Eine Initiative, die mir aus dem Herzen spricht: Smartphones sind tolle Geräte, nur ihre dominante Nutzung in allen unmöglichen Situationen nervt mich – und offensichtlich nicht nur mich.
Jetzt gibt es auch ein Kunstwort dafür aus „phone“ und „snubbing“ (rüffeln, verächtlich abweisen).
Möglichkeiten werden Zwänge.
Wunderbar, was man mit den kleinen und leistungsstarken Geräten alles machen kann – und so praktisch: aus der Hosen- oder Handtasche heraus.
Allerdings kann ich von vielen Gelegenheiten erzählen, in denen die vielen Möglichkeiten der Geräte auch ungewollte Zwänge nach sich ziehen.
recherchieren, schreiben, updaten
Auch wieder zugegeben: Manchmal ist es hilfreich, in einem Gespräch oder auch in einer Entscheidungssituation wichtige Informationen oder Daten zu bekommen: Das Kino- oder Konzert-Programm, die Wetterprognose oder ein historisches Datum.
Meistens – so habe ich entdeckt – kann man auf diese Information in Echtzeit auch ohne Verluste verzichten.
Die Aufmerksamkeit leidet
Entgegen allen Beteuerungen geht ein Teil der Aufmerksamkeit auf die anderen genutzten (oder möglichen) Kommunikations-Kanäle. (Sogar das Abwehren der Nutzungs-Impulse kostet nachweislich Energie!)
So passiert es, dass jemand nach dem Update seines Kurznachrichten-Dienstes den Verlauf des Gespräches aus dem Blick verloren hat oder dass während eines dienstlichen Gespräches die sms einer wichtigen Person für Ablenkung sorgt.
Das nervt.
Herzlichen Dank an den Initiator Alex Haigh und sueddeutsche.de
Warum tun wir es nicht? Sie wahrscheinlich nicht und ich auch nicht?
Was haben wir davon, wenn alles so bleibt, wie es ist und zur Zeit abläuft?
Haben wir uns zu sehr an den beruhigenden, „relativen Wohlstand“ gewöhnt? Diese These vertritt Prof. Dr. Salber aus Köln in seinem Text (Was außer Hab-Sucht bestimmt die Welt? Marketing-Strategien in Krisenzeiten). Seine anregenden Ausführungen erinnern mich etwas an den Klassiker von Erich Fromm „Haben oder sein“: Die Zurichtung des Menschen auf konsumierbare Werte hält ihn vom „wahren Leben“ ab. Diese Deformation der menschlichen Persönlichkeiten ist uns nicht mehr bewusst, weil alle – oder eine Mehrzahl – es so bewerten und tun.
Informationsflut verhindert den Durchblick
Als medienpädagogisch interessierter Lehrer und Coach finde ich einen weiteren Gedanken von Prof. Dr. D. Salber anregend: Er geht davon aus, dass die Fakten-Schwemme uns daran hindert, den Über- und Durchblick zu behalten.
Denn daher könnten Lösungansätze gewonnen werden: Zusammenhänge zu finden und aus diesen Einsichten zu handeln. Statt dessen haben wir es mit einer unerschöpflichen Fülle von Daten und Fakten zu tun, die uns die Übersicht und erst recht den Durchstieg zu den Strukturen und Zusammenhänge dahinter verlieren und die Suche danach vergessen lassen.
Wie finden wir Ansätze für eine Lösung?
So ganz einfach und schnell wird sich keine Lösung er-finden lassen. Allerdings neige ich auch nicht zum allgemeinen Kultur-Pessimismus, der behauptet, alles würde immer schlechter werden und früher wäre sowieso alles besser gewesen.
Mein persönlicher Ansatz setzt sich aus Unterschiedlichem zusammen
regelmäßige „Aus-Zeiten“: raus aus dem alltäglichen, normalen Trubel und mich wieder ausrichten, sortieren, mich „besinnen“ (mich des Sinns wieder zu versichern)
regelmäßige Reflexion auf meine Ziele: am Ende eines Arbeits- oder Lebensjahres
gelegentlich auch die Ziele selbst nochmals befragen oder auch hinter-fragen
Austausch mit wachen Zeitgenossen, Begleiter/innen und Freunden
Lese-Tipp: Stèphane Hessel: Empört Euch! Ein lesenswerter, leidenschaftlicher und glaubwürdiger Aufruf zum produktiven Widerstand.
zum Kontroll- und Absicherungswahn habe ich mich von einer Sendung des Deutschlandradio, Wochenendjournal vom 16.03.2013/9.10 h von Ulrich Gineiger anregen lassen- leider nicht mehr als mp3-Datei verfügbar.
Haben Sie auch Zweifel an der Rationalität des Menschen und der Behauptung, gerade in wichtigen Fragen entscheide man doch verantwortlich und das heißt dann vernünftig? Dann sind Sie in guter Gesellschaft.
Eine Rezension
Der Verhaltensökonomiker, Dan Ariely, untersuchte die Irrationalitäten der menschlichen Entscheidungen und beschreibt seine Fragestellungen, Experimente und Ergebnisse amüsant und mit einer wohltuenden Brise Selbst-Reflexion und Ironie – auch gegenüber sich selbst – in seinem Buch: Dan Ariely: Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen
Alle sind betroffen
Tatsächlich sind alle betroffen: Wir behaupten, unsere Entscheidungen nach reiflicher Überlegung und getreu unseren Kriterien zu treffen.
Dabei bleiben viele Fragen offen: Warum lassen wir uns von Sonderangeboten, oder gar Gratis-Zugaben zum Kauf im Grunde ungewollter, auf jeden Fall aber unnützer Dinge verleiten? Warum spielen Vergleichspunkte (auch manipulativ eingeführte) eine so bedeutende Rolle? Warum geben durchschnittliche Menschen mehr aus, als sie haben, und verschulden sich im Laufe der Zeit zunehmend? Und warum sorgen wir nicht ausreichend für unser Alter, also die Zeit nach der Erwerbstätigkeit, vor – obwohl wir doch alle wissen, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, unseren lieb gewonnen und gewünschten Lebensstandard zu halten? Warum schieben wir wichtige Tätigkeiten immer wieder auf die lange Bank?
Eine grobe Zusammenfassung
Wir alle fällen (komplexe) Entscheidungen, indem wir den anstrengenden Weg der Faktoren-Klärung irgendwann abbrechen und aufgrund weniger – vor allem emotionaler – Faktoren intuitiv entscheiden.
Irrationale Entscheidungen haben an der Börse weitreichende Folgen
Besondere Bisanz bekommt das Nachdenken über die menschliche Irrationalität mit der Immobilien-, Finanz- und schließlich Schulden- und Währungs-Krise. Die These des Verhaltensökonomikers Dan Ariely lautet: Es ist kein Zufall, dass Menschen sich in dieser Weise krisenfördernd benehmen. Sie neigen zu irrealen Handlungen und man kann diese Neigung systematisch erfassen und schließlich voraussagen und das bedeutet, auch damit rechnen! – An dieser Stelle seines Buches startet er einen schon fast tragisch wirkenden Appell an die (Nation-)Ökonomen und alle Entscheidungsträger, mit diesen neuen Erkenntnissen das in der Ökonomie noch weitgehend vorherrschende Modell vom Mensch als „homo oekonomicus“ (Jeder Mensch suche systematisch seinen Vorteil und handele nur rational gemäß diesem Ziele.) zu revidieren oder wenigstens zu erweitern: Wer mit der Möglichkeit, irrational zu entscheiden rechnet, kann auch Wege finden, diese Einladungen mit zu bedenken und so etwas weniger wahrscheinlich zu machen – oder wenigstens mit dem Verhalten der Menschen zu rechnen. Wer die Möglichkeit grundsätzlich ausschließt, dass auch wichtige, z. B. wirtschaftliche Entscheidungen von einem Bündel menschlicher Motivationslagen beeinflusst werden könnte, wird immer wieder in die gleiche oder ähnliche Fallen tappen.
Eine Lese-Empfehlung für die Sommerzeit – auch in kleinen Abschnitten lesbar.
Weiterführende Links
Ein sehr nachdenklich machender Vortrag von Dan Ariely über Täuschungen (optische und kongnitive) und ob wir Herr unserer Entscheidungen sind.
erstellt am 10.08.2012; zuletzt inhaltliche bearbeitet am 27.12.2012; zuletzt dysfunktionale Links entfernt am 1.03.2026 Drucke diesen Beitrag
Ein launisch-engagierter Vortrag – unterhaltsam und gehaltvoll – als kritischer Beitrag auch zu aktuellen Diskussionen von angemessenen Organisationsformen der Kirchen und ihrer Weiterentwicklung. Manche hingeworfene Anmerkungen zu aktuellen Veränderungen in modernen Arbeitsfeldern: empfehlenswert.
Ein Impulsvortrag bei einem Zukunftskongress der ev. Kirche in Oldenburg von Prof. Dr. Gunter Dueck:
Besonders beeindruckt mich die für diesen Redner typische Art, quer zu denken und sich die Mühe zu machen, auf den Punkt zu kommen – auch auf die Gefahr hin, dass andere anderer Meinung sind. So können wir weiter kommen. Ich teile nicht alle Ideen von Herrn Dueck, aber ich finde ihn anregend.
So ist die Erkenntnis, dass Anspruchsvolles und Komplexes unter Stress schnell verloren gehen kann, in meinen Augen sehr bedeutsam.
Für erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen ist es kein unerwarteter Befund – und in seiner drastischen Deutlichkeit doch erschütternd:
Eine große amerikanische Längsschnittstudie problematisiert die zur Zeit fast überall propagierte Einführung frühkindlicher Krippen-Plätze und zeigt:
Unabhängig von der Qualität der Kleinkindbetreuung wird das spätere soziale Verhalten nachteilig beeinflusst.
Der medizinisch gemessene Stress-Level (Cortisol-Profil im Laufe eines Tages) der unter Dreijährigen erinnert an den Belastungsverlauf bei einem Manager.
Diese Einschätzung mag manchen Interessengruppen nicht so recht ins Konzept passen. – Wahrnehmen und erwägen sollte man die Befunde allerdings auf jeden Fall.
Die empfohlene Perspektive, die Familien in ihrer Erziehungsaufgabe innerhalb der familiären Zusammenhänge zu unterstützen, halte ich für sehr sinnvoll und einsichtig.
Und ich bin mir bewusst, dass die schnellen und einfachen – und erst gleich gar nicht moralisierende – Lösungen meistens doch nicht „stimmen“. Andererseits möchte ich mit diesem Beitrag auch die andere, vielleicht unangenehme Seite der aktuellen Lösungsversuche für die Kinderbetreuungen in die Diskussion bringen.
Jesper Juul: Wem gehören unsere Kinder? – Dem Staat, den Eltern oder sich selbst? Ansichten zur Frühbetreuung Streitschrift für einen Blick auf die Interessen und das Selbstbestimmungsrecht der Eltern des bekannten dänischen Familientherapeuten
erstellt am 6. Mai 2012; zuletzt bearbeitet am 17. November 2025; dysfunktionale Links entfernt am 1.03.2026 Drucke diesen Beitrag
Es kommt mir so vor, als würden wir gesellschaftlich mehr verwalten, alte Lösungen für neue Herausforderungen anwenden und uns dann auch noch ärgern, wenn diese nicht greifen.
Wir bedauern fehlende Visionen, suchen aber auch nicht danach, sondern belächeln jene, die sich Visionäres vorstellen und es anderen vorschlagen.
Wir haben uns überwiegend Blick-Richtungen antrainiert, die weniger nach Sinn sondern mehr nach Rendite oder schnellen, pragmatischen „Lösungen“ suchen.
Heute nun fand ich einen großartigen Beitrag einer Schulvisionärin, Frau Margret Rasfeld aus Berlin, mit einer beeidruckenden Darstellung:
Sie fordert eine andere Leitungskultur und damit eine Abkehr vom Bild der „verwalteten Schulbildung“.
Sie stellt eine andere Kultur des Lernens vor, welche die Neugierde pflegt und die Übernahme von Verantwortung fördert.
Sie kündigt an, diese andere Kultur von Leitung und Lernen verbreiten zu wollen.
Margret Rasfeld: Warum Hierarchien verschwinden und neue Führungskompetenzen nötig werden
http://youtu.be/Bjgb4TYzimM
Ich bin begeistert und wünsche diesen Grund-Ideen mehr Raum.
Skeptisch bin ich an zwei Punkte:
Woher nimmt Frau Rasfeld die erschreckend hohe Quote von 80 % Frontal-Unterricht, die sie behauptet?
Wieso soll eine Reform der Schulen nicht möglich sein, sondern nur ein radikaler Schnitt die Lösung bringen? (Ist nicht Ihr eigenes Projekt ein Beispiel, wie im staatlich anerkannten Schul- und Bildungs-Wesen ein sehr beeindruckender und innovativer Ansatz möglich ist?
Ich weiß, dass solche Pionier-Projekte sehr viel Energie und oft eine charismatische „Fackel-Trägerin“ benötigen.
Ich bin aber auch zuversichtlich, dass mehr Aufmerksamkeit für solche Ansätze mit dem Lauf der Zeit das gesellschaftliche Klima öffnen werden, in dem nächste Schritte der Veränderung möglich werden.
Fredmund Malik greift eine Idee des ideenreichen Denkers über Management auf, der die Notwendigkeit der Entgiftung für alle Lebensformen beobachtete und diese auf Einzelne und Organisationen übertrug.
Regelmäßige Bestandsaufnahme
Der österreichische Management-Denker und Berater Prof. Dr. F. Malik formuliert die entscheidende Frage: „Was von all dem, was wir heute tun, würden wir nicht mehr neu beginnen, wenn wir es nicht schon täten?“ – Mag sein, dass Vieles von unseren Tätigkeiten einmal sinnvoll war. Jetzt geht es um die Überprüfung, ob es aktuell noch sinnvoll ist.
Hören Sie auf, „falsche Dinge“ zu tun. Entsorgen Sie!
Malik empfiehlt eine konsequente Vorgehensweise. Er macht deutlich, dass es nach der Bestandsaufnahme nicht mehr darum geht, ob ich eine als aktuell nicht mehr sinnvolle Handlung weiter führen werde oder nicht, sondern immer die Frage zu stellen ist, wann ich damit aufhören werden.
Beginnen Sie Veränderungsprozesse mit der Frage nach den Streichungen
Damit geht Malik unkonventionell aber sehr wirksam vor. Durch die „Entschlackung“ oder „Entgiftung“ werden bisher gebundene Energien für neue Aufmerksamkeiten und Lernprozesse frei.
Eine gesunde Balance zwischen „Routine und Entwicklung“
Das hat mich angesprochen, weil ich die Tendenz gut kenne, Neues anzupacken – ohne Ausgleich. Wenn wir Überholtes entsorgen, entsteht neuer Raum und wird Energie wieder frei für Veränderung und Entwicklung.
Ein berufliches oder privates Projekt: Kill a stupid rule!
Manchmal ist Weglassen ein lohnenswerter Versuch. Oftmals tendieren wir allerdings zum Muster „mehr vom selben“.
Ab und zu nehme ich mir vor – beruflich oder auch privat, Angewohnheiten, Verfahren und Routinen darauf zu überprüfen, was denn fehlen würde, wenn ich sie weglasse. Und dann probiere ich es aus!
Fredmund Malik: Führen – Leisten – Leben Wirksames Management für ein erfülltes Leben: konkret, praxisnah und effektiv Ein kreativer Denker der Managementlehre fasst wichtige Erkenntnisse zusammen. Besonders hat mich seine Idee, einer „Müllabfuhr“ vor dem Start neuer Entwicklungsprozesse angeregt. Diese Praxis empfehle ich!
Wenn unsere Bemühungen, eine Aufgabe zu lösen, fortdauernd scheitern, helfen „mehr vom selben“, also noch mehr Anstrengungen sicher nicht. Dann ist ein Wechsel der Aufmerksamkeit und des Handlungsansatzes sinnvoll. Hier wird ein Weg dazu skizziert: „Theorie U“ nach Otto Scharmer, MIT.
Aktionsforschung als Hintergrund
Herr Dr. Scharmer lehrt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und untersucht Veränderungsprozesse. Am selben Ort arbeiteten auch schon Kurt Lewin, Peter Senge und Edgar Schein.
Das Neue und Phasziniernde an Otto Schamer und seinem Modell „Theorie U“
Für mich als geistes- und sozialwissenschaftlich Interessierten ist die eigentümliche Sprache und die darin abgebildete Verbindung ganz unterschiedlicher Zugänge eröffnend: Es geht zum Beispiel um
Öffnung des Denkens, Fühlens und des Willens
Reflexion unserer Wahrnehmungsart
Mitgefühl (Empathie)
Kontext-Erweiterung über die „Öffnung des Herzens“ (Liebe)
Anwesenheit und Fühlen (presencing)
den Kontrollverlust wagen
Stille aushalten
kollektive Interessen erspüren
die konkrete kreative Gestaltung in Versuchshandlungen (und damit Lernen in Aktion)
Einführende Darstellung von Theorie U
In einer kurzen Einführung (11 Minuten Clip) stellt Bernd Oestereich das Modell für Veränderungen anschaulich und verständlich dar:
Herzlichen Dank an Bernd Oestereich für die Anregung und die Zusammenfassung.
Claus Otto Scharmer: Theorie U – Von der Zukunft her führen. Prescencing als soziale Technik. Öffnung des Denkens, Öffnung des Fühlens, Öffnung des Willens. Vorwort von Peter M. Senge Eine sehr anspruchsvolle Kaufempfehlung für eine neue und instruktive Sicht auf Veränderungsprozesse.
Menschen sind zutiefst emotionale Wesen und werden tatsächlich mehr von Emotionen beeinflusst, als sie selbst sich vorstellen können oder wollen.
Organisationen und Unternehmen haben demnach auch mehr mit Emotionen zu tun, als gemeinhin angenommen wird: Viele Entscheidungen sind wesentlich emotionale. Das muss nicht verkehrt, sollte uns aber bewusst sein.
Schließlich gibt es gemeinschaftliche Gefühlslagen und Geschichten in jedem Unternehmen / jeder Organisation, die für den Erfolg äußerst schädlich sein können. Diese werden im hier vorgestellt Buch und Beratungsansatz als „emotionale Viren“ bezeichnet.
Die starke Metapher „emotionale Viren“
Diese Metapher hat mich sofort angesprochen und je länger ich mich damit beschäftigte, umso sinnvoller und kraftvoller fand ich sie: Kollektiv gefühlte Enttäuschungen, Misstrauen, Überforderung oder Angst vor Macht- oder Kontroll-Verlust sind hoch ansteckend und können Großgruppen, Einrichtungen oder ganze Firmen-Belegschaften vergiften und deren Leistungs- und Entwicklungsmöglichkeiten dauerhaft stören.
Peter Jochen BREUER und Pierre FROT, zwei Unternehmensberater, beschreiben in ihrem Buch Das emotionale Unternehmen Mental starke Organisationen entwickeln Emotionale Viren aufspüren und behandeln ihre wachsene Aufmerksamkeit neben der materiellen auch für die immatielle Realität. Mit vielen Verweisen auf Studien und ihre in Praxisbeispielen dargestellte Erfahrung schildern sie die Entwicklung der Metapher und ihre Vorgehensweisen, insbesondere bei Firmenfussionen und den dort heftig störenden Emotionen, die sie „emotionalen Viren“ oder eine „emotionale Verschmutzung“ nennen.
Emotionen und Intuitionen reduzieren Komplexität und lassen uns handlungsfähig bleiben.
Dies ist keine neue Erfindung von BREUER/FROT sondern inzwischen in vielen Erfahrungsbereichen und Theorien eingesickert.
So erklärt es auch der Geschäftsführer von Next Practice, Prof. Dr. Peter KRUSE:
Behandlungsempfehlung: In einer vertrauensvollen Umgebung öffentlich aussprechen (lassen).
Die als „emotionale Viren“ bezeichneten unangenehmen Emotionen, wie Macht- und Kontrollverlust-Ängste, Frustrationen, Misstrauen, Typisierungen, Generalisierung und Unterstellungen werden in einem ersten Schritt weniger wirksam, wenn diese öffentlich ausgesprochen werden können. Weil sie Vielen bekannt und damit bewusst sind, wirken sie schon weniger, als wenn sie unbewusst geblieben wären.
Das Autoren-Duo Breuer/Frot betonen dabei die Wichtigkeit des Vertrauensverhältnisses zwischen Beratern und Unternehmen und Leiter/innen und Mitarbeiter/innen. Sie beschreiben die Faktoren, die solches Vertrauen fördern und fordern, in einem geschützten Rahmen – kreativ jeweils passenden Gegenmittel (in der medizinischen Metapher dann konsequent „Vitamine“ oder „Anti-Viren“ genannt) zu finden.
Der Nutzen für Einzelne: Ein Verständnis von „emotionaler Verschmutzung“ und „emotionalen Viren“
Man muss nicht Unternehmensberater, Manager oder Leiter sein, um mit diesem Bild ein besseres Verständnis von Prozesse in großen Organisationen zu erreichen. So ist – um im Bild zu bleiben – anzunehmen, dass in Zeiten großer Belastung (Stress) der Organismus der (Groß-)Organisation weniger widerständig sein wird gegen schädliche Einflüsse und so eine „emotionale Verschmutzung“ und damit einen fortschreitende Schädigung der „Gesundheit“ des Gesamtsystems stattfindet.
Wenn ich damit rechne, dass Emotionen und Geschichten auch eine Funktion im Zusammenhang mit der mich umgebenden Organistaionen und ihren Entwicklungen haben, kann ich mich diesen gegenüber anders verhalten, als ohne diese Erkenntnis.
Und wenn ich die vielen Anregungen zur Behandlung von emotionalen Viren für mich selbst, meine Arbeitsumgebung und die Organisationen, in denen ich mich bewege, übertrage, kann ich meinen kleinen Beitrag leisten, mental widerständige, weil gesunde Zusammenhänge zu stärken.
Für mich hat sich die Lektüre des materialreichen Buches als anregend und lohnend erwiesen. Ich empfehle es gerne weiter und wünsche diesem Blick auf Organisationen mehr Verbreitung und weitere Entwicklung.
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