Lehrkräfte könnten sich nach meiner Beobachtung und Erfahrung Ihre Arbeit durch Kooperation und gegenseitige Anregung und Unterstützung angenehmer gestalten, als sie dies häufig tun
Oft gibt es schon Vorlagen für die Unterrichtsvorbereitung
Viele Lehrkräfte entwickeln jeden Unterrichtsinhalt neu. Es ist aber sicher anzunehmen, dass es schon entwickelte Unterrichtsentwürfe anderer Lehrkräfte gibt, die man austauschen könnte. Ganz sicher wird jede Lehrkraft sich neue Unterrichtsinhalte persönlich aneignen. Aber es ist wesentlich entlastender, sich eine schon erprobte Unterrichtsskizze anzueignen, als Unterrichtsentwürfe ganz neu zu entwickeln. Mir fällt es auch leichter, die Skizzen und Entwürfe einer Kollegin / eines Kollegen „zu kritisieren“ und aus der Abgernzung meinen eigenen Weg zu finden, als vor einem gänzlich leeren Ballt kreativ zu sein.
Ein funktierendes Ablage-System erspart viel Arbeit und Nerven.
Für Lehrkräfte sehr zu empfehlen: Gruppen-Supervision
Dort können Themen der Teilnehmenden individuell bearbeitet werden und gleichzeitig wird die unterstützende Wirkung einer guten Gruppe erfahrbar. Zur Ausschreibung einer Lehrer*innen-Gruppe.
Viele Lehrkräfte (Lehrerinnen und Lehrer, auch Dozentinnen und Dozenten) lieben ihren Beruf und sind glücklich.
Vielleicht sind manche
angestrengt, manchmal gesundheitlich gefährdet
zu einem typischen Einzel-Kämpfer-Arbeitsstil eingeladen
jenseits der fachdidaktischen Fragen alleine und haben wenig qualifizierte Austausch- und Unterstützungs-Gelegenheiten.
Ich wünsche allen Lehrkräften sichere Erfolge und Berufszufriedenheit, Entlastung und ein kollegiales Netzwerk zur Unterstützung und zum Austausch.
Meine Einfälle zum „Einzel-Kämpfer-Modell“
In den meisten Ausbildungen zu Lehrkräften spielen „Lehrproben“ in unterschiedlicher Form eine entscheidende Rolle. – Das kann bedeuten, dass die Erinnerung an unangenehme Erfahrungen dieser Art die Bereitschaft von Lehrkräften, sich bei der Unterrichtsarbeit beobachten zu lassen, deutlich gemindert hat. Genau dies erzählen mir viele Lehrerinnen und Lehrer (in Ausbildung oder auch langjährig erfahrene).
Herkömmlicher Unterricht wird fast ausschließlich von einer Lehrkraft alleine geleitet. – Da liegt der (Kurz-)Schluss nahe, ihn auch ganz alleine vorzubereiten.
Die Regulierungsdichte im Umfeld der Schule ist sehr hoch. – Im Unterricht wollen sich Lehrkräfte nicht auch noch nach anderen Personen – zum Beispiel an Kolleg*innen – orientieren.
Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Lehrkräften nehme ich eine Scheu wahr, „noch nicht ganz fertigen Unterricht“, also Unterrichtsideen, die noch weiter entwickelt werden können, an andere weiter zu geben oder diesen zu zeigen. – Im hoch verdichteten Alltag des Unterrichtens an Schulen (mit 25 bis 28 Wochenstunden Unterrichtsverpflichtung) ist es unmöglich, jeden Unterricht optimal vorzubereiten. Statt sich und anderen die gelegentliche Unsicherheit einzugestehen, wird diese vertuscht: „Es ist mir lieber, wenn mir beim Unterrichten niemand zuschaut!“, höre ich dann als typische Antwort auf meine Anfrage (zum Beispiel im Auftrag von Praktikantinnen und Praktikanten).
Aus meiner Sicht empfehle ich:
Lehrkräfte können sich wesentlich unterstützen, indem sie kooperieren und: > „kollaborativ“ Unterrichtsideen entwickeln > Material austauschen > sich über gelungene, aber auch „interessante“ oder schwierige Unterrichtssituationen kollegial beraten.
Lehrkräfte können ihren Stress reduzieren, in dem sie einander ihre Unsicherheit bei „noch nicht optimal vorbereitem Unterricht“ mitteilen und sich ab und zu emotionale und auch inhaltliche Unterstützung erbitten.
Wenn Lehrerinnen, Lehrer, Dozentinnen und Dozenten sich in Gruppensupervisionen wechselseitig unterstützen und unterstützen lassen, so können sie dabei – neben der Beratung ihrer „Fälle“ und Themen – ein Modell erfahren, wie sie sich wechselseitig stärken können. Darum schlage ich dieser Personengruppe nachdrücklich Gruppensupervision für Lehrkräfte vor. Da ich mich selbst als „Supervisor“ bezeichne, spreche ich von „Gruppen-Supervision“. In der Praxis biete ich – in Absprache mit der Gruppe – auch Elemente aus Coaching-Verfahren und auch Coachinggruppen an.
Ist eine sich wechselseitig unterstützende und kollegiale Haltung in der Gruppe (z.B. nach einer Supervision) eingeübt, kann in vielen Fällen auch eine kollegiale Beratung (ohne Leitung eines Coachs oder Supervisors) angeschlossen werden. Einen Vorschlag für einen hilfreichen Ablauf finden Sie hinter diesem Link.
Lehrkräfte können, wenn sie Ihre Arbeit systematisieren, für Entlastung und guten Unterricht sorgen.
Ich empfehle:
konzeptorientiert zu arbeiten
Unterricht (fast) immer schriftlich vorzubereiten
dies Vorbereitung digital zu speichern
Raster und Formen für Routinen bereit zu stellen
ein Stunden-Tableau mit Zeiten, Zielen, Teilzielen, Kompetenzen und Methoden-Hinweisen
sorgfältig zu dokumentieren
die Pflege einer sinnvolle Ablage
regelmäßige Reflexionen und daraus folgende Verbesserungen
Ein Konzept für den eigenen Unterricht ist hilfreich.
Mit einem Konzept wissen Sie, welche Inhalte und Methoden Sie auswählen wollen. Sie können begründet gewichten und nach dem Unterricht auch entscheiden, ob er gut – mäßig oder schlecht (sehr verbesserungswürdig) war.
Eine schriftliche Vorbereitung schafft Sicherheit.
Was ich schriftlich niedergelegt habe, habe ich meistens auch verstanden. Ich kann angesichts dieser Sicherheit dann auch leichter jonglieren: Wenn eine Arbeitsschritt im ersten Teil der Doppelstunde mehr Intensität und Zeit erforderte, werde ich im Verlauf der Doppelstunde versuchen, etwas schneller mit den Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, um wieder in den Zeitplan zu kommen. Oder ich kann mich entscheiden, einen Zwischenschritt auszulassen. (Entsprechendes kann man auch auf ganze Unterrichtseinheiten übertragen.) –
Prinzipiell finde ich Zeitstruktur in einem auch auf Prozesse achtenden Unterrichtsgeschehen manchmal hinderlich, anderseits sehe ich die Notwendigkeit, (gerade in der Oberstufe) in einer bestimmte Zeit vorgesehene Stofffüllen auch zu bearbeiten, weil sie anschließend in zentral formulierten Aufgaben geprüft werden (z. B. Abitur).
Gespeicherte Entwürfe sind wiederverwendbar
Wer seine Unterrichts-Entwürfe im PC speichert und eine gewisse Grundsystematik einhält, findet sie wieder und kann auch leicht daran weiter arbeiten. (Kopier-Vorlagen sind bei mir sehr viel schneller verloren!)
Durch die systematische, schriftliche Unterrichtsvorbereitung in Stunden-Tableaus mit Zeiten, Zielen, Teilzielen, Kompetenzen und Methoden-Hinweisen, haben ich mir einen Fundus an gelungenen und teilweise auch kommentierten Unterrichts-Stunden erarbeitet, auf den ich bei Bedarf wieder zugreifen kann – für Neuauflagen oder Verbesserungen.
Einmal erarbeitete Routinen und Arbeitsformen entlasten
Nach einer kurzen Phase meiner Lehrtätigkeit habe ich entdeckt, dass es hilfreich ist, sich ein Raster für Unterrichteinheiten, Arbeitsblätter, Bewertungshilfen, Sitzpläne etc., also für Routine-Aufgaben bereit zu stellen und diese kontinuierlich weiter zu entwickeln. Diese entlasten nach meiner Erfahrung sehr. Vorlagen finden Sie auf meiner Download-Seite.
Pflegen Sie Ihr selbst entwickeltes Archiv-System konsequent.
Die Wiederverwendung hängt wesentlich davon ab, ob ich die schon geleistete Arbeit wieder finde. Dazu habe ich in meiner Praxis ein Ablage-System nach Themen entwickelt. Themen ändern sich zwar auch, Lehrplan-Bezeichnungen aber sehr viel schneller! In diese Themen-Verzeichnisse meines Rechners kann ich bei Ausarbeitung mehrere Unterverzeichnisse einfügen und das Material neu sortieren, wenn es sich mehr differenziert haben sollte. – Hilfreich erscheint mir dabei, sich für ein Ordnungs-System zu entscheiden und dieses dann auch konsequent durchzuhalten. Mehr zur Systematik der Ablage finden Sie hier.
Werten Sie Ihren Unterricht regelmäßig aus.
Am Ende einer Unterrichtsstunde empfehle ich kurz nachzubereiten und das heißt: zu notieren: > Was war besonders/bemerkenswert? > Was blieb offen? > Welche Idee habe ich für den nächsten Unterrichtsschritt?
Am Ende einer Unterrichtseinheit, frage ich die Schülerinnen und Schüler und auch mich selbst, was gelungen und was noch verbesserungswürdig ist. – [mehr zu Feedback von Schülerinnen und Schülern …]
Inzwischen arbeite ich diese Idee nicht mehr sofort in die Unterrichts-Entwürfe ein, sondern notiere sie mir; allermeist auch in die Dateien zur Unterrichtsplanung unter der Rubrik „noch zu erledigen“. Bevor ich die Einheit das nächste Mal unterrichte, überprüfe ich die Notizen und den Verbesserungsbedarf und entscheide, was ich verbessern werde.
Kurzfassung: Nicht nur immer Neues entwickeln, sondern manches bewusst beenden, loslassen und sich entlasten, um gesund zu bleiben.
Der Lehr-Beruf kann als sinnvoll und schön, als vielfältig und die Person fordernd erlebt werden.
Besonders die Reflexion auf den Rhythmus zwischen Anforderung und Erholung ist zentral für eine fortdauernde Freude am Unterrichten und die Unterstützung einer stabilen Gesundheit.
Dazu gehört, immer wieder auch „Nein“ zu sagen und Gewohnheiten zu überprüfen.
Der Lehr-Beruf ist für mich ein schöner und sinnvoller Beziehungs-Beruf.
Ich empfinde es als verantwortungsvolle und bedeutsame Aufgabe, junge Menschen bei der persönlichen Entwicklung und der fachlichen Ausbildung zu begleiten, also zu unterrichten und zu erziehen.
Der Beruf ist kommunikativ und herausfordernd, d.h. ich bin in vielfältigen Kontakten und lerne ständig selbst immer weiter dazu.
Besonderes im Bereich Gruppendynamik und gesellschaftlich-politischer Entwicklungen und deren Spiegelungen in den Lerngruppen habe ich in den letzten Monaten viel Neues kennen gelernt und bearbeitet.
Hohe Anforderungen an professionelle Lehrkräfte
Unterrichtshandeln ist geplant, vorbereitet und konzeptorientiert.
Es ist hilfreich, wenn hinter den Einzel-Stunden oder Projekten ein Gesamtkonzept steht, welches – neben der Steuerung, Gewichtung und Auswahl der beispielhaften Inhalte und Methoden – auch der Reflexion dienen kann. (Dazu hatte ich in einem anderen Text bereits mehr geschrieben.)
Zu einem gesunden Berufsleben gehört auch das Unterbrechen und Aufhören
So schön der Beruf auch sein mag, so anstrengend kann die hohe Anzahl der Kontakte, Heterogenität der Gruppen, Projektionen, hohe Lautstärke, 45-Minuten- oder 90-Minuten-Rhythmen, gesellschaftliche Eingebundenheit und vieles mehr sein.
Zur Professionalität der Lehrperson gehört nach meiner Vorstellung eine kluge Kräfte-Verteilung, die Planung einer leistbaren Belastungskurve im Laufe eines Schuljahres und regelmäßige Überprüfungen der eigenen Ziele, Arbeitsgewohnheiten und der Gesundheit.
Konkret lauten die Fragen dann zum Beispiel:
Gibt es Entlastung durch „kollaborative Unterrichtsvorbereitungen“?
Wie werden die Unterrichtstage und wie die unterrichtsfreien Zeiten strukturiert?
Wann sind Pausen und Reflexions-Zeiten sinnvoll und nötig?
Wie werden „anstrengende Erlebnisse“ verarbeitet und eingeordnet?
Wie werden „Erfolge“ gewürdigt, das heißt gefeiert?
Wie werden „Misserfolge“ eingeordnet, losgelassen und verarbeitet?
Kollegiale Beratung und Coachinggruppen oder Supervision unterstützen
Der kollegiale Austausch in der Berufsgruppe kann entlasten, anregen und Lösungsansätze entwickeln helfen. Darum ist kollegiale Beratung zu empfehlen.
Oft geschieht sie informell in den Lehrer*innen-Zimmern oder auch „zwischen Tür und Angel“, als auf den Fluren oder am Kopierer. Für eine „Kultur des Loslassens“ benötigen die meisten Menschen mehr Energie und Zeit. An manchen Schulen haben sich auch schon kollegiale Fallbesprechungsgruppen etabliert. (Ein bewährter Vorschlag steckt hinter diesem Link; pdf; 75 KB.)
Für die systematische Weiterentwicklung der Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer dienen Coaching oder Supervision – in Gruppen oder für Einzelpersonen. Günstiger sind die Coachinggruppen: Aus Aufgaben und Erfahrungen Einzelner werden Herausforderungen und Anreize zur Reflexion und zum Wachstum für die anderen. Eine Supervisorin / ein Supervisor oder ein Coach steuert den Prozess und gibt Ideen und Anregungen „von außen“ in die Gruppe. Dazu habe ich Ihnen ein Angebot: Gruppensupervision mit Coaching-Elementen für Lehrer/innen
Weiterführende Links
Ein Selbsttest für Lehrerinnen und Lehrer und solche, die es werden wollen (CCT): www.cct-germany.de
Eine online-Befragung und -Messung der Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz: Copsoq-online-Fragebogen (zur Einordnung und Anregung empfohlen)
Für einen guten Unterricht sind Lehrpersonen auf eine gesunde und leistungsfähige Stimme angewiesen. – Bewusster Einsatz und Stimm-Hygiene sind darum wichtige Bestandteile professioneller Selbstfürsorge für Lehrende.
Lehrkräfte sind auf ihre leistungsfähige Stimme angewiesen.
Die meisten Lehrerinnen und Lehrer sagen, dass sie ohne ihre Stimme nicht unterrichten können:
moderieren, Zusammenhänge und Aufgaben darstellen
zur Aufmerksamkeit auffordern und disziplinieren
rückmelden, unterstützen und ermutigen
Ich habe auch – im seltenen Ausnahmefall – schon „stimmlos“ unterrichtet und die gesamte Kommunikation mit der Klasse schriftlich über die Projektion stattfinden lassen. Das ist tatsächlich nur im äußersten Ausnahmefall zu empfehlen.
Besonders belastend für die Stimme einer Lehrkraft sind
laute (große, methodisch ungeübte oder undisziplinierte) Klassen
lange Lehrervorträge in unruhiger Umgebung
dauernder Frontal-Unterricht, d.h. alles Unterrichtsgeschehen läuft über die Kommunikation mit dem Lehrer
Schon bei der Planung von Unterrichtstagen kann man darauf achten, eine Häufung solcher Situationen an einem Tag oder in einer Woche zu vermeiden: So kann z.B. Wissensinput auch über Medien (Lehrfilme, Informationsblätter oder Recherche-Aufgaben an die Schüler/innen) organisiert werden. Oder eine Aneignungsphase darf auch einmal als Gruppenarbeit mit anschließender Fragerunde zu den wenigen verbliebenen Unklarheiten geplant werden.
Schonung und Pflege der Stimme sind sinnvoll.
Viele Lehrkräfte schätzen ihre stimmliche Belastung als sehr hoch oder gar zu hoch ein (siehe auch Stimmt die Stimme, stimmt die Stimmung. In: PÄDAGOGIK 6’13 ). Wenn die Stimme sich angestrengt anfühlt, brüchig oder gar heißer wird, soll dringend gehandelt werden. Ich empfehle dringend, kompetenten Rat einzuholen:
Musikmediziner/innen
HNO-Fachärzt/innen
Stimm- und Atem-Therapeut/innen
Singen wird von den Kundigen immer wieder empfohlen: Singen macht Freude und pflegt Ihre Stimme, wenn sie eine sinnvolle Technik haben.
Zur Schonung der Stimme können auch Aufwärm- oder Ausgleich-Übungen gehören.
Ein bewusster Einsatz der Stimme senkt die Belastung Ihrer Stimme langfristig:
Setzen Sie Ihre Stimme ganz bewusst und behutsam ein.
Es gibt einen unguten Schwingkreis zwischen lauter Umgebung und lauter werdender Stimme der Lehrerinnen und Lehrer. Dieser teuflische Wettbewerb wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu stimmlichen Problemen führen. Vielleicht nicht in den ersten Berufsjahren, langfristig aber dann doch.
Ich experimentiere mit Muster-Unterbrechungen, z.B.:
absichtlich immer leiser sprechen, wenn die Gruppe lauter wird
oder auch abwarten, bis die Gruppe aufnahmebereit ist und erklärtermaßen nicht gegen den Lärm der anderen Redenden ansprechen.
Lärmende Gruppen können auch als kritisches Feedback an den Unterricht gedeutet werden.
Wenn die Kurse oder Klassen dauernd laut sind, stelle ich mir als Lehrkraft die Frage, ob dies eventuelle auch mit meinem Unterricht (Methode, Einführung und auch Inhalt) zu tun haben kann.
Herzlichen Dank an das Institut für Musikmedizin für die Anregungen
Durch die Teilnahme an der wissenschaftlichen Studie mit einem sehr umfangreichen Fragebogen, Untersuchungen, Messungen der stimmlichen Belastung und anschließende Beratung wurde ich nochmals angeregt, über meinen Stimm-Einsatz zu reflektieren.
Dafür bin ich dankbar und empfehle das Institut gerne weiter.
Leider ist das hilfreiche Merkblatt des fim Stimmt die Stimme. Stimmt die Stimmung. bisher nicht online verfügbar.
Weiterführende Links
Freiburger Institut für Musikmedizin (fim) , an dem auch ein interessantes Forschungsprojekt „Stimmliche und mentale Gesundheit von Lehrkräften in Baden-Württemberg“ angesiedelt ist.
Kurzfassung: Hier geht es um Lehrkräfte und Ihre Freude am Beruf
Der Lehr-Beruf kann sinnvoll und schön sein; er ist vielfältig und fordert die Person. Darum sind bestimmte Haltungen hilfreich und ein bewusster Umgang mit Erwartungen, Erlebnissen und den möglichen Anstrengungen. Besonders die Frage nach Reflexion und Gleichgewicht zwischen Anforderung und Erholung ist zentral für eine fortdauernde Freude am Unterrichten.
Ein schöner und sinnvoller Beruf
Junge Menschen bei der persönlichen Entwicklung, Bildung und der fachlichen Ausbildung zu begleiten, also zu unterrichten und zu erziehen, ist die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer.
Wer gerne mit und für Menschen arbeitet und an der Vermittlung von Inhalten auf dem jeweilig angepassten Verständnis-Niveau Freude hat, wird auch den Reiz des Berufs der Lehrerin / des Lehrers nachvollziehen und ihn sinnvoll finden.
Unterrichten ist Beziehungsarbeit
Unterricht geschieht meistens im Klassenverband (normalerweise circa 20-33 Personen), das heißt mit vielen Menschen.
Er gelingt, wenn sich die Beteiligten gegenseitig schätzen oder zumindest respektieren. Dies ist nur mit einem persönlichen Einsatz der Interaktionspartner zu erreichen.
Dabei hat die Lehrkraft auch soziale Prozesse (z.B. Gruppendynamik in den Klassen/Kursen) so zu steuern, dass die förderliche Lern-Atmosphäre möglich wird und gewahrt bleibt.
Von der Lehrkraft wird souveräne Gelassenheit erwartet.
Ziele der Schule sind persönliche und inhaltliche Lernprozesse
Schulisches Lernen und Unterricht bedeutet, die Schülerinnen und Schüler anzuregen, Interesse zu entwickeln und Fragen zu stellen. Dafür ist die Lehr-Person ein wesentliches Medium: Zeigt sie sich interessiert an der Lebens- und Verständnis-Welt der kindlichen, jugendlichen und jung-erwachsenen Schülerinnen und Schüler?
Wenn die Schüler/innen dann Interesse entwickelt haben, benötigen sie begleitende Unterstützung bei der Beantwortung ihrer Fragen und Lern-Interessen.
Schließlich ist es den vielfältigen Lernprozessen förderlich, wenn regelmäßig ausgewertet wird:
Was wollten wir erreichen?
Was haben wir erreicht?
Welche Fragen bleiben offen und wo könnten diese bearbeitet und beantwortet werden?
Was war hinderlich für das gemeinsame Lernen?
Was war hilfreich/fördernd?
Schulsysteme sortieren und bewerten
Jede Schulart hat ihr Ziel und die Schülerinnen und Schüler bekommen am Ende (eines Schuljahres oder einer Schulart) eine Bewertung, ob und wie sehr sie diese Ziele erreicht haben.
Auch dies gehört zur Aufgabe der Lehrkraft: bewerten und Stärken, Grenzen und Entwicklungsbedarf zurückmelden.
Hohe persönliche Profil-Anforderungen an gute Lehrkräfte
Es ist hilfreich, wenn hinter den Einzel-Stunden oder -projekten ein Gesamt-Konzept steht, welches – neben der Steuerung, Gewichtung und Auswahl der beispielhaften Lehr-Inhalte – auch der Reflexion dienen kann.
Hilfreiche Fähigkeiten und Ressourcen
kommunikative Persönlichkeit
an Menschen und deren erfolgreichem Lernen interessiert
strukturiert, organisiert (fähig zur Planung, Ordnung und Übersicht)
gelassen und belastbar
selbstreflexiv und kooperativ
lernbereit (bereit zu Reflexion, zu kollegialem Feedback und Fortbildung)
Life-Work-Balance
So schön der Beruf auch sein mag, so anstrengend kann die hohe Anzahl der Kontaktpersonen, Heterogenität der Gruppen, Projektionen, hohe Lautstärke, 45-Minuten- oder 90-Minuten-Rhythmen, gesellschaftliche Eingebundenheit und vieles mehr sein.
Daher gehört zur Professionalität der Lehrperson auch eine kluge Kräfte-Verteilung und Planung einer leistbaren Belastungskurve im Laufe eines Schuljahres.
Konkret lauten die Fragen dann zum Beispiel:
Gibt es Entlastung durch „kollaborative Unterrichtsvorbereitungen“?
Wie wird ein Unterrichtstag und wie die unterrichtsfreie Zeit strukturiert?
Wann sind Pausen und Reflexions-Zeiten sinnvoll und nötig?
Wie werden „anstrengende Erlebnisse“ verarbeitet und eingeordnet?
Wie werden Erfolge gewürdigt, das heißt gefeiert?
Kollegiale Beratung und Coaching- oder Supervisions-Gruppen unterstützen
Der kollegiale Austausch in der Berufsgruppe kann entlasten, anregen und Lösungsansätze entwickeln helfen. Darum ist kollegiale Beratung zu empfehlen.
Oft geschieht sie informell in den Lehrer*innen-Zimmern oder auch „zwischen Tür und Angel“. An manchen Schulen haben sich auch schon Gruppen für kollegiale Fallbesprechungen etabliert. (Ein bewährter Vorschlag steckt hinter diesem Link; pdf; 75 KB.)
Für die systematische Weiterentwicklung der Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer dienen Coaching- oder Supervisions-Gruppen: Aus Aufgaben und Erfahrungen Einzelner werden Herausforderungen und Anreize zur Reflexion und zum Wachstum für die anderen. Eine ausgewiesene Supervisorin oder ein Supervisor steuert den Prozess und gibt Ideen und Anregungen „von außen“ in die Gruppe. Mein Angebot:Gruppensupervision mit Coaching-Elementen für Lehrer/innen
Eine Herausforderung, ja – gerade, wenn sehr viel zu erledigen ist.
Die Natur gibt uns im Winter vielfältige Einladungen, denn die Kälte macht manches langsamer. Erst recht ist Schneefall ein Hinweis (zumindest für routinierte Rad- und Autofahrer/innen) langsam zu fahren, schon vorausschauend auf die nächste Bremsung oder Kurve achtend.
Pausen können andere Sichtweisen eröffnen.
Manches wird im gewonnenen Abstand in oder nach einer Pause auch anders wahrnehmbar und kann anders eingeordnet und mit anderem verbunden werden.
Es ist erlaubt, sich wohl zu fühlen.
So genieße ich den Wintereinbruch in Süddeutschland und nehme ihn als Impuls zum langsameren Wahrnehmen, gelassenen Bewegungs- und Arbeits-Tempo und zu bewusst gesetzten Pausen, die ich dann gegenüber anderen auch entschieden vertrete.
Mein Tipp: Gestatten Sie sich immer wieder Pausen – auch und gerade, wenn es hektisch und anstrengend ist.
Fredmund Malik greift eine Idee des ideenreichen Denkers über Management auf, der die Notwendigkeit der Entgiftung für alle Lebensformen beobachtete und diese auf Einzelne und Organisationen übertrug.
Regelmäßige Bestandsaufnahme
Der österreichische Management-Denker und Berater Prof. Dr. F. Malik formuliert die entscheidende Frage: „Was von all dem, was wir heute tun, würden wir nicht mehr neu beginnen, wenn wir es nicht schon täten?“ – Mag sein, dass Vieles von unseren Tätigkeiten einmal sinnvoll war. Jetzt geht es um die Überprüfung, ob es aktuell noch sinnvoll ist.
Hören Sie auf, „falsche Dinge“ zu tun. Entsorgen Sie!
Malik empfiehlt eine konsequente Vorgehensweise. Er macht deutlich, dass es nach der Bestandsaufnahme nicht mehr darum geht, ob ich eine als aktuell nicht mehr sinnvolle Handlung weiter führen werde oder nicht, sondern immer die Frage zu stellen ist, wann ich damit aufhören werden.
Beginnen Sie Veränderungsprozesse mit der Frage nach den Streichungen
Damit geht Malik unkonventionell aber sehr wirksam vor. Durch die „Entschlackung“ oder „Entgiftung“ werden bisher gebundene Energien für neue Aufmerksamkeiten und Lernprozesse frei.
Eine gesunde Balance zwischen „Routine und Entwicklung“
Das hat mich angesprochen, weil ich die Tendenz gut kenne, Neues anzupacken – ohne Ausgleich. Wenn wir Überholtes entsorgen, entsteht neuer Raum und wird Energie wieder frei für Veränderung und Entwicklung.
Ein berufliches oder privates Projekt: Kill a stupid rule!
Manchmal ist Weglassen ein lohnenswerter Versuch. Oftmals tendieren wir allerdings zum Muster „mehr vom selben“.
Ab und zu nehme ich mir vor – beruflich oder auch privat, Angewohnheiten, Verfahren und Routinen darauf zu überprüfen, was denn fehlen würde, wenn ich sie weglasse. Und dann probiere ich es aus!
Fredmund Malik: Führen – Leisten – Leben Wirksames Management für ein erfülltes Leben: konkret, praxisnah und effektiv Ein kreativer Denker der Managementlehre fasst wichtige Erkenntnisse zusammen. Besonders hat mich seine Idee, einer „Müllabfuhr“ vor dem Start neuer Entwicklungsprozesse angeregt. Diese Praxis empfehle ich!
Gegen Ende des Schuljahres mit interessierten Kolleginnen und Kollegen im vertrauensvollen Austausch auf das Schuljahr zurück zu blicken kann dazu helfen,
sich wechselseitig kollegiale zu unterstützen
sich zur Selbstreflexion und zum Perspektivenwechsel anzuregen
die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu überprüfen und auszuweitern
und methodische Kenntnisse zu vertiefen und zu erweitern
und – im weiteste Sinne – die eigenen Professionalität zu pflegen
Alle freuen sich auf die Ferien.
Gegen Ende des Schuljahres sind viele Lehrerinnen und Lehrer vor allem müde und froh, dass eine Pause und die Möglichkeit zur Erholung folgt.
Das nahende Ende des Schuljahres ist ein günstiger Zeitpunkt.
Und doch möchte ich mit diesem Text empfehlen, sich etwas Zeit und Energie für einen sorgfältigen Rückblick auf das zu Ende gehende Schuljahr, die Klassen und Gruppen, die Unterrichtsverläufe, die schwierigen Situationen und auch die Erfolge zu werfen.
Mit anderen zusammen ist man weniger allein.
Nach meiner Erfahrung geht ein solcher Schritt gut in (eingeübten) Gruppen.
Wechselseitiges Vertrauen ist wichtig.
Hilfreich ist es, wenn die Personen sich schon kennen und schon eingeübt sind, sich nach einem bekannten Ablauf wechselseitig zu unterstützen.
Auswertung im Rahmen „kollegialer Beratung“
Eine bewährte Form sind Gruppen, die sich nach einem vorher vereinbarten Verfahren regelmäßig zur kollegialen Beratung getroffen haben und nun gemeinsam das Schuljahr auswerten wollen. Eine hilfreiche Struktur für kollegiale Beratung finden sie hier [pdf; 75 KM]
Oder im Rahmen einer Gruppensupervision, zum Beispiel in Freiburg
Der Fond-Analyst Salman Khan hat aus einer privaten Spielerei eine größere Initiative entwickelt: Video-Clips als Lehr-Einheiten. Die Idee ist einfach, der Zuspruch überwältigend. – Gibt dies eine neue Bewegung in der Unterrichts-Theorie?
Zur Professionalität von Lehrkräften zähle ich wesentlich
persönliche Kompetenz (persönliche Bewusstheit, Selbstreflexivität, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und Glaubwürdigkeit)
ausgewiesene Fachkompetenz für die unterrichteten Fächer
pädagogische Kompetenz (Zielgerichtetheit des pädagogischen Verhaltens auf dem Hintergrund eines eigenen pädagogischen Konzeptes)
Die Idee entstand als kleine pädagogische Spielerei.
In seinem Vortrag vom März 2011 auf TED.com mit dem reißerischen Titel „Lass uns Videos nutzen, um Bildung neu zu entdecken!“ (Im englischen Original: Let’s use video to reinvent education) erzählt Herr Khan, wie er zuerst kleine Videos für seine entfernt wohnende Kusine drehte, um ihr mathematische Inhalte beizubringen. Dabei machte er die irritierende Erfahrung, dass sie Videos gelegentlich lieber anschaute als seine persönliche Unterstützung anzufragen. Sein Nachdenken bringt ihn dazu, die Vorteile des gespeicherten Clips mit der Möglichkeit, zu stoppen und sich das Ganze noch einmal (oder mehrmals) anzuschauen für entscheidend zu halten.
Professionalisiert in der Khan Academy
Was mit youtube-Clips begann wird nun auf professionelle Art weiter entwickelt, wurde mit dem Google-Award ausgezeichnet und wird von der Gates-Stiftung gefördert.
Was halten Sie davon? Ist das eine Perspektive für das Lernen?
Selbst habe ich auch schon über die Möglichkeiten nachgedacht, Lehrkärfte durch den Einsatz von Videos oder Präsentationen zu Standard-Themen zu entlasten. Und ich arbeite an der Weiterentwicklung von Unterrichtsformen und interessiere mich besonders für Möglichkeiten zu differenzieren und die Schülerinnen und Schüler zu aktivieren. So werde ich diese Entwicklung auf jeden Fall weiter beobachten und von Fall zu Fall auch weitere Experimente wagen.
Haben Sie eine Meinung zu dieser Möglichkeit – oder auch schon Erfahrungen? Daran bin ich sehr interessiert und freue mich – besonders über einen öffentlichen Beitrag über die Kommentar-Funktion. Wer dies nicht möchte, kann mich auch per Email erreichen.
Roland Kopp-Wichmann, ein Persönlichkeitstrainer aus Heidelberg, hat mich über einen Beitrag vor Monaten auf die Plattform TED aufmerksam gemacht. Nochmals herzlichen Dank an ihn; und eine Empfehlung: sein Blog zum Thema Persönlichkeitentwicklung ist lesenswert.
Ein zusammenfassender Grundlagen-Artikel über neurowissenschaftliche Erkenntnisse: Wie wir lernen
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