Warum Lehrkräften Gruppensupervision zu empfehlen ist

Viele Lehrkräfte (Lehrerinnen und Lehrer, auch Dozentinnen und Dozenten)  lieben ihren Beruf und sind glücklich.

Vielleicht sind manche

  • angestrengt, manchmal gesundheitlich gefährdet
  • zu einem typischen Einzel-Kämpfer-Arbeitsstil eingeladen
  • jenseits der fachdidaktischen Fragen alleine und haben wenig qualifizierte Austausch- und Unterstützungs-Gelegenheiten.

Ich wünsche allen Lehrkräften sichere Erfolge und Berufszufriedenheit, Entlastung und ein kollegiales Netzwerk zur Unterstützung und zum Austausch.

Meine Einfälle zum „Einzel-Kämpfer-Modell“

  1. In den meisten Ausbildungen zu Lehrkräften spielen „Lehrproben“ in unterschiedlicher Form eine entscheidende Rolle.  –
    Das kann bedeuten, dass die Erinnerung an unangenehme Erfahrungen dieser Art die Bereitschaft von Lehrkräften, sich bei der Unterrichtsarbeit beobachten zu lassen, deutlich gemindert hat.
    Genau dies erzählen mir viele Lehrerinnen und Lehrer (in Ausbildung oder auch langjährig erfahrene).
  2. Herkömmlicher Unterricht wird fast ausschließlich von einer Lehrkraft alleine geleitet. –
    Da liegt der (Kurz-)Schluss nahe, ihn auch ganz alleine vorzubereiten.
  3. Die Regulierungsdichte im Umfeld der Schule ist sehr hoch. –
    Im Unterricht wollen sich Lehrkräfte nicht auch noch nach anderen Personen – zum Beispiel an Kolleg*innen – orientieren.
  4. Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Lehrkräften nehme ich eine Scheu wahr, „noch nicht ganz fertigen Unterricht“, also Unterrichtsideen, die noch weiter entwickelt werden können, an andere weiter zu geben oder diesen zu zeigen. –
    Im hoch verdichteten Alltag des Unterrichtens an Schulen (mit 25 bis 28 Wochenstunden Unterrichtsverpflichtung) ist es unmöglich, jeden Unterricht optimal vorzubereiten.
    Statt sich und anderen die gelegentliche Unsicherheit einzugestehen, wird diese vertuscht: „Es ist mir lieber, wenn mir beim Unterrichten niemand zuschaut!“, höre ich dann als typische Antwort auf meine Anfrage (zum Beispiel im Auftrag von Praktikantinnen und Praktikanten).

Aus meiner Sicht empfehle ich:

  1. Lehrkräfte können sich wesentlich unterstützen, indem sie kooperieren und:
    > „kollaborativ“ Unterrichtsideen entwickeln
    > Material austauschen
    > sich über gelungene, aber auch „interessante“ oder schwierige Unterrichtssituationen kollegial beraten.
  2. Lehrkräfte können ihren Stress reduzieren, in dem sie einander ihre Unsicherheit bei „noch nicht optimal vorbereitem Unterricht“ mitteilen und sich ab und zu emotionale und auch inhaltliche Unterstützung erbitten.
Wortwolke zum Arbeitsfeld der Lehrkraft

Wenn Lehrerinnen, Lehrer, Dozentinnen und Dozenten sich in Gruppensupervisionen wechselseitig unterstützen und unterstützen lassen, so können sie dabei – neben der Beratung ihrer „Fälle“ und Themen – ein Modell erfahren, wie sie sich wechselseitig stärken können.
Darum schlage ich dieser Personengruppe nachdrücklich Gruppensupervision für Lehrkräfte vor.
Da ich mich selbst als „Supervisor“ bezeichne, spreche ich von „Gruppen-Supervision“. In der Praxis biete ich – in Absprache mit der Gruppe – auch Elemente aus Coaching-Verfahren und auch Coachinggruppen an.

Ist eine sich wechselseitig unterstützende und kollegiale Haltung in der Gruppe (z.B. nach einer Supervision) eingeübt, kann in vielen Fällen auch eine kollegiale Beratung (ohne Leitung eines Coachs oder Supervisors) angeschlossen werden.
Einen Vorschlag für einen hilfreichen Ablauf finden Sie hinter diesem Link.

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entwickelt im Frühjahr 2008; zuletzt überarbeitet: 2. Juli 2023       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Wozu helfen Blogs im Unterricht? (Profession Lehrkraft – 15)

Zusammenfassung

Blogs sind inzwischen recht einfach zu erstellen und können den Unterricht vielfältig unterstützen:

  • als Link-Katalog
  • als Quelle für Arbeitsblätter und Beschreibungen von Unterrichtsmethoden
  • als Unterrichts-Protokoll
  • und mehr: z.B. Reflexionsebene, Diskussionsforum, Portfolio

Ich mache Mut zur Erkundung und zum Experiment.

Einen Blog zu starten ist inzwischen recht einfach. – Ich ermutige zu Experimenten.

Inzwischen ist es nicht mehr schwer, einen „Blog aufzusetzen“, wie die Blogger sagen, also einen Blog einzurichten.

Ich habe mehrjährige, gute Erfahrungen mit der Bloggersoftware WordPress.com und kann dieses Paket empfehlen.

Man muss dafür auch nicht unbedingt bezahlen. Ich rate sogar dazu, zuerst einmal eine kostenfreie Variante zu erproben. Wer weiß, ob sich die Methode als passend und hilfreich erweist und Sie Freude am Bloggen und am Einbinden in den Unterricht entwickeln.
Wenn nicht: Ein Blog kann auch wieder gelöscht werden.

Selbst habe ich mich vor vielen Jahren für einen Blog mit eigenem Namen entschieden. Dafür wird dann eine jährliche „Miete“ für den Namen und den Speicherplatz auf einem Server fällig. Ich empfehle dafür die Firma Hosteurope in Köln. (Hier wird bald wieder ein Link gesetzt. Bei Abschluss eines Vertrages haben sowohl Sie wie auch ich etwas davon. Danke für Ihre Geduld.)

Lassen Sie sich auf eine Experiment und einige Versuche ein.
Ich habe Freude entwickelt und bekomme positive Rückmeldungen zu meinem, inzwischen großen Blog-Projekt.

Blog als Link-Katalog

Jahrelang sammle ich schon für den Unterricht interessante Links auf einer eigenen Blogseite mit dem Titel Links und Material zum Unterricht.

Dadurch bin ich sehr flexibel und kann im Unterrichtsgeschehen direkt auf Fragen oder Interessenlagen der Schülerinnen und Schüler reagieren und biete immer mal wieder etwas mediale Abwechslung.

Außerdem hilft mir diese Seite, Ordnung auf meinem Schreibtisch zu halten:

  • Was sich bewährt hat, wird in die Linksammlung aufgenommen.
  • Andere, weniger hilfreiche Quellen/Links kann ich wieder vergessen oder auch wieder aus der Link-Liste löschen.

Blog als Quelle für Arbeitsblätter und -methoden

Auch Routinen im Unterricht können als Arbeitsblätter hinterlegt werden. Beispielsweise

  • Welche Regeln gelten bei Ihnen bei der Notengebung?
  • Was erwarten Sie für eine GfS?
  • Wie kann ich erfolgreich lernen?

Blog als Unterrichts-Protokoll: Plakat-Wand

Angeregt durch die MOOC-gestützte Fortbildung OpenReli2013 im Herbst und die Jahrestagung für die Religionslehrer/innen der beruflichen Schulen in Rastatt habe ich mich zu einem Unterrichtsprojekt zu großen Fragen entschlossen.

Die Ergebnisse der beiden Unterrichtsreihen veröffentliche ich – zur Freude der Schülerinnen und Schüler – in einem eigenen Blog zu den großen Fragen:

Screenshot vom Unterrichtsblog https://grossefragen.wordpress.com/ zum Thema Weihnacht: Welches Bild machen wir uns?

Ausblick

Weiter kann ich mir vorstellen, die Schülerinnen und Schüler zur Formulierung ihrer Reflexionen anzuregen
Blogs von Schülerinnen und Schülern als Lerntagebücher verfassen zu lassen Diskussionen über Blog-Kommentare zu fördern …

Update 2.04.2016: Datenschutz beachten!

Inzwischen habe ich an einem Punkt wesentlich dazu gelernt: Für die Daten der Schülerinnen und Schüler bedarf es einer sehr sorgfältigen Handhabung, um die hohen Ansprüche der Datenschutz-Bestimmungen zu erfüllen.

  • Für mich heißt dies, dass ich keine persönlichen Email-Adressen, schon gar keine Links zu Websites, Sozial-Media-Kanälen und auch keine Gravatare der Schüler mehr akzeptiere, sondern – um die Anonymität im Netz zu wahren – auf der Nutzung von Wegwerf-Email-Adressen (z.B. mailinator.com) beharre.
  • So gewährleiste ich, dass auch später keine Zuordnung außerhalb der Klasse zu den einzelnen Autorinnen und Autoren möglich wird.
  • Bereits erstelle Kommentare habe ich mühsam nachträglich bereinigt.
  • Wer sich diese Gedanken vor dem Auftrag an die Klassen gemacht hat, erspart sich einige Mühe in der Nacharbeit.

Ausblick

Weiter kann ich mir vorstellen, die Schülerinnen und Schüler zur Formulierung ihrer Reflexionen anzuregen
Blogs von Schülerinnen und Schülern als Lerntagebücher verfassen zu lassen Diskussionen über Blog-Kommentare zu fördern …


Herzlichen Dank an Kolleginnen und Kollegen für Anregungen

Vielen Dank an dieser Stelle an Gunnar Thörmer, der mich vor Jahren in die WordPress-Software eingeführt hat und mir immer wieder Tipps und Links zu interessanten Themen sendet.

Herzlichen Dank auch an das Team von OpenReli2013 und an die Workshop-Leiter der Jahrestagung in Rastatt 2013.

Weiterführende Links


entwickelt im Spätjahr 2013 und immer wieder weiter ergänzt;
zuletzt leicht bearbeitet am 8.10.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Unterricht kreativ vorbereiten (Profession Lehrkraft – 14)

Kurzfassung

  • Wie kann Unterricht kreativ vorbereitet werden?
  • Wie können Lehrkräfte Spaß am Vorbereiten haben?
  • Wie werden Kompetenzen gefördert und die wesentlichen Grundkenntnisse vermittelt?

Im Rahmen des Online-Kurses #OpenReli haben die Teilnehmenden die Aufgabe, beispielhaften Unterricht vorzubereiten.

Eine dauernde und große Frage für alle Lehrerinnen und Lehrer

Grundsätzlich schätze ich kollaborative Unterrichtsvorbereitungen, also kollegiale Zusammenarbeit und die daraus entstehende Vielfalt von Ideen, Materialien und Medien.

Oft komme ich nicht zu solchem Vorgehen. Aber immer, wenn ich mich dazu mit anderen verabredet hatte, ergab sich daraus auch Spaß und etlicher Gewinn.

Meine Vorstellung von kreativer, kollaborativer Vorbereitung von Unterricht im Überblick

mindmap zu "Unterricht kreativ vorbereiten" mit den Apekten 1. Rahmenbedingungen; 2. Brainstorming; 3. erste Version; 4. Erprobung; 5. zweite, überarbeitete Version; 6. Unterrichtspraxis; 7. Kurzreflexion; 8. mit Kolleg*innen teilen - alles auf dem Hintergrund von Theorien und Reflexionen

Ein Klick auf das Bild sollte eine größere und besser lesbare Version ergeben.

Das vorgeschlagene Verfahren – Schritt für Schritt

Im Hintergrund habe ich ein bestimmtes Bild von Lehren und Lernen und dem daraus abgeleiteten Unterrichtskonzept (siehe Guter Unterricht)

1. Unterricht ist normalerweise zielgerichtet und unterliegt festgelegten Rahmenbedingungen

a) Bildungs- und Lehrpläne geben Inhalte, angezielte Kompetenzen und manchmal auch Verfahren vor.

b) Die Gruppe (Klasse oder Kurs) hat einen bestimmten Leistungsstand, setzt sich jeweils anders zusammen.

c) Die unterrichtende Lehrkraft hat bestimmte Ziele, wählt aus dem Pool der Inhalte jeweils typische Ziele aus. – Selbstverständlich ist genau hier schon eine sorgfältige Reflexion notwendig:

  • sind es immer die selben Ziele und Inhalte
  • warum?
  • Gibt es Entwicklungsbedarf?

2. Brainstorming – am besten kollaborativ

Hier ist Kreativität ohne Verwertungs-Zensor erlaubt und erwünscht.

Alle Einfälle werden unzensiert festgehalten. –
Selbst ein Vertreter der handschriftlich schreibenden „Old School“, strapaziere ich hier meinen Füller und verwende viel Papier; Manchmal habe ich auch schon Mindmaps am PC erstellt und auch schon online-Texte (z.B. über titanpad)

Je mehr (unterschiedliche) Personen daran teilnehmen, umso reichhaltiger die Ausbeute. –
Im aktuellen religionspädagogischen MOOC MenschWerden habe ich das seltene Vergnügen, mit ganz unterschiedlichen Kolleg/innen aus recht unterschiedlichen Regionen und damit auch unterschiedlichen Ansätzen und Vorlieben in einem virtuellen Arbeitskreis zusammen zu arbeiten: unterhaltsam, heraufordernd und sehr anregend.

Sollte ich keine Vereinbarungen mit Kolleg/innen zustande gebracht haben, so nehme ich mir für diese Phase oft mehrere Tage Zeit, damit ich selbst – sozusagen über die unterschiedliche Tagesstimmungen – mehrere Blickwinkel einbringen kann.

Oft lasse ich mich in dieser Phase auch von schon vorhandenen Unterrichts-entwürfen und -Materialien (von Kolleg/innen, aus Lehrbüchern und auch von online-Ressourcen, wie z.B. rpi-virtuell) anregen.

3. Eine erste Version des Unterrichts wird entwickelt.

Dazu habe ich mir Standard-Formulare erarbeitet, in die ich jetzt meine Skizzen am PC eintrage und sorgfältig (mit Versions-Nummer) archiviere:

  • Ich wähle Inhalte und Methoden aus
  • Ich verteile diese über den gesamten vorgesehenen Zeitraum (Unterrichtseinheit)
  • Schließlich plane ich einzelne (Doppel-)Stunden
  • Gewinnt die Einheit Gestalt, so überprüfe ich nochmals das Anspruchsniveau und die Methoden-Wahl auf Angemessenheit und Passung.

4. Die Stunde der Wahrheit: Erste Erprobung des neuen Entwurfs im Unterricht.

Oft mit großer Neugierde, wie die Schülerinnen und Schüler auf das neu erstellte Angebot reagieren, manchmal auch mit Spannung und/oder Nervosität wage ich die Praxis-Probe.

Je nach Gruppe kann eine kurze Feedback-Phase am Schluss wichtige Erträge für die weitere Verbesserung ergeben: Viele Anregungen für guten Unterricht verdanke ich meinen aufmerksamen Schülerinnen und Schülern.

5. Zweite, überarbeitete und verbesserte Version des Unterrichts-Entwurfs

Aus meinen eigenen und auch den Eindrücken einiger Schüler/innen ergeben sich in der Regel nach dem ersten Praxis-Test sinnvolle Nachbesserungen:

  • manche Zeiten hatte ich zu lange oder zu kurz eingeschätzt
  • manche Medien oder besonders Texte passen noch nicht hinreichend gut
  • gelegentlich wird auch deutlich, dass eine andere Reihenfolge von Unterrichtsschritten sinnvoller ist

6. Zweite Unterrichtspraxis

Diese Änderungen und Verfeinerungen arbeite ich in der Regel vor dem zweiten Durchgang ein.

Dazu habe ich zur Erinnerung oben rechts in meiner Unterrichts-Skizze ein Textfenster mit einer „to-do-list“ eingebaut.

Auch hier kann eine Frage ins kollegiale Netzwerk nach einem bestimmten Medium oder nach Erfahrungen mit ausgewählten Lern-Schritten nochmals hilfreich sein.

7. Kurzreflexion und Notizen zu möglichen Verbesserungen

Auch nach weiteren Unterrichten zu ausgearbeiteten Inhalten notiere ich jeweils in das Textfeld oben rechts „weitere Verbesserungsmöglichkeiten“. – Diese müssen nicht immer sofort umgesetzt werden. Aber die Notiz bewirkt oft eine Bewusstheit für einen Bedarf, so dass mir in den nächsten Wochen oder auch Monaten in der Regel einige Einfälle zuwachsen, die wieder dort eintrage.

8. Mit Kolleginnen und Kollegen teilen

Als Abschluss einer konzentrierten Phase der Unterrichtsvorbereitung brenne ich meinen letzten Unterrichtsentwurf auf CD-ROMs und gebe diese an die beteiligten Kolleg/innen und manche, die ich für eine Zusammenarbeit in der Zukunft gewinnen möchte.

Über Rückmeldungen und eine Diskussion freue ich mich.

Weiterführende Links

erstellt am 11.11.2013, zuletzt bearbeitet am 17.10.2016       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag