard konsequent um.
  • Meine Systematik für die Benennung der Dateien: Zuerst die Nummer der Lehrplaneinheit, dann die Stunden-Nummer, anschließend der Buchstabe für die Art des Materials (UAP = Unterrichts-Ablauf-Plan, F = Folie, AB = Arbeits-Blatt, M = Material). Dann folgt ein möglichst aussagefähiger Kurz-Titel.
    Es lohnt sich, sich einmal eine (eigene) Grundordnung für die Benennungen auszudenken und diese dann konsequent einzuhalten.
  • Überprüfen Sie die Ordnung regelmäßig zum Ende des Schuljahres und räumen Sie Ihn Verzeichnisbaum und Ihre Dateien regelmäßig zum Start in das neue Schuljahr auf.
    (Ihre Küche und Ihren Schreibtisch ordnen Sie ja wohl auch regelmäßig.)

Hier einige Beispiele

… für Lehrkräfte

finden Sie gebündelt auf der download-Sammlung für Lehrkräfte

… für Schülerinnen und Schüler

empfehle ich die Anfertigung von Themen-Ordner und entsprechend eine Verzeichnis-Struktur nach Themen auf dem PC.
Ganz wichtig finde ich, die jeweiligen Prüfungen von Anfang an aktiv zu beachten und Informationen dazu in einem eigenen Ordner im PC zu speichern.

Merkspruch und Appell an die Konsequenz: Suchen mögen nur wenige! Finden hebt die Laune.

Interessante Links:

im Frühjahr 2010 entwickelt,
immer wieder und zuletzt leicht bearbeitet am 5.10.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Kunstvoll mit Konflikten leben

ch brauche keine Bücher zu lesen, um zu wissen,
dass das Grundthema unseres Lebens Konflikte sind;
all meine Clownereien entspringen dieser Erkenntnis.

Charlie Chaplin

1. Die Kunst, Konflikte wertzuschätzen und zu unterscheiden

Lange hatte ich die Vorstellung, die allgegenwärtigen Konflikte seien möglichst zu beseitigen, zu beenden und sowieso lösbar.
Schließlich strengen sie an, strapazieren unsere Geduld und kosten oft viel Kraft, wenn wir sie auszuhalten versuchen, und sie stören nachhaltig das weit verbreitete Harmoniebedürfnis!

Inzwischen meine ich, dass es manchmal sogar geboten sein kann, Konflikt zu schüren und sich mit Ernst auseinander zu setzen. Dazu ist die Annahme hilfreich, dass Konflikt auch eine Funktion haben und eine Botschaft transportieren können: Hier ist eine Entwicklung oder Klärung notwendig!

zwei Menschen mit ärgerlichen Gesichern gestikulieren beidem mit erhobenem Zeigefinger - offensichtlich eine persönlich-konflikthafte Situation

Bild von einem streitenden Paar mit erhobenen Fingern und ärgerlichen Gesichtern
(unsplash-Foto von Afif Ramdhasuma)

Es erscheint mir als hohe Kunst, zu erkennen, wann es besser ist, einen Konflikt auf sich beruhen zu lassen oder ihn aktiv zu schüren oder zumindest ausdrücklich zu benennen.

2. Die Kunst, einen Konflikt zu schüren

2.1 Entscheiden, dass dieser Konflikt den Einsatz lohnt

Nicht jeder Konflikt verdient unsere Aufmerksamkeit: Geht es um grundlegende Werte oder Prinzipien oder zeigt der Konflikt eine Herausforderung, die noch nicht geklärt ist?

Oder dient der Konflikt einer Gruppe oder einem Akteur, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen oder auch, von einem offensichtlichen anderen wichtigen Thema abzulenken?

2.2 Sich ernsthaft und mit Einsatz auseinandersetzen und Konflikte moderieren

Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten – ich neige inzwischen mit dem Autor Klaus Eidenschink zum Begriff „Konfliktmoderation“ – erfordert ernsthafte Auseinandersetzung, Einsatz von allen beteiligten Parteien und Risikobereitschaft. Es ist wichtig, die eigenen Argumente klar zu kommunizieren. Gleichzeitig hilft, offen für die Perspektiven oder auch Erkenntnisse anderer zu sein. Respekt ist der Schlüssel zum gelingenden Konflikt-Dialog.

2.3 Fehler im Denken und der Wahrnehmung kennen und anerkennen

Wir irren uns immer wieder und manchmal sogar systematisch. Daher gehört zu einer ersthaften Konfliktmoderation, auch damit zu rechnen und sich einzugestehen, wenn man sich getäuscht hat oder nur einen Teil der Wirklichkeiten erkannt hatte. Nach meiner Erfahrung ist dies eher der Regelfall als die Ausnahme!

Der Wissenschaftsjournalist Reto U. Schneider formuliert zwei Bedingungen für ein gutes Streitgespräch:
(1) „Das eine ist, über Denkfehler Bescheid zu wissen. Bestimmte Trugschlüsse, die einem immer wieder begegnen, sollte man kennen. Zum Beispiel sehen wir Zusammenhänge, wo es keine gibt, überschätzen unser Wissen und sind überzeugt, dass unsere Meinungen das Resultat einer nüchternen Beurteilung von Fakten sind. Dabei ist es oft umgekehrt: Wir haben eine Meinung, lange bevor wir die Fakten kennen, und suchen uns im Nachhinein die passenden Fakten aus.“ Und
(2) „Man muss akzeptieren, dass wohlmeinende, intelligente und anständige Menschen bei Themen, die einem wichtig sind, anderer Meinung sein können.“
(Quelle SZ-Interview vom 21.08.2023, siehe unten)

Niemand ist fehlerfrei. Es zeugt von gepflegter Selbstreflexion und starkem Selbstbewusstheit, wenn jemand seine Wahrnehmungsverzerrung oder seinen Irrtum zuzugeben kann. Dies schafft Raum für persönliches Wachstum, fördert das Vertrauen in der Diskussion und in die Konfliktkultur.

3. Die Kunst, einen Konflikt zu beruhigen

3.1 Unlösbare Konflikte erkennen

Nicht jeder Konflikt hat eine Lösung. Es ist wichtig zu erkennen, wenn eine Situation festgefahren ist und ein konstruktiver Dialog nicht mehr möglich erscheint. In solchen Fällen kann es besser sein, den Konflikt ruhen zu lassen, um weitere Eskalationen zu vermeiden.

3.2 Den Aufwand klug abwägen

Manchmal sind Konflikte einfach den Aufwand nicht wert. Wenn der Energie- und Zeitaufwand, um einen Konflikt zu moderieren, in keinem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Nutzen steht, kann es klüger sein, sich zurückzuziehen und die eigenen Ressourcen (Aufmerksamkeit, Energie und Zeit) für wichtigere Angelegenheiten zu reservieren.

3.3 Die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie beachten

In einer Welt, in der Clickbait und hohe Quoten oft große Bedeutung haben, ist entscheidend, sich von der medialen Anheizung nicht mitreißen zu lassen. Ein Faktencheck sollte auf jeden Fall vor jeder Stellungnahme erfolgen: Sind die Quellen seriös und welche Absicht steckt hinter einer möglicherweise sensations- und gefühlsheischenden Berichterstattung?

Situation in einer Demonstration, in der sich Demonstrierende und Polizeikräfte mit Schlagstöcken gegenüberstehen.

Konfrontative Situation während einer Demonstration (unsplash-Foto von Jonathan Harrison)

4. Vier Impulse zum Wachstum mit guten Wünschen

4.1 Andere sehen manchmal klarer als wir selbst

Der erste Impuls kommt nochmals vom Autor Reto U. Schneider:
„Ich habe gelernt, dass man all diese Täuschungen, Fehler und Illusionen wahnsinnig gut bei anderen erkennt – aber nicht bei sich selbst. Also versuche ich zu akzeptieren, dass andere gewisse Dinge an mir besser erkennen können als ich selbst.“

In der Kunst der Konflikte geht es um die Fähigkeit zur Unterscheidung, zum Durchschauen größerer Zusammenhänge, zur Selbstreflexion und zur empathischen Kommunikation.

4.2 Es gibt Hoffnung. Sie ist lernbar.

Der Internetpionier, Wired-Gründer und Zukunftsforscher Kevin Kelly rät dazu, unsere individuellen Lernkompetenzen zu kennen und auszubauen – und uns so Chancen zu eröffnen. Er ist überzeugt:
„Optimismus ist kein Wesenszug, sondern eine Fähigkeit, die man lernen kann.“
(brandeins/Thema Zukunft üben; 40)

Indem wir diese Fähigkeiten üben und weiterentwickeln, fördern wir konstruktive Diskussionen, Problemlösungen, Streitgespräche und Konflikte. Wir lernen so, Konflikte besser zu moderieren.

4.3 Idealisierungen und Erwartungen zu begrenzen, reduziert den Harmoniestress

Drittens kann es hilfreich und entspannend sein, keine idealistisch überzogenen Erwartungen an sich und andere zu pflegen, sondern auch mal selbstironisch auf vermeintliche Gewissheiten, Angewohnheiten oder Erwartungen zu schauen.

Psychologische Beratungsstellen berichten regelmäßig, dass an Weihnachten und zwischen den Jahren ein ungewöhnlich hoher Beratungs- und Schlichtungsbedarf anfällt, weil aufgeladene Erwartungen und Idealisierungen auf die Realitäten treffen und Enttäuschungen entstehen können, ja werden.

Dies wünsche ich Ihnen ‑ für Ihr persönliches Wohlbefinden und für eine streitbare und tolerante Gesellschaft!

4.4 Advent behauptet, dass Gott kommt. Lassen wir Ratlosigkeit und Begrenztheit zu!

Als Theologe werde ich mir gerade wieder bewusst, dass die „Ankunft Gottes“ auch heißen könnte, unsere Begrenztheit, ja manchmal auch Ratlosigkeit wahrzunehmen und als Wahrnehmung zuzulassen.
Das ist nicht immer „lustig“ und angenehm. Für Viele ist es allerdings eine grundlegende Wahrnehmung von der sie umgebenden Welt.

Sicher werden die nachfolgenden Handlungs- und Aushandlungsversuche zu heftigen Konflikten führen. – Dann ist das so und kann eine Aufgabe sein.

Quellen

Weitere Hinweise

Gerne verweise ich auf frühere Blogbeiträge:

Dieser Text wurde im Oktober und November 2023 entwickelt,
zuletzt geändert am 14.11.2025 /17:14 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Warum Lehrkräften Gruppensupervision zu empfehlen ist

Viele Lehrkräfte (Lehrerinnen und Lehrer, auch Dozentinnen und Dozenten)  lieben ihren Beruf und sind glücklich.

Vielleicht sind manche

  • angestrengt, manchmal gesundheitlich gefährdet
  • zu einem typischen Einzel-Kämpfer-Arbeitsstil eingeladen
  • jenseits der fachdidaktischen Fragen alleine und haben wenig qualifizierte Austausch- und Unterstützungs-Gelegenheiten.

Ich wünsche allen Lehrkräften sichere Erfolge und Berufszufriedenheit, Entlastung und ein kollegiales Netzwerk zur Unterstützung und zum Austausch.

Meine Einfälle zum „Einzel-Kämpfer-Modell“

  1. In den meisten Ausbildungen zu Lehrkräften spielen „Lehrproben“ in unterschiedlicher Form eine entscheidende Rolle.  –
    Das kann bedeuten, dass die Erinnerung an unangenehme Erfahrungen dieser Art die Bereitschaft von Lehrkräften, sich bei der Unterrichtsarbeit beobachten zu lassen, deutlich gemindert hat.
    Genau dies erzählen mir viele Lehrerinnen und Lehrer (in Ausbildung oder auch langjährig erfahrene).
  2. Herkömmlicher Unterricht wird fast ausschließlich von einer Lehrkraft alleine geleitet. –
    Da liegt der (Kurz-)Schluss nahe, ihn auch ganz alleine vorzubereiten.
  3. Die Regulierungsdichte im Umfeld der Schule ist sehr hoch. –
    Im Unterricht wollen sich Lehrkräfte nicht auch noch nach anderen Personen – zum Beispiel an Kolleg*innen – orientieren.
  4. Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Lehrkräften nehme ich eine Scheu wahr, „noch nicht ganz fertigen Unterricht“, also Unterrichtsideen, die noch weiter entwickelt werden können, an andere weiter zu geben oder diesen zu zeigen. –
    Im hoch verdichteten Alltag des Unterrichtens an Schulen (mit 25 bis 28 Wochenstunden Unterrichtsverpflichtung) ist es unmöglich, jeden Unterricht optimal vorzubereiten.
    Statt sich und anderen die gelegentliche Unsicherheit einzugestehen, wird diese vertuscht: „Es ist mir lieber, wenn mir beim Unterrichten niemand zuschaut!“, höre ich dann als typische Antwort auf meine Anfrage (zum Beispiel im Auftrag von Praktikantinnen und Praktikanten).

Aus meiner Sicht empfehle ich:

  1. Lehrkräfte können sich wesentlich unterstützen, indem sie kooperieren und:
    > „kollaborativ“ Unterrichtsideen entwickeln
    > Material austauschen
    > sich über gelungene, aber auch „interessante“ oder schwierige Unterrichtssituationen kollegial beraten.
  2. Lehrkräfte können ihren Stress reduzieren, in dem sie einander ihre Unsicherheit bei „noch nicht optimal vorbereitem Unterricht“ mitteilen und sich ab und zu emotionale und auch inhaltliche Unterstützung erbitten.
Wortwolke zum Arbeitsfeld der Lehrkraft

Wenn Lehrerinnen, Lehrer, Dozentinnen und Dozenten sich in Gruppensupervisionen wechselseitig unterstützen und unterstützen lassen, so können sie dabei – neben der Beratung ihrer „Fälle“ und Themen – ein Modell erfahren, wie sie sich wechselseitig stärken können.
Darum schlage ich dieser Personengruppe nachdrücklich Gruppensupervision für Lehrkräfte vor.
Da ich mich selbst als „Supervisor“ bezeichne, spreche ich von „Gruppen-Supervision“. In der Praxis biete ich – in Absprache mit der Gruppe – auch Elemente aus Coaching-Verfahren und auch Coachinggruppen an.

Ist eine sich wechselseitig unterstützende und kollegiale Haltung in der Gruppe (z.B. nach einer Supervision) eingeübt, kann in vielen Fällen auch eine kollegiale Beratung (ohne Leitung eines Coachs oder Supervisors) angeschlossen werden.
Einen Vorschlag für einen hilfreichen Ablauf finden Sie hinter diesem Link.

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entwickelt im Frühjahr 2008; zuletzt überarbeitet: 2. Juli 2023       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Unterbrechungen und Pausen sind wesentlich.

Meine Grußkarte zum Advent 2022: "Gönnen wir uns Muße, Pausen und - immer wieder auch - Meinungswechsel." neben einem Füller auf einer Holztischplatte
meine Grußkarte zum Advent 2022

Nein, ich werde in diesem Jahr keine Pause mit dem traditionellen Impulstext zum Start in den Advent einlegen.

Aktuell gibt es eine Vielzahl bedrückend-drängender Themen. Mit einigem Recht darf man sie Krisen nennen. Manche finden auch schon sprachliche Neubildungen wie „Polykrise“ dafür. Die mediale Aufbereitung kann überschwemmen und die Summe der Nachrichten mut- und kraftlos machen. An manchen Tagen habe ich mich auch schon entschieden, keine weiteren (Krieg-)Nachrichten aufzunehmen, um mein mentales Gleichgewicht zu bewahren.

Resignation und Mutlosigkeit sind für mich keine sinnvollen Optionen.

Allerdings werde ich älter. Dadurch konnte, wolle und musste ich lernen, sorgfältig auf meine Kräfte und Erholungsphasen zu achten. Tatsächlich war es in diesem Jahr eine Zeitlang unsicher, ob es diesen traditionellen Impulstext zum Start in den Advent 2022 auch dieses Jahr wieder geben würde.

Schlussendlich habe ich entschieden, genau diesen Bedarf nach Energie und Durchhalte­ver­mögen zum Thema meines diesjährigen Impuls-Textes zu machen. Ich schreibe diese schließlich auch für mich selbst und suche dabei auch für mich Klarheit und Übersicht.

Unterbrechen wir die alltägliche Geschäftigkeit, nehmen wir uns Pausen!

Tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, die gerne (und auch viel) arbeiten. Nur ist es sicher ungesund, dies rund um die Uhr zu versuchen.

Unterbrechungen, Distanzierungen und Perspektivenwechsel verhelfen häufig zu neuen Einsichten und fördern damit Qualität. Darum schätze ich Unterbrechungen und nehme mir dafür Zeit. Dafür muss man sich auch nicht das Rauchen angewöhnen. Bewusste Pausen und Verteidigung dieser zweckfreien Zeiten kann auch schon bedeutsam und wirkungsvoll sein.

In meinem Hauptberuf als Lehrkraft gibt es immer mal wieder die unangenehme Tendenz, „noch schnell in der Pause“ eine Absprache zu treffen oder etwas zu organisieren. Manchmal werden sogar Konferenzen in die „Pausenzeiten“ gelegt. Dann werde ich rebellisch. Ich verteidige meine wirkliche Pause und behaupte ‑ außer in Krisensituationen ist es möglich ‑ die Arbeit regelmäßig für Pausen zu unterbrechen.

Mit Abstand kann auch der Luxus eines Meinungswechsels möglich werden

Wer aus dem Trott und den täglichen und lieb gewonnenen Angewohnheiten und Annahmen heraustreten kann, findet neue Perspektiven und könnte auch seine Meinung ändern.

Die Änderung
der eigenen Meinung braucht
ein viel besseres Image.

Journalist und Autor Dirk von Gehlenhttps://www.instagram.com/p/CeWOI8aKaM_/

Dirk von Gehlen regt mich regelmäßig zum Nachdenken an. In der durch die Mechanismen der interaktiven Medien-Kultur radikalisierten, öffentlichen Gesprächsatmosphäre klingt dieses Zitat für mich wie Balsam. Tatsächlich benötigen wir meiner Meinung nach nämlich mehr Nachdenklichkeit, Faktenorientierung und Beweglichkeit und weniger Lautstärke in den Lösungsversuchen oder Fundamentalismus zu wichtigen Fragen. Da hilft, sich selbst und sein Selbst-Marketing weniger wichtig zu nehmen als sachliche Argumente und sich inhaltlich beweglich zu halten.

Wer gewohnte Geschäftigkeiten unterbricht und sich eine Pause gönnt, gewinnt oft neue, wertvolle Perspektiven.

Der Herbst, Advent, Weihnacht und die Jahreswende bieten Gelegenheiten, sich Muße, Unterbrechungen, Pausen und Perspektivenwechsel zu gönnen. Ich wünsche Ihnen und mir, dass es gelingt, nachzusinnen, sich zu überprüfen, zu relativieren und eventuell Positionen oder Meinungen zu wechseln.

So wünsche ich Mut für Unterbrechungen, Erholung
und Gesundheit und Zuversicht und einen guten Start in das neue Jahr 2023!

Weiterführende Quellen und Verweise

erstellt am 25.11.2022; zuletzt um einen Gehlen-Link ergänzt am 14.03.2024       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag