Kunstvoll mit Konflikten leben

ch brauche keine Bücher zu lesen, um zu wissen,
dass das Grundthema unseres Lebens Konflikte sind;
all meine Clownereien entspringen dieser Erkenntnis.

Charlie Chaplin

1. Die Kunst, Konflikte wertzuschätzen und zu unterscheiden

Lange hatte ich die Vorstellung, die allgegenwärtigen Konflikte seien möglichst zu beseitigen, zu beenden und sowieso lösbar.
Schließlich strengen sie an, strapazieren unsere Geduld und kosten oft viel Kraft, wenn wir sie auszuhalten versuchen, und sie stören nachhaltig das weit verbreitete Harmoniebedürfnis!

Inzwischen meine ich, dass es manchmal sogar geboten sein kann, Konflikt zu schüren und sich mit Ernst auseinander zu setzen. Dazu ist die Annahme hilfreich, dass Konflikt auch eine Funktion haben und eine Botschaft transportieren können: Hier ist eine Entwicklung oder Klärung notwendig!

zwei Menschen mit ärgerlichen Gesichern gestikulieren beidem mit erhobenem Zeigefinger - offensichtlich eine persönlich-konflikthafte Situation

Bild von einem streitenden Paar mit erhobenen Fingern und ärgerlichen Gesichtern
(unsplash-Foto von Afif Ramdhasuma)

Es erscheint mir als hohe Kunst, zu erkennen, wann es besser ist, einen Konflikt auf sich beruhen zu lassen oder ihn aktiv zu schüren oder zumindest ausdrücklich zu benennen.

2. Die Kunst, einen Konflikt zu schüren

2.1 Entscheiden, dass dieser Konflikt den Einsatz lohnt

Nicht jeder Konflikt verdient unsere Aufmerksamkeit: Geht es um grundlegende Werte oder Prinzipien oder zeigt der Konflikt eine Herausforderung, die noch nicht geklärt ist?

Oder dient der Konflikt einer Gruppe oder einem Akteur, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen oder auch, von einem offensichtlichen anderen wichtigen Thema abzulenken?

2.2 Sich ernsthaft und mit Einsatz auseinandersetzen und Konflikte moderieren

Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten – ich neige inzwischen mit dem Autor Klaus Eidenschink zum Begriff „Konfliktmoderation“ – erfordert ernsthafte Auseinandersetzung, Einsatz von allen beteiligten Parteien und Risikobereitschaft. Es ist wichtig, die eigenen Argumente klar zu kommunizieren. Gleichzeitig hilft, offen für die Perspektiven oder auch Erkenntnisse anderer zu sein. Respekt ist der Schlüssel zum gelingenden Konflikt-Dialog.

2.3 Fehler im Denken und der Wahrnehmung kennen und anerkennen

Wir irren uns immer wieder und manchmal sogar systematisch. Daher gehört zu einer ersthaften Konfliktmoderation, auch damit zu rechnen und sich einzugestehen, wenn man sich getäuscht hat oder nur einen Teil der Wirklichkeiten erkannt hatte. Nach meiner Erfahrung ist dies eher der Regelfall als die Ausnahme!

Der Wissenschaftsjournalist Reto U. Schneider formuliert zwei Bedingungen für ein gutes Streitgespräch:
(1) „Das eine ist, über Denkfehler Bescheid zu wissen. Bestimmte Trugschlüsse, die einem immer wieder begegnen, sollte man kennen. Zum Beispiel sehen wir Zusammenhänge, wo es keine gibt, überschätzen unser Wissen und sind überzeugt, dass unsere Meinungen das Resultat einer nüchternen Beurteilung von Fakten sind. Dabei ist es oft umgekehrt: Wir haben eine Meinung, lange bevor wir die Fakten kennen, und suchen uns im Nachhinein die passenden Fakten aus.“ Und
(2) „Man muss akzeptieren, dass wohlmeinende, intelligente und anständige Menschen bei Themen, die einem wichtig sind, anderer Meinung sein können.“
(Quelle SZ-Interview vom 21.08.2023, siehe unten)

Niemand ist fehlerfrei. Es zeugt von gepflegter Selbstreflexion und starkem Selbstbewusstheit, wenn jemand seine Wahrnehmungsverzerrung oder seinen Irrtum zuzugeben kann. Dies schafft Raum für persönliches Wachstum, fördert das Vertrauen in der Diskussion und in die Konfliktkultur.

3. Die Kunst, einen Konflikt zu beruhigen

3.1 Unlösbare Konflikte erkennen

Nicht jeder Konflikt hat eine Lösung. Es ist wichtig zu erkennen, wenn eine Situation festgefahren ist und ein konstruktiver Dialog nicht mehr möglich erscheint. In solchen Fällen kann es besser sein, den Konflikt ruhen zu lassen, um weitere Eskalationen zu vermeiden.

3.2 Den Aufwand klug abwägen

Manchmal sind Konflikte einfach den Aufwand nicht wert. Wenn der Energie- und Zeitaufwand, um einen Konflikt zu moderieren, in keinem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Nutzen steht, kann es klüger sein, sich zurückzuziehen und die eigenen Ressourcen (Aufmerksamkeit, Energie und Zeit) für wichtigere Angelegenheiten zu reservieren.

3.3 Die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie beachten

In einer Welt, in der Clickbait und hohe Quoten oft große Bedeutung haben, ist entscheidend, sich von der medialen Anheizung nicht mitreißen zu lassen. Ein Faktencheck sollte auf jeden Fall vor jeder Stellungnahme erfolgen: Sind die Quellen seriös und welche Absicht steckt hinter einer möglicherweise sensations- und gefühlsheischenden Berichterstattung?

Situation in einer Demonstration, in der sich Demonstrierende und Polizeikräfte mit Schlagstöcken gegenüberstehen.

Konfrontative Situation während einer Demonstration (unsplash-Foto von Jonathan Harrison)

4. Vier Impulse zum Wachstum mit guten Wünschen

4.1 Andere sehen manchmal klarer als wir selbst

Der erste Impuls kommt nochmals vom Autor Reto U. Schneider:
„Ich habe gelernt, dass man all diese Täuschungen, Fehler und Illusionen wahnsinnig gut bei anderen erkennt – aber nicht bei sich selbst. Also versuche ich zu akzeptieren, dass andere gewisse Dinge an mir besser erkennen können als ich selbst.“

In der Kunst der Konflikte geht es um die Fähigkeit zur Unterscheidung, zum Durchschauen größerer Zusammenhänge, zur Selbstreflexion und zur empathischen Kommunikation.

4.2 Es gibt Hoffnung. Sie ist lernbar.

Der Internetpionier, Wired-Gründer und Zukunftsforscher Kevin Kelly rät dazu, unsere individuellen Lernkompetenzen zu kennen und auszubauen – und uns so Chancen zu eröffnen. Er ist überzeugt:
„Optimismus ist kein Wesenszug, sondern eine Fähigkeit, die man lernen kann.“
(brandeins/Thema Zukunft üben; 40)

Indem wir diese Fähigkeiten üben und weiterentwickeln, fördern wir konstruktive Diskussionen, Problemlösungen, Streitgespräche und Konflikte. Wir lernen so, Konflikte besser zu moderieren.

4.3 Idealisierungen und Erwartungen zu begrenzen, reduziert den Harmoniestress

Drittens kann es hilfreich und entspannend sein, keine idealistisch überzogenen Erwartungen an sich und andere zu pflegen, sondern auch mal selbstironisch auf vermeintliche Gewissheiten, Angewohnheiten oder Erwartungen zu schauen.

Psychologische Beratungsstellen berichten regelmäßig, dass an Weihnachten und zwischen den Jahren ein ungewöhnlich hoher Beratungs- und Schlichtungsbedarf anfällt, weil aufgeladene Erwartungen und Idealisierungen auf die Realitäten treffen und Enttäuschungen entstehen können, ja werden.

Dies wünsche ich Ihnen ‑ für Ihr persönliches Wohlbefinden und für eine streitbare und tolerante Gesellschaft!

4.4 Advent behauptet, dass Gott kommt. Lassen wir Ratlosigkeit und Begrenztheit zu!

Als Theologe werde ich mir gerade wieder bewusst, dass die „Ankunft Gottes“ auch heißen könnte, unsere Begrenztheit, ja manchmal auch Ratlosigkeit wahrzunehmen und als Wahrnehmung zuzulassen.
Das ist nicht immer „lustig“ und angenehm. Für Viele ist es allerdings eine grundlegende Wahrnehmung von der sie umgebenden Welt.

Sicher werden die nachfolgenden Handlungs- und Aushandlungsversuche zu heftigen Konflikten führen. – Dann ist das so und kann eine Aufgabe sein.

Quellen

Weitere Hinweise

Gerne verweise ich auf frühere Blogbeiträge:

Dieser Text wurde im Oktober und November 2023 entwickelt,
zuletzt inhaltlich geändert am 14.11.2025 /17:14 h,
zuletzt Links aktualisiert am 26.02.2026/10:54 h        Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Wie lernen Schülerinnen und Schüler?

Grundsätzlich lernen Schülerinnen und Schüler wie alle anderen Menschen auch:

Was wir

  • aktiv (mindestens mit Anteilnahme, besser mit Begeisterung)
  • mit Verständnis (hilft, leichter zu lernen und das Feedback zu verstehen)
  • immer wieder tun (Übung hat tatsächlich Sinn!)
  • und wiederholen, üben, wenn wir es vergessen haben (fachsprachlich „konsolidieren“, also verfestigen),

das lernen wir und behalten es für längere Zeit.

Dann gibt es einen Bereich, der typisch für die Schule ist.

Seit einigen Jahren beobachte ich Schülerinnen und Schüler und finde immer wieder ähnliche Verhaltensweisen.
(Erstaunlich: Viele Erwachsene
– auch Lehrkräfte – verhalten sich in Fortbildungen und auf Konferenzen über neue Inhalte sehr ähnlich.)

  • Oft wird Mehreres parallel zum Lernen versucht
    (sich unterhalten, eine Nachricht/sms/Zeitschrift lesen, ICQ, Musik hören …)
    Wir wissen, dass „Nebentätigkeiten“ unsere Lernleistung verlangsamen oder gar hemmen.
  • selten schreiben (oder zeichnen) die Zuhörer/innen selbstständig mit
  • noch seltener werden Nachfragen gestellt oder aktiv Zusammenhänge hergestellt oder erfragt und notiert
  • kurzfristige Lernstrategie nach dem ineffektiven „Kellner-Prinzip“ Kurz vor Klassenarbeiten oder Prüfungen bricht Hektik und Stress aus: Es wird versucht, möglichst viele Inhalte in möglichst kurzer Zeit (oft nur in der Nacht vor der Arbeit oder der Prüfung) aufzunehmen und „zu lernen“. – [Ein Tafelbild dazu sehen sie hier.]
  • Das ist typische „Saison-Arbeit“ nach dem „Kellner-Prinzip“ (Nach der Begleichung der Rechnung sollte die Bedienung diese Rechnung vergessen und sich auf Neues konzentrieren. So ähnlich verfahren solche Schüler/innen mit ihrem Stoff: Sie vergessen sehr schnell wieder!)
    Die Mehrheit der so verfahrenden bekommt den Eindruck, das würde funktionieren. Leider bleiben die Inhalte aber nur sehr kurz im Kurzzeit-Gedachtnis, um dann wieder verloren zu gehen.
    Ich meine: Viel zu viel Aufwand für einen viel zu kurzfristigen und schnell verpuffenden „Ertrag“!
    Wer langfristig tatsächlichbetwas lernen möchte, sollte sich nach anderem Lern-Verhalten umsehen. Anspruchsvolle Inhalte oder komplexe Zusammenhänge werden so sicher nicht begriffen oder gerlernt.

Zusammenfassend:

  • Oft herrscht ein passives Verhalten bei der Stoffaufnahme vor und die Aufmerksamkeit ist abgelenkt.
  • Die eigentliche Lerntätigkeit soll ganz schnell geschehen.
    Dadurch kann sich der Stoff nicht einprägen. Unser Gehirn benötigt Zeit zum Lernen!
  • Es wird kaum (systematisch) wiederholt.
    Dadurch wird der neue Stoff nicht fest verankert und daher leider bald wieder vergessen.
Bild eines menschliches Gehirns vor schwarzem Hintergrund

Für den Kundigen ist leicht nachzuvollziehen, dass Lernen so kaum Freude machen und oft auch nicht erfolgreich sein wird. Zumindest werden die Inhalte nicht langfristig gelernt.

Es gibt die Möglichkeit, dem eigenen Gehirn eine echte Chance zu geben, in dem wir es sozusagen „nach Gebrauchsanweisung“ nutzen.

Lernen Sie so, wie es diesem großartigen und eigentlich sehr leistungsfähigen und -willigen Organ auch entspricht.

Grundlage ist allerdings, dass Sie sich in einer vertrauensvollen Atmosphäre für das Lernen-Wollen entschieden haben und etwas dafür tun wollen, denn Lernen ist eine individuelle Tätigkeit und kann nur aktiv gelingen.
So wird niemand den Sportler ernst nehmen, der nicht regelmäßig trainiert.
Von geistigen Tätigkeiten wollen wir aber gerne annehmen, dass diese ohne Übung gelingen. Das ist eine Täuschung, der dann sehr oft die Ent-Täuschung folgen wird.
Zu diesem Punkt gehört dann auch die Mühe, sich selbst zu motivieren (oder wenigstens zu disziplinieren: Ich habe mich zum Beispiel dafür entschieden, eine Sprache zu lernen. Das wird nur gelingen, wenn ich regelmäßig Vokabeln lerne, wiederhole und schließlich die Anwendung in der gehörten, gelesenen oder auch geschriebenen Sprache übe.).
Auch eine Vertrauensbasis zwischen Lernenden und Lehrenden ist eine Hilfe für den Lern-Erfolg.

Hinweis auf einen kurzen Theorie-Input: „Vier Säulen des Lernens“

Bent Freiwald, der Bildungsreporter aus krautreporter.de hat knapp und fachlich kundig zusammengefasst, was unser Gehirn zum Lernen benötigt:

  1. Aufmerksamkeit
  2. Neugier, also wissen wollen
  3. produktive Rückmeldung (= möglichst individuelles Feedback, nach möglichst notenfreien Tests)
  4. Konsolidierung (also Verfestigung und Routinisierung, bis die „Kunst“ wie unbewusst gelingt)

Meine Empfehlung: Drei Schritte zum Lernerfolg

Je aufmerksamer, aktiver und beteiligter die Schülerinnen und Schüler im Unterricht sind, umso mehr und nachhaltiger werden sie auch lernen. Ich empfehle ein bewährtes, dreistufiges Verfahren:

1. im Unterricht Stichworte mitschreiben und Ränder lassen

mehr in: Arbeitsblatt L1 – Grundlagen der Gehirnfunktionen zum Lernens

2. jeden Unterricht kurz nach dem Spickzettel-Prinzip schriftlich nacharbeiten

mehr in: Arbeitsblatt L2 – Mitschriften nach dem Spickzettelprinzip nacharbeiten

3. aktiv (schreibend und sich selbst testend) wiederholen, wenn 50 % des neuen Stoffs vergessen wurde.

mehr in: Arbeitsblatt L3 – Dem Vergessen widerstehen: Wiederholen und Achtung Fallen

tl;dr oder Ultra-Kurzversion

Meine eigene Erfahrung und meine Behauptung:

  • Mit diesem System lassen sich schulische Leistungen durchschnittlich ungefähr um eine Schulnote verbessern.
  • Der Stress vor Klassenarbeiten und Prüfungen wird vermieden. Sehr oft wird gar nicht mehr Zeit und Energie benötigt, sondern die Lern-Tätigkeiten werden nur plan- und sinnvoller durchgeführt.
  • Lernen kann richtig Spaß machen! Die Freude am Lernen wird sich einstellen, wenn es erfolgreich geschieht.
    Damit der Spaß am Lernen eintritt, kann die Lehrkraft mit realistischem Lob unterstützen.

Zur Unterstützung von Lehrkräften für eine planvolle Vorgehensweise zur Unterstützung der Lernkompetenz der Schülerinnen und Schüler empfehle ich die Teilnahme an einer Gruppensupervision für Lehrkräfte. Wenn eine wechselseitig unterstützende Haltung der Lehrkräfte eingeübt wurde, kann eine regelmäßige kollegiale Beratung hilfreich sein.

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Drei Tipps für Lehrkräfte:

  • Eine erproble Unterrichtsmethode: Vierfach effektiv lernen (eine gehirngerechte, schüleraktive Wiederholungs-Methode für den Unterricht – mit Anklängen an active recall – auch schon, bevor ich wusste, wie man neuerdings dazu sagt. )
  • zur Text-Reihe Profession Lehrkraft
  • Die Artikel-Reihe zur Schul-Entwicklung, besonders der dritte Text “ Schule verbessern (3): nachhaltig lernen lehren (These: Die Form der Klassenarbeiten hat auch eine wesentliche Bedeutung für das Lernverhalten der Schüler/innen. Langfristiges und damit nachhaltiges Lernen der Schüler hängt auch von der Unterrichtsgestaltung durch die Lehrer/innen ab!)

entwickelt im Frühjahr 2008
und immer weiter um neues Wissen ergänzt;
zuletzt am 26. Februar 2026/10.59 h      Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Warum Lehrkräften Gruppensupervision zu empfehlen ist

Viele Lehrkräfte (Lehrerinnen und Lehrer, auch Dozentinnen und Dozenten)  lieben ihren Beruf und sind glücklich.

Vielleicht sind manche

  • angestrengt, manchmal gesundheitlich gefährdet
  • zu einem typischen Einzel-Kämpfer-Arbeitsstil eingeladen
  • jenseits der fachdidaktischen Fragen alleine und haben wenig qualifizierte Austausch- und Unterstützungs-Gelegenheiten.

Ich wünsche allen Lehrkräften sichere Erfolge und Berufszufriedenheit, Entlastung und ein kollegiales Netzwerk zur Unterstützung und zum Austausch.

Meine Einfälle zum „Einzel-Kämpfer-Modell“

  1. In den meisten Ausbildungen zu Lehrkräften spielen „Lehrproben“ in unterschiedlicher Form eine entscheidende Rolle.  –
    Das kann bedeuten, dass die Erinnerung an unangenehme Erfahrungen dieser Art die Bereitschaft von Lehrkräften, sich bei der Unterrichtsarbeit beobachten zu lassen, deutlich gemindert hat.
    Genau dies erzählen mir viele Lehrerinnen und Lehrer (in Ausbildung oder auch langjährig erfahrene).
  2. Herkömmlicher Unterricht wird fast ausschließlich von einer Lehrkraft alleine geleitet. –
    Da liegt der (Kurz-)Schluss nahe, ihn auch ganz alleine vorzubereiten.
  3. Die Regulierungsdichte im Umfeld der Schule ist sehr hoch. –
    Im Unterricht wollen sich Lehrkräfte nicht auch noch nach anderen Personen – zum Beispiel an Kolleg*innen – orientieren.
  4. Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Lehrkräften nehme ich eine Scheu wahr, „noch nicht ganz fertigen Unterricht“, also Unterrichtsideen, die noch weiter entwickelt werden können, an andere weiter zu geben oder diesen zu zeigen. –
    Im hoch verdichteten Alltag des Unterrichtens an Schulen (mit 25 bis 28 Wochenstunden Unterrichtsverpflichtung) ist es unmöglich, jeden Unterricht optimal vorzubereiten.
    Statt sich und anderen die gelegentliche Unsicherheit einzugestehen, wird diese vertuscht: „Es ist mir lieber, wenn mir beim Unterrichten niemand zuschaut!“, höre ich dann als typische Antwort auf meine Anfrage (zum Beispiel im Auftrag von Praktikantinnen und Praktikanten).

Aus meiner Sicht empfehle ich:

  1. Lehrkräfte können sich wesentlich unterstützen, indem sie kooperieren und:
    > „kollaborativ“ Unterrichtsideen entwickeln
    > Material austauschen
    > sich über gelungene, aber auch „interessante“ oder schwierige Unterrichtssituationen kollegial beraten.
  2. Lehrkräfte können ihren Stress reduzieren, in dem sie einander ihre Unsicherheit bei „noch nicht optimal vorbereitem Unterricht“ mitteilen und sich ab und zu emotionale und auch inhaltliche Unterstützung erbitten.
Wortwolke zum Arbeitsfeld der Lehrkraft

Wenn Lehrerinnen, Lehrer, Dozentinnen und Dozenten sich in Gruppensupervisionen wechselseitig unterstützen und unterstützen lassen, so können sie dabei – neben der Beratung ihrer „Fälle“ und Themen – ein Modell erfahren, wie sie sich wechselseitig stärken können.
Darum schlage ich dieser Personengruppe nachdrücklich Gruppensupervision für Lehrkräfte vor.
Da ich mich selbst als „Supervisor“ bezeichne, spreche ich von „Gruppen-Supervision“. In der Praxis biete ich – in Absprache mit der Gruppe – auch Elemente aus Coaching-Verfahren und auch Coachinggruppen an.

Ist eine sich wechselseitig unterstützende und kollegiale Haltung in der Gruppe (z.B. nach einer Supervision) eingeübt, kann in vielen Fällen auch eine kollegiale Beratung (ohne Leitung eines Coachs oder Supervisors) angeschlossen werden.
Einen Vorschlag für einen hilfreichen Ablauf finden Sie hinter diesem Link.

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entwickelt im Frühjahr 2008; zuletzt überarbeitet: 2. Juli 2023       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Trauer in der Schule (Schule verbessern – 5)

schwimmende Teelichter auf Wasser und vor einem dunklen Hintergrund

Zusammenfassung

Manchmal sind Schüler*innen und Lehrkräfte geschockt und herausgefordert:
Eine Person ist verstorben, kommt nicht mehr zum Unterricht.
Wie kann man darauf angemessen reagieren?
Was hilft in so einer Situation?

Ausnahmezustand

Ob durch Unfall, Krankheit oder Selbsttötung ausgelöst, die Reaktionen sind oft Erschütterung und Herausfallen aus dem Normalzustand. Oft herrscht Sprachlosigkeit – oder aber Dauer-Reden.
Beides signalisiert den Ausnahmezustand.

Vier empfohlene Schritte

Hier beschreibe ich vier einfache und bewährte Schritte mit den betroffenen Gruppen, die ohne große methodische Vorbereitung durchführbar erscheinen.

1. Informationen sorgsam zusammentragen und Spektulatioonen verhindern

Manche Gruppen neigen zur stillen Lähmung, die anderen zum gebannten Dauergespräch.
Zum Start der Gesprächs-Runde erscheint es darum hilfreich, die vorhandenen Informationen zu sammeln. Oft wird wild spekuliert, Halbwissen lädt zur Ausschmückung ein und der Boden der Realität wird schnell verlassen. Dieser einfache Schritt der Sammlung von tatsächlich verfügbaren Informationen hilft, den Kontakt mit der Realität zu wahren.
Außerdem fällt es relativ leicht über Fakten zu sprechen, so dass auch stumm-gelähmte Personen möglicherweise wieder zu sprechen beginnen.

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, zum Sprechen aufzufordern, das Aussprechen-Lassen zu garantieren und immer wieder auf die Tatsachen zu achten und diese behutsam und doch deutlich von Vermutungen zu unterscheiden.

Es ist auch zu empfehlen, die Sozial-Media-Walze zu begrenzen und um eine zurückhaltende Nutzung der entsprechenden Plattformen zu bitten. Das kann auch die Trauerfamilie entlasten.

2. Reaktionen ausdrücken

Im nächsten Schritt fordere ich die Anwesenden auf, ihre ersten Reaktionen für sich selbst wahrzunehmen und dann für die anderen auszudrücken. Oft kommen dann Worte wie Überraschung, Schock, dann aber auch die Frage nach der Schuld und ob etwas getan hätte werden können, was nun leider unterlassen wurde.
Manche Personen spüren auch so etwas wie Wut.

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, alle Gefühle, Gedanken und Ausdrücke zu schützen:
Das wird so empfunden und darf so sein.
Außerdem mache ich deutlich, dass ich von „Schuld“ in diesem Zusammenhang nichts halte. Hier versuche ich zu entlasten.

3. Bewältigungs-Rituale anbieten

Anknüpfend an die Wut-Äußerungen frage ich im nächsten Schritt, wie sich die Zurückgebliebenen vom Abwesenden verabschieden wollen. Wenn eine Beerdigung besucht werden kann, ist dies eine Möglichkeit.
Es gibt noch andere – zum Beispiel:

  • gemeinsam zu einem Gottesdienstraum zu spazieren
  • einen Abschiedsbrief zu schreiben
  • selbst ein Bild zu malen
  • ein vorhandenes Foto heraus zu suchen
  • eine Beileidskarte an die Angehörigen zu schreiben
  • auch eine Sammlung kurzer Grüße an die Trauerfamilie kann passend und hilfreich sein

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, alle Ideen zuzulassen und die Kommentierungen weitgehend zu dämpfen: Jede und jeder darf den eigenen Weg des Abschieds für sich wählen. Oft entlasten solche Handlungen und schließen (wenigstens vorläufig) einen Trauerschritt ab.

4. Hilfsmöglichkeiten in Krisen-Zeiten sammeln

Unweigerlich stellen sich die Zurückgebliebenen die Frage, was mit Ihnen selbst ist, wenn Sie in eine Krise kommen. Besonders deutlich wird diese Frage nach einer Selbsttötung.
Hier fordere ich die Anwesenden auf, eigene Möglichkeiten des Umgangs mit krisenhaften Zuständen zu überlegen und möglichst in der Gruppe auszutauschen.

Als Moderator sehe ist hier meine Aufgabe darin, zu Hilfsangeboten zu ermutigen und konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen. So verweise ich selbst auf die Beratungslehrer/innen, Telefonseelsorge und auf psychosoziale Beratungsstellen.

Die moderierende Lehrkraft ist persönlich gefordert

Diese Situationen wünscht sich niemand. – Die eigene Betroffenheit und die Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler und der Kolleg*innen können sich überlagern. Wichtig erscheint mir, dass die moderierende Person fähig bleibt, den Prozess zu steuern.

Dazu ist es sicher hilfreich, sich schon einmal mit diesem Thema vor dem akuten Fall auseinander gesetzt zu haben:

  • Welche Erfahrungen mit Leid und Tod habe ich selbst?
  • Welche Einstellung zu Leid und Tod habe ich entwickelt?
  • Kenne ich Hilfsangebote?
  • Welche Kolleg*innen können mich in solchen Situationen unterstützen?
  • Welche Material (z.B. Trauerkoffer) gibt es wo in meiner Schule?

Weiterführende Links

in 2013 entwickelt, zuletzt ergänzt am 2.07.2023       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Kollegialer Arbeitsstil hilft Professionals

In unterschiedlichen Arbeitsstellen, Arbeitsgruppen oder Teams habe ich in meinem bisherigen Arbeitsleben allermeist gute Erfahrungen mit einer gewollten und gepflegten Zusammenarbeit gemacht. Das nenne ich Kollegialität.
In diesem Text möchte ich zur Erprobung kollegialer Arbeitsformen ermutigen.
Meine Praxisbezüge und -beispiele beziehe ich dabei aus dem Lehrerberuf, den ich aktuell an einem beruflichen Schulzentrum in Freiburg ausübe. Sie können jedoch – so meine ich – ohne Probleme auf andere Bereiche übertragen werden.

Gemeinsam wirksam werden

Insbesondere in der Arbeit mit Gruppen oder der Leitung sind gemeinsame Eckpunkte und gegenseitige Unterstützung wesentlich und verstärken die Wirksamkeit.

Praxisbeispiel: Für die Leitung einer Klasse ist es offensichtlich nützlich, wenn die Lehrkräfte sich auf gemeinsame pädagogische Leitlinien verständigt haben und diese gemeinsam vertreten. Vom Einzelkämpfer*innen-Dasein möchte ich nachdrücklich abraten.

Gemeinsam angenehmer arbeiten

Bei Aufgaben mit kreativen Anteilen sind vielfältige Ideen und der Austausch derselben ohne Zweifel zielführend. Niemand muss das Rad neu erfinden und die Ideen zu teilen, kann vielfältig entlasten und macht die Arbeit angenehm.

Außerdem ist ein angenehmes Arbeitsklima stabilisierend. Humor und gemeinsames Lachen geht oft leichter zu mehreren und kann eine angenehme (Pausen-)Auszeit sein. (Für Sie getestet.)

Praxisbeispiel: Bei Unterrichts-Konzeptionen und Erstellung von Unterrichtsmaterial kann ein gemeinsames Brainstorming zu Beginn hilfreich sein. Man könnte sich arbeitsteilig bei der Ausarbeitung entlasten.

Gemeinsam widerstandsfähiger und gesünder bleiben

Wenn die Herausforderungen größer oder gar grenzwertig werden, ist ein kollegiales Umfeld und kollegiale Unterstützung wesentlich für

  • die Selbstreflexion in durch Sprechen
  • mentale Unterstützung
  • Suche nach mehr Lösungswegen

Praxisbeispiel: In vielen Gesprächen im Lehrer*innen-Zimmer werden anstrengende Situationen aus dem Unterricht kollegial nachbesprochen. Während des informellen Sprechens im wohlwollenden Rahmen wird den Vortragenden in der Regel schon ein wenig klarer erkennen, wo die Probleme liegen könnten. Durch die kollegiale Anteilnahme und Unterstützung – eventuell auch durch Anreicherung durch eigene Erfahrungen – werden alternative Verhaltensmöglichkeiten sichtbar.

Gemeinsam anspruchsvollere Aufgaben oder Konflikte bewältigen

Aus dem bisher formulierten ergibt sich für mich klar, dass für anspruchsvollere Aufgaben mehr als nur ein Kopf, eine Person, eine Idee oder eine naheliegende Handlungsmöglichkeit nötig sind. Gemeinsam kann eine höhere Qualität erreicht werden. Im Umgang mit Menschen kann die kollegiale Fallbesprechung, Feedback und oder auch kollegiale Kritik zur Professionalisierung führe.

Praxisbeispiel: Die Professionalisierung des informellen Austauschs – oft in Pausen – über herausfordernde und als problematisch erlebte Unterrichts-Situationen in einer Pädagogischen Fall-Besprechungsgruppe kann ich allen Lehrkräften nur empfehlen.

erstellt am 10.04.2021;
zuletzt leicht inhaltlich bearbeitet am 10.04.2022/19:46 Uhr;
dysfunktionale Links korrigiert am 26.02.2026/10:49 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Als Hobby-Webmaster erfolgreich

Geschafft!

Das neue Online-Verzeichnis von dgsv-anerkannten Supervisor*innen rund um Freiburg ist fertig.

Vor 30 Jahren hat sich der Verein FVS zur Förderung der Supervision zusammen geschlossen. Jahrzehnte lang wurden die Verzeichnisse der Berater*innen gedruckt. Jetzt gibt es dieses Verzeichnis nur noch online – und immer aktuell.

Meine aufwändige Arbeit war es heute, die Auswahlkriterien zu aktualisieren:

Arbeitsplatz mit drei offenen Bildschrimen

voller Einsatz mit drei Geräte: Input; Arbeitsbildschirm und Dokumentation nebeneinander
Mir macht so etwas Freude. Meine Kolleg*innen aus dem Verein sind froh, dass sie jemand haben, der das „Gefrickel“ auch noch mit – wenigstens zeitweiser – Begeisterung bewältigt.

Jetzt ist es allerdings gut: Mein Bedarf an Webmasteraufgaben für diese Woche ist gedeckt.
Und ich bin stolz, soweit gekommen zu sein.

Danke auch an die Dienstleister von der Internetagentur NOVA in Karlsruhe für Ihre tolle Arbeit. Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht und war erfolgreich.

erstellt und zuletzt bearbeitet am 3. Mai 2019 / 11:41 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Welche Bilder sind hilfreich? – Profession Supervision 7

Zusammenfassung

Wer Feuer und Flamme ist,
kann sich auch verbrennen oder ausbrennen.

Bilder entwickeln manchmal ein ungewolltes Eigenleben.

Wofür brennst Du?

Der Ausgangspunkt meiner Überlegungen zu diesem Thema war eine Diskussion zwischen Lehrkräften. Dort wurde das Feuer-Bild verwendet:

Glut in einem Holzfeuer
Luke Porter hat dieses Bild zur freien Nutzung auf Unsplash veröffentlicht. Danke.

Das Bild für den Hauptantrieb oder die Mission eines Mitmenschen scheint verständlich: Feuer wärmt und kann weiter gegeben werden. Manchmal sprechen wir auch von „Fackelträgern“ und meinen damit eine ansteckende und inspirierende Person, die für eine Idee sehr überzeugend eintritt.

Das Feuer-Bild halte ich für gefährlich

Zum selben Wortfeld gehört auch Verbrennen, Ausbrennen und der inzwischen in Mode gekommene populär-medizinische Sammelbegriff „Burnout“.

Welche Bilder nutzen wir?

Das bringt mich zur Frage, mit welchen Bildern wir von uns und uns Wichtigem sprechen.

Die Antwort ist nicht beliebig, sondern durchaus bedeutsam, weil Bilder mächtige Bestandteile der Wahrnehmung und sprachlicher Verständigung sind.

Dazu habe ich neulich einen wunderbaren Buchtitel entdeckt:

„Glauben Sie ja nicht, wer Sie sind!“

Ein stilisierter Löwe schaut in einen Spiegel und sieht eine Katze
Copyright Illustration: Lisa Höfner, 2017.
Quelle: Höfner, E. Noni: Glauben Sie ja nicht, wer Sie sind!
Grundlagen und Fallbeispiele des Provokativen Stils. Heidelberg, Carl-Auer Verlag, 4. Aufl. 2016

Für mich bedeutet dieser Buchtitel, dass wir mit unseren Bildern von uns selbst, anderen und Inhalten, die uns beschäftigen, unsere Wahrnehmungen und Entwicklungen begrenzen können.

Hinterfragen wir sie nochmals!

Der Inhalt des Buches ist übrigends auch empfehlenswert, wenn auch herausfordernd – oder gerade deshalb.

Herbst, Advent und Weihnacht und die Zeit zwischen den Jahren können Mußezeiten sein.

Diese Zeit und die Jahreswende können dazu einladen und Gelegenheiten sein, über unsere Vorstellungen und Bilder nochmals nachzusinnen, sie zu überprüfen und eventuell andere zu wählen.

So wünsche ich mögliche Unterbrechungen,
Muße und Erholung
und einen guten Start in das neue Jahr 2018!

Weiterführende Links

erstellt am 30.11.2017; zuletzt bearbeitet am 30.11.2019 / 18:30 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

verlernen und lernen (selbstmotiviert lernen – 8)

Zusammenfassung

Genau so wichtig wie Lernen,
ist die Bereitschaft, zu verlernen.

Das klingt einfach. –
Es ist ungewohnt, ja schwer!

Nicht jedes Lernen ist ausdrücklich erwünscht.

Schon Fritz B. Simon hatte in seinem unterhaltsamen Werk

Die Kunst nicht zu lernen.
Und andere Paradoxien in Psychotherapie, Management, Politik …
Heidelberg, Auer, 1997

auf die Ambivalenz hingewiesen: „Denn es ist ja keineswegs immer sinnvoll, dass wir lernen und uns unserer Umwelt anpassen, während genausogut diese Umwelt lernen und sich uns anpassen könnte.“ (S. 154f)

Wenn wir anfangen, über Lerninhalte nachzudenken, werden die Fragen noch bedeutsamer.

ulearn – eine sehr deutliche Demonstration

Über einen Tipp von Anja Förster und Dr. Peter Kreuz (http://www.foerster-kreuz.com) bin ich auf eine eindrucksvolle Demonstration hingewiesen worden.

Können Sie Fahrrad fahren? –
Wirklich und tatsächlich immer?

Sehen Sie selbst – und dieses Video an (8 Minuten):

Notwendiger Begleiter des Lernens ist das Verlernen!

Was bedeutet das eben Gesehene für die Lernprozesse, die wir aktuell angesichts sich rasant verändernder Umweltbedingungen leisten sollten?

Tatsächlich gibt es den Aphorismus:
„What gets us into trouble
Is not what we don´t know.
It´s what we know for sure
That just ain’t so.“

Dieser Spruch wird Mark Twain zugeschrieben und kann sinngemäß so übersetzt werden:
„Was uns in Schwierigkeiten bringt, ist nicht unser Unwissen, sondern unser vermeintliches Wissen von Falschem.“

Im Klartext: Wenn wir nicht bereit sind, vorgeblich sicheres Wissen zu hinterfragen und auch wieder zu vergessen, werden wir in manchen wichtigen Fragen nicht weiter kommen!

Selbstverständlich können wir auch ver-lernen.

Wir sollten nur auch darauf achten – und nicht nur auf Lernen.

Viel Erfolg!

Weiterführende Links

Entwickelt im März 2017; zuletzt bearbeitet am 18. Mai 2017 / 17:00 h       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

lernen als Resonanz

Leider sprechen die Redner Jens Beljan und Hartmut Rosa sehr schnell.
Die Ideen in diesem einstündigen Video finde ich sehr beachtenswert:

Wie gelingen Unterrichtssituationen, in denen es „knistert“, in denen Menschen (innerlich und äußerlich) lachen, tanzen und singen?

Wie kommen die Schülerinnen und Schüler zum eigenen Schwingen (nicht zum Echo!) und erleben sich als selbstwirksam?

Vielleicht hilft das Bild von der Resonanz auch, die kräftezehrenden Phänomene um die Deutung von misslingenden Lehrer-Schüler-Verhältnissen als „Kampf“ zu überwinden.

Bin gespannt auf Ihre Meinungen.

erstellt am 15.10.2016; zuletzt bearbeitet am 16.04.2016       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

entlasten und gesund bleiben (Profession Lehrkraft – 21)

Kurzfassung:
Nicht nur immer Neues entwickeln,
sondern manches bewusst beenden,
loslassen und sich entlasten,
um gesund zu bleiben.

Der Lehr-Beruf kann als sinnvoll und schön, als vielfältig und die Person fordernd erlebt werden.

Besonders die Reflexion auf den Rhythmus zwischen Anforderung und Erholung ist zentral für eine fortdauernde Freude am Unterrichten und die Unterstützung einer stabilen Gesundheit.

Dazu gehört, immer wieder auch „Nein“ zu sagen und Gewohnheiten zu überprüfen.

Der Lehr-Beruf ist für mich ein schöner und sinnvoller Beziehungs-Beruf.

  • Ich empfinde es als verantwortungsvolle und bedeutsame Aufgabe, junge Menschen bei der persönlichen Entwicklung und der fachlichen Ausbildung zu begleiten, also zu unterrichten und zu erziehen.
  • Der Beruf ist kommunikativ und herausfordernd, d.h. ich bin in vielfältigen Kontakten und lerne ständig selbst immer weiter dazu.
  • Besonderes im Bereich Gruppendynamik und gesellschaftlich-politischer Entwicklungen und deren Spiegelungen in den Lerngruppen habe ich in den letzten Monaten viel Neues kennen gelernt und bearbeitet.

Hohe Anforderungen an professionelle Lehrkräfte

Unterrichtshandeln ist geplant, vorbereitet und konzeptorientiert.

Es ist hilfreich, wenn hinter den Einzel-Stunden oder Projekten ein Gesamtkonzept steht, welches – neben der Steuerung, Gewichtung und Auswahl der beispielhaften Inhalte und Methoden – auch der Reflexion dienen kann.
(Dazu hatte ich in einem anderen Text bereits mehr geschrieben.)

Zu einem gesunden Berufsleben gehört auch das Unterbrechen und Aufhören

So schön der Beruf auch sein mag, so anstrengend kann die hohe Anzahl der Kontakte, Heterogenität der Gruppen, Projektionen, hohe Lautstärke, 45-Minuten- oder 90-Minuten-Rhythmen, gesellschaftliche Eingebundenheit und vieles mehr sein.

Zur Professionalität der Lehrperson gehört nach meiner Vorstellung eine kluge Kräfte-Verteilung, die Planung einer leistbaren Belastungskurve im Laufe eines Schuljahres und regelmäßige Überprüfungen der eigenen Ziele, Arbeitsgewohnheiten und der Gesundheit.

Konkret lauten die Fragen dann zum Beispiel:

  • Gibt es Entlastung durch „kollaborative Unterrichtsvorbereitungen“?
  • Wie werden die Unterrichtstage und wie die unterrichtsfreien Zeiten strukturiert?
  • Wann sind Pausen und Reflexions-Zeiten sinnvoll und nötig?
  • Wie werden „anstrengende Erlebnisse“ verarbeitet und eingeordnet?
  • Wie werden „Erfolge“ gewürdigt, das heißt gefeiert?
  • Wie werden „Misserfolge“ eingeordnet, losgelassen und verarbeitet?
  • Wann bin ich „gut genug“ vorbereitet?

In einem früheren Blog-Text hatte ich die Ideen von Drucker und Malik aufgenommen:
Auch mit Weglassen, kann man seine Ziele fördern!

Kollegiale Beratung und Coachinggruppen oder Supervision unterstützen

Der kollegiale Austausch in der Berufsgruppe kann entlasten, anregen und Lösungsansätze entwickeln helfen. Darum ist kollegiale Beratung zu empfehlen.

Oft geschieht sie informell in den Lehrer*innen-Zimmern oder auch „zwischen Tür und Angel“, als auf den Fluren oder am Kopierer.
Für eine „Kultur des Loslassens“ benötigen die meisten Menschen mehr Energie und Zeit.
An manchen Schulen haben sich auch schon kollegiale Fallbesprechungsgruppen etabliert.
(Ein bewährter Vorschlag steckt hinter diesem Link; pdf; 75 KB.)

Für die systematische Weiterentwicklung der Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer dienen Coaching oder Supervision – in Gruppen oder für Einzelpersonen.
Günstiger sind die Coachinggruppen: Aus Aufgaben und Erfahrungen Einzelner werden Herausforderungen und Anreize zur Reflexion und zum Wachstum für die anderen. Eine Supervisorin / ein Supervisor oder ein Coach steuert den Prozess und gibt Ideen und Anregungen „von außen“ in die Gruppe.
Dazu habe ich Ihnen ein Angebot:
Gruppensupervision mit Coaching-Elementen für Lehrer/innen

Weiterführende Links

Viel Freude an einem wunderschönen und herausfordernden Beruf!

Der Beitrag wurde im Herbst 2016 entwickelt
und zuletzt leicht überarbeitet am 13. November 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag