Konferenzen effektiv gestalten

Konferenzen können effektiv gestalten werden und machen dann sogar Spaß!

Konferenzen werden dann effektiv und gut, wenn

  • sie die angemessene Arbeitsform sind, weil eine gemeinsame Arbeit erforderlich ist
  • sie klug vorzubereitet wurde [wahrscheinlich nochmals wichtiger, wenn es online-Konferenzen sind]
  • sie stringent moderiert werden
  • ungute Stimmungen vermieden oder nachbearbeitet werden
  • die Aufgaben sachgerecht und effektiv erledigt werden
  • sie Ergebnisse bringen, die auch festgehalten und weiterverwendet werden und so eine Bedeutung haben.

Selbst beteilige ich mich gerne an gut vorbereitet und effektiv geleiteten Konferenzen, weil so notwendige Meinungsbildungen, Absprachen und Entscheidungen sinnvoll zusammen bearbeitet werden können.

Ohne Leitung wird es leidvoll.

Leider habe ich auch schon häufig unnötige, nicht gut vorbereitete oder wirkungslose Konferenzen erlebt und erlitten. Es wurde so sinn- und wirkungslos Zeit, Energie und Motivation von vielen Menschen “verbrannt”.

Ich empfehle …

1. Immer die Grundfrage zu beantworten:
Ist die Konferenz überhaupt notwendig und angemessen?

Reine Informationen oder Einzeleinschätzungen können angenehmer und zielgerichteter eingesammelt oder verteilt werden über

  • Aushang
  • Rundbrief oder E-Mail
  • Intranet-Information
  • oder auch ein Umfrage-Tool

2. Beziehen Sie die Teilnehmenden durch rechtzeitige Information mit ein.

Für Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse kann es häufig sinnvoll und notwendig sein, dass die betroffenen Personen sich in einem [virtuellen] Raum versammeln.
Informieren Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Konferenz

  • über die Themen
  • über die Ziele (Information, Meinungsbildung oder Entscheidung?)
  • über bereits vorhandene Vorinformationen (Geschichte der Frage, frühere Entscheide, Teil-Ergebnisse, Vor-Entscheidungen der Leitung, Modelle)

3. Auch methodische Gedanken sind für die Konferenzvorbereitung sinnvoll.

  • Mit welchem Verfahren soll das Ziel erreicht werden?
  • In welcher Zeit?
  • Mit welcher Moderation?
    (Sehr entlastend und klärend kann es sein, wenn die Moderation von inhaltlichen Interessen getrennt handeln kann. Auch rollierende Moderationen haben sich bewährt.)
  • Wie können die Konferenz-Teilnehmer/innen einbezogen, eventuell aktiviert werden?
    (Z. B. in die Vorbereitung, durch Sammlung und Gewichtung der Punkte, durch Trend-Umfragen …)
  • Manchmal sind auch neue Rahmenbedingungen hilfreich: Warum nicht mal an Stehtischen tagen
    oder in einer festgefahrenen Diskussion die (Steh- oder Sitz-)Plätze tauschen, um andere Blickwinkel zu gewinnen – vor allem, wenn dies mit dem Inhalt zusammenpasst?
  • Welche Punkte sind dramaturgisch sinnvoll für den Anfang, welche für später?

4. Ergebnisse zu erreichen und diese auch in einem Ergebnis-Protokoll mit verbindlichem Überprüfungszeitpunkten festzuhalten.

  • Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
    (Eventuell kann dies auch in der Sitzung selbst einvernehmlich festgestellt werden, um spätere Interpretationsstreitigkeiten des Ertrages zu vermeiden. )
  • Wer macht was, bis wann (evtl. wie)?
  • Bitte unbedingt festlegen: Wann wird wie überprüft?
    In manchen Arbeitsgruppen werden jeweils zu Beginn die in zurückliegenden Sitzungen getroffene Verabredungen nochmals kurz erinnert und der (Zwischen-)Stand berichtet.

5. Gestatten Sie sich, das Treffen zu beenden, wenn die Aufgabe erledigt ist!

Von Ingrid Gerstbach habe ich die Aufmerksamkeit auf die weit verbreitete Tendenz, lange Sitzungszeiten und damit volle Kalender mit Bedeutung zu verwechseln gelernt. (Ich empfehle den ausführlichen Text gerne: Die gefüllte Zeit: Wenn das Meeting zu Ende ist und der Termin weiterläuft)

Statt die anberaumt Zeit unbewusst mit unnützem Ersatz-„Arbeiten“ zu füllen, könnten Sie sich und den Beteiligten eine unverhoft-unverplante Nachdenkzeit schenken, wenn Sie sich trauen, zu benennen und zu reagieren, wenn die Aufgabe erledigt ist.

6. Schließen Sie grundsätzlich mit einer kurzen Auswertung ab und etablieren Sie so eine lernende Grundhaltung.

  • Was war hilfreich?
  • Was war hinderlich?
  • Was soll darüber hinaus auf jeden Fall nicht vergessen werden?

Diese höchstens fünf Minuten immer nach jeder Aktion als Routine einzuführen, ist ein sehr mächtiges Instrument zu einer lernenden und Frustration vermindernden Kultur.
Andernfalls passiert es Ihnen, dass dieselben ungünstigen Vorgehensweisen ständig wiederholt werden. Solche frustrierenden Wiederholungen führen – sehr zuverlässig – zu schlechter Stimmung und fallender Arbeitszufriedenheit. (Ich behaupte: Man kann Menschen nicht motivieren, das können sie nur selbst; allerdings kann man Menschen sehr wirksam demotivieren!) Das sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Hilfsmittel zum Download, Links und Anregungen zur Vertiefung

Für Ihre effektive Konferenz-Gestaltung schlage ich Ihnen hier zwei schichte vorbereitete Formulare vor und biete diese zum kostenlosen herunterladen (Download) an:

  • Formular zur vorbereitenden Sammlung von Tagesordnungspunkten – mit der Aufforderung, sich schon bei der Anmeldung von Konferenz-Punkten auch Gedanken über Ziel, Methode, Zeitbedarf und mögliche Moderator/innen zu machen
    (Word-Datei, 26 KB – für Ihre Zwecke veränderbar)
  • Protokoll-Formular
    (Word-Datei, 32 KB – für Ihre Zwecke veränderbar)

    Wenn Sie ein fortlaufendes Protokoll-Dokument pflegen, können Sie über die Suchfunktion leicht frühere Arbeiten und Ergebnisse auffinden.

Weitere Hilfen

Wenn Sie als Leitung (z.B. als Klassen-Lehrer/in oder Teamleitung) mit Ihren Konferenzen und oder Elternabenden Unterstützungsbedarf haben sollten, könnten Sie sich in einer kollegialen Beratung, einer Gruppensupervision oder in einem Coaching unterstützen lassen.

Interessante Links

zur Vertiefung

entwickelt zwischen 2005 und 2011;
zuletzt ergänzend überarbeitet am 7.07.2026       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Gelbe Karte für Grün-Rot – offener Brief an Wissende und Betroffene

Ungläubig entsetzt über die aktuelle Finanz- und Bildungspolitik in Baden-Württemberg rufe ich besonders Eltern und Ausbildungsbetriebe auf, sich bis Mitte Dezember zu beteiligen und den Plänen der Landesregierung zu widersprechen.

Update vom 19.12.12:
Der Landeshaushalt wird wurde am 19.12 2012 beschlossen werden. Spätere Proteste sind dann nun nur noch tragisch-komisch.

Bei der Bildung wird überdurchschnittlich gespart.

Dass Bildung und ausgeglichene Staatsfinanzen wesentlich für den Lebensstandard zukünftiger Generationen und für die Entwicklung des Landes sind, setze ich als weitgehenden gesellschaftlichen Konsens voraus. Darum bin ich auch dafür, Ausgaben zu begrenzen und Schulden abzubauen.

Wenn ich die geplanten Kürzungen genauer anschaue, bin ich entsetzt und fassungslos: Der Bildungsbereich und die Schulen sind überdurchschnittlich betroffen. 11.600 Lehrerstellen sind bis Ende 2020 zur Streichung vorgesehen. Damit verschärft die aktuelle Landesregierung die Politik ihrer Vorgänger, auf Kosten der Bildung und damit der Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen zu sparen.
(Der erwartete Rückgang der Schülerzahlen ist nicht so schnell und schon gar nicht überall spürbar und auch nicht einfach in die Schulplanungen umsetzbar. – Inzwischen dürfen es alle wissen: Die Prognosen des statistischen Landesamtes waren nicht zutreffend.)

Angetreten war diese Regierung mit dem Versprechen einer Bildungsoffensive. Jetzt versucht sie Veränderungen „kostenneutral“ (das heißt: ohne zusätzliches Geld) zu bewirken. Ja, sie kürzt sogar massiv.

Erste Vorboten sind größere Klassen und Kürzungsideen ausgerechnet bei kulturellen Angeboten.

Erste Auswirkungen der neuen politischen Richtung sind für mich in der Praxis schon erkennbar: Klassen werden zusammengefasst, Unterrichtsgruppen werden größer. Die Qualität des Unterrichts scheint zweitrangig zu sein. Hauptziel ist es, Lehrer-Deputate einzusparen. Solche Eindrücke und Befürchtungen höre ich auch aus anderen Schulen.

Leider ist das ja nur der Anfang: Langfristig werden kleine Klassen und auch kleine Schulen geschlossen werden, wenn keine Lehrkräfte mehr dafür zur Verfügung stehen. Das bedeutet weitere Wege für die Schülerinnen und Schüler.

Pädagogisch wertvolle Wahlangebote und Beiträge zur Schulkultur – wie AGs oder Schul-Theater – werden zuerst gestrichen werden. Das empfinde ich als dramatisch, weil diese besonderen Angebote für das Lernklima in den Schulen bedeutsam sind.

Hier bitte ich Sie als Betroffene um Ihr Engagement.

Eltern, Beschäftigte, Handwerksbetriebe, Wirtschaftsvertreter, Arbeitgeber und Bildungsverbände sehe ich als Mit-Betroffene und Mit-Verantwortliche. Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, die Wählerinnen und Wähler sind herausgefordert.

Gut ausgebildete Schulabgängerinnen und Schulabgänger sind wesentlich, um die politische Kultur und den gesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.

Politik reagiert durchaus auf Widerspruch und Einflussnahme.

Den deutlichen Protest vermisse ich bisher. – Was ist passiert?

Mich selbst hat diese Entwicklung überrascht. Vielleicht gab es auch so etwas wie eine zeitweise Schreck-Starre seit den ersten Kürzungs-Ankündigungen im Juli.

Ich möchte die Veränderungen aber nicht resigniert oder gar zynisch zur Kenntnis nehmen und einfach für mich alleine überleben!

Selbstverständlich sind wenige Einzelstimmen nicht ausreichend. Aber auf Gruppenäußerungen oder Protestbewegungen reagieren die politischen Entscheidungsträger sehr wohl.

Mein Appell: Kommen wir in Bewegung! –
Vor allem die Stimme der Eltern ist wichtig.

Lassen Sie die politischen Entscheidungsträger nicht weiter in der irrigen Annahme, dass Sie mit den Einschnitten im Bildungsbereich einverstanden seien.

Teilen Sie Ihnen mit, dass Sie diese nicht einfach hinnehmen wollen.

Beteiligen auch Sie sich an dieser wichtigen politischen Weichenstellung für den Bildungsstandort Baden-Württemberg.

Für Ihr Engagement bin ich dankbar.
Über Rückmeldungen freue ich mich.

M. Veeser-Dombrowski
Religionslehrer an beruflichen Schulen
Supervisor und Coach

Einige Aktionsideen für die Zeit vor den Beratungen des Landeshaushaltes im Dezember 2012:

  • Gelbe Karten an die Landesregierung und die Landtagsabgeordneten schreiben
  • Pressemeldungen mit Leserbriefen kommentieren
  • Blog-Artikel (wie diesen) kommentieren
  • sich über die rechtlichen Grundlagen und Möglichkeiten informieren: z.B. Ist wirklich alles MAU? – Expertise von Herbert Huber
  • Demonstrationen organisieren
  • einen Flashmob durchführen

Weiterführende Links

  • Ministerpräsident W. Kretschmann kündigt an, 11.600 Lehrerstellen bis 2020 zu streichen.
  • Fragen und Antworten zur aktuellen Haushaltsplanung der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg (leider nicht mehr online)
  • Die Bildungsgewerkschaft GEW fragt nach bildungspolitischem Konzept in Zeiten des Sparens und kritisiert den Haushaltsentwurf 2013/14 (leider nicht mehr online).
  • Pressemeldung des Berufsschullehrerverbandes blv vom 27. November
  • Die Lehrer sind sauer (veröffentlicht am Mi, 12. Dezember 2012 auf badische-zeitung.de)
  • Für jene, die genaue Zahlen lesen wollen Entwurf des Haushalts 2013/14 – durchaus anstrengend aber informativ. Besonders die Übersichten über die Personalstellen sind sehr aufschlussreich.
  • Stellungnahme der Kultusministerin Warminski-Leitheußer mit der Hauptaussage, dass im laufendden Haushaltsjahr 4 700 Stellen geschaffen Personen eingestellt wurden – trotz fallender Schüler/innen-Zahlen – und in den nächsten beiden Haushaltjahren jeweils 1000 und 1200 Stellen gestrichen werden. (Pressemitteilung vom 13. Dezember 2012)

Herzlichen Dank an viele Begleiter/innen bei der Entstehung dieses Textes.

erstellt am 21.11.2012;
zuletzt inhaltlich bearbeitet am 21.07.2013 / 12.40 Uhr (V12);
zuletzt gebrochene Links gelöscht am 25.02.2026      Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Leitbilder als Vermeidung von Wahrnehmung (Wandel lernen – 2)

Zusammenfassung

Organisationen zu entwickeln, ist eine komplexe Aufgabe. Sie wird nicht erreicht, in dem schnell Leitsätze oder Leitbilder aus dem üblichen Wortschaft neu zusammen gewürfelt formuliert werden.

Nicht selten sind Leitbildprozesse genau dies: Sie dienen der Vermeidung von Kontakt mit Realitäten und der daraus folgenden anstrengenden Veränderungsarbeit.

Ein Leitbild zu formulieren, ist modern.

Eine Mode macht sich in den Organisationen breit: Jede Einrichtung, die etwas auf sich hält, beschreibt Leitsätze und veröffentlicht diese – möglichst graphisch ansprichsvoll gestaltet.

Ein Leitbild kann Veränderung auch verhindern.

Je nach dem, wie solche Leitbilder entstanden sind, dienen sie eher der Vermeidung von Veränderung: Je normativer und allgemeiner die Formulierungen und je arbeitsteiliger die Texte entstanden sind, desto weniger Teile der Organisation stehen hinter einer entsprechenden Praxis und deso weniger wirksam werden die Sätze in der Regel auch sein.

Die Sätze gleichen sich in vielen unterschiedlichen Reihenfolgen. Oft sind sie eine Aneinanderreihung von hohen Werten.

Da die Ausagen so allgemein gehalten sind, treffen sie auf sehr viele Situationen zu und doch wieder nicht. Sie sind auswechselbar.

Es hängt vor ganz anderen Faktoren ab, ob ein Leitbild wirkt:

  • Soll überhaupt etwas verändert und verbessert werden?
  • Wird die Realität (als Ausgangspunkt) wahrgenommen?
  • Werden die Werte umgesetzt – oder nur behauptet?
  • Sind sich die Mitarbeiter und das Leitungspersonal einig, in der Richtung der Entwicklung?
  • Sehen Leitungen, Beteiligte, Kunden und die Öffentlichkeit den Nutzen der Entwicklung (ein)?

Feedback unterstützt die Veränderung in die günstige Richtung.

Feedback kann eine Anregung für Lernprozesse in allen Ebenen einer Organisation sein. Dazu muss eine entsprechende Bereitschaft zum Annehmen und Honorieren dieser mutigen Ausdrucksform vorhanden sein.

Anregende Impulse des Organisationsentwicklers Dr. Klaus Doppler – mit Praxisbeispielen

In einem kurzen Video-Clip sind wesentliche Ausschnitte aus den Erkenntnissen von Dr. Klaus Doppler zusammen gestellt: http://www.youtube.com/watch?v=I9pOry1CSLw

Beim 1. Freiburger Kongress Personalführung am 17. März 2010 sprach der Organsiationsentwickler Klaus Doppler einen knapp einstündigen, sehr erfrischend offenen Impulsvortrag.

Unter anderem geht er auf die Wirkung von Leitbildern ein und spricht davon, wie sie wirken oder auch – offensichtlich gewollt – nicht wirken.
Herr Dr. Doppler geht tatsächlich davon aus, dass Leitbilder auch zur Verhinderung von anstrengender Veränderung verwendert werden können. Wenn der Wille zur Veränderung fehlt, kann die Umsetzng der Impulse aus der Organsiationsentwicklung dafür sorgen, dass nichts oder nur wenig verändert wird, obwohl die Veröffentlichungen etwas anderes sagen.

Den Impulsvortrag vom Kongress Personalführung in Freiburg ist leider nicht mehr online zur Verfügung.

Meine stichwortartige Zusammenfassung wesentlicher Impusle von Dr. K. Doppler:

  1. Leitbilder leiten nicht.
  2. Leitbilder sind nur soviel wert, wie die persönliche Integrität und Energie derjenigen, die hinter dem Papier stehen.
  3. Jede Praxis hat auch eine Theorie im Hintergrund. – Diese muss nicht immer aufgeschrieben sein. Aber sie wirkt und es gibt Gründe für das gezeigte Verhalten.
  4. Veränderung beginnt bei einer Bereitschaft zur Bestandsaufnahme und zur Wahrnehmung von Realitäten.

Weiterführende Links

erstellt am 12.05.2010; zuletzt bearbeitet am 21. Oktober 2011;
dysfunktionale Links entfernt am 18.11.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag