Lehrkräfte könnten sich nach meiner Beobachtung und Erfahrung Ihre Arbeit durch Kooperation und gegenseitige Anregung und Unterstützung angenehmer gestalten, als sie dies häufig tun
Oft gibt es schon Vorlagen für die Unterrichtsvorbereitung
Viele Lehrkräfte entwickeln jeden Unterrichtsinhalt neu. Es ist aber sicher anzunehmen, dass es schon entwickelte Unterrichtsentwürfe anderer Lehrkräfte gibt, die man austauschen könnte. Ganz sicher wird jede Lehrkraft sich neue Unterrichtsinhalte persönlich aneignen. Aber es ist wesentlich entlastender, sich eine schon erprobte Unterrichtsskizze anzueignen, als Unterrichtsentwürfe ganz neu zu entwickeln. Mir fällt es auch leichter, die Skizzen und Entwürfe einer Kollegin / eines Kollegen „zu kritisieren“ und aus der Abgernzung meinen eigenen Weg zu finden, als vor einem gänzlich leeren Ballt kreativ zu sein.
Ein funktierendes Ablage-System erspart viel Arbeit und Nerven.
Für Lehrkräfte sehr zu empfehlen: Gruppen-Supervision
Dort können Themen der Teilnehmenden individuell bearbeitet werden und gleichzeitig wird die unterstützende Wirkung einer guten Gruppe erfahrbar. Zur Ausschreibung einer Lehrer*innen-Gruppe.
Konferenzen können effektiv gestalten werden und machen dann sogar Spaß!
Konferenzen werden dann effektiv und gut, wenn
sie die angemessene Arbeitsform sind, weil eine gemeinsame Arbeit erforderlich ist
sie klug vorzubereitet wurde [wahrscheinlich nochmals wichtiger, wenn es online-Konferenzen sind]
sie stringent moderiert werden
ungute Stimmungen vermieden oder nachbearbeitet werden
die Aufgaben sachgerecht und effektiv erledigt werden
sie Ergebnissebringen, die auch festgehalten und weiterverwendet werden und so eine Bedeutung haben.
Selbst beteilige ich mich gerne an gut vorbereitet und effektiv geleiteten Konferenzen, weil so notwendige Meinungsbildungen, Absprachen und Entscheidungen sinnvoll zusammen bearbeitet werden können.
Ohne Leitung wird es leidvoll.
Leider habe ich auch schon häufig unnötige, nicht gut vorbereitete oder wirkungslose Konferenzen erlebt und erlitten. Es wurde so sinn- und wirkungslos Zeit, Energie und Motivation von vielen Menschen “verbrannt”.
Ich empfehle …
1. Immer die Grundfrage zu beantworten: Ist die Konferenz überhaupt notwendig und angemessen?
Reine Informationen oder Einzeleinschätzungen können angenehmer und zielgerichteter eingesammelt oder verteilt werden über
Aushang
Rundbrief oder E-Mail
Intranet-Information
oder auch ein Umfrage-Tool
2. Beziehen Sie die Teilnehmenden durch rechtzeitige Information mit ein.
Für Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse kann es häufig sinnvoll und notwendig sein, dass die betroffenen Personen sich in einem [virtuellen] Raum versammeln. Informieren Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Konferenz
über die Themen
über die Ziele (Information, Meinungsbildung oder Entscheidung?)
über bereits vorhandene Vorinformationen (Geschichte der Frage, frühere Entscheide, Teil-Ergebnisse, Vor-Entscheidungen der Leitung, Modelle)
3. Auch methodische Gedanken sind für die Konferenzvorbereitung sinnvoll.
Mit welchem Verfahren soll das Ziel erreicht werden?
In welcher Zeit?
Mit welcher Moderation? (Sehr entlastend und klärend kann es sein, wenn die Moderation von inhaltlichen Interessen getrennt handeln kann. Auch rollierende Moderationen haben sich bewährt.)
Wie können die Konferenz-Teilnehmer/innen einbezogen, eventuell aktiviert werden? (Z. B. in die Vorbereitung, durch Sammlung und Gewichtung der Punkte, durch Trend-Umfragen …)
Manchmal sind auch neue Rahmenbedingungen hilfreich: Warum nicht mal an Stehtischen tagen oder in einer festgefahrenen Diskussion die (Steh- oder Sitz-)Plätze tauschen, um andere Blickwinkel zu gewinnen – vor allem, wenn dies mit dem Inhalt zusammenpasst?
Welche Punkte sind dramaturgisch sinnvoll für den Anfang, welche für später?
4. Ergebnisse zu erreichen und diese auch in einem Ergebnis-Protokoll mit verbindlichem Überprüfungszeitpunkten festzuhalten.
Was sind die wesentlichen Ergebnisse? (Eventuell kann dies auch in der Sitzung selbst einvernehmlich festgestellt werden, um spätere Interpretationsstreitigkeiten des Ertrages zu vermeiden. )
Wer macht was, bis wann (evtl. wie)?
Bitte unbedingt festlegen: Wann wird wie überprüft? In manchen Arbeitsgruppen werden jeweils zu Beginn die in zurückliegenden Sitzungen getroffene Verabredungen nochmals kurz erinnert und der (Zwischen-)Stand berichtet.
5. Gestatten Sie sich, das Treffen zu beenden, wenn die Aufgabe erledigt ist!
Statt die anberaumt Zeit unbewusst mit unnützem Ersatz-„Arbeiten“ zu füllen, könnten Sie sich und den Beteiligten eine unverhoft-unverplante Nachdenkzeit schenken, wenn Sie sich trauen, zu benennen und zu reagieren, wenn die Aufgabe erledigt ist.
6. Schließen Sie grundsätzlich mit einer kurzen Auswertung ab und etablieren Sie so eine lernende Grundhaltung.
Was war hilfreich?
Was war hinderlich?
Was soll darüber hinaus auf jeden Fall nicht vergessen werden?
Diese höchstens fünf Minuten immer nach jeder Aktion als Routine einzuführen, ist ein sehr mächtiges Instrument zu einer lernenden und Frustration vermindernden Kultur. Andernfalls passiert es Ihnen, dass dieselben ungünstigen Vorgehensweisen ständig wiederholt werden. Solche frustrierenden Wiederholungen führen – sehr zuverlässig – zu schlechter Stimmung und fallender Arbeitszufriedenheit. (Ich behaupte: Man kann Menschen nicht motivieren, das können sie nur selbst; allerdings kann man Menschen sehr wirksam demotivieren!) Das sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
Hilfsmittel zum Download, Links und Anregungen zur Vertiefung
Für Ihre effektive Konferenz-Gestaltung schlage ich Ihnen hier zwei schichte vorbereitete Formulare vor und biete diese zum kostenlosen herunterladen (Download) an:
Formular zur vorbereitenden Sammlung von Tagesordnungspunkten – mit der Aufforderung, sich schon bei der Anmeldung von Konferenz-Punkten auch Gedanken über Ziel, Methode, Zeitbedarf und mögliche Moderator/innen zu machen (Word-Datei, 26 KB – für Ihre Zwecke veränderbar)
Protokoll-Formular (Word-Datei, 32 KB – für Ihre Zwecke veränderbar)
Wenn Sie ein fortlaufendes Protokoll-Dokument pflegen, können Sie über die Suchfunktion leicht frühere Arbeiten und Ergebnisse auffinden.
Weitere Hilfen
Wenn Sie als Leitung (z.B. als Klassen-Lehrer/in oder Teamleitung) mit Ihren Konferenzen und oder Elternabenden Unterstützungsbedarf haben sollten, könnten Sie sich in einer kollegialen Beratung, einer Gruppensupervision oder in einem Coaching unterstützen lassen.
Statt das Misslingen voraussehbar immer wieder zu wiederholen, suche ich nach Auswegen. Regelmäßige Kurz-Reflexionen können Entwicklungen in eine günstige Richtung befördern und die Qualität merklich steigern.
Beispiele stabilen Misslingens
Fast jeder kann Beispiele für Misslingen, das sich fortdauernd wiederholt, aufzählen. Zum Beispiel:
Elternabende in der Schule, bei denen die Lehrer/innen und Eltern sich wieder nicht aus ihrer Gegensätzlichkeit der Rollen-Zuschreibungen herausbewegen lassen und kein Verständnis füreinander gefunden wird.
Konferenzen, die nerven und keine brauchbaren Ergebnisse erbringen. Stattdessen binden – die neudeutsch Meeting genannten – Treffen Arbeitszeit, welche die Mehrheit der Teilnehmenden viel lieber für ihre liegengebliebenen Arbeiten aus dem Kerngeschäft verwenden würden.
Regelmäßig wiederkehrende Probleme bei Projekten
Mitgliederversammlungen bei Vereinen
Erfahrungen aus persönlichem Lernen
Gemäß der Lebensweisheit
Alle Menschen machen Fehler. Kluge lernen daraus.
haben viele das Interesse, aus Fehlern oder ungünstigen Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen. Das heißt, die Zusammenhänge werden analysiert und aus der Reflexion erwächst die Suchbewegung nach günstigen, besser geeigneten Vorgehensweisen und Verhaltensweisen.
Transfer auf Herausforderungen in Organisationen
Nach jeder Arbeitseinheit (oder Aktion oder jedem Projekt) gibt es eine „Manöverkritik“ – oder weniger militärisch formuliert – wird kurz reflektiert. Dafür hat sich folgendes Muster bewährt:
Was waren die Ziele?
Wie weit wurden diese Ziele auf einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (vollständig) erreicht?
Wie kann dieser Schätzwert beim nächsten Mal um einen Zähler verbessert werden?
Was war hilfreich und/oder angenehm?
Was soll dringend verändert/verbessert werden?
Wie?
Wer kümmert sich bis wann um einen ersten Vorschlag?
Was ich sonst noch mitteilen möchte …
Erfahrungsgemäß erfordert diese Kurzreflexion zwischen 5 und 15 Minuten Zeit – je nach Klarheit und Routine der Beteiligten.
Regelmäßige Reflexion kann zur ständigen Verbesserung führen.
Nach meiner festen Überzeugung befördert die regelmäßige Reflexion die Aufmerksamkeit für Gelingensfaktoren und langfristig die Qualität von Prozessen. Allerdings reicht die Reflexions-Routine alleine dafür nicht aus. Wie so oft ist auch eine passende Haltung der Lern- und Veränderungs-Bereitschaft notwendig. Leider kommt es im Rahmen von – oft verordneten – Qualitätsüberprüfungen zu Als-Ob-Evaluationen, die dann einfach ohne Auswertung und Wirkung in die Akten versenkt werden. Schade um die Mühe!
Einem langjährigen, inspirierenden Ideen-Finder und Freund gewidmet
Gunnar Thörmer veranstaltet am 21. Februar ein Barcamp und mein Beitrag werden diese Gedanken sein.
Weiterführende Links
Ein BarCamp benötigt nur wenige Regeln und zählt zu den Großgruppen-Methoden. Materialien gibt es reichlich, zum Beispiel hier.
Die pädagogische Arbeit als Lehrer empfinde ich als sinnvoll und wichtig. Ich bin gerne Lehrer! Weil ich gesund bleiben möchte und die Anstrengungen kenne, werte ich meine Belastungen regelmäßig aus. Anschließend gleiche ich meine Ziele und Planungen entsprechend an.
Die meisten Menschen wissen, dass körperlichen Ausgleich wichtig ist.
Wie dieser Ausgleich im Alltag eingebaut und auch tatsächlich geübt wird, ist den Neigungen und der Kreativität überlassen. Ich selbst fahre zurzeit regelmäßig Fahrrad.
Wissen Sie auch, wie belastet oder zufrieden Sie mit Ihrer Berufstätigkeit sind?
Die Dauer-Überforderung möchte ich vermeiden und mein Leben und Arbeiten genießen, in dem ich mich
von der Vorstellung der Kontrollierbarkeit
vom Perfektionismus
verabschiede und
auch improvisiere
und meinen Traum mit Leidenschaft verfolge.
Selbstverständlich ist es sinnvoll, zu planen!
In komplexem Alltag mit vielfältigen Zielen, Kontakten und Verabredungen ist es selbstverständlich sinnvoll, die wichtigen Richtungen mit entsprechender Aufmerksamkeit zu verfolgen und nachdrücklich anzustreben.
Immer häufiger reicht gute Planung nicht mehr aus.
Wie immer mehr Menschen fand ich heraus, dass Planung alleine oft nicht mehr hinreicht:
wechselseitigen Abhängigkeiten sind zu komplex
die Geschwindigkeit der Informationen und Veränderungen sind zu hoch geworden
Mein aktueller Lösungsversuch: Balance zwischen den Polen Planung und Improvisation
Ich versuche einen pendelnden und balancierenden Weg zwischen gepflegtem und realistischem Anspruch und phasenweisem Pragmatismus mit geübten Improvisationen.
Ich verfolge diese Ziele mit überzeugter Konsequenz – lieber noch aus Leidenschaft.
Wenn die Planungen nicht mehr hinreichen, entscheide ich mich zur pragmatischen Begrenzung meiner Anstrengungen und zum bewussten Improvisieren. Ich riskiere und experimentiere, statt im alten, untauglichen Muster des „Immer-Mehr-Vom-Selben“ und im Kontroll-Wahn zu verharren und mich dauerhaft zu überfordern. Dazu empfehle ich auch den Text von Jochen Mai zur Improvisation als Schlüssel zum Erfolg.
Ergänzende Überlegungen von einer modernen Führungs-Theorie sehen die Widersprüche in der Welt. Einfache Planungs- und Management-Systeme reichen nicht mehr hin. Führung wird als Balance-Akt beschrieben.
Ich vertraue auf meine Fähigkeiten
Je ungeübter und neu jemand in einem Arbeitsfeld ist, umso eher wird sich diese Person mit gründlicher Planung abzusichern suchen.
Wenn ich in komplexen Lebens- und Arbeitszusammenhängen eh immer häufiger den Kontrollverlust erlebe, kann ich auch zunehmend üben, gelassen zu reagieren und die Situation mutig improvisierend zu gestalten.
Schulen haben das Ziel, Schüler/innen in ihrem Lernen zu fördern, während sich unsere Welt in rasenden Tempo verändert. Dies bedeutet, dass auch die Institutionen des Lernens (Schulen und Fortbildungseinrichtungen) sich weiter entwickeln müssen, um ihre Ziele zu erreichen!
Meine Erfahrung mit Institutionen sind allerdings, dass einmal entwickelte und eingeübte Abläufe selten nochmals überdacht werden und so Entwicklungen nicht stattfinden. Regelmäßige Reflexionen können allen an Schulen Beteiligten zum Lernen und zur Weiterentwicklung helfen.
Vom Ziel der Schule her denken: „Lernen möglich machen“
Wie im ersten Text zu dieser Reihe schon angedeutet, halte ich es für wesentlich, dass die Schulen selbst zu lernenden Organisationen werden.
Denn das Haupt-Ziel schulischer Einrichtungen ist es, Lernprozesse (besonders für die Schülerinnen und Schüler dort) möglich zu machen.
Dieses Ziel kann umso wirksamer angesteuert und umso glaubwürdiger vertreten werden, je konsequenter es auch auf die eigene Praxis (des Unterrichtens und der Verbesserung der Schul-Organisation) angewendet wird.
Dafür benötigen die Lehrkräfte und die Leitenden eine entsprechende Haltung: „Es gibt noch etwas zu lernen!“
Wer schon annimmt, dass sie oder er schon alles weiß, wird konsequenterweise aufhören zu lernen. Dass ich es grundsätzlich für nicht realistisch halte, habe ich im ersten Artikel zu dieser Reihe schon ausführlich dargestellt: Die Welt, unsere Umwelt, ändert sich zu schnell, um tatsächlich annehmen zu können, wir hätten schon alles Notwendige gelernt.
Selbst beschreibe ich mich als neugierigen Menschen und ich vermute, dass diese Fähigkeit, andere Sichtweisen und andere Menschen interessant zu finden, mir viele Freude an meinem Umgang mit Schülerinnen und Schülern ermöglicht. Ich nehme tatsächlich an und werde darin fast täglich bestätigt, dass ich noch etwas dazu-lernen kann. – In dieser Haltung bin ich bereit, mir Neues beizubringen und beibringen zu lassen.
Ein wesentlicher, erster, einfacher und hoch wirksamer Schritt: „regelmäßig reflektieren“
Wer immer aktiv ist und nicht auch einmal in Ruhe zurück schaut, wir nur zufällig ungünstige Verhaltensweisen entdecken und sich einen mühsamen Weg immer und wieder vornehmen.
Ich schlage vor, regelmäßig nach Aktivitäten, Projekten oder Arbeitszeiträumen auch auszuwerten – neudeutsch: zu reflektieren. In der Reflexion werden die Ziele mit den Erträgen verglichen und die förderlichen und hinderlichen Faktoren und Verhaltensweisen benannt. So kann jemand entdecken, wie ein Ziel günstiger (einfacher, weniger anstrengend oder auch effektiver – oder: ohne weniger Ärger bei Betroffenen) erreicht werden kann. Manchmal führt eine solche Reflexion auch dazu, die Ziele selbst zu hinterfragen – oder auch zu bemerken, dass die Zielvorstellungen gar nicht vorhanden oder undeutlich sind.
In einem der nächsten Beiträge in dieser Reihe werde ich dies am Beispiel des nachhaltigen Lernens deutlich machen und dazu einen Vorschlag vorlegen.
Auch Kommentare sind mir herzlich willkommen!
Weiterführende Links:
Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Schule verbessern”
Die Welt, für die Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studierende gebildet und ausgebildet werden sollen, verändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Steigerungsraten sind exponentiell. Damit werden die Rahmenbedingungen für Schulen, Ausbildungen und Studiengänge extrem unübersichtlich. Klagen helfen nicht! – Alle Beteiligten sollten sich damit auseinander setzen und produktiv nach Lösungswegen und Lösungen suche.
Eine Empfehlung: Bleiben Sie positiv gestimmt und formulieren Sie auch positiv.
Bedenkenswerte Ansätze und gute Praxis wird hier gesammelt und weiter gegeben.
Shift happens! – Did You Know?
Eine aktualisierte, deutsche Version von März 2009
Weitere Hintergrund-Informationen und Versionen
Einige bemerkenswerte und herausfordernde Aussagen
Nun beginnt die pädagogische Herausforderung
Tipps und Hinweise und selbstverständlich auch Diskussionsbeiträge sind sehr erwünscht
Weiterführende Links
Bleiben Sie positiv gestimmt und formulieren Sie auch positiv.
Mit diesem Artikel beginne ich eine lose Reihe mit gesammelten Ideen und Überlegungen zur Verbesserung der Schulen.
Gejammert und beklagt wird genug über:
mangelnde Ausstattung der Schulen und Klassenzimmer
die optimierbare Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer
fehlende Schlüsselqualifikationen, Grundbildung und auch Erziehung von Schülerinnen und Schülern
schlechtes Image der Lehrkräfte und der Schulen, Ausbildungen und Studiengänge
Aus meiner Kenntnis hirnphysiologischer Bedingungen des menschlichen Lernens weiß ich, dass Verneinungen vom Gehirn ignoriert werden. Damit sind Negativ-Aussagen genau nicht produktiv handlungsleitend, sondern sie wirken in die unerwünschte Richtung: Die beklagten Zustände werden in dieser Negativ-Sprache für das Gehirn statt dessen bestätigt und verfestigt!
Bedenkenswerte Ansätze und gute Praxis wird hier gesammelt und weiter gegeben.
Es gibt eine Menge guter Ideen und bedenkenswerter Ansätze. Manchmal sind sie allerdings etwas versteckt. Manchal wundere ich mich im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, dass diese von einer Quelle oder eine Idee noch nichts erfahren hatten. Dies war dann zuletzt der Anstoß für diese Reihe: Wenn ich etwas Anregendes finde oder schon kenne, von dem ich annehme, dass diese Idee oder Praxis aufbauende für gute Schulen der Zukunft sein könnte, werde ich davon dieser Reihe „Schule verbessern“ berichten.
Shift happens! – Did You Know?
Schon vor über einem Jahr wurde ich auf eine kurze Präsentation aufmerksam: Der US-Amerikaner Karl Fisch hatte in sechs Minuten die immensen Veränderungen in unserer Gesellschaft und die sich in rasantem Tempo verändernden Anforderungen an die zukünftigen Generationen eindrucksvoll zusammen gestellt. – Er gab seiner Präsentation den hintergründig anlautenden Titel „Shift happens!“
Neulich stieß ich wieder darauf und stellte fest, dass es inzwischen mehrere aktualisierte Versionen und auch eine etwas ältere deutsche Version im Netz gibt:
Den Hinweis auf dotSUB.com ist dotsub.com und die neueste Version – mit dem Vorteil, dass man die Untertitel in vielen Sprachen wählen kann, fand ich beim Torsten Meyer, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg.
Einige bemerkenswerte und herausfordernde Aussagen:
Ganz viele Rahmenbedingungen ändern sich in zunehmender Geschwindigkeit. Die Kurve verläuft exponentiell!
Die Bevölkerungsanteile der Weltbevölkerung werden sich sicher verschieben.
Das verfügbare Wissen wächst rasend schnell und die Zugangsmöglichkeiten für viele Menschen wachsen noch schneller.
Durch expotenziell wachsende Medien-Nutzung verändert sich unsere Wahrnehmung der Welt und die Bewertung des Wissens
Schließlich können wir annehmen, dass die Anforderungen an erfolgreiche Lernumgebungen sich auch verändert haben.
…
Nun beginnt die pädagogische Herausforderung
Was bedeutet dieser Wandel für Schülerinnen und Schüler und natürlich auch für Lehrerinnen und Lehrer? Die Diskussionen haben in manchen Kollegien und Meinungsgruppen und der pädagogischen Theorie begonnen. Nun sind die Lehrkräfte gefordert, Versuche zu starten, zu erproben und Erfahrungen zu sammeln.
Die Lehrkräfte und die Schule sollen selbst in einen Lernprozess eintreten. (Mehr dazu bald in einem nächsten Text in dieser Reihe.)
Weitere Tipps und Hinweise und selbstverständlich auch Diskussionsbeiträge sind sehr erwünscht
Wenn Sie Material verfügen
über Ausgangspunkt für neue Entwicklungen
über erfolgsversprechende Ideen
oder gelingende Praxis
bitte ich um einen Hinweis und möchte diese Tipps und Materialien dann gerne wieder hier veröffentlichen.
Auch Kommentare sind mir herzlich willkommen!
Links
Dieser Beitrag gehört zur Reihe “Schule verbessern”
Frage an LehrerInnen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus? — herrlarbig (@herrlarbig) August 6, 2012; inzwischen nicht mehr erreichbar.
Schnell wurde ihm wohl klar, dass diese Frage nicht in 140 Zeichen beantwortet werden kann.
Diese Frage passt wunderbar: Vor meinem Schuljahres-Start setze ich mir Ziele
Eigentlich beißt sich die Reflexions-Schlange hier in den Schwanz, denn Anregungen für die Ziele stammen häufig aus der Auswertung des letzten Schuljahres und meinen Erfahrungen mit meinem Unterricht und dem Nachdenken darüber, der „Reflexion“ eben.
Für jedes Schuljahr entwickle ich einen Wochen-Routine-Plan.
Als Nutzer eines nicht-digitalen Terminplaners auf Ringbuchbasis, habe ich die Möglichkeit, selbst entwickelte Formulare einzuhängen. Sobald ich meinen vorläufigen Stundenplan bekommen habe, übertrage ich diesen in eine Wochenübersicht. In diese trage ich dann bei der Unterrichtsplanung die Stunden-Themen, manchmal auch Stichworte zu Zielen, auf jeden Fall aber den Medien-Bedarf ein. In meinem Planungsmittel liste ich fehlende Klassenbucheinträge (ein fortwährender Stress-Punkt für alle „kleinen Fächer“ mit gemischten Kursen) und den Kopien-Bedarf auf. So kann ich nebenher auch den Kopier-Aufwand verkleinern: Ich gehe meist nur zwei Male pro Woche zu größeren Kopier-Einheiten.
Nach Unterrichtseinheiten reflektiere ich.
Nach jeder Unterrichtseinheit reflektiere ich mit den Schülerinnen und Schülern nach einem standardisierten Verfahren und mache mir meine eigenen Gedanken und Notizen (entweder auf den Ausdruck des Unterrichtsplanes oder auch gleich digital).
Einer kollegiale, pädagogische Fallbesprechungsgruppe
Seit dem Schuljahr 2009/2010 gibt es eine kollegiale Fallbesprechungsgruppe an meiner Schule.
Fünf bis maximal acht Kolleginnen und Kollegen vereinbaren sich zu Beginn eines Unterrichtsjahres zu einer verbindlichen Zusammenarbeit in fünf bis sieben 90-Minuten-Treffen.
Wichtig dabei ist, sich wechselseitig Vertraulichkeit zuzusichern und dieser Zusicherung auch Glauben schenken zu können.
Schwere Konflikte können in dieser kollegialen Selbsthilfe-Form nicht bearbeitet werden.
Am Ende des Schuljahres hole ich mir Schüler-Lehrer-Feedback
Wie schon verschiedentlich in diesem Blog beschrieben halte ich viel von Feedback und bitte daher meine Gruppe um ein Schüler-Lehrer-Feedback und auch ausgesuchte Kolleg/innen um Rückmeldung und gebe auch Feedback.
Nach dem Unterrichtsjahr werte ich aus und überprüfe meine Ziel-Erreichung
Am Ende des Schuljahres bin ich oft erschöpft und sehne mich nach Abstand und Erholung. Allerdings habe ich mir angewöhnt, mir noch ein paar Tage Zeit zum Ausklingen, Auswerten und Ordnen zu gönnen.
Diese Erntezeiten möchte ich inzwischen ungern missen:
Ich sichte die Feedbacks der Schüler/innen und notiere mir manche Anregungen für das nächste Schuljahr für den Inhalt, die Methoden oder die Steuerung des Unterrichts.
Beim Vergleich mit meinen Schuljahreszielen entdecke ich Fortschritte und kann diese würdigen und bekomme auch wieder Anregungen für die Ziele des nächsten Unterrichtsjahres (siehe oben).
Auch das nicht so geliebte Aufräumen tut gut und oft wird noch ein gutes Element oder eine gelungene Methode gefunden und kann dort abgelegt werden, wo ich sie dann bei Bedarf auch wieder finde.
Ich halte Reflexion für sehr wichtig und förderlich für die Weiterentwicklung.
Zusammenfassend:
Ich halte viel von Reflexion und habe sie in meinen Arbeitsalltag – wie selbstverständlich – eingebaut. Tatsächlich schreibe ich regelmäßig Tagebuch und erkenne dabei, bei welchen Themen sich lohnen könnte, genauer hinzuschauen.
Nach meine Erfahrung gerät Nachdenklichkeit in Stress-Zeiten unter Druck. Genau dann aber ist Reflexion besonders wichtig, weil wir so Lösungen (er-) finden könnten. Wenn der Druck einmal zu groß wird, suche ich zuerst kollegiale und dann professionelle Unterstützung, z.B. in einer Supervision.
Schließlich habe ich mir im Rhythmus von zwei-einhalb Monaten Reflexionszeiten in meinen Kalender eingetragen, an denen ich über meine Arbeit, Ziele und den nötigen Entwicklungsbedarf nachdenke. – So soll Reflexion auch in Druckzeiten nicht vergessen werden.
Ich sollte, müsste dringend … – und habe wieder nicht das Dringende sondern alles mögliche andere geschafft. Oft steigt dann die Unzufriedenheit und der Druck. Manchmal leiden Menschen auch richtig unter ihrem Verhalten.
Der Persönlichkeits-Coach Roland Kopp-Wichmann aus Heidelberg bietet
Der Beginn eines neuen Schuljahres ist eine Chance, sich neu für eine erfolgreiche Lern-Strategie zu entscheiden, die regelmäßige Mitschriften, Nacharbeiten und Wiederholungen beinhaltet und durch ein entsprechendes Lehrer-Verhalten unterstützt wird.
Ein Schuljahres-Beginn ist eine neue Chance zur Verbesserung.
Für die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte hat in dieser Woche ein neues Schuljahr begonnen: Jeder Neuanfang kann auch als Chance für eine Veränderung zu einem erfolgreichen Lernen begriffen werden. Dazu ist es hilfreich, einen kurzen Gedanken an die bisherigen Versuche zu verwenden und zu bewerten, welchen Erfolg die bisherige Praxis erbrachte. – Wer damit zufrieden ist, hat keine Veranlassung etwas zu verändern. Viele Schülerinnen und Schüler nehmen sich zu Beginn des Schuljahres aber vor „mehr zu lernen“ und „bessere Noten“ zu erreichen. –
Ein paar Empfehlungen
Statt auf „den letzten Drücker“ besser regelmäßig lernen
Die neurobiologischen Erkenntnisse der letzten Jahre bestätigen klar: Regelmäßiges Lernen ist dem saisonalen oder Kurz-Zeit-Lernen weit überlegen. Dies ist im Aufbau und der Funktion unseres Gehirns begründet.
Im Oberen Teil des Tafelbildes wird das bei den meisten Schülerinnen und Schülern übliche „Kurz-Zeit- oder Kellner-Lernen“ skiziert. Es ist geprägt vom Lernen „kurz vor knapp“ und führt leider bei hohem Aufwand doch häufig wieder zu sehr schnellem Vergessen.
Am unteren Rand des klassischen Tafelbildes wird deutlich, dass Kurzzeitlernen mit Zunahme der Komplexität des Stoffes zunehmend ineffektiv wird und regelmäßiges Lernen – ähnlich dem regelmäßigen Trainig beim Sport – körpergerechter und damit erfolgreicher ist.
Dafür gibt es viele gute Gründe aus neurobiologischen Erkenntnissen über Aufbau und Funktion des menschlichen Gehirns in den letzten Jahren.
Meine Behauptung
Die meisten Schülerinnen und Schüler, die bisher erst kurz vor der Klassenarbeit oder der Prüfung gelernt hatten, müssen nicht wesentlich mehr tun! Wenn sie ihre Lern-Anstrengungen besser über die Zeit verteilen, werden sie im Laufe der Zeit deutlich erfolgreicher lernen und damit auch bessere Noten bekommen.
Wir alle wissen, dass Sportler sinnvollerweise regelmäßig trainieren. So ist es auch Schülerinnnen und Schülern zu empfehlen, wichtigen Stoff regelmäßig zu bearbeiten, zu üben und zu wiederholen.
Ein erfolgreiches Verfahren für das schulische Lernen in drei Schritten
Im Unterrich in Stichworten regelmäßig mitschreiben und dabei großzügige Ränder lassen
Jede Unterrichtsstunde zu Hause kurz nacharbeiten und die wichtigsten Inhalte in eigenen Worten auf den rechten Rand zusammen schreiben.
Regelmäßige und geplante Wiederholungen, wenn ungefähr die Hälfte des Stoffes vergessen ist.
Was sich nach viel Aufwand und Anstrengung anhört, ist was Dauer ein auch nervenschohnendes Verfahren und führt in der Regel binnen weniger Monate zu erkennbar besseren schulischen Leistungen.
Lehrkräfte können dieses Umdenken fördern
Die Lehrerinnen und Lehrer können das notwendige Umdenken vom oft beklagten Kurz-Zeit-Lernen zu nachhaltigen und erfolgreicheren Lernwegen unterstützen. Ja sie sollten es meines Erachtens dringend tun! Unter anderem können Sie zu Beginn des Schuljahres die Bedeutung der Mitschriften hervorheben und Beispiele für eine sinnvolle Mitschrift als Tafelanschrieb anbieten. Auch die kurze Wiederholung des Lernstoffs der letzten Unterrichtsstunden (mit der Möglichkeit, dabei die Mitschriften zu nutzen) können Schüler/innen dazu bringen, ihre Notizen sorgfältig und geordnet zu führen und auch dabei zu haben.
Viel Erolg wünsche ich allen Schülerinnen und Schülern, allen Lehrerinnen und Lehrern und – nicht zu vergessen – den vielen Eltern, die sich in der Unterstützung ihrer Kinder engagieren.
Die Artikel-Reihe zur Schul-Entwicklung, besonders der dritte Text “ Schule verbessern (3): nachhaltig lernen lehren“ (These: Die Form der Klassenarbeiten hat auch eine wesentliche Bedeutung für das Lernverhalten der Schüler/innen. Langfristiges und damit nachhaltiges Lernen der Schüler hängt auch von der Unterrichtsgestaltung durch die Lehrer/innen ab!)
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