Profession Lehrkraft (6): passende Arbeitsstrukturen entwickeln

Kurze Zusammenfassung und Gliederung

Lehrkräfte sind gut beraten, wenn sie ihren Arbeitsalltag klug gestalten und sich dabei entlastende Routinen erfinden – wie sich dies in vielen anderen Berufen mit Gestaltungsspielraum auch bewährt haben.

Zur Professionalität von Lehrkräften zähle ich wesentlich

  • persönliche Kompetenz (persönliche Bewusstheit, Selbstreflexivität, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und Glaubwürdigkeit)
  • ausgewiesene Fachkompetenz für die unterrichteten Fächer
  • pädagogische Kompetenz (Zielgerichtetheit des pädagogischen Verhaltens auf dem Hintergrund eines eigenen pädagogischen Konzeptes)

Passende Rhythmen für die Arbeit

Was manche Neider den Lehrkräften gerne vorwerfen „vormittags recht und nachmittags frei!“, war schon immer falsch. Das Körnchen Wahrheit in diesem Sponti-Spruch ist die Freiheit vieler Lehrkräfte, sich für einen Teil der Arbeitszeit eine eigene Zeit-Struktur zu gestalten. Für manche Kolleg/innen ist dies allerdings auch eine Last.
Tatsache ist, dass die Unterrichtszeiten und die Lehrpläne vorgegeben sind.
Nicht vorgegeben ist, wie der Unterricht vorbereitet, nachbereitet und weiter entwickelt wird. In meiner Lehrer-Ausbildung wurde zum Thema „Selbst-, Zeit- oder Ziel-Management“ nichts gelehrt. Was ich in diesem Kompetenzbereich kann, habe ich in der Jugendarbeit und in Fortbildungen kennen gelernt und über eine reflektierte Praxis in einem guten Team eingeübt.

Ähnlich wie Freiberufler/innen (Dieses Feld kenne ich aus eigener Anschauung.) ist es für Lehrkräfte demnach wichtig, Tages-, Wochen- und Jahres-Strukturen für die Arbeitsverteilung einzuüben.

Tages- und Wochen-Struktur

Wochenplan von M. Veeser-Dombrowski
Mein Planungsraster für die Wochen; Struktur hilft.
  • eine eigene und angepasste Tagesstruktur mit hilfreichen, weil entlastenden Routinen zu entwickeln.
  • Wie andere Berufsgruppen mit Gestaltungsspielräumen haben auch Lehrkräfte ihre Arbeit zu planen, nach Prioritäten zu gewichten und die Tätigkeiten in die verfügbare Zeit einzuplanen.
  • Oft werden dabei nach meiner Beobachtung an mir selbst und an anderen die Nachbereitung von Unterricht und die Dokumentation von Ideen für die Verbesserung vernachlässigt.
  • Selbst entlaste ich mich mit Checklisten für Routine-Abläufe und Standard-Formaten für die Vor- und Nachbereitung von Unterricht.
  • Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, in Wochen zu planen und plane daher in jeder Woche Arbeitszeiten für die Reflexion von Unterricht und die Weiterentwicklung von Unterrichtsansätzen ein, damit der Alltag nicht genau diese für den Erfolg von Unterricht so wichtigen Tätigkeiten „auffrisst“.
    Ich hänge für jede Woche ein Blatt in mein Planungs-Buch – günstig bei der Firma ORG-Verlag per Direkt-Versand zu bekommen.
    So sieht ein solcher Wochen-Plan bei mir aus:

Ich finde, diese kurze Mühe für die routinierte Vorbereitung der Unterrichtswochen lohnt sich.

Ein guter Rhythmus für das Schuljahr

  • Unterrichtseinheiten und Klassenarbeiten/Klausuren sollen auch mit Rücksicht auf die Arbeits- und Lerneffektivität für die Schüler/innen in den Ablauf eines Unterrichtsjahres eingepasst werden.
  • Ein anderer Blick ergibt sich aus der verträglichen Verteilung von Korrektur-Zeiten für die Lehrerinnen und Lehrer über das Schuljahr hinweg.
  • In unterrichtsfreien Zeiten – landläufig auch „Schulferien“ genannt- plane ich konzentrierte Phasen, in denen ich neue Unterrichtsansätzen und neue Inhalte erarbeite.
  • Nach Abschluss größerer Unterrichtseinheiten und mindestens zu Halbjahren sind Zwischen-Reflexionen sinnvoll:
    > Habe ich meine Ziele erreicht?
    > Woran erkenne ich dies?
    > Möchte ich etwas verändern?
  • Insgesamt empfinde ich das Arbeitsjahr – hier also das Schuljahr – als sinnvolle Zeiteinheit für die Zielplanung. Am Ende des auslaufenden und zu Beginn des neuen Schuljahres sind Zeiten für die Formulierung von Zielen (inklusive einer Abwägung, welche Ziel-Möglichkeiten sinnvoll und auch wirklich leistbar sein werden) einzuplanen.
  • Auch die tatsächlichen Urlaubswochen gehören in diesen Plan eines Schuljahres.

Hilfreiche Links

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erstellt im März 2009; zuletzt leicht überarbeitet am 9. November 2016 Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

als Lehrkraft angenehm arbeiten

Lehrkräfte können und müssen Ihre Arbeit zu einem Teil selbst gestalten.

Diesen Teil können Sie für sich angenehm, in einem passenden Arbeitsumfeld einrichten, sich damit gesund und effektiv halten und auch noch selbst entlasten.

Ich empfehle:

  1. klug zu planen
  2. systematisch zu arbeiten
  3. einfach und sinnvoll zu ordnen
  4. sich durch Kooperation, Arbeitsteilung und gegenseitige Unterstützung zu entlasten.

Wer seinen eigenen Arbeitsrhythmus noch nicht gefunden hat, mache sich auf die Suche. –
Es lohnt sich!

Einige Ideen dazu:

  • Wer mit aktuellem Material unterrichten und auf der Höhe der Zeit sein möchte, hat immer wieder Phasen von Weiterentwicklungen ganzen Unterrichts-Einheiten zu bewerkstelligen.
    Korrektur-Zeiten sind ebenso ein zu planen wie Zeiten für die Entwicklung von Unterrichts-Entwürfe und die Überabeitungen älteren Materials.
  • Wer unterrichtet, wird sich immer wieder ganz neues Material erarbeiten.
    Viele Lehrkräfte entwerfen neuen Unterricht alleine – oft parallel.
    Kollegiale Zusammenarbeit und Arbeitsteilung ist bei der Entwicklung von neunen Ansätzen und Methoden für den Unterricht sehr sinnvoll und auch entlastend.
  • Langfristig ist der Aufbau eines funktionierenden, kollegialen Netzwerks zur Unterstützung der Lehrkräfte bei der Entwicklung und Stabilisierung der Berufsidentität und zur Bearbeitung schwieriger Situationen wichtig.
  • Die Daten- und Material-Menge wächst ständig. Wer einmal einen Unterricht entworfen hat, möchte diesen Entwurf wieder finden. Entwürfe oder Kopiervorlagen zu suchen, bedeutet sinnlos  Zeit zu vergeuden. Ein Austausch über Recherche- und individuelle Ordnungssysteme und die Erfahrungen damit kann sinnvoll sein.

Ein paar Anregungen zu meinem funktionierenden Ordnungs-System (siehe Arbeitsproben in der Service- und Download-Seite dieser Website) habe ich auf dieser Homepage hinterlegt.

einen eigenen Rhythmus finden

Die Arbeit gehört in eine Lebensumgebung und kann als Bereicherung und sinnvoll erlebt werden, wenn sie eingepasst ist in eine eigene Lebens-Vision. Diese gibt den Rahmen für die Planungen und die Richtungen für die Improvisationen.

Entgegen der weit verbreieten Vorstellung von „Work-Life-Balance“, also der Gegenüberstellung von Arbeit und Leben mit Priorität auf der Arbeit oder auf das Leben, vertrete ich die lustvolle Auffassung, dass Arbeit auch Spaß machen kann, darf und sogar soll. Hilfreiche Anregungen dazu finden sich im lesenwerten Artikel mit 5 Antithesen zur sogenannten „Work-Life-Balance“ von Jochen Mai.

Dazu gibt es, den passenden Rhythmus für die eigene Lebensgestaltung mit allen Bereich zu entwickeln und immer wieder zu überprüfen.
Dazu – für den Bereich der Lehrkräfte – einige Hinweise zu passenden Arbeitsstrukturen.

Interessante Links:

Wenn Sie sich in einer Gruppensupervision für Lehrkräfte unterstützen lassen wollen, klicken Sie hier

ein Beitrag mit einem verwandten Thema Kooperation entlastet

zur Text-Reihe Profession Lehrkraft

aus der Reihe „Schule verbessern“, der zweite Artikel: Reflektieren und Lernen organisieren

Ursprünglich entwickelt am 23. Januar 2008;
überarbeitet am 19. September 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag