Mit dem zweiten Blick sieht man besser und erreicht mehr

Wer kennt das nicht? – Hinterher bin ich immer schlauer!

Nach einer herausfordernden Situation fallen mir oft weitere mögliche Entgegnungen, Redebeiträge oder kluge Fragen ein. Ich wäre gerne geistesgegenwärtiger, schlagfertiger oder reaktionsschneller. –

Die gute Gelegenheit scheint aber vorüber!

Wer legt das fest? Warum lege ich mich fest?

Warum lasse ich mich oft einschränken?
Vielleicht sollte ich mir und der Situation eine weitere, zweite Chance geben!

Was ist der zweite Blick?

Ich schlage regelmäßig „den zweiten Blick“ vor: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, nochmals über das Zurückliegende nachzusinnen und alternative Umgangsweisen oder andere Reaktionen durchzuspielen.

Es geht darum, sich Zeit und Gelegenheit zu nehmen, um über das Zurückliegende nachzusinnen, zu reflektieren und einen anderen Ausgang für möglich zu halten.

Damit gebe ich mir selbst die Chance, aus Gewohnheiten, Standardbewertungen und damit der unwillkürlichen, automatischen Steuerung meines Lebens (dem „Autopilot-Modus“) auszusteigen.

Reflexion hat Vorteile.

Reflexion ist ein mächtiges Werkzeug. Sie ermöglicht es uns, unsere Gedanken und Handlungen zu überprüfen und zu verbessern. Durch Reflexion können wir mehr und möglicherweise bessere Einfälle finden. Im Nachhinein, beim zweiten Blick, fallen uns oft klügere Lösungen ein.

Zudem gibt uns die Reflexion mehr Wahlfreiheit. Durch das Überdenken von Situationen erkennen wir, dass nichts wirklich alternativlos ist. Dabei können reflexartige Reaktionen noch einmal kritisch beleuchtet, tiefer durchdrungen und möglicherweise auch korrigiert werden.

Allgegenwärtige Dilemmata und Ambivalenzen wahrnehmen und aushalten

Mit mehr Ruhe und Distanz kann ich auch Dilemmata und Ambivalenzen als Realitäten in meinem Leben erkennen und würdigen. Manche antrainierte Routine stammt aus dem Vermeidungsversuch dieser tatsächlich kaum zu vermeidenden Spannungsfelder.

Erst ein ruhiger und zweiter Blick lässt zwiespältige Gefühle und Spannungen zu. Die Hoffnung, Dilemmata aufzulösen, halte ich für eher idealistisch. Realistisch ist wohl eher, einen geduldigen Umgang damit zu finden und sie zu ertragen.

Ressourcen und Wahlfreiheit

Reflexion offenbart mehr Ressourcen und Wahlfreiheit. Wenn wir uns Zeit nehmen, um über Situationen nachzudenken, erkennen wir, dass es oft viel mehr Möglichkeiten gibt, als wir zunächst dachten.

Dies gibt uns die Freiheit, uns für die beste und angemessene Option zu entscheiden.

Im Laufe der Einübung kann außerdem eine reflexive Grundhaltung entstehen, die zu schnelle Reaktionen bei wesentlichen Punkten vermeidet und zu spontane Fehlleistungen eher minimieren.

Stimmigkeit und stimmige Kommunikation

Stimmigkeit ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Beziehungen. Durch den zweiten Blick können wir unsere Kommunikation verbessern und sicherstellen, dass unsere Worte und Handlungen im Einklang mit unseren Werten stehen. Stimmige Kommunikation ist ein Weg zu erfolgreichen Beziehungen und einem erfüllten Leben.

Praktische Anregungen

Wie kann man den zweiten Blick umsetzen? Hier sind einige Wege:

  • Reflexionszeiten einüben, etwa Tagebuch, Briefe oder andere Texte schreiben: Ein Tagesrückblick am Abend oder das Aufschreiben von Gedanken können helfen, Situationen besser zu verstehen und den Raum für alternative Lösungen zu eröffnen.
  • Kurzfristige, gedankliche Reflexion und zeitnahe Korrektur: In manchen Alltagssituationen erlebe ich, dass ich mich zu einer schnellen und unklugen Aus- oder Zusage hinreißen lasse. Dann bemerke ich schon beim Herausgehen aus der Situation eine Unstimmigkeit oder ein Bedauern. Z. B. „Hier hätte ich realistisch sicher nicht zusagen dürfen! Warum habe ich nicht Nein gesagt?“
    Hier empfehle ich, sich kurz Zeit zu nehmen und dann – lieber zeitnah als mit längerem Abstand – das Geschehene nochmals anzusprechen und die passendere Antwort zu geben, zum Beispiel „Danke, dass Du mir das zutraust und es lockt mich auch. Tatsächlich ist es für mich realistisch nicht zu leisten und ich muss Dir leider absagen.“
  • Gespräche mit vertrauten Menschen: Durch das Nachbesprechen von Situationen mit anderen können wir neue Perspektiven gewinnen. Tatsächlich hilft mir die Suche nach Formulierungen zu einem tieferen Verständnis.
  • Auch andere Sichtweisen wahrnehmen.
    Beispielsweise findet die Politologin und Nato-Strategin Florence Gaub, dass man die aktuelle Vorgehensweise des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auch nicht-katastrophisch interpretieren könne: „Eine krassere Aussage gibt es doch nicht“ (über die Äußerungen zu Europa; im Interview von Marc von Lüpke; T-Online-Portal, zuletzt aktualisiert am 18.12.2025)
  • Kollegialer Beratung: Manchmal helfen Kolleg*innen. Eine bewährte Struktur für kollegiale Beratung können Sie hier herunterladen (pdf; 283 KB).
  • Professionelle Begleitung im Coaching oder der Supervision
    Manchmal reichen eigene Arbeit oder die Unterstützung des sozialen Umfeldes nicht aus und es ist sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu gönnen. Mehr dazu und zu meinen Angeboten

Probieren Sie die zweite Chance aus!

Der zweite Blick ist eine wertvolle Möglichkeit zum besseren Verständnis von Situationen, zu besseren Entscheidungen und zu stimmigeren Kommunikation.

Warum nicht regelmäßig den zweiten Blick einüben?

Sicher bedarf jede neue Gewohnheit Übung:

  • Man kann üben, den zweiten Blick überhaupt erst zuzulassen.
  • Und man kann üben, mit der nötigen Freiheit – zum Beispiel – eine vorschnelle Zusage auch wieder zurückzunehmen.

Quellen und Verweise

entwickelt zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2025;
zuletzt ergänzt am 22.12.2025/12 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Feedback von Schüler/innen einholen

Im Rückblick kann ich beschreiben, dass ich viel durch die Rückmeldungen meinen Schüler*innen gelernt habe.

Im Rahmen meines Unterrichtskonzeptes, hatte ich die Angewohnheit, sowohl die Schüler*innen als auch mich selbst zu Beginn einer Unterrichtssequenz nach Vorerfahrungen und Zielen für die Entwicklung zu fragen. Ich habe diese immer dokumentiert und am Ende der Unternehmung nochmals präsentiert.

Dabei habe ich sehr viel gelernt

  • über meine Schüler*innen
  • über mich
  • über meinen Unterricht und welche Zugänge hilfreicher oder auch weniger waren.

Zunehmend schätzte ich digitale Werkzeuge.

Um zu prüfen, ob wir auf der Spur waren, wertete ich regelmäßig mittels anonymer Fragebögen aus. Digitale Tools schätzte ich, weil sie mich bei der Auswertung und live-Präsentation unterstützten.

Eine einfache und bewährte Form waren drei Fragedurchgänge:

1. Allgemeine Unterrichtsbewertung (skaliert von „0 = keine Übereinstimmung“ bis „10 = vollständige Zustimmung“)

  • Ich habe meine Ziele für den Unterricht erreicht.
  • Die Atmosphäre im Unterricht war angenehm.
  • Es gab genug Abwechslung.
  • Es gab genug Diskussion.
  • Der Lehrer gibt hilfreiche Rückmeldungen.
  • Er bewertet nachvollziehbar und fair.
  • Ich habe etwas für mich persönlich gelernt.

2. Was ich – als Schüler*n – besser machen kann: …

3. Was der Lehrer besser machen kann: …

Das Ende eines Themas oder eines Schuljahres sind günstig.

Das Ende einer Unterrichtssequenz oder eines Schuljahres sind günstige Zeiten, sich von Lerngruppen eine Rückmeldung einzuholen. (In der sozialwissenschaftlichen Fachsprache werden solche Rückmeldungen als „Feedback“ bezeichnet.)

Anonymität hilft der Wahrheitsfindung.

Im Gegensatz zu den Empfehlungen für ein persönliches Feedback halte ich beim Feedback in der Schüler-Lehrer-Beziehung Anonymität für sinnvoll. So kann schon die Idee, eine Rückmeldung hätte (langfristig) Auswirkungen auf die Leistungsnoten, im Keim umgangen werden.

Formalisierte Fragebögen ermöglichen bei wiederholter Anwendung die Einordnung.

Durch die mehrmalige Verwendung formalisierter Fragebogen-Formen kann die Lehrkraft im Laufe der Jahre zwischen Gruppen und Konzepten vergleichen und so die Rückmeldungen der Schüler/innen-Gruppen besser einordnen.

Selbstverständlich habe ich die Auswertung mit den Gruppen besprochen.

Dabei wurde nochmals die eine oder andere Äußerung verständlicher oder auch vertiefter verstanden.
Das digitale Vorgehen hat den Charme, dass die Auswertung nach Ende der Auswertung im Unterrichtsraum projiziert werden kann.

Vorschläge können hier auf Ihren Rechner heruntergeladen werden:

Bitte beachten Sie das Copyright und geben bei Verwendung oder Abänderungen bitte die Quelle an. Danke.

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oder selbst eine online-Umfrage starten

und ein oft übersehener Zusammenhang: Demokratie so erfahrbar machen

ursprünglich entwickelt im Juni 2008;
zuletzt überarbeitet am 6. Oktober 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

nach Klassenarbeiten auswerten (Profession Lehrkraft – 22)

Zusammenfassung

  • Waren die Aufgaben in der Klassenarbeit so zu erwarten und zumutbar?
  • Wie haben sich die Schülerinnen und Schüler vorbereitet und welche Note erwarten sie?
  • Wie können möglicherweise ungeschickte Vorgehensweisen beim Lernen und Vorbereiten auf Klassearbeiten angesprochen und verändert werden?
  • Wie kann die Lehrkraft für mehr Lernerfolg bei den Schüler*innen sorgen?

Auswertung hilft weiter!

Klassenarbeiten und Klausuren auszuwerten, hat vielfältige Effekte

  • Schülerinnen und Schüler können Ihre Eindrücke systematisch ausdrücken
  • Möglicherweise missverständliche oder als zu schwer empfundene Aufgabenstellungen werden identifiziert
  • Lehrkräfte bekommen Rückmeldungen und können ihre Lernanregungen verbessern
  • Die Schüler*innen schätzen die Intensität Ihrer Vorbereitung ein
  • Sie legen Ihre Leistungserwartung offen
  • Langfristig können sie ihre Lernbemühungen besser steuern.

Meine vormalige Praxis

Schon seit längerer Zeit ließ ich die Schüler*innen vor der Rückgabe der Klassenarbeiten eine Selbsteinschätzung notieren. Manche mochten das nicht. Ich hielt es dennoch für zielführend.

Nach der Besprechung des Erwartungshorizontes forderte ich sie zu einem Vergleich mit der tatsächlichen Leistungsbewertung auf.
Wenn es eine deutliche Abweichung gab, sollten sie sich über mögliche Erklärungen Gedanken machen und diese möglicherweise auch mit mir besprechen.

Besonders bei kräftigen Abweichungen oder fehlenden Erklärungen, war mir ein Austausch wichtig: Wie lernen sie im und nach dem Unterricht und vor der Klassenarbeit? Wie könnten bessere Leistungen erreicht werden? wie konnte ich meine Lern-Anregungen verbessern?

Durch Kollegen Spitau angeregte Weiterentwicklung meiner Praxis

Der Kollege Marcel Spitau hatte einen Fragebogen ausgegeben und ihn nach der Rückgabe mit den Schüler*innen besprochen.

Seinen Fragebogen habe ich inzwischen mehrfach weiter entwickelt, angereichert und graphisch aufbereitet.

Inzwischen habe ich die Vorgehensweise, diesen Fragebogen (für die Mittelstufe in der Du-Form) an die Klassenarbeit anzuhängen. Die Schüler*innen sollen sich drei bis fünf Minuten am Ende der Klassenarbeit nehmen und den Bogen spontan ausfüllen.

Mit der Rückgabe der Klassenarbeiten liefere ich auch eine Auswertung und bespreche diese.

Anschließend werden die Schüler*innen dann zu Deutung der möglichen Differenz zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Leistung aufgefordert.

Abschließen lade ich sie ein, Ihre Ziele zu formulieren. So kommen die Schüler*innen zunehmend mehr in die Selbstverantwortung für ihre Leistungen.

Mit diesem erweiterten Verfahren habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wer hat Erfahrungen mit solchen oder ähnlichen Verfahren?

Bin sehr an kollegialem Austausch interessiert!

Welche Vorgehensweise haben Sie?

Weiterführende Links


ursprünglich entwickelt im Juni 2017; zuletzt bearbeitet am 16.06.2024       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

(Wandel lernen – 9)

Zusammenfassung

Im Alltags-Autopilot konsumieren Viele (ich auch) Vieles und Vielfältiges und entscheiden dabei oft nicht bewusst, auch zu verdauen.

Selbst entdecke ich gerade (wieder) die Chance der Unterbrechung oder Pause und der bewussten Entscheidung zur Selbst-Steuerung.

Gewöhnlich konsumiere ich viel.

Wenn ich meine Umgebung und mich selbst beobachte, nehme ich wahr: Viele (zumindest die Mehrheit – mich eingeschlossen) arbeiten und konsumieren viel, ja zu viel und können oft nicht verdauen, was wir uns aus dem reichhaltigen Angebot alles „einverleiben“ und anschauen.

Das geschieht oft ohne bewusste Entscheidung.

Dabei ermüden unsere Entscheidungskräfte angesichts einer überwältigenden Vielfalt und der Dauerverfügbarkeit, so dass eine Änderung nicht einfach erreicht werden kann. Der große Vordenker Peter Drucker stellte dies in einen größeren Zusammenhang und schrieb:

„In einigen Jahrhunderten, wenn die Geschichte unserer Zeit aus einer längerfristigen Perspektive geschrieben wird, werden die Historiker wahrscheinlich weder die Technologie noch das Internet oder den E-Commerce als wichtigstes Ereignis betrachten, sondern die große Veränderungen der Lebenssituation. Zum ersten Mal hat eine erheblich, schnell wachsende Zahl von Menschen die Freiheit zu wählen. Zum ersten Mal müssen sie sich selbst managen. Und darauf ist unsere Gesellschaft in keiner Weise vorbereitet.“

(zitiert nach A. Förster/P. Kreuz: Nein; 36 – zitiert hier Stephen R. Covey: Der 8. Weg)

NEIN hat Konjunktur.

Die Fähigkeit, zu unterscheiden und auch einmal „NEIN!“ zu sagen, wird in diesem Zusammenhang wichtig. Dass Steuerung bei der Selbst-Steuerung beginnt, ist nicht neu, aber immer noch zutreffend. Darauf macht das schon zitierte Vordenkerpaar Anja Förster und Dr. Peter Kreuz in Ihrem Werk NEIN aufmerksam.

Manchmal benötigen wir Freiraum vor Neuem.

Manches Mal muss auch erst die Möglichkeit und der Raum für Nachdenken, Steuern und Entwicklungen geschaffen werden, in dem Gewohntes und Vertrautes einfach gelassen wird.

Über diese Idee einer persönlichen oder auch institutionellen „Entsorgung“, frei nach P. Drucker/Malik hatte ich schon in einem früheren Text einmal geschrieben.

Ich schätze auch Zeiten des Verarbeitens.

Es geht mir hier nicht um Kulturpessimismus oder Abwertung der Medien. Ich schätze die Anregungen über vielfältige mediale Kanäle. Andererseits bemerke ich eine wachsende Sehnsucht nach ungestörtem Nachsinnen, Reflektieren, Meditieren und dann auch Konzipieren. Nach meiner Erfahrung bedarf es der störungsarmen Verarbeitungsphasen, damit ich kreativ sein und auf neue Ideen oder Ansätze kommen kann.
Eine Pionierin der Programmierkunst, Grace Murray Hopper (1906 – 1992), macht allerdings schon auf die Beharrungskräfte aufmerksam und meinte sinngemäß: The most dangerous phrase in the language is, „We’ve always done it this way.“ [Die gefährlichste Redewendung ist „Das haben wir schon immer so gemacht!“]

Ich möchte regelmäßig prüfen, ob ich auf meinem Pfad bin.

So sehe ich die Herausforderung, immer wieder aus dem Autopilot-Modus des gewohnheitsmäßigen Konsums auszusteigen und zu prüfen, ob wir auch verdauen und verarbeiten oder uns vorwiegend unterhalten lassen. Sollte das der Fall sein, könnten wir die unterhaltende Aufnahme von „Neuem“ unterbrechen – und uns entscheiden und selbst steuern.

Advent und die Zeit des Jahreswechsels bergen Chancen.

Der kommende Advent und die Jahreswende können dazu Einladung für persönliche Klausuren sein.

Ganz besonders die Zeit zwischen den Weihnachsfeiertagen und Neujahr hat sich für meine Überrpüfungen als geeignet erwiesen.

Weiterführende Links

  • Kabarettistisch hat Marc-Uwe Kling das NEIN-Sagen mit seinem Spruch „Das steht auf meiner Not-To-Do-Liste!“ in seiner Känguru-Triologie und dem zugehörigen Spiel umgesetzt. – Warum nicht eine eigene not-do-do-list erstellen?
  • Die inspirierende Leitseite von Anja Förster und Dr. Peter Kreuz: www.foerster-kreuz.com

erstellt am 22.11.2016; zuletzt bearbeitet am 18.05.2017       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

entlasten und gesund bleiben (Profession Lehrkraft – 21)

Kurzfassung:
Nicht nur immer Neues entwickeln,
sondern manches bewusst beenden,
loslassen und sich entlasten,
um gesund zu bleiben.

Der Lehr-Beruf kann als sinnvoll und schön, als vielfältig und die Person fordernd erlebt werden.

Besonders die Reflexion auf den Rhythmus zwischen Anforderung und Erholung ist zentral für eine fortdauernde Freude am Unterrichten und die Unterstützung einer stabilen Gesundheit.

Dazu gehört, immer wieder auch „Nein“ zu sagen und Gewohnheiten zu überprüfen.

Der Lehr-Beruf ist für mich ein schöner und sinnvoller Beziehungs-Beruf.

  • Ich empfinde es als verantwortungsvolle und bedeutsame Aufgabe, junge Menschen bei der persönlichen Entwicklung und der fachlichen Ausbildung zu begleiten, also zu unterrichten und zu erziehen.
  • Der Beruf ist kommunikativ und herausfordernd, d.h. ich bin in vielfältigen Kontakten und lerne ständig selbst immer weiter dazu.
  • Besonderes im Bereich Gruppendynamik und gesellschaftlich-politischer Entwicklungen und deren Spiegelungen in den Lerngruppen habe ich in den letzten Monaten viel Neues kennen gelernt und bearbeitet.

Hohe Anforderungen an professionelle Lehrkräfte

Unterrichtshandeln ist geplant, vorbereitet und konzeptorientiert.

Es ist hilfreich, wenn hinter den Einzel-Stunden oder Projekten ein Gesamtkonzept steht, welches – neben der Steuerung, Gewichtung und Auswahl der beispielhaften Inhalte und Methoden – auch der Reflexion dienen kann.
(Dazu hatte ich in einem anderen Text bereits mehr geschrieben.)

Zu einem gesunden Berufsleben gehört auch das Unterbrechen und Aufhören

So schön der Beruf auch sein mag, so anstrengend kann die hohe Anzahl der Kontakte, Heterogenität der Gruppen, Projektionen, hohe Lautstärke, 45-Minuten- oder 90-Minuten-Rhythmen, gesellschaftliche Eingebundenheit und vieles mehr sein.

Zur Professionalität der Lehrperson gehört nach meiner Vorstellung eine kluge Kräfte-Verteilung, die Planung einer leistbaren Belastungskurve im Laufe eines Schuljahres und regelmäßige Überprüfungen der eigenen Ziele, Arbeitsgewohnheiten und der Gesundheit.

Konkret lauten die Fragen dann zum Beispiel:

  • Gibt es Entlastung durch „kollaborative Unterrichtsvorbereitungen“?
  • Wie werden die Unterrichtstage und wie die unterrichtsfreien Zeiten strukturiert?
  • Wann sind Pausen und Reflexions-Zeiten sinnvoll und nötig?
  • Wie werden „anstrengende Erlebnisse“ verarbeitet und eingeordnet?
  • Wie werden „Erfolge“ gewürdigt, das heißt gefeiert?
  • Wie werden „Misserfolge“ eingeordnet, losgelassen und verarbeitet?
  • Wann bin ich „gut genug“ vorbereitet?

In einem früheren Blog-Text hatte ich die Ideen von Drucker und Malik aufgenommen:
Auch mit Weglassen, kann man seine Ziele fördern!

Kollegiale Beratung und Coachinggruppen oder Supervision unterstützen

Der kollegiale Austausch in der Berufsgruppe kann entlasten, anregen und Lösungsansätze entwickeln helfen. Darum ist kollegiale Beratung zu empfehlen.

Oft geschieht sie informell in den Lehrer*innen-Zimmern oder auch „zwischen Tür und Angel“, als auf den Fluren oder am Kopierer.
Für eine „Kultur des Loslassens“ benötigen die meisten Menschen mehr Energie und Zeit.
An manchen Schulen haben sich auch schon kollegiale Fallbesprechungsgruppen etabliert.
(Ein bewährter Vorschlag steckt hinter diesem Link; pdf; 75 KB.)

Für die systematische Weiterentwicklung der Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer dienen Coaching oder Supervision – in Gruppen oder für Einzelpersonen.
Günstiger sind die Coachinggruppen: Aus Aufgaben und Erfahrungen Einzelner werden Herausforderungen und Anreize zur Reflexion und zum Wachstum für die anderen. Eine Supervisorin / ein Supervisor oder ein Coach steuert den Prozess und gibt Ideen und Anregungen „von außen“ in die Gruppe.
Dazu habe ich Ihnen ein Angebot:
Gruppensupervision mit Coaching-Elementen für Lehrer/innen

Weiterführende Links

Viel Freude an einem wunderschönen und herausfordernden Beruf!

Der Beitrag wurde im Herbst 2016 entwickelt
und zuletzt leicht überarbeitet am 13. November 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Das Schuljahr auswerten und sich weiterentwickeln

Wer Lernprozesse bewusst gestaltet, hält ab und an inne

  • schaut zurück
  • erinnert sich an die eigenen Ziele
  • vergleicht das Erreichte damit
  • und entwickelt neue Ziele/Entwicklungsfelder.
Schuljahresauswertung als Chance für die Weiterentwicklung der Lehrkraft

Für mich hat sich bewährt, die Auswertung und Entwicklungsziele schriftlich zu fassen, kollegial auszutauschen und gelegentlich zu überprüfen.

Mögliche Fragen könnten sein

  1. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Schuljahre (auf einer Skala von 0 bis 10)?
  2. Woran erkennen Sie, dass Sie zufrieden sind?
  3. Welche Faktoren sind dafür wesentlich?
  4. Welche Faktoren gefährden den Erfolg?
  5. Welche Entwicklungsfelder nehmen Sie sich für das nächste Schuljahr vor? (Wie werden Sie erkennen, dass Sie dieses Ziel erreicht haben?)
  6. Wie könnten Sie sich selbst am Erfolg hindern?
  7. Wer oder was kann das angestrebte Ziel befördern?
  8. Wie werden Sie das Erreichen Ihres Zieles feiern?

Eine Auswertung des Schuljahres biete ich auch als begleiteten Prozess an.

Am Freitagnachmittag, dem 15. Juli 2016 / in der Zeit zwischen 16 bis 18 Uhr, treffen sich interessierte Lehrkräfte für 60 [1 – 2] bis 90 Minuten [ab 3 Personen] zu einem moderierten Austausch mit kleinen Supervisions- oder Coaching-Elementen (bei Bedarf) zum Preis von 45 €/Person.

Wer ein Interesse hat, melde sich (sehr gerne per E-Mail). Anschließend gibt es ein kurzes Telefonat zur Klärung der Interessenlage und der Rahmenbedingungen. Geben Sie bitte in Ihrer Interessensmail eine Telefonnummer und günstige Kontaktzeiten an. Danke.

erstellt am 16.06.2016; zuletzt bearbeitet am 27.07.2017       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Dieses Jahr fiel der Erntedank-Sonntag direkt vor den Welt-Lehrertag.

Ein Glas Milch und eine Schale Jogourt zwischen Obst und Gemüse

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
– Gibt es eine Verknüpfung oder Verbindung?

Für mich schon.

Ich bin für meinen Lehrer-Beruf dankbar.

Ich bin dankbar, einen sinnvollen und schönen Beruf ausüben zu können: Mit Heranwachsenden an deren Bildung und Ausbildung mitzuwirken, macht mir Freude und ich genieße, eine so offensichtlich sinnvolle Erwerbsarbeit ausüben zu können.

Ich schätze die Möglichkeit, mit jungen Menschen an deren Themen (und auch Problemen) arbeiten zu können und so auch persönlich herausgefordert zu werden.

Schließlich bin ich dankbar für die Gestaltungsspielräume, die ich als Lehrkraft habe.

So wünsche ich den Kolleginnen und Kollegen Lehrkräften:
Freude am Unterrichten

Weiterführende Links

erstellt am 5.10.2015; zuletzt bearbeitet am 9.10.2015       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Lehrer-Lehrer-Feedback (Profession Lehrkraft – 19)

Zusammenfassung

Spätestens in Schulentwicklungsprozessen werden Lehrkräfte zu kollegialer Unterrichtsbeobachtung und Feedbacks herausgefordert.

Nur weniger Lehrerinnen und Lehrer wollen sich in die Karten schauen lassen.

Zwar komme ich selbst ursprünglich aus einer team-orientierten Arbeitskultur, doch schon nach wenigen Monaten im schulischen Arbeitsfeld wurde mir eine neue Scheu bewusst: Ich vermied zunehmend, noch nicht fertig entwickelte Unterrichtsentwürfe und Materialien dem Blick der Kolleginnen und Kollegen auszusetzen.

Erst ein bewusster Entscheid gegen diesen Sog der Vermeidung, konnte dies ändern.

Tatsächlich können wir durch Feedback viel gewinnen.

Auch selbstbewusste Lehrkräfte – und gerade solche – wissen, dass sie Fehler machen oder noch nicht die beste aller Wege gefunden haben.

Wenn wir Lehrkräfte es also wagen, unsere vorläufigen Skizzen und Entwürfe dem fachkundigen Blick der anderen Fachkundigen auszusetzen, so können wir gewinnen:

  • neue inhaltliche Ideen
  • fachliches Korrektiv
  • methodische Vielfalt
  • vielfältige Zugänge

Empfehlenswertes, hilfreiches Raster

Das Basismodell zur Unterrichtsbeobachtung hat sich in meiner Praxis der Selbstreflexion und des kollegialen Feedbacks bewährt:

Achtung: Mit einer methodischen Intervention verändert man auch das System

Nach meinem Eindruck ist es vielen, die voller guter Absichten eine methodische Idee vorschlagen – in diesem Falle das Feedback zwischen Kolleg/innen – nicht bewusst, dass sich dadurch langfriste Folgen ergeben können.

Recht bald werden weitergehende Fragen aufgeworfen.
Einige stelle ich beispielhaft dar:

  • Welches Selbstbild haben die beteiligten Lehrpersonen?
  • Welche Lern- oder Entwicklungskultur gibt es in der Organisation (hier: Schule)?
  • Wie steht die Leitung zu solchen Prozessen, die Entwicklungen befördern können/sollen?
  • Welche Leitvorstellungen hat die Schule?

Herzlichen Dank an Kolleginnen und Kollegen für Anregungen

Danke an die

Herausgeber:
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
Gabriele Tepaß (verantwortlich),
Referat Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung, Personalentwicklung
Sandra Winterhalter,
Referat Grundsatzfragen und Qualitätsmanagement beruflicher Schulen

Autorenteam:
Manuela Droll, Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (BS) Weingarten,
Roland Knoblauch, Fachberater Schulentwicklung beim Regierungspräsidium Tübingen,
Alexander Moser, Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (BS) Freiburg,
Claudia Rugart, Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (BS) Karlsruhe,
Hans-Joachim Tomerl, Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (BS) Stuttgart

Weiterführende Links

entwickelt im Frühjahr 2015
zuletzt leicht bearbeitet am 24.09.2022       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Reflexion potenziert Qualität

Zusammenfassung

Statt das Misslingen voraussehbar immer wieder zu wiederholen, suche ich nach Auswegen.
Regelmäßige Kurz-Reflexionen können Entwicklungen in eine günstige Richtung befördern und die Qualität merklich steigern.

Beispiele stabilen Misslingens

Fast jeder kann Beispiele für Misslingen, das sich fortdauernd wiederholt, aufzählen.
Zum Beispiel:

  • Elternabende in der Schule, bei denen die Lehrer/innen und Eltern sich wieder nicht aus ihrer Gegensätzlichkeit der Rollen-Zuschreibungen herausbewegen lassen und kein Verständnis füreinander gefunden wird.
  • Konferenzen, die nerven und keine brauchbaren Ergebnisse erbringen. Stattdessen binden – die neudeutsch Meeting genannten – Treffen Arbeitszeit, welche die Mehrheit der Teilnehmenden viel lieber für ihre liegengebliebenen Arbeiten aus dem Kerngeschäft verwenden würden.
  • Regelmäßig wiederkehrende Probleme bei Projekten
  • Mitgliederversammlungen bei Vereinen

Erfahrungen aus persönlichem Lernen

Gemäß der Lebensweisheit

Alle Menschen machen Fehler.
Kluge lernen daraus.

haben viele das Interesse, aus Fehlern oder ungünstigen Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen.
Das heißt, die Zusammenhänge werden analysiert und aus der Reflexion erwächst die Suchbewegung nach günstigen, besser geeigneten Vorgehensweisen und Verhaltensweisen.

Transfer auf Herausforderungen in Organisationen

Nach jeder Arbeitseinheit (oder Aktion oder jedem Projekt) gibt es eine „Manöverkritik“ – oder weniger militärisch formuliert – wird kurz reflektiert.
Dafür hat sich folgendes Muster bewährt:

  1. Was waren die Ziele?
  2. Wie weit wurden diese Ziele auf einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (vollständig) erreicht?
  3. Wie kann dieser Schätzwert beim nächsten Mal um einen Zähler verbessert werden?
  4. Was war hilfreich und/oder angenehm?
  5. Was soll dringend verändert/verbessert werden?
  6. Wie?
  7. Wer kümmert sich bis wann um einen ersten Vorschlag?
  8. Was ich sonst noch mitteilen möchte …

Erfahrungsgemäß erfordert diese Kurzreflexion zwischen 5 und 15 Minuten Zeit – je nach Klarheit und Routine der Beteiligten.

Regelmäßige Reflexion kann zur ständigen Verbesserung führen.

Nach meiner festen Überzeugung befördert die regelmäßige Reflexion die Aufmerksamkeit für Gelingensfaktoren und langfristig die Qualität von Prozessen.
Allerdings reicht die Reflexions-Routine alleine dafür nicht aus.
Wie so oft ist auch eine passende Haltung der Lern- und Veränderungs-Bereitschaft notwendig.
Leider kommt es im Rahmen von – oft verordneten – Qualitätsüberprüfungen zu Als-Ob-Evaluationen, die dann einfach ohne Auswertung und Wirkung in die Akten versenkt werden.
Schade um die Mühe!

Einem langjährigen, inspirierenden Ideen-Finder und Freund gewidmet

Gunnar Thörmer veranstaltet am 21. Februar ein Barcamp und mein Beitrag werden diese Gedanken sein.

Weiterführende Links

erstellt am 21.02.2015; zuletzt bearbeitet am 17.11.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

auswerten und neu ausrichten (Profession Lehrkraft – 16)

Die pädagogische Arbeit als Lehrer empfinde ich als sinnvoll und wichtig.
Ich bin gerne Lehrer!
Weil ich gesund bleiben möchte und die Anstrengungen kenne, werte ich meine Belastungen regelmäßig aus.
Anschließend gleiche ich meine Ziele und Planungen entsprechend an.

Die meisten Menschen wissen, dass körperlichen Ausgleich wichtig ist.

Wie dieser Ausgleich im Alltag eingebaut und auch tatsächlich geübt wird, ist den Neigungen und der Kreativität überlassen. Ich selbst fahre zurzeit regelmäßig Fahrrad.

Wissen Sie auch, wie belastet oder zufrieden Sie mit Ihrer Berufstätigkeit sind?

Wenn Sie das testen wollen, habe ich Ihnen einen Tipp:
Der COPSOQ-Fragebogen (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) zur psychischen Belastungen am Arbeitsplatz kann kostenlos am Rechner ausgefüllt und ausgewertet werden.

Ich speichere die Angaben und Auswertungen bei mir – mit einem Datum – ab und kann so Entwicklungen verfolgen und auch überprüfen.

Nach der Analyse kann ich meine Planung angleichen.

Wenn ich Belastungsquellen ausfindig gemacht habe, wende ich diesem Punkt mehr Aufmerksamkeit zu und plane entsprechend um.

Den Wechsel der Schulhalbjahre empfinde ich dazu als eine günstige Zeit.

Wünsche herausfordernde und zufriedenstellende Arbeits-Erlebnisse und nachhaltige Gesundheit!

Weiterführende Links

erstellt am 6.02.2014; zuletzt ergänzt am 15. Oktober 2016       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag