Menschen, Gruppen und Teams bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kommunikativen, leitenden oder pädagogischen Möglichkeiten zu unterstützen und mit ihnen weitere Perspektiven zu (er-)finden, erfüllt mich und macht mich zufrieden.
Hilfreiche Fragen könnten sein:
Was ist Ihre Aufgabe?
Was wollen Sie erreichen?
Was hindert Sie bisher oder stört Sie?
Was können Sie?
Welche Lösungswege haben Sie schon versucht?
Was ist Ihnen schon (teilweise) gelungen; wann?
Die Version für Eilige: tl;dr
Als DGSv-zertifizierter Coach/Supervisor und Fortbildner unterstütze ich Menschen, die mit anderen Menschen arbeiten, Ihre Aufgaben (selbst-)bewusst, erfolgreich, zufrieden und anhaltend gesund zu bewältigen.
In strukturierten Gesprächen und Übungen suchen wir nach Verständnis, Möglichkeiten, verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten.
Grundsätzlich ist mir die Anerkennung bisheriger (Lösungs-)Versuchen wichtig. Anschließend können eingeübte Sicht- und Erlebnis-Gewohnheiten angefragt, eventuell verlassen und damit neue Wege entdeckt, erkundet, erprobt und eingeübt werden.
Mehr Möglichkeiten (er-)finden, Verbindendes wahrnehmen, ermöglichen, anreichern, reflektieren, entscheiden und gut leben, wirksam (zusammen-)arbeiten, (sich) verstehen, entwickeln, wagen und erproben.
Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit
Wer Berufliches oder Ehrenamtliches überwiegend gerne und länger tut und dabei auch reflexiv und selbstreflexiv weiterdenkt und -lernt, wird auf Dauer sehr wahrscheinlich Qualität, Selbstwirksamkeit und daher Sinn und Zufriedenheit erleben.
Anfangenist ein guter Anfang – mit hilfreichen Gewohnheiten und Verstehen, gerne auch in kleinen Schritten
und aufhören – mit Ablenkungen, Abwertungen (von sich selbst und anderen) und Hass
Entwicklung, Lernen, Leiten und Zusammen-Arbeiten kann große Freude machen – wenn wir gemeinsam dabei erfolgreich sind!
Gute Leitungen fördern Leistungen, Kreativität, Lösungen und Zusammenhalt.
Erfolgreiches Lernen (ob in Fortbildungen oder im Unterricht) macht Lernenden, Lehrenden und Leitenden Freude und wirkt nach.
Eine „kollaborative Grundhaltungen“ führt in der Regel zu kreativen und erfolgreichen Arbeitsgruppen, Teams und Kollegien. (Die Rahmenbedingungen sollten stimmen und dafür haben alle Beteiligten mit zu sorgen.)
Dazu möchte ich jeweils Anregungen und Beiträge leisten.
Verständnis und Klärung Ihrer aktuellen Situationen
bisherige (Lösungs-)Versuche
Erweiterung Ihres Überblicks und Suche nach möglichen Entlastungen
Erweiterungen Ihrer Entwicklungschancen für Sie, Ihrer Arbeitsgruppen, Teams oder Kollegien und gelingende Zusammenarbeit.
Ich habe über 22 Jahre unterrichtet und die Entwicklung von Schulen und Kollegien gefördert.
Dazu finden Sie hier Ideen, Protokolle und Reflexionen meines Unterricht, kollegiale Anregungen und Material für den eigenen Unterricht. Gerne lade ich dazu ein, barcamps als Schulentwicklungsinstrument zu nutzen, außerdem rege ich Pädagogische Fallbesprechungs-Gruppen an und bin auch bereit, den Start-Impuls einer solchen Gruppe zu begleiten.
Aktuell können/müssen/dürfen wir alle Gelassenheit angesichts vieler krisenhafter Entwicklungen lernen.
Ich selbst habe gelernt mit technischen Möglichkeiten auch passende Formate für online-Kontakte für Zeitdruck oder angesichts großer Entfernungen bereitzustellen.
Eine mir wichtige, wesentliche Erkenntnis
„Am Ende läuft es darauf hinaus: Balance ist eine Illusion, Balancieren eine Notwendigkeit.“ Reinhard K. Sprenger in Kursbuch 222 (Juni 2025)
Kurz-Information zur Supervision/Coaching
Supervision und Coaching verstehe ich als einen verabredeten und begleiteten Such-, Er-Finde- und Lernprozess zu für Sie passenden Antworten, Lösungen und Perspektiven Ihrer Entwicklung.
Dabei habe ich die gelegentliche Tempo-Verlangsamungen für mehr Genauigkeit als hilfreich entdeckt: Lieber nicht vorschnell behaupten, verstanden zu haben, sondern nochmals prüfen und nach-fragen, die Blickwinkel wechseln und Verhaltensweisen überprüfen und erproben.
Seit 2008 blogge ich hier unregelmäßig, denke dabei schriftlich über meine Projekte nach, vergewissere mich so dabei selbst und teile meine Ideen.
Wenn wir uns gute Ideen mitteilen und sie austauschen, gestalten wir unser Leben und Arbeiten entlastender, angeregter, (selbst-)reflexiver und – so meine Erfahrung – zufriedenstellend. Diesen Austausch fördere ich hier.
Meine Themen sind:
bewusst, neugierig, selbstreflexiv und selbstwirksam arbeiten, entscheiden und gestalten
lernen und lehren mit Spaß: Fortbildung, Leitung, Kooperation, Schule und Unterricht
bewusst engagiert, mehrperspektivisch und belastbar gut leben – auch in ungünstigen Rahmenbedingungen
Ich unterstützeals lebens- und berufserfahrener Coach, Supervisor (DGSv) und Fortbildner überwiegend sozial, lehrend und leitend Handelnde, Ihre Aufgaben zufrieden und anhaltend gesund auszuüben.
14 Jahre unterstützte ich Jugendliche bei ihrer persönlichen Entwicklung und über 22 Jahre habe ich an beruflichen Schul-Zentren mit Technischen Gymnasienunterrichtet und gearbeitet.
Mit Fragen nach Wachstum, Planung, Orientierung, Denken, Lernen, Entscheidungen und Organisation kenne ich mich aus.
eine andere Darstellung meiner Anliegen und Arbeitsweise finden Sie im Berater-Profil
Die erste Grundidee für diesen Text stammt aus 2018; inzwischen mehrfach überarbeitet; zuletzt am 24.05.2025; redaktionell zuletzt bearbeitet am 5. Oktober 2025Drucke diesen Beitrag
Im Rückblick kann ich beschreiben, dass ich viel durch die Rückmeldungen meinen Schüler*innen gelernt habe.
Im Rahmen meines Unterrichtskonzeptes, hatte ich die Angewohnheit, sowohl die Schüler*innen als auch mich selbst zu Beginn einer Unterrichtssequenz nach Vorerfahrungen und Zielen für die Entwicklung zu fragen. Ich habe diese immer dokumentiert und am Ende der Unternehmung nochmals präsentiert.
Dabei habe ich sehr viel gelernt
über meine Schüler*innen
über mich
über meinen Unterricht und welche Zugänge hilfreicher oder auch weniger waren.
Zunehmend schätzte ich digitale Werkzeuge.
Um zu prüfen, ob wir auf der Spur waren, wertete ich regelmäßig mittels anonymer Fragebögen aus. Digitale Tools schätzte ich, weil sie mich bei der Auswertung und live-Präsentation unterstützten.
Eine einfache und bewährte Form waren drei Fragedurchgänge:
1. Allgemeine Unterrichtsbewertung (skaliert von „0 = keine Übereinstimmung“ bis „10 = vollständige Zustimmung“)
Ich habe meine Ziele für den Unterricht erreicht.
Die Atmosphäre im Unterricht war angenehm.
Es gab genug Abwechslung.
Es gab genug Diskussion.
Der Lehrer gibt hilfreiche Rückmeldungen.
Er bewertet nachvollziehbar und fair.
Ich habe etwas für mich persönlich gelernt.
2. Was ich – als Schüler*n – besser machen kann: …
3. Was der Lehrer besser machen kann: …
Das Ende eines Themas oder eines Schuljahres sind günstig.
Das Ende einer Unterrichtssequenz oder eines Schuljahres sind günstige Zeiten, sich von Lerngruppen eine Rückmeldung einzuholen. (In der sozialwissenschaftlichen Fachsprache werden solche Rückmeldungen als „Feedback“ bezeichnet.)
Anonymität hilft der Wahrheitsfindung.
Im Gegensatz zu den Empfehlungen für ein persönliches Feedback halte ich beim Feedback in der Schüler-Lehrer-Beziehung Anonymität für sinnvoll. So kann schon die Idee, eine Rückmeldung hätte (langfristig) Auswirkungen auf die Leistungsnoten, im Keim umgangen werden.
Formalisierte Fragebögen ermöglichen bei wiederholter Anwendung die Einordnung.
Durch die mehrmalige Verwendung formalisierter Fragebogen-Formen kann die Lehrkraft im Laufe der Jahre zwischen Gruppen und Konzepten vergleichen und so die Rückmeldungen der Schüler/innen-Gruppen besser einordnen.
Selbstverständlich habe ich die Auswertung mit den Gruppen besprochen.
Dabei wurde nochmals die eine oder andere Äußerung verständlicher oder auch vertiefter verstanden. Das digitale Vorgehen hat den Charme, dass die Auswertung nach Ende der Auswertung im Unterrichtsraum projiziert werden kann.
Vorschläge können hier auf Ihren Rechner heruntergeladen werden:
Bitte beachten Sie das Copyright und geben bei Verwendung oder Abänderungen bitte die Quelle an. Danke.
und ein oft übersehener Zusammenhang: Demokratie so erfahrbar machen
wer nie gefragt wird, kann auch seine Selbstwirksamkeit nicht erleben und damit Vertrauen in die Demokratie entwickeln. Dazu eine Befragung von Schüler*innen der Bertelsmann Stiftung „Demokratisierung des Lernens in Schule. Ergebnisse einer Jugendbefragung“ (Danke an Bent Freiwald von den krautreporter.de für den Tipp!)
ursprünglich entwickelt im Juni 2008; zuletzt überarbeitet am 6. Oktober 2025 Drucke diesen Beitrag
Besonders in unübersichtlichen Zeiten – und sicherlich überhaupt im Leben – ist die hier von Rilke ausgedrückte Fähigkeit, das Offene auszuhalten und Vertrauen in Lösungen zu haben, erstrebenswert und hilfreich.
In einem modernen Emoticon, dem shruggy, wird dieser Haltung Ausdruck verliehen:
„… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“
Rainer Maria Rilke
Zitiert aus einem Brief an Franz Xaver Kappus, geschrieben in Worpswede bei Bremen, am 16. Juli 1903
Davon wünsche ich allen Leserinnen und Lesern und auch mir selbst mehr und übe mich selbst darin.
Mit diesem Text überdenke ich meinen eigenen Übergang in den Ruhestand. Ich gehe davon aus und wünsche mir, dass meine Überlegungen auch für andere Übergänge hilfreich und anregend sein können.
Der Eintritt in den Ruhestand ist ein markanter Einschnitt. Ich möchte Möglichkeiten offen halten und gestalten.
Über 37,5 Jahre habe ich mich leidenschaftlich in der Bildungsarbeit engagiert:
In meinem bisherigen Berufsleben war ein Kalender unverzichtbar.
Meist war mein Plan voll mit Projekten, Terminen und Verpflichtungen, reservierten Zeiten und To-Do-Listen. Und aus der beruflichen Arbeit habe ich immer wieder eine tiefe Befriedigung gezogen, weil ich die eigene Arbeit als sinnvoll und notwendig erlebt habe.
Herausfordernde und anstrengende Belastungsspitzen gab es immer wieder, z.B. zu Prüfungszeiten und zum Anfang und zum Ende der Schuljahre.
ein für Prüfungszeiten typischer Wochenplan – hier „NSA-sicher“
Dann kam der Abschied in den Ruhestand, eine Zäsur. Ich hatte mich durch eine intensive Reflexion meiner beruflichen Tätigkeit und viele Gespräche gut vorbereitet. Ganz bewusst hatte ich keine neuen Projekte und Aufgaben für die Zeit nach dem Renteneintritt geplant.
Fast vier Jahrzehnte hatte ich engagiert und mit einem ausgeklügelten Plan gearbeitet und auch gelebt.
Als ich in Rente ging, wollte ich ausdrücklich keinen Plan haben. Ich wollte spüren, was kommen würde. Statt der von vielen geforderten Pläne wollte ich mir Zeit und den Luxus einer bewussten Pause und Unterbrechung gönnen:
Wie fühlt sich der neue Lebensabschnitt an?
Wo bringt die Ruhe neue Einsichten?
Wo bleibt der gewohnte Sinn und wo entsteht neuer?
Was zeigt sich noch?
…
Loslassen und Vermissen
Was ich schnell bemerkte: Vieles fehlt.
Es sind nicht nur die strukturierten Tage, Routinen und festen Aufgaben, die plötzlich wegfallen. Vielmehr fehlt mir das Selbstverständliche, das mein Leben jahrelang fast unbemerkt geprägt hat: die täglichen Kontakte, die spontanen Gespräche im Lehrerzimmer, die Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern, die vielen zwischenmenschlichen Beziehungen, die mir eine tiefe Verankerung und Sicherheit gegeben haben.
Der Sinn, den ich in meinem Beruf gefunden habe, war immer unmittelbar da. Sie war Teil meiner Identität und oft spürbar bei Planungen, Begegnungen und nach vielen Unterrichtsstunden.
Die Wiederentdeckung von Langsamkeit und Muße
In der Unterbrechung, der Pause oder der Stille liegen auch neue Freiräume: Ich gönne mir bewusst ein langsameres Tempo und wieder mehr Zeit für meine Interessen. So kann ich mehr Zeit mit liebgewonnenen Tätigkeiten verbringen: ausschlafen, spazieren gehen, in Ruhe ein gutes Buch lesen oder Musik hören, einen fesselnden Podcast hören, meinen Gedanken nachhängen oder auch längere Gespräche führen.
Diese Muße hat eine eigene Qualität, die ich für mich neu entdecke. Mit weniger Verpflichtungen öffnen sich Räume und Möglichkeiten für Tätigkeiten und Themen, die im früheren Berufsalltag oft zu kurz kamen.
Es macht mir wieder Freude, von Hand mein Tagebuch zu schreiben oder auch einen handgeschriebenen Brief zu verfassen, die Worte und Gedanken bewusst zu gestalten und mit Bedacht zu formulieren.
Momente des Innehaltens sind kostbar. Die Eile, mit der ich den vielfältigen Berufsalltag bewältigt habe, kann einer tieferen Ruhe weichen.
Politische Partizipation und gesellschaftliches Engagement
Und dann ist da noch das Gefühl der Zugehörigkeit und der gesellschaftlichen Mitverantwortung. Das ist geblieben. In der Bildungsarbeit war mein Engagement immer auch politisch. Ich wollte die Gesellschaft positiv gestalten. Ich wollte junge Menschen zur Auseinandersetzung mit ihren Werten herausfordern und mit ihnen gemeinsam Wissen über ein gelingendes Zusammenleben entwickeln.
Mein Beruf steht nicht mehr im Vordergrund. Mein politisches Engagement – im weiteren Sinne – empfinde ich nach wie vor als Impuls: Ich reserviere mir immer wieder bewusst eine begrenzte Zeit, um mich zu informieren, mich zu Wort zu melden und mich einzubringen. In gewisser Weise ist das eine Fortsetzung einer meiner beruflichen Motivationen, nur in anderer Form.
Neues zu entdecken und zu entwickeln kostet Energie.
Ursprünglich hatte ich erwartet, dass mit dem Ende meiner langjährigen Berufstätigkeit sofort Ruhe und Entspannung einkehren würden.
Da war ich wohl einer naiven Illusion aufgesessen. Die selbstgewählte Offenheit auszuhalten, die neue Tagesstruktur und für mich passende Routinen zu entwickeln, forderte meine Aufmerksamkeit und Kraft
Vermutlich sind diese Anstrengungen vergleichbar mit denen, die eine neue berufliche Rolle oder ein neues politisches Amt mit sich bringen. Nicht umsonst hat es sich eingebürgert, neuen Amtsträgern in Politik und Verwaltungsleitungen eine Schonfrist von 100 Tagen einzuräumen.
Zwischen Vergangenheit und vielen neuen Möglichkeiten
Übergänge, Abschiede und Neuanfänge stehen in einem interessanten Spannungsverhältnis.
Auf der einen Seite stehen vermutlich Verlusterfahrungen.
In meinem Fall fallen folgende Punkte weg:
selbstverständliche, vielfältige Kontakte zu anderen Menschen
bedeutungsvolle, berufliche Rollen
Sinnerfahrungen
ein selbstverständlicher Tagesrhythmus
täglich unvorhersehbare Herausforderungen (da ich mit Gruppen und Menschen gearbeitet habe)
Andererseits eröffnete mir die neue Situation auch Freiheiten und viele Möglichkeiten, die ich zu schätzen lernte.
Die Herausforderung besteht wohl darin, Altes zu verabschieden und Neues bewusst und mit offenem Herzen aufzunehmen und weiterzuentwickeln
Dazwischen lebe ich gerade. Persönlich habe ich der spürbaren Einladung widerstanden, die ungewohnt offene Situation am Ende einer langen, planorientierten Lebensphase wieder mit neuen Plänen und Projekten zu gestalten.
Ich fühle den Luxus, mir dafür Zeit zu nehmen. Ich bin gespannt, was mir diese Reise noch bringen wird, welche Menschen, Themen und Räume ich noch – vielleicht auch überraschend – finden werde und wie ich meine Aufgaben immer wieder neu definieren werde.
Andere Menschen ziehen es vor, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben und dem Eintritt in den „Ruhestand“ konkrete Pläne und Projekte zu haben, z.B. eine längere Reise, eine Teilzeitbeschäftigung, ein neues, bereits organisiertes gesellschaftliches Engagement in einem Ehrenamt etc.
Zur Zeit überlege ich, ob die bisherigen Routinen noch passen und weitergeführt oder beendet werden sollen.
Kleiner Theorieimpuls: Unterlassen ist notwendig für Entwicklung, ein Lob der „EXnovation“
In der Literatur und Theoriebildung gibt es einen Gegenpol zur INnovation: die EXnovation. Dahinter steht die Erfahrung, dass das Aufhäufen von immer mehr Zielen und Aufgaben auf Dauer nicht leistbar sind und auch krank machen.
„Es braucht mehr Bereitschaft zur Exnovation, der Kehrseite von Innovation. Das Festhalten an gewohnten Denkweisen, Handlungsmuster, Strategien verstellen den Raum für wirklich Neues. Solange ich die Luft anhalte, kann ich nicht einatmen.“Prof. Dr. Klaus Gourgé, Professor FWR, Leitung MBA Zukunftstrends und Nachhaltiges Management; zitiert aus der Mitgliederzeitschrift der DGSv, Journal Supervision 1/2024; 14
Für Neues benötigen wir Zeit und Energie. Diese notwendigen Ressourcen werden in der Regel durch das Unterlassen bisheriger Gewohnheiten und Abläufe frei. („Höre immer wieder mit ausgewähltem Blödsinn auf!“)
Darüber habe ich schon früher geschrieben und in letzter Zeit finde ich immer mehr kluge Texte dazu. (Links zur Vertiefung siehe unten unter „Weiterführende und vertiefende Hinweise“).
In diesem Jahr beende ich den langjährigen Versand von gedruckten Adventskarten
Fast zwei Jahrzehnte lang habe ich über 100 Adventskarten verschickt, im letzten Jahr etwa 200. Es hat mir Freude gemacht, sie zu entwerfen, zu planen und herzustellen.
Meine Grußkarte zum Advent 2022
Diese Muße hat eine eigene Qualität, die ich für mich neu entdecke. Mit weniger Verpflichtungen öffnen sich Räume und Möglichkeiten für Tätigkeiten und Themen, die im früheren Berufsalltag oft zu kurz kamen.
Es macht mir wieder Freude, von Hand mein Tagebuch zu schreiben oder auch einen handgeschriebenen Brief zu verfassen, die Worte und Gedanken bewusst zu gestalten und mit Bedacht zu formulieren.
Momente des Innehaltens sind kostbar. Die Eile, mit der ich den vielfältigen Berufsalltag bewältigt habe, kann einer tieferen Ruhe weichen.
Politische Partizipation und gesellschaftliches Engagement
Und dann ist da noch das Gefühl der Zugehörigkeit und der gesellschaftlichen Mitverantwortung. Das ist geblieben. In der Bildungsarbeit war mein Engagement immer auch politisch. Ich wollte die Gesellschaft positiv gestalten. Ich wollte junge Menschen zur Auseinandersetzung mit ihren Werten herausfordern und mit ihnen gemeinsam Wissen über ein gelingendes Zusammenleben entwickeln.
Mein Beruf steht nicht mehr im Vordergrund. Mein politisches Engagement – im weiteren Sinne – empfinde ich nach wie vor als Impuls: Ich reserviere mir immer wieder bewusst eine begrenzte Zeit, um mich zu informieren, mich zu Wort zu melden und mich einzubringen. In gewisser Weise ist das eine Fortsetzung einer meiner beruflichen Motivationen, nur in anderer Form.
Neues zu entdecken und zu entwickeln kostet Energie.
Ursprünglich hatte ich erwartet, dass mit dem Ende meiner langjährigen Berufstätigkeit sofort Ruhe und Entspannung einkehren würden.
Da war ich wohl einer naiven Illusion aufgesessen. Die selbstgewählte Offenheit auszuhalten, die neue Tagesstruktur und für mich passende Routinen zu entwickeln, forderte meine Aufmerksamkeit und Kraft
Vermutlich sind diese Anstrengungen vergleichbar mit denen, die eine neue berufliche Rolle oder ein neues politisches Amt mit sich bringen. Nicht umsonst hat es sich eingebürgert, neuen Amtsträgern in Politik und Verwaltungsleitungen eine Schonfrist von 100 Tagen einzuräumen.
Zwischen Vergangenheit und vielen neuen Möglichkeiten
Übergänge, Abschiede und Neuanfänge stehen in einem interessanten Spannungsverhältnis.
Auf der einen Seite stehen vermutlich Verlusterfahrungen.
In meinem Fall fallen folgende Punkte weg:
selbstverständliche, vielfältige Kontakte zu anderen Menschen
bedeutungsvolle, berufliche Rollen
Sinnerfahrungen
ein selbstverständlicher Tagesrhythmus
täglich unvorhersehbare Herausforderungen (da ich mit Gruppen und Menschen gearbeitet habe)
Andererseits eröffnete mir die neue Situation auch Freiheiten und viele Möglichkeiten, die ich zu schätzen lernte.
Die Herausforderung besteht wohl darin, Altes zu verabschieden und Neues bewusst und mit offenem Herzen aufzunehmen und weiterzuentwickeln
Dazwischen lebe ich gerade. Persönlich habe ich der spürbaren Einladung widerstanden, die ungewohnt offene Situation am Ende einer langen, planorientierten Lebensphase wieder mit neuen Plänen und Projekten zu gestalten.
Ich fühle den Luxus, mir dafür Zeit zu nehmen. Ich bin gespannt, was mir diese Reise noch bringen wird, welche Menschen, Themen und Räume ich noch – vielleicht auch überraschend – finden werde und wie ich meine Aufgaben immer wieder neu definieren werde.
Andere Menschen ziehen es vor, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben und dem Eintritt in den „Ruhestand“ konkrete Pläne und Projekte zu haben, z.B. eine längere Reise, eine Teilzeitbeschäftigung, ein neues, bereits organisiertes gesellschaftliches Engagement in einem Ehrenamt etc.
Zur Zeit überlege ich, ob die bisherigen Routinen noch passen und weitergeführt oder beendet werden sollen.
Kleiner Theorieimpuls: Unterlassen ist notwendig für Entwicklung, ein Lob der „EXnovation“
In der Literatur und Theoriebildung gibt es einen Gegenpol zur INnovation: die EXnovation. Dahinter steht die Erfahrung, dass das Aufhäufen von immer mehr Zielen und Aufgaben auf Dauer nicht leistbar sind und auch krank machen.
„Es braucht mehr Bereitschaft zur Exnovation, der Kehrseite von Innovation. Das Festhalten an gewohnten Denkweisen, Handlungsmuster, Strategien verstellen den Raum für wirklich Neues. Solange ich die Luft anhalte, kann ich nicht einatmen.“Prof. Dr. Klaus Gourgé, Professor FWR, Leitung MBA Zukunftstrends und Nachhaltiges Management; zitiert aus der Mitgliederzeitschrift der DGSv, Journal Supervision 1/2024; 14
Für Neues benötigen wir Zeit und Energie. Diese notwendigen Ressourcen werden in der Regel durch das Unterlassen bisheriger Gewohnheiten und Abläufe frei. („Höre immer wieder mit ausgewähltem Blödsinn auf!“)
Darüber habe ich schon früher geschrieben und in letzter Zeit finde ich immer mehr kluge Texte dazu. (Links zur Vertiefung siehe unten unter „Weiterführende und vertiefende Hinweise“).
In diesem Jahr beende ich den langjährigen Versand von gedruckten Adventskarten
Fast zwei Jahrzehnte lang habe ich über 100 Adventskarten verschickt, im letzten Jahr etwa 200. Es hat mir Freude gemacht, sie zu entwerfen, zu planen und herzustellen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern:
eine möglichst gelingende Advents- und Weihnachtszeit,
einige Inseln der Ruhe,
gutes Essen
und gelingende Feste,
Muße,
Nachdenklichkeit,
Erholung
und frische und ausreichend Kraft für die Herausforderungen im neuen Kalenderjahr.
Einladung zur Selbstreflexion, zum aktiven Verlernen von Überholtem und zur Diskussion
Diese zum Teil privaten Gedanken habe ich hier aufgeschrieben und geteilt, um andere zur Selbstreflexion anzuregen und einzuladen.
Über Kommentare unter diesem Text oder Rückmeldungen auf anderen Wegen freue ich mich.
Sie verbringen viele Zeit und Energie in beruflichen Zusammenhängen.
Ich wünsche Ihnen,
dass es Ihnen in Ihrem Beruf überwiegend gut geht
dass Sie bei einer „Bilanz“ Ihrer beruflichen Zusammenhänge zufrieden sind
dass Sie Kolleg*innen gefunden haben, mit denen Sie sich pädagogisch austauschen können (vielleicht in einer Fallbesprechungsgruppe oder einer Gruppensupervision)
dass Sie mit Kolleg*innen vernetzt sind, mit denen Sie Ideen und Material austauschen können
dass Sie im Bedarfs- oder Konfliktfall auf ein vertrautes und gepflegtes Netzwerk zu Ihrer Unterstützung zurück greifen können.
Wenn Sie Unterstützung suchen oder der Beruf über eine längere Zeit keine Freude mehr macht, gibt es Möglichkeiten der Unterstützung und Wege der Veränderung: zum Beispiel in einer Supervision oder einem Coaching.
Ich empfehle Lehrerinnen und Lehrern immer wieder mit begründetem Nachdruck Gruppen zur Supervision oder zum Coaching
Lehrerinnen und Lehrer können durch regelmäßige Auswertungen
ihre Erfolge realistisch einschätzen,
erfahren, wo der Unterricht verbessert werden soll,
und organisieren so einen fortlaufend verbesserten Unterricht.
Ich empfehle:
konzeptorientiert und (schriftlich) vorbereitet zu unterrichten
regelmäßig auszuwerten (mit Feedback von Schüler/-innen und selbst)
Verbessungsideen zu notieren
Unterrichts-Entwürfe in konzentrierten Phasen zu überarbeiten
Weiterführende Hinweise:
Ein Konzept und eine schriftliche Vorbereitung zu haben, hilft auch, nach dem Unterricht zu entscheiden, ob dieser Unterricht gut – mäßig oder schlecht (sehr verbesserungswürdig) war.
Regelmäßige Auswertungen (mit Schüler/-innen und ohne sie) schafft Sicherheit zur Frage, was noch zu verbessern ist. Am Ende jeder Unterrichtseinheit halte ich eine kurze Auswertung mit Versicherung des Zugewinns durch den Unterricht und Lernprozessen drum herum für sinnvoll. Hier ist auch der Platz, die Schüler/-innen nach Verbesserungs-Ideen und -Wünschen zu fragen. – Manche gute Anregung verdanke ich solchen Rückmeldungen.[Aktualisierung aus 2021] Inzwischen befrage ich die Schüler/-innen über das online-Werkzeug mentimeter.com und sichere so die Rückmeldungen ohne viel Aufwand und übertrage Anregungen zu den entsprechenden Unterrichts-Themen (oder schreibe sie in die Dateien mit den Unterrichtsplänen oder der Unterrichtsübersicht in den „To-Do-Kasten“). Wesentlich dabei ist, dass ich diese Anregungen für eine Überarbeitung wieder finde.
Wenn das Unterrichtsthema das nächste Mal unterrichtet wird, kann ich mich entscheiden, ob die Überarbeitung in die normale Unterrichts-Vorbereitung passt, oder ob dafür einen konzentrierte Extra-Zeit für einen grundsätzlichere Überarbeitung eingeplanen sollte. Manche Veränderungen sind tatsächlich schnell und unkompliziert einfach einzubauen, bei anderen Verbesserungen stellen sich Grundsatzfragen und die Gesamt-Konzeption des Unterrichts ist betroffen. Dann sind konzentrierte Phasen der Verbesserungsarbeit in einer zusamenhängenden Arbeitsphase sicher sinnvoller.
1. Ich gehe in einer positiven Grundstimmung, bin gerne Lehrer und habe bis zum Ende Freude am Unterrichten
Lehrkräfte haben eine wunderbare, bedeutsame, sinnvolle (manche sagen auch „machtvolle“) Aufgabe: Wir dürfen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei Ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Entwicklung begleiten. Ende Juli 2024 beende ich meine Tätigkeit an beruflichen Schulen nach 22 Jahren. Ich möchte diese lange Zeit mit einer ermutigenden Bilanz meiner Arbeit abschließen.
Mit der Veröffentlichung dieses ausführlichen Blog-Beitrags trage ich dazu bei, die Redezeit in der Abschluss-Konferenz Ende Juli kurz zu halten.
Ich gehe mit mehrdeutigen Gefühlen: Einerseits bin ich zufrieden und andererseits ahne ich auch, dass manche Aspekte meiner aktuellen Berufsrolle mir zukünftig auch fehlen werden. Und schließlich gibt es – wie in jedem Beruf – selbstverständlich manches, auf das ich in Zukunft gerne verzichte.
2. Worauf ich zukünftig gerne verzichte
2.1 Verunsichernde und anstrengende Kursbildungen am Anfang und unangekündigte Unterrichtsausfälle am Ende des Schuljahres
In den ersten drei bis vier Wochen am Schuljahresbeginn musste ich regelmäßig bangen, ob Kurse eventuell nicht zustande kommen könnten, weil zu wenig Schüler*innen den Religionsunterricht wählten. Die Alternative zum Religionsunterricht war jahrelang Unterrichtsentfall und nicht das Ersatzfach Ethik. Daraus konnte sich dann Fehlstunden in meinem Deputat ergeben, das heißt, ich musste im nächsten Schuljahr nacharbeiten.
In den ersten vier bis fünf Schulwochen musste ich allen möglichen Listen hinterherjagen: Welche Schüler*innen gehören in meinen Kurs? Und welche gehen nach Ethik? Bleiben Schüler als sogenannte „U-Boote“, also „ducken sich weg“ und erscheinen so weder im Ethik- noch im Religionsunterricht? Wie finden und sprechen wir diese an?
Gegen Ende des Schuljahres gibt es vermehrt Betriebsbesichtigungen oder andere Ausflüge. Solche Unternehmungen sind sicher sinnvoll und unterstütze ich gerne. Ärgerlich reagiere ich allerdings, wenn die planenden Kolleg*innen es unterlassen, die auch noch betroffenen Fachlehrkräfte rechtzeitig von ihren Plänen und den Auswirkungen auf geplanten Unterricht zu informieren. So ist zum Beispiel der Versuch einer Auswertung der dreijährigen Oberstufe statt mit der Gesamtgruppe von zweiundzwanzig Personen nur mit zwei Anwesenden sinnlos. Dieser Ärger wäre leicht vermeidbar: Wenn die Information rechtzeitig kommt, kann noch umgeplant werden!
2.2 Ineffiziente Konferenzkultur
In schlecht vorbereiteten Konferenzen habe ich regelmäßig gelitten und es wurde manche unnötige Arbeitsstunde und Motivation „verbrannt“. Die meisten Konferenzen fanden im Sitzen, methoden-monoton und ohne eigene Moderation (getrennt von den Personen mit inhaltlichen Interessen) statt. Hier gibt es viele gute Ideen, wie z.B. Stehtisch-Konferenzen, rollierende Moderation oder Methoden-Vielfalt.
Einzelne Konferenz hätte sehr viel effizienter durch eine Informations-E-Mail ersetzt werden können.
Manche andere wäre durch genügend Vorinformationen (Was geschah bisher? Welchen Entscheidungsrahmen haben wir? Wer ist beteiligt? Bis wann muss die Entscheidung gefällt werden? Gibt es schon Erfahrungen mit den unterschiedlichen Modellen aus anderen Bereichen? …) deutlich effektiver geworden. Schade.
2.2 Korrekturen und neue Prüfungsformate
Allgemein habe ich nicht gerne korrigiert. Noch weniger gerne korrigierte ich Abitur-Prüfungen, bei denen ich in den ersten beiden Arbeitsschritten nach Fehlern suchen musste. Schlecht lesbare und lieblos hingeschmierte Schüler-Antworten zu korrigieren, war besonders herausfordernd.
Die neue Abiturprüfung ohne die Chance der Schüler*innen, selbst Präsentationsthemen vorzuschlagen, und jetzt mit vielen, kleinteiligen Prüfungsfragen, bewerte ich als einen bedauerlichen Rückschritt bei modernen Prüfungsformaten.
2.3 Ständige Aufgaben-Erweiterungen ohne angemessene Ressourcen-Steuerung
Gefühlt alle sechs bis neun Monate wurden neue pädagogische Moden, Modelle oder auch Verfahren angeregt, für die dann allerdings oft keine zusätzlichen oder ausreichenden Ressourcen bereitgestellt wurden. – Ganz nach dem baden-württembergischen Motto „Wir wolle(n) alles; darf nur nix koschde!“.
Überhaupt habe ich nur sehr selten erlebt, dass eine Aufgabe wegfallen konnte. Die sehr produktiven Kontroll-Fragen „Was kann ohne Qualitätsverlust unterlassen werden?“ und „Was kann statt des neuen Verfahrens wegfallen?“ wurde leider zu wenig gestellt und offensichtlich auch zu selten beantwortet. Die Steuerung der Belastung wird so auf die individuelle Ebene jeder einzelnen Lehrkraft verlagert.
2.4 Unangenehme Arbeitsbedingungen
Der ständige Kampf um Aufmerksamkeit in einer reiz- und mediengefluteten Umwelt macht es mir zunehmend schwer – am meisten in pubertierenden Mittelstufenklassen, in eine konzentrierte Unterrichtsatmosphäre zu gelangen. Als allgemeinbildender Lehrer habe ich den Anspruch, Texte und Gedanken-Zusammenhänge zu erschließen und zur Auseinandersetzung mit verstandenen Inhalten herauszufordern. Im Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit mit Spielen oder „witzigen YouTubes“, die jederzeit auf dem Handy erreichbar sind, kann ich leider eher selten gewinnen. Zuweilen beschleicht mich zusätzlich der Eindruck, dass die Eltern bei der Regulierung des Medienzugangs und der Medienbildung ihrer Kinder kapituliert haben. Aufgeben ist keine passende Option für mich und meine Vorstellung von meiner Berufsrolle. Die fortdauernde Werbung um Konzentration und Regulierung eines zielführenden Medieneinsatzes macht auf die Dauer aber sehr müde.
Je komplizierter und komplexer die eingesetzte Technik ist, umso mehr kann es Technik-Probleme geben: schwaches oder nicht funktionierendes WLAN, defekte Verdunkelungen in den Unterrichtsräumen, fehlende Schülerdaten im elektronischen Klassenbuch oder der Lernplattform Moodle, fehleranfällige elektronische Notenerfassungsprogramme, defekte Bildschirme und PCs, „kreative“ Änderungen der Verkabelung durch Kolleg*innen, etc.). Der Mulimedia-Beauftragte im Kollegium und die Kollegen aus der Netzwerkbetreuung engagieren sich stark. Dennoch kommt es immer wieder zu Ausfällen oder Defekten mit teilweise erheblichen Stör-Auswirkungen auf den Unterricht.
Überhitzte Klassen-, Arbeits- und Konferenz-Räume wurden in den letzten Jahren immer problematischer: Im Juni/Juli wird es in manchen Räumen im Betongebäude schon auch mal 30 Grad und mehr heiß. Mein Seniorenkörper hat das immer weniger gut vertragen und auch für die Schüler*innen waren diese Raumtemperaturen eine echte Zumutung. Das melden mir die Schüler*innen auch regelmäßig in den Auswertungen der Schuljahre als sehr belastend zurück.
3. Was ich an meinem Beruf geliebt habe und wofür ich dankbar bin
In meinen letzten Arbeitswochen verteilte ich kleine, bunte Smileys – immer wieder an Orten oder in die Postfächer von Kolleginnen und Kollegen.
Ich zeigte damit an, wo und mit wem ich es angenehm und/oder auch hilfreich empfunden hatte.
Angeregt wurde ich zu dieser Aktion durch Berichte über die Ulmer Rathausente.
3.1 Begegnungen und Beziehungen
In diesem Beruf konnte ich meine menschen-zugewandte Grundhaltung ausleben und bin nur selten enttäuscht worden.
Immer wieder junge Menschen und auch Kolleg*innen treffen und kennenlernen zu dürfen, hat meine geistige Beweglichkeit gefordert und gestärkt. Die Schüler*innen werde ich vermissen – fast alle! Und manche Schüler*innen sagten mir beim Abschied, sie würden auch mich im nächsten Schuljahr vermissen. Danke; tut gut.
Ich schätze Kollegialität und habe einen Kreis verlässlicher Kolleg*innen gefunden und gepflegt. Mit ihnen konnte ich mich abstimmen, reiben und weiterentwickeln. Gelegentlich wurden sie auch „meine Klagemauer“. Höhepunkte wechselseitiger Unterstützungwaren die Jahrestagungen der Religionslehrer*innen in Hohritt und Rastatt, die pädagogische Fallbesprechungsgruppe an der Schule von 2009 bis 2023 und das vertraute Kollegium im Lehrerarbeitsraum 309.
Auch die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und die Technikfachleute waren freundlich und zielstrebig bei der Unterstützung von uns Lehrkräften.
3.2 Herausforderungen und Erfolge im Unterricht
Ich liebe die Herausforderung, komplexe Zusammenhänge so zu vereinfachen, dass sie verständlich sind, ohne falsch zu werden. Wenn dann „Ach-So-Momente“ möglich waren, entlohnte mich dies für die investierte Vorbereitungen und machte zufrieden.
Ich habe gerne (gut) vorbereiteten Unterricht gehalten und darum langfristig geplant und häufig auch schon eine Skizze der Klassenarbeit vor Unterrichtsbeginn erstellt. So sorgte ich für eine ruhige Unterrichtssteuerung und förderte meine Gelassenheit.
Mein konstruktivistisches Lernverständnis hat sich für mich und meinen Unterricht bewährt. (Ausgewählte Annahmen in Stichworten: Empfänger*innen bestimmen die Bedeutung der Nachricht; kommunikative Missverständnisse sind wahrscheinlicher als selbstverständliches Verstehen; Lernen ist hoch-individuell und weitgehend selbstbestimmt …). Die daraus entwickelte Unterrichtsroutine mit jeweils individuellen, persönlichen Lernzielen innerhalb der allgemeinen Bildungsplanziele war fast durchgehend erfolgreich: Die – nach anfänglichen Einwänden – doch oft motivierten Schüler*innen konnten am Ende der Unterrichtseinheiten nach den eigenen Unterrichtszielen auswerten und waren überwiegend zufrieden.
3.3 Persönliche Entwicklung und Selbstreflexion
Gerne habe ich die Herausforderungen im Kontakt mit anderen Menschen dazu genutzt, als Persönlichkeit weiter zu wachsen. So konnte ich im Laufe der Berufsjahre als Lehrer meinen antrainierten Perfektionismus etwas mildern. Inzwischen meine ich: Es ist schon gut, wenn mehr gelingt als misslingt! Das gilt besonders in einem Feld, in dem viel auch vom jeweiligen Gegenüber, den Rahmenbedingungen und auch der Gruppendynamik abhängt.
Da ich auch für die Inhalte meines Fachs und die theologischen, philosophischen, soziologischen und psychologischen Aspekte der Themen fortdauerndes Eigeninteresse entwickeln konnte, durfte ich mich in meinem Beruf mit für mich auch persönlich spannenden Themen befassen.
3.4 Gestaltungsfreiraum und Eigeninitiative
Die Grundliberalität an der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg wird wohl oft nicht wahrgenommen: Die Schul- und Abteilungsleitungen lassen uns Lehrkräften viel Gestaltungsfreiraum. Wer wusste, was er wollte, konnte eigene Schwerpunkte setzen. Das habe ich gerne genutzt – frei nach dem Motto der Rebels@Work Gründerin Anja Förster: „Frag nicht, was deine Kollegen, dein Chef, dein Unternehmen oder dein Land für dich tun können. Mach es einfach selbst!“.
In alle Schularten außer dem Technischen Gymnasium sind die Lehrpläne für das Fach Religion sehr offen und fordern ausdrücklich zur Berücksichtigung der Interessen der Schüler*innen auf. So konnte ich die Lerngruppen an der Themenfindung beteiligen. Immer wieder führte das auch zu Motivation und engagierter Beteiligung und schließlich auch positiven Rückmeldungen.
3.5 Anerkennung und Wertschätzung
Es tut einfach gut, immer mal wieder zu spüren und rückgemeldet zu bekommen, dass meine Arbeit eine Wirkung hat, sinnvoll ist und gewürdigt wird.
Gerne gebe ich die Anerkennung und den Dank an die Vielen auf und hinter der Bühne der Schule auch zurück, ohne deren Arbeit ich selbst nicht arbeiten hätte können oder zumindest nicht so gut: + die Reinigungskräfte + die Techniker + die Verwaltungsmitarbeitenden + die Medienzentralen im Landkreis und der Erzdiözese Freiburg + die Fachberater*innen + das Team um Holger Radenz vom AOK-Forum für schmackhafte und angenehme Mittagspausen + meine Männergruppe + alle in den virtuellen Lehrer*innen-Zimmern, ob früher auf twitter, in den verschiedenen Barcamps oder in der Blase der Edu-Blogger*innen oder aktuelle Kontakte über die Schule hinaus + die Kolleg*innen in der Fachgruppe, im Wohlfühlort Raum 309 und im Gesamtkollegium der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg
4. Eine konzentrierte Kurz-Version in vier Punkten
Diese Version ist meine Kurz-Ansprache auf der Abschluss-GLK am 19. Juli 2024:
Als Lehrkräfte haben wir eine wunderbare, bedeutsame, sinnvolle (manche sagen auch „machtvolle“) Aufgabe: Wir dürfen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei Ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Entwicklung begleiten. Das hat mich dauerhaft motiviert.
Anspruchsvolle Professionalität. Ich lege Wert auf anspruchsvolle Fachlichkeit und langfristige Planung. Diese Ansprüche habe ich auch auf andere übertragen. Manchmal führte das zu Reibungen. ‑ Insgesamt habe ich überwiegend gute Erfahrungen mit dem hohen Anspruch an mich als Professional gemacht und auch viele bestärkende Rückmeldungen bekommen. Ich habe regelmäßig in diesem Bereich reflektiert und an mir gearbeitet. Das hat sich gelohnt!
Gepflegte Kollegialität. Mir tut es gut, mich mit anderen Menschen zu verbinden. Ich habe einen Kreis verlässlicher Menschen gefunden. Mit diesen Vertrauten konnte ich die Höhen und Tiefen des Lehrerlebens bewältigen und gemeinsam neue Sichtweisen entwickeln. Ich habe immer wieder Aufmerksamkeit für andere aufgewendet. Mir hat es gutgetan; ich hoffe Ihnen/Euch auch. Mein Tipp: Haltet zusammen!
Lust an der Neugier und mutigem Experimentieren. Tatsächlich arbeite ich seit Ende 1987 in pädagogischen Feldern. Ich fürchte, es wäre mir langweilig geworden, wenn ich nicht ab und zu auch Neues erprobt hätte. Meine Neugierde auf Menschen und neue Situationen war mir dafür hilfreich. Im Laufe meiner Entwicklung konnte ich auch Abschied vom Perfektionismus nehmen. Es ist gut genug, wenn mehr als die Hälfte gelingt! Das gilt besonders in einem Feld, in dem viel vom jeweiligen Gegenüber, komplexen Rahmenbedingungen und auch den Gruppendynamiken abhängt.
Herzlichen Dank für die gemeinsame Zeit und ich wünsche Euch und Ihnen viel Freude, nachhaltige Erfolge und stabile Gesundheit!
ch brauche keine Bücher zu lesen, um zu wissen, dass das Grundthema unseres Lebens Konflikte sind; all meine Clownereien entspringen dieser Erkenntnis.
Charlie Chaplin
1. Die Kunst, Konflikte wertzuschätzen und zu unterscheiden
Lange hatte ich die Vorstellung, die allgegenwärtigen Konflikte seien möglichst zu beseitigen, zu beenden und sowieso lösbar. Schließlich strengen sie an, strapazieren unsere Geduld und kosten oft viel Kraft, wenn wir sie auszuhalten versuchen, und sie stören nachhaltig das weit verbreitete Harmoniebedürfnis!
Inzwischen meine ich, dass es manchmal sogar geboten sein kann, Konflikt zu schüren und sich mit Ernst auseinander zu setzen. Dazu ist die Annahme hilfreich, dass Konflikt auch eine Funktion haben und eine Botschaft transportieren können: Hier ist eine Entwicklung oder Klärung notwendig!
Es erscheint mir als hohe Kunst, zu erkennen, wann es besser ist, einen Konflikt auf sich beruhen zu lassen oder ihn aktiv zu schüren oder zumindest ausdrücklich zu benennen.
2. Die Kunst, einen Konflikt zu schüren
2.1 Entscheiden, dass dieser Konflikt den Einsatz lohnt
Nicht jeder Konflikt verdient unsere Aufmerksamkeit: Geht es um grundlegende Werte oder Prinzipien oder zeigt der Konflikt eine Herausforderung, die noch nicht geklärt ist?
Oder dient der Konflikt einer Gruppe oder einem Akteur, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen oder auch, von einem offensichtlichen anderen wichtigen Thema abzulenken?
2.2 Sich ernsthaft und mit Einsatz auseinandersetzen und Konflikte moderieren
Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten – ich neige inzwischen mit dem Autor Klaus Eidenschink zum Begriff „Konfliktmoderation“ – erfordert ernsthafte Auseinandersetzung, Einsatz von allen beteiligten Parteien und Risikobereitschaft. Es ist wichtig, die eigenen Argumente klar zu kommunizieren. Gleichzeitig hilft, offen für die Perspektiven oder auch Erkenntnisse anderer zu sein. Respekt ist der Schlüssel zum gelingenden Konflikt-Dialog.
2.3 Fehler im Denken und der Wahrnehmung kennen und anerkennen
Wir irren uns immer wieder und manchmal sogar systematisch. Daher gehört zu einer ersthaften Konfliktmoderation, auch damit zu rechnen und sich einzugestehen, wenn man sich getäuscht hat oder nur einen Teil der Wirklichkeiten erkannt hatte. Nach meiner Erfahrung ist dies eher der Regelfall als die Ausnahme!
Der Wissenschaftsjournalist Reto U. Schneider formuliert zwei Bedingungen für ein gutes Streitgespräch: (1) „Das eine ist, über Denkfehler Bescheid zu wissen. Bestimmte Trugschlüsse, die einem immer wieder begegnen, sollte man kennen. Zum Beispiel sehen wir Zusammenhänge, wo es keine gibt, überschätzen unser Wissen und sind überzeugt, dass unsere Meinungen das Resultat einer nüchternen Beurteilung von Fakten sind. Dabei ist es oft umgekehrt: Wir haben eine Meinung, lange bevor wir die Fakten kennen, und suchen uns im Nachhinein die passenden Fakten aus.“ Und (2) „Man muss akzeptieren, dass wohlmeinende, intelligente und anständige Menschen bei Themen, die einem wichtig sind, anderer Meinung sein können.“ (Quelle SZ-Interview vom 21.08.2023, siehe unten)
Niemand ist fehlerfrei. Es zeugt von gepflegter Selbstreflexion und starkem Selbstbewusstheit, wenn jemand seine Wahrnehmungsverzerrung oder seinen Irrtum zuzugeben kann. Dies schafft Raum für persönliches Wachstum, fördert das Vertrauen in der Diskussion und in die Konfliktkultur.
3. Die Kunst, einen Konflikt zu beruhigen
3.1 Unlösbare Konflikte erkennen
Nicht jeder Konflikt hat eine Lösung. Es ist wichtig zu erkennen, wenn eine Situation festgefahren ist und ein konstruktiver Dialog nicht mehr möglich erscheint. In solchen Fällen kann es besser sein, den Konflikt ruhen zu lassen, um weitere Eskalationen zu vermeiden.
3.2 Den Aufwand klug abwägen
Manchmal sind Konflikte einfach den Aufwand nicht wert. Wenn der Energie- und Zeitaufwand, um einen Konflikt zu moderieren, in keinem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Nutzen steht, kann es klüger sein, sich zurückzuziehen und die eigenen Ressourcen (Aufmerksamkeit, Energie und Zeit) für wichtigere Angelegenheiten zu reservieren.
3.3 Die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie beachten
In einer Welt, in der Clickbait und hohe Quoten oft große Bedeutung haben, ist entscheidend, sich von der medialen Anheizung nicht mitreißen zu lassen. Ein Faktencheck sollte auf jeden Fall vor jeder Stellungnahme erfolgen: Sind die Quellen seriös und welche Absicht steckt hinter einer möglicherweise sensations- und gefühlsheischenden Berichterstattung?
Konfrontative Situation während einer Demonstration (unsplash-Foto von Jonathan Harrison)
4. Vier Impulse zum Wachstum mit guten Wünschen
4.1 Andere sehen manchmal klarer als wir selbst
Der erste Impuls kommt nochmals vom Autor Reto U. Schneider: „Ich habe gelernt, dass man all diese Täuschungen, Fehler und Illusionen wahnsinnig gut bei anderen erkennt – aber nicht bei sich selbst. Also versuche ich zu akzeptieren, dass andere gewisse Dinge an mir besser erkennen können als ich selbst.“
In der Kunst der Konflikte geht es um die Fähigkeit zur Unterscheidung, zum Durchschauen größerer Zusammenhänge, zur Selbstreflexion und zur empathischen Kommunikation.
4.2 Es gibt Hoffnung. Sie ist lernbar.
Der Internetpionier, Wired-Gründer und Zukunftsforscher Kevin Kelly rät dazu, unsere individuellen Lernkompetenzen zu kennen und auszubauen – und uns so Chancen zu eröffnen. Er ist überzeugt: „Optimismus ist kein Wesenszug, sondern eine Fähigkeit, die man lernen kann.“ (brandeins/Thema Zukunft üben; 40)
Indem wir diese Fähigkeiten üben und weiterentwickeln, fördern wir konstruktive Diskussionen, Problemlösungen, Streitgespräche und Konflikte. Wir lernen so, Konflikte besser zu moderieren.
4.3 Idealisierungen und Erwartungen zu begrenzen, reduziert den Harmoniestress
Drittens kann es hilfreich und entspannend sein, keine idealistisch überzogenen Erwartungen an sich und andere zu pflegen, sondern auch mal selbstironisch auf vermeintliche Gewissheiten, Angewohnheiten oder Erwartungen zu schauen.
Psychologische Beratungsstellen berichten regelmäßig, dass an Weihnachten und zwischen den Jahren ein ungewöhnlich hoher Beratungs- und Schlichtungsbedarf anfällt, weil aufgeladene Erwartungen und Idealisierungen auf die Realitäten treffen und Enttäuschungen entstehen können, ja werden.
Dies wünsche ich Ihnen ‑ für Ihr persönliches Wohlbefinden und für eine streitbare und tolerante Gesellschaft!
4.4 Advent behauptet, dass Gott kommt. Lassen wir Ratlosigkeit und Begrenztheit zu!
Als Theologe werde ich mir gerade wieder bewusst, dass die „Ankunft Gottes“ auch heißen könnte, unsere Begrenztheit, ja manchmal auch Ratlosigkeit wahrzunehmen und als Wahrnehmung zuzulassen. Das ist nicht immer „lustig“ und angenehm. Für Viele ist es allerdings eine grundlegende Wahrnehmung von der sie umgebenden Welt.
Sicher werden die nachfolgenden Handlungs- und Aushandlungsversuche zu heftigen Konflikten führen. – Dann ist das so und kann eine Aufgabe sein.
Quellen
EIDENSCHINK, Klaus: Die Kunst des Konflikts. Konflikte schüren und beruhigen lernen. Carl-Auer-Verlag. Heidelberg, 2023
„Optimismus kann man lernen.“ – Was wächst schneller – Probleme oder Lösungskompetenz? Interview mit Kevin Kelly von Christoph Koch. In: brandeins/Thema Zukunft üben (Nov. 2023); 40
Viele Lehrkräfte (Lehrerinnen und Lehrer, auch Dozentinnen und Dozenten) lieben ihren Beruf und sind glücklich.
Vielleicht sind manche
angestrengt, manchmal gesundheitlich gefährdet
zu einem typischen Einzel-Kämpfer-Arbeitsstil eingeladen
jenseits der fachdidaktischen Fragen alleine und haben wenig qualifizierte Austausch- und Unterstützungs-Gelegenheiten.
Ich wünsche allen Lehrkräften sichere Erfolge und Berufszufriedenheit, Entlastung und ein kollegiales Netzwerk zur Unterstützung und zum Austausch.
Meine Einfälle zum „Einzel-Kämpfer-Modell“
In den meisten Ausbildungen zu Lehrkräften spielen „Lehrproben“ in unterschiedlicher Form eine entscheidende Rolle. – Das kann bedeuten, dass die Erinnerung an unangenehme Erfahrungen dieser Art die Bereitschaft von Lehrkräften, sich bei der Unterrichtsarbeit beobachten zu lassen, deutlich gemindert hat. Genau dies erzählen mir viele Lehrerinnen und Lehrer (in Ausbildung oder auch langjährig erfahrene).
Herkömmlicher Unterricht wird fast ausschließlich von einer Lehrkraft alleine geleitet. – Da liegt der (Kurz-)Schluss nahe, ihn auch ganz alleine vorzubereiten.
Die Regulierungsdichte im Umfeld der Schule ist sehr hoch. – Im Unterricht wollen sich Lehrkräfte nicht auch noch nach anderen Personen – zum Beispiel an Kolleg*innen – orientieren.
Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Lehrkräften nehme ich eine Scheu wahr, „noch nicht ganz fertigen Unterricht“, also Unterrichtsideen, die noch weiter entwickelt werden können, an andere weiter zu geben oder diesen zu zeigen. – Im hoch verdichteten Alltag des Unterrichtens an Schulen (mit 25 bis 28 Wochenstunden Unterrichtsverpflichtung) ist es unmöglich, jeden Unterricht optimal vorzubereiten. Statt sich und anderen die gelegentliche Unsicherheit einzugestehen, wird diese vertuscht: „Es ist mir lieber, wenn mir beim Unterrichten niemand zuschaut!“, höre ich dann als typische Antwort auf meine Anfrage (zum Beispiel im Auftrag von Praktikantinnen und Praktikanten).
Aus meiner Sicht empfehle ich:
Lehrkräfte können sich wesentlich unterstützen, indem sie kooperieren und: > „kollaborativ“ Unterrichtsideen entwickeln > Material austauschen > sich über gelungene, aber auch „interessante“ oder schwierige Unterrichtssituationen kollegial beraten.
Lehrkräfte können ihren Stress reduzieren, in dem sie einander ihre Unsicherheit bei „noch nicht optimal vorbereitem Unterricht“ mitteilen und sich ab und zu emotionale und auch inhaltliche Unterstützung erbitten.
Wenn Lehrerinnen, Lehrer, Dozentinnen und Dozenten sich in Gruppensupervisionen wechselseitig unterstützen und unterstützen lassen, so können sie dabei – neben der Beratung ihrer „Fälle“ und Themen – ein Modell erfahren, wie sie sich wechselseitig stärken können. Darum schlage ich dieser Personengruppe nachdrücklich Gruppensupervision für Lehrkräfte vor. Da ich mich selbst als „Supervisor“ bezeichne, spreche ich von „Gruppen-Supervision“. In der Praxis biete ich – in Absprache mit der Gruppe – auch Elemente aus Coaching-Verfahren und auch Coachinggruppen an.
Ist eine sich wechselseitig unterstützende und kollegiale Haltung in der Gruppe (z.B. nach einer Supervision) eingeübt, kann in vielen Fällen auch eine kollegiale Beratung (ohne Leitung eines Coachs oder Supervisors) angeschlossen werden. Einen Vorschlag für einen hilfreichen Ablauf finden Sie hinter diesem Link.
Lehrkräfte können, wenn sie Ihre Arbeit systematisieren, für Entlastung und guten Unterricht sorgen.
Ich empfehle:
konzeptorientiert zu arbeiten
Unterricht (fast) immer schriftlich vorzubereiten
dies Vorbereitung digital zu speichern
Raster und Formen für Routinen bereit zu stellen
ein Stunden-Tableau mit Zeiten, Zielen, Teilzielen, Kompetenzen und Methoden-Hinweisen
sorgfältig zu dokumentieren
die Pflege einer sinnvolle Ablage
regelmäßige Reflexionen und daraus folgende Verbesserungen
Ein Konzept für den eigenen Unterricht ist hilfreich.
Mit einem Konzept wissen Sie, welche Inhalte und Methoden Sie auswählen wollen. Sie können begründet gewichten und nach dem Unterricht auch entscheiden, ob er gut – mäßig oder schlecht (sehr verbesserungswürdig) war.
Eine schriftliche Vorbereitung schafft Sicherheit.
Was ich schriftlich niedergelegt habe, habe ich meistens auch verstanden. Ich kann angesichts dieser Sicherheit dann auch leichter jonglieren: Wenn eine Arbeitsschritt im ersten Teil der Doppelstunde mehr Intensität und Zeit erforderte, werde ich im Verlauf der Doppelstunde versuchen, etwas schneller mit den Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, um wieder in den Zeitplan zu kommen. Oder ich kann mich entscheiden, einen Zwischenschritt auszulassen. (Entsprechendes kann man auch auf ganze Unterrichtseinheiten übertragen.) –
Prinzipiell finde ich Zeitstruktur in einem auch auf Prozesse achtenden Unterrichtsgeschehen manchmal hinderlich, anderseits sehe ich die Notwendigkeit, (gerade in der Oberstufe) in einer bestimmte Zeit vorgesehene Stofffüllen auch zu bearbeiten, weil sie anschließend in zentral formulierten Aufgaben geprüft werden (z. B. Abitur).
Gespeicherte Entwürfe sind wiederverwendbar
Wer seine Unterrichts-Entwürfe im PC speichert und eine gewisse Grundsystematik einhält, findet sie wieder und kann auch leicht daran weiter arbeiten. (Kopier-Vorlagen sind bei mir sehr viel schneller verloren!)
Durch die systematische, schriftliche Unterrichtsvorbereitung in Stunden-Tableaus mit Zeiten, Zielen, Teilzielen, Kompetenzen und Methoden-Hinweisen, haben ich mir einen Fundus an gelungenen und teilweise auch kommentierten Unterrichts-Stunden erarbeitet, auf den ich bei Bedarf wieder zugreifen kann – für Neuauflagen oder Verbesserungen.
Einmal erarbeitete Routinen und Arbeitsformen entlasten
Nach einer kurzen Phase meiner Lehrtätigkeit habe ich entdeckt, dass es hilfreich ist, sich ein Raster für Unterrichteinheiten, Arbeitsblätter, Bewertungshilfen, Sitzpläne etc., also für Routine-Aufgaben bereit zu stellen und diese kontinuierlich weiter zu entwickeln. Diese entlasten nach meiner Erfahrung sehr. Vorlagen finden Sie auf meiner Download-Seite.
Pflegen Sie Ihr selbst entwickeltes Archiv-System konsequent.
Die Wiederverwendung hängt wesentlich davon ab, ob ich die schon geleistete Arbeit wieder finde. Dazu habe ich in meiner Praxis ein Ablage-System nach Themen entwickelt. Themen ändern sich zwar auch, Lehrplan-Bezeichnungen aber sehr viel schneller! In diese Themen-Verzeichnisse meines Rechners kann ich bei Ausarbeitung mehrere Unterverzeichnisse einfügen und das Material neu sortieren, wenn es sich mehr differenziert haben sollte. – Hilfreich erscheint mir dabei, sich für ein Ordnungs-System zu entscheiden und dieses dann auch konsequent durchzuhalten. Mehr zur Systematik der Ablage finden Sie hier.
Werten Sie Ihren Unterricht regelmäßig aus.
Am Ende einer Unterrichtsstunde empfehle ich kurz nachzubereiten und das heißt: zu notieren: > Was war besonders/bemerkenswert? > Was blieb offen? > Welche Idee habe ich für den nächsten Unterrichtsschritt?
Am Ende einer Unterrichtseinheit, frage ich die Schülerinnen und Schüler und auch mich selbst, was gelungen und was noch verbesserungswürdig ist. – [mehr zu Feedback von Schülerinnen und Schülern …]
Inzwischen arbeite ich diese Idee nicht mehr sofort in die Unterrichts-Entwürfe ein, sondern notiere sie mir; allermeist auch in die Dateien zur Unterrichtsplanung unter der Rubrik „noch zu erledigen“. Bevor ich die Einheit das nächste Mal unterrichte, überprüfe ich die Notizen und den Verbesserungsbedarf und entscheide, was ich verbessern werde.
Ich verwende Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn Sie dieser Technologie zustimmen, kann ich Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie diese Einwillligung nicht erteilen oder zurückziehen, könnten bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Präferenzen
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.