ein Unterrichts-Konzept

Lehrkräfte können Ihre Arbeit gut steuern, optimieren und reflektieren, wenn Sie ein eigenes Konzept formuliert haben.

Dazu rate ich:
Die Anstrengung der Formulierung lohnt sich sicher –
für die Lehrkraft und die Qualität des Unterrichts.

Ich empfehle eine Gliederung etwa in dieser Art:

  1. Vision
  2. Werte
  3. Eigene Erfahrungen
  4. Lern-Vorstellung und passende Mittel
  5. Unterstützungsstrukturen
    > Kollegiales Netzwerk
    > Entwicklung einer Optimierungs-Spirale

Erste Ideen dazu:

Vision

Wer sich für den Lehrberuf entscheidet, hat oft ein Bild von dem, was sie oder er möchte.
Dieses Bild von einem erstrebten Zustand von Menschen, Gruppen und der Gesellschaft, für das man als Lehrkraft arbeiten möchte, bezeichne ich als Vision. Eine solche Vision ist sehr motivierend und gibt viel Kraft.
Visionen dürfen selbstverständlich auch weiter entwickelt werden!

Werte

Wer mit anderen arbeitet, wird bald erkennen, dass die eigenen Werte nicht von allen geteilt werden. Vielleicht sind pädagogisch Tätige darum auch mehr herausgefordert, sich der eigenen Werte bewusst zu werden.
Ich schlage vor, diese ausdrücklich aufzulisten und sich Gedanken zu machen, wie diese Werte im alltäglichen Unterricht sichtbar werden können.
Zusätzlich hilft eine ausdrückliche Beschäftigung mit den eigenen Werten im Konfliktfall zur Unterscheidung, welche Abweichung ich noch als erträglich bewerte und welche Werte ich tatsächlich unverzichtbar finde und darum auch durchsetzen werde.

Eigenen Erfahrungen

In unserer Kultur hat jede und jeder schon eigene Erfahrungen mit der Institution Schule, mit Lehrerinnen und Lehrern und mit unterschiedlichen Formen von Unterricht gemacht.
Für eine professionelle Leitung von Lernprozessen erscheint es mir als sehr sinnvoll, sich die eigenen Erfahrungen und Bewertungen bezüglich der selbst angestrebten Tätigkeit bewusst zu  machen. So können diese von den Erfahrungen der Kolleg*innen und Schüler*innen besser unterschieden werden.
Selbst habe ich sehr viel Unterricht im Vortragsstil erhalten. In Stress-Situationen neige ich – wie wahrscheinlich viele meiner Kolleginnen und Kollegen – dazu, „den Stoff doch noch durchzubringen“ und trage dann auch selbst vor. Wenn ich darüber anschließend nachdenke, erschließe ich mir diese Zusammenhänge und weiß auch, dass der Vortrag oft nicht die geeignete Form der Wissensvermittlung und der Unterstützung von Lernen der Schüler*nnen darstellt.

Lern-Vorstellung und passende Mittel

Wer bis hierher gekommen ist, kann auch schon ahnen, dass nicht jedes Unterrichtsmittel für jeden Unterrichtsstil geeignet ist. Selbst habe ich – auf dem Hintergrund meiner Vorstellung von Lernen – die begründete Vorliebe, dass Schüler*innen immer wieder auch selbst erarbeiten, aneignen und vertiefen, um wirklich zu lernen.
Folglich sind in meinen Unterrichtsentwürfen passend:

  • die Selbststeuerung der Schüler*innen herausfordern
    (eigene Ziele und Erfolgkriterien finden, eigene Lernwege suchen und erproben, regelmäßig auswerten)
  • vielfältige Unterrichtsmethoden mit Gruppen- und Projekt-Arbeiten
  • immer auch die Herausforderung, eine eigene Stellungnahme zum Unterrichtsinhalt zu entwerfen und fest zu halten.

Unterstützungsstrukturen

Kollegiales Netzwerk

In meiner Konzept-Idee, sind Lehrkräfte keine Einzel-Kämpfer*innen, sondern arbeiten zusammen!
Vielmehr spricht für mich vieles dafür, sich kollegial zu vernetzen und – besonders in der Ideen-Findung für neue Unterrichts-Entwürfe – gegenseitig anzuregen.
Wenn die Unterrichts-Entwürfe und das Material dann später auch ausgetauscht werden, entlastet dies sehr.
Aus den Rückmeldungen und Anreicherungen meiner Ideen, gewinnt mein Unterricht wieder.

Eine solche Vorgehensweise heißt allerdings, sich mit der Angst der Bewertung durch andere auseinander zu setzen. Dies scheint vielen Kolleg*innen schwer zu fallen.
Ich vermute, dass in der Lehrer*innen-Ausbildung unangenehme Erfahrungen mit Rückmeldungen und Bewertungen gemacht werden.
Ich wage die Aussage: Ich entdecke bei vielen Lehrerinnen und Lehrern ein Bewertungs-Trauma oder zumindest eine sehr ausgeprägte Vermeidung von Bewertung, die ich mit der Ausbildung, besonders dem Referendariat, verbinde.

Schade, weil so viel wechselseitige Unterstützungen verhindert werden.
Ich behaupte allerdings auch, dass diese Hinderungsgründe für kollegial unterstützendes Verhalten ausgeräumt werden können.

Entwicklung einer Optimierungs-Spirale

Nach jeder Unterrichtseinheit oder nach jedem Projekt schlage ich eine kurze Reflexion (besser mit anonymisiertem Feedback der Beteiligten) vor.
Manchmal sind drei einfache Fragen und der Austausch darüber ein guter Einstieg:

Was waren unsere Ziele?
Was hat gehindert und sollte verbessert werden?
Was war hilfreich und sollte beibehalten werden?

Interessante Links

Ursprünglich entwickelt Anfang 2010;
überarbeitet am 3. November 2021       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Lehrer lernen (Profession Lehrkraft – 7)

Zusammenfassung

Wer konzeptorientiert und klug plant,
den Unterricht systematisch vorbereitet
und diese Vorlagen, weil sie gut geordnet abgelegt wurden, wieder findet,
wird Freude an der Arbeit als Lehrerin/Lehrer und qualitativ guten Unterricht erleben.

Zur Professionalität von Lehrkräften zähle ich wesentlich

  • persönliche Kompetenz (persönliche Bewusstheit, Selbstreflexivität, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und Glaubwürdigkeit)
  • ausgewiesene Fachkompetenz für die unterrichteten Fächer
  • pädagogische Kompetenz (Zielgerichtetheit des pädagogischen Verhaltens auf dem Hintergrund eines eigenen pädagogischen Konzeptes)

Nach einer notwendigen kreative Pausen lege ich neue Texte zum Beruf des Lehrers / der Lehrerin vor.

Nach drei Monaten kreativer Pause habe ich neue Texte zur Profession als Lehrer/Lehrerin verfasst:
Sie sind unter der Navigationsleiste beim Menü-Punkt „Schule und Unterricht“ hinterlegt.
Im Wesentlichen geht es um eine systematische, konzeptorientierte und in der Praxis durch Routinen entlastende Arbeitshaltung.

Meine Empfehlungen sind:

  1. nach einem persönlichen Unterrichts-Konzept zu arbeiten
  2. klug zu planen
  3. den Unterricht systematisch und schriftlich vorzubereiten
  4. ein einfaches und sinnvolles Ordnungssystem zu entwickeln und einzuhalten
  5. regelmäßig zu reflektieren und so Erfolge und Verbesserungsbedarf heraus zu finden
  6. sich durch Kooperation, Arbeitsteilung und gegenseitige Unterstützung zu entlasten
  7. Was sich auf den ersten Blick anstrengend anhört, lohnt sich – schon bald!

1. Formulieren Sie ein persönliches Konzept von Ihrem Unterricht.

Für sich selbst schriftlich nieder zu legen, wie Lernen gestaltet, wie Unterricht vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird, führt zur Klarheit über die Aufgaben. Insbesondere erscheint es mir hilfreich, sich der eigenen Erfahrungen mit Schule, der Vorstellung vom Lernen und schließlich der Werte und der Wahl der Mittel beim Unterrichten zu versichern.

Mehr dazu können Sie hier lesen.

2. Durch Routinen kann das Umfeld von Unterricht energiesparend geplant werden.

Jedes Schuljahr richte ich Hefter zur Dokumentation des Unterrichts in den einzelnen Klassen.
Dazu habe ich inzwischen ein Formblatt, eine Art Checklist, entwickelt. So behalte ich den Überblick.

Eine andere Form haben die Sitzpläne.

Wieder eine andere Form habe ich für die wochenweise Planung meiner Unterrichtswochen zur Einlage in mein Kalender-Ringbuch entwickelt.

3. Systematische, schriftliche Vorbereitungen von Unterricht fördert Qualität und entlastet langfristig.

Seit Anfang meiner Unterrichtstätigkeit fertige ich meine Vorbereitungen schriftlich an und dokumentiert meine Erfahrungen in regelmäßigen Abständen.
Im Laufe der Zeit sammeln sich so viele unterschiedlich gelungene Unterrichtsansätze an, die dann zum Ausgangspunkt für Überarbeitungen oder Neukonzeptionen werden können.

Die vorgeplante Unterrichts-Skizze mit Zeit-, Ziel-, Teilziel- und Methoden-Angaben hilft mir, im Unterricht souverän über die Zeit und die Inhalte zu verfügen und entsprechend dem Prozess zu- und abgeben zu können: Wenn ein Schritt intensiver gestaltet wird und dadurch mehr Zeit in Anspruch nimmt, so kann dies wahrgenommen und entsprechend für die weitere Planung berücksichtigt werden. Dies gilt sowohl für die einzelnen Unterrichtstunden als auch für gesamte Unterrichtseinheit.

Mehr dazu lesen Sie hier.

4. Ein einfaches und sinnvolles Ordnungssystem kann auch angewendet werden.

Im Laufe der Zeit habe ich mir ein einfaches und an inhaltlichen Stichpunkten orientiertes Ordnungssystem für Material und Unterrichtsentwürfe (sowohl als Kopie-Vorlage als auch als Datei, d.h. im PC) erarbeitet.
Inhaltliche Sortier-Kriterien haben meiner Erfahrung nach eine längere Haltbarkeit als die Ordnung nach Lehrplan-Nummern oder -Einheiten: Lehrpläne werden sich ändern, inhaltliche Zusammenhänge auch, aber viel seltener.

Mehr dazu lesen Sie hier.

5. Wer regelmäßig reflektiert, kennt die Erfolge und den Verbesserungsbedarf.

Eine regelmäßige Reflexion (am Ende der Unterrichtseinheit oder auch allgemeiner in der Hälfte und am Ende des Schulhalbjahres) verhilft zu bewussten Erfolgserlebnissen oder auch zur realistischen Erkenntnis, wo noch Verbesserung notwendig ist.

Mehr dazu können Sie hier lesen.

6. Kollegiale Entlastungsmöglichkeiten

Spätestens wenn die Ideen bei der Erstellung einer neuen Unterrichtseinheit ausgehen oder Konflikte zu bearbeiten sind, hilft ein gepflegtes Netzwerk von kollegialen Kontakten.

Noch hilfreicher sind eingeübte Praktiken der kollegialen Unterstützung in Fallbesprechungsgruppen, kollegialer Beratung, gegenseitigen Unterrichtsbesuchen oder auch Gruppensupervisionen.

Mehr dazu lesen Sie hier.

7. Die Anstrengung lohnt sich schon bald!

Diese Skizze einer systematischen Arbeit einer konzeptorientierten unterrichtlichen Arbeiten und der regelmäßigen Auswertung und Verbesserung liest sich vielleicht besonders anstrengend.

Tatsächlich erlebe ich diesen Weg als herausfordernd und besonders in engen Arbeitsphasen auch als Prüfung meiner Konsequenz; langfristig hat sich das Vorgehen allerdings bereits gelohnt: Im Laufe der ersten Jahre (drei bis fünf) hat sich so zunehmend ein Erfahrungs- und Material-Schatz angehäuft, der entlastet, sicheres und überlegtes Handeln fördert und Unterrichts-Qualität garantiert.

Nach zehn Jahren Unterrichtstätigkeit geht mir zwar die Arbeit nicht aus, aber das geordnete Material und die abgespeicherten Unterrichtskonzenpte machen mich freier für andere, wichtige Aspekte der Lehr-Tätigkeit (z.B. zunehmend mehr Schüler/innen, die sich unangemessen verhalten und mir auffallen).

Weiterführende Links

zu Grundlagen

zu unmittelbar umsetzbaren Hilfen

  • Erprobte Unterrichtsmethode: Vierfach effektiv lernen
    (eine gehirngerechte, schüleraktive Wiederholungs-Methode)
  • Schule verbessern (3): nachhaltig lernen lehren
    These: Die Form der Klassenarbeiten hat auch eine wesentliche Bedeutung für das Lernverhalten der Schüler/-innen. Langfristiges und damit nachhaltiges Lernen der Schüler hängt auch von der Unterrichtsgestaltung durch die Lehrer/-innen ab!

zum Thema „Enlastungen und Lehrer-Gesundheit“

  • Dass der Lehrberuf hohe Anforderungen und spezifischen Belastungen mit sich bringt, ist inzwischen gut erforscht. Zum Beispiel in der Freiburger Schulstudie von 2004 und der Potsdamer Lehrer-Studie von Professor Dr. Uwe Schaarschmidt.
  • Im Mai 2010 fordert ein Berliner Kollegin wieder einmal die Möglichkeit für Supervision für Lehrerinnen und Lehrer, gerne auch in den vielfach günstigeren Gruppen-Supervisionen: taz-Artikel vom 21.05.10
  • Dazu habe ich auch schon geschrieben: Warum Lehrkräften Gruppensupervision zu empfehlen ist. (März 2008)
  • ein Beitrag mit einem verwandten Thema und konkreten Tipps: Kooperation entlastet

erstellt am 29.03.2010;
zuletzt leicht inhaltlich überarbeitet am 14.11.2025;
dysfunktionale Links korrigiert am 19.11.2025      Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Lernprozesse im Unterricht auswerten

AutorMichael Veeser-DombrowskiHinterlasse einen KommentarBearbeiten

Ich unterstelle allen Menschen zuerst einmal die Fähigkeit zur Neugierde und zum Lernen.

Meine Grundannahme ist, dass Menschen ursprünglich sehr neugierig und wissensdurstig sind und wir deshalb auf einer grundsätzlichen Bereitschaft zum Lernen aufbauen können.

(Dass viele Situationen den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als wenig einladend zum Lernen erscheint, möchte ich hier nicht abstreiten. Das wird zu einem anderen Zeitpunkt auch einmal eine bearbeitenswerte Frage sein.)

Wenn die Schüler/innen wissen, was sie lernen wollen/sollen, gelingt es auch (besser).

In meinem Unterricht wird zu Beginn die Ausgangslage der Schülerinnen und Schüler erhoben. Dazu gehört die Frage nach den Vorkenntnissen, den Interessen, (inhaltlichen und methodischen) Erwartungen und Befürchtungen und die Information über Lernziele und mein eigenes Grundanliegen mit meinem Unterricht.
Abschließend an diese Standard-Fragen zu Beginn einer Unterrichtseinheit stelle ich die – für viele ungewohnte – Frage, woran die Schüler/innen am Ende erkennen werden, ob der Unterricht für sie ertragreich, also „gut“ war.
Alle diese Informationen werden zu Beginn der Einheit schriftlich für jede lernende Person und auch für mich als Lehrkraft festgehalten.

Zum Ende der Unterrichtseinheit wird dann bilanziert.

Solche oder ähnliche Fragen können dabei hilfreich sein:

  1. Welche erwarteten Inhalte wurden zufriedenstellend bearbeitet?
  2. Welche Fragen bleiben offen?
  3. Hat der Unterricht persönliche Kompetenzen gefördert?
  4. Kann das Erlernte auf andere Bereiche übertragen werden?
    (Zum Beispiel: Wurden Methoden erarbeitet, die sich auch zu anderen Themenstellungen sinnvoll einsetzen lassen?)
  5. War die Kurs-Gruppe oder Klasse hilfreich für das Lernen – oder: Was war nicht hilfreich?
  6. Welche Verhaltensweisen der Lehrkraft waren dem Lernen förderlich? – oder: Was hat gehindert?
  7. Bewerten Sie den Unterricht mit einer Schulnote und begründen Sie diese Wertung.

Im anschließenden Gespräch erfahren die Schülerinnen und Schüler mehr über die Einschätzungen der Lehrkraft und die Schüler/innen haben die Möglichkeit, ihre Eindrücke, Bewertungen und Ideen mitzuteilen.

Meine Erfahrungen mit Auswertungen von Unterricht sind positiv.

Das bedeutet nicht, dass alle Teilnehmer/innen meines Unterrichts begeistert sind.
In der Regel schätzen Schüler/innen meinen Unterricht besser ein, als ich selbst.
Gerade, wenn ich mich von einer Gruppen habe „herausfordern“ lassen, bin ich häufig überrascht, wie gut die Schüler/innen unterscheiden können und mir rückmelden, dass sie meinen Einsatz schätzen- auch wenn er sie gelegentlich anstrengt.

Wenn die Lehrkraft sich die Noten der Schüler/innen für den eigenen Unterricht begründen lässt, erfährt man als Lehrkraft eine Menge über die Wirkungen von eigenem Verhalten und auch viele Anregungen für die Optimierung des eigenen Unterrichtshandelns.
Dazu möchte ich ermutigen.

Weitere Artikel zum Thema:

erstellt am 18.06.2008; zuletzt leicht bearbeitet am 19.09.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag