Unterricht systematisch vorbereiten

Lehrkräfte können,
wenn sie Ihre Arbeit systematisieren,
für Entlastung und guten Unterricht sorgen.

Ich empfehle:

  1. konzeptorientiert zu arbeiten
  2. Unterricht (fast) immer schriftlich vorzubereiten
  3. dies Vorbereitung digital zu speichern
  4. Raster und Formen für Routinen bereit zu stellen
  5. ein Stunden-Tableau mit Zeiten, Zielen, Teilzielen, Kompetenzen und Methoden-Hinweisen
  6. sorgfältig zu dokumentieren
  7. die Pflege einer sinnvolle Ablage
  8. regelmäßige Reflexionen und daraus folgende Verbesserungen

Ein Konzept für den eigenen Unterricht ist hilfreich.

Mit einem Konzept wissen Sie, welche Inhalte und Methoden Sie auswählen wollen. Sie können begründet gewichten und nach dem Unterricht auch entscheiden, ob er gut – mäßig oder schlecht (sehr verbesserungswürdig) war.

Eine schriftliche Vorbereitung schafft Sicherheit.

Was ich schriftlich niedergelegt habe, habe ich meistens auch verstanden.
Ich kann angesichts dieser Sicherheit dann auch leichter jonglieren: Wenn eine Arbeitsschritt im ersten Teil der Doppelstunde mehr Intensität und Zeit erforderte, werde ich im Verlauf der Doppelstunde versuchen, etwas schneller mit den Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, um wieder in den Zeitplan zu kommen.
Oder ich kann mich entscheiden, einen Zwischenschritt auszulassen.
(Entsprechendes kann man auch auf ganze Unterrichtseinheiten übertragen.) –

Prinzipiell finde ich Zeitstruktur in einem auch auf Prozesse achtenden Unterrichtsgeschehen manchmal hinderlich, anderseits sehe ich die Notwendigkeit, (gerade in der Oberstufe) in einer bestimmte Zeit vorgesehene Stofffüllen auch zu bearbeiten, weil sie anschließend in zentral formulierten Aufgaben geprüft werden (z. B. Abitur).

Gespeicherte Entwürfe sind wiederverwendbar

Wer seine Unterrichts-Entwürfe im PC speichert und eine gewisse Grundsystematik einhält, findet sie wieder und kann auch leicht daran weiter arbeiten. (Kopier-Vorlagen sind bei mir sehr viel schneller verloren!)

Durch die systematische, schriftliche Unterrichtsvorbereitung in Stunden-Tableaus mit Zeiten, Zielen, Teilzielen, Kompetenzen und Methoden-Hinweisen, haben ich mir einen Fundus an gelungenen und teilweise auch kommentierten Unterrichts-Stunden erarbeitet, auf den ich bei Bedarf wieder zugreifen kann – für Neuauflagen oder Verbesserungen.

Einmal erarbeitete Routinen und Arbeitsformen entlasten

Nach einer kurzen Phase meiner Lehrtätigkeit habe ich entdeckt, dass es hilfreich ist, sich ein Raster für Unterrichteinheiten, Arbeitsblätter, Bewertungshilfen, Sitzpläne etc., also für Routine-Aufgaben bereit zu stellen und diese kontinuierlich weiter zu entwickeln. Diese entlasten nach meiner Erfahrung sehr.
Vorlagen finden Sie auf meiner Download-Seite.

Pflegen Sie Ihr selbst entwickeltes Archiv-System konsequent.

Die Wiederverwendung hängt wesentlich davon ab, ob ich die schon geleistete Arbeit wieder finde. Dazu habe ich in meiner Praxis ein Ablage-System nach Themen entwickelt. Themen ändern sich zwar auch, Lehrplan-Bezeichnungen aber sehr viel schneller!
In diese Themen-Verzeichnisse meines Rechners kann ich bei Ausarbeitung mehrere Unterverzeichnisse einfügen und das Material neu sortieren, wenn es sich mehr differenziert haben sollte. – Hilfreich erscheint mir dabei, sich für ein Ordnungs-System zu entscheiden und dieses dann auch konsequent durchzuhalten.
Mehr zur Systematik der Ablage finden Sie hier.

Werten Sie Ihren Unterricht regelmäßig aus.

Am Ende einer Unterrichtsstunde empfehle ich kurz nachzubereiten und das heißt:
zu notieren:
> Was war besonders/bemerkenswert?
> Was blieb offen?
> Welche Idee habe ich für den nächsten Unterrichtsschritt?

Am Ende einer Unterrichtseinheit, frage ich die Schülerinnen und Schüler und auch mich selbst, was gelungen und was noch verbesserungswürdig ist.
[mehr zu Feedback von Schülerinnen und Schülern …]

Inzwischen arbeite ich diese Idee nicht mehr sofort in die Unterrichts-Entwürfe ein, sondern notiere sie mir; allermeist auch in die Dateien zur Unterrichtsplanung unter der Rubrik „noch zu erledigen“.
Bevor ich die Einheit das nächste Mal unterrichte, überprüfe ich die Notizen und den Verbesserungsbedarf und entscheide, was ich verbessern werde.

Interessante Links:

ursprünglich entwickelt im März 2010
zuletzt überarbeitet am 14. November 2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Entscheiden Sie sich für Ihre zuversichtliche Resilienz

Sinn entsteht immer dann,
wenn Menschen das, was sie tun,
mit dem in Verbindung bringen,
was ihnen wichtig ist.

Viktor E. Frankl

Viele, immer dringlicher werdende Krisen

Im Herbst 2021 häufen und bündeln sich bei mir die Wahrnehmungen vielfältiger globaler Krisen und ich erkenne dabei eine wachsende Dramatik:

  • Biodiversität
  • Klima
  • Corona
  • Legitimation von Institutionen und auch Staaten
  • Hass-Äußerungen und Fake-News
  • Wachsende Ungerechtigkeit

Die Dringlichkeit wird übersehen und Lösungsschritte nur versprochen, statt umgesetzt.

Manche Krisen-Wahrnehmungen werden sicher durch die interaktivere und digital getriebene Kommunikation verstärkt, manchmal auch verzerrt oder verkürzt.

Dramatisch erscheint mir nicht nur die Vielzahl, sondern ich erkenne auch ein fatales Muster: Die Menschheit, die politischen Leitungen und auch wir Einzelnen haben offensichtlich größte Mühe, Auswirkungen komplexer Zusammenhänge über längere Zeit vorherzusehen, Handlungsmöglichkeiten abzuleiten und uns dann für die beste zu entscheiden.
Auf langen Aushandlungswegen gehen häufig verbindliche Entscheidungen für konkrete Handlungen verloren. Stattdessen werden Meinungen und Ankündigungen veröffentlicht und der Medien-Circus zeigt sich beeindruckt, zufrieden, vielleicht sogar begeistert. Genau das beobachtete ich bei der Klimakonferenz in Glasgow: Wieder wurden konkrete Lösungs-Handlungen gescheut und dann vertagt.

Für Einzelne sind diese komplexen Herausforderungen unlösbar.

Leider habe ich weder für mich persönlich noch für größere Zusammenhänge Lösungen anzubieten.

Mir scheint, Einzelpersonen können das einfach auch nicht ändern. Die Lösung liegt wesentlich in politischen Weichenstellungen.
So übe ich mich im gelassenen Ansprechen und Aushalten.

Verzweifeln ist keine Option

Andererseits: Verzweifeln ist keine Option für mich! Solange ich handlungsfähig bin, werde ich mich für ein sinnerfülltes Leben entscheiden wollen. – In diesem Zusammenhang hat mich Viktor E. Frankl – der Athlet der Bewältigung von Sinnkrisen – beeindruckt und darum zitiere ich Ihn hier zu Beginn dieses Textes.

Für mich ergeben sich daraus zwei Bereiche für meine Aufmerksamkeit:

1. Sinnvolles Handeln kann helfen – in der Krise und mir selbst

Das vor uns liegende, christliche Weihnachtsfest kann dazu ein Fingerzeig sein:

„Das Geheimnis der Weihnacht besteht darin,
dass wir auf unserer Suche nach dem Großen und Außerordentlichen
auf das Unscheinbare und Kleine hingewiesen werden.“ (unbekannter Autor)

Ich engagiere mich in ausgewählten Bereichen persönlich, achte auf meinen eigenen „ökologischen Fußabdruck“ und versuche meinen kleinen Einflussbereich sinnvoll zu nutzen.
Gelegentlich engagiere ich mich auch politisch.

Handeln – auch im Kleinen – hilft mir, mit der oft ausweglos wahrgenommenen Situation klarzukommen und kann ich darum auch anderen weiterempfehlen.

Niemand ist zur „lebenslangen Pflege der Probleme“ verpflichtet.
Dazu hatte ich auf twitter am 3.02.21 einen Gedanken gefunden:

Bei guter Pflege halten hochwertige Probleme ein Leben lang.

2. Selbstfürsorge

Ich pflege sorgsam meine Fähigkeit, gesund zu bleiben, mich berühren zu lassen und dabei nicht in Sinn- oder Mutlosigkeit zu ertrinken. Fachsprachlich wird diese Fähigkeit als Resilienz bezeichnet.

Dazu hatte ich letztes Jahr geschrieben: Bitte sorgen Sie für sich, Lichtblicke und Gelassenheit (28.11.2020)

Neulich habe ich auf twitter dazu einen weiteren Gedanken geschrieben:

Gute Wünsche

Von Herzen wünsche ich gute Adventszeit, sinnerfüllte Weihnacht, einen erholsamen Jahresausklang mit vielen aufbauenden Kontakten, stabile Gesundheit und einen zuversichtlichen Start ins neue Jahr mit mancher sinnvollen Handlung.

Weiterführende Links

entwickelt im November 2021;
zuletzt einen Link verändert am 26.02.2025       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

ein Unterrichts-Konzept

Lehrkräfte können Ihre Arbeit gut steuern, optimieren und reflektieren, wenn Sie ein eigenes Konzept formuliert haben.

Dazu rate ich:
Die Anstrengung der Formulierung lohnt sich sicher –
für die Lehrkraft und die Qualität des Unterrichts.

Ich empfehle eine Gliederung etwa in dieser Art:

  1. Vision
  2. Werte
  3. Eigene Erfahrungen
  4. Lern-Vorstellung und passende Mittel
  5. Unterstützungsstrukturen
    > Kollegiales Netzwerk
    > Entwicklung einer Optimierungs-Spirale

Erste Ideen dazu:

Vision

Wer sich für den Lehrberuf entscheidet, hat oft ein Bild von dem, was sie oder er möchte.
Dieses Bild von einem erstrebten Zustand von Menschen, Gruppen und der Gesellschaft, für das man als Lehrkraft arbeiten möchte, bezeichne ich als Vision. Eine solche Vision ist sehr motivierend und gibt viel Kraft.
Visionen dürfen selbstverständlich auch weiter entwickelt werden!

Werte

Wer mit anderen arbeitet, wird bald erkennen, dass die eigenen Werte nicht von allen geteilt werden. Vielleicht sind pädagogisch Tätige darum auch mehr herausgefordert, sich der eigenen Werte bewusst zu werden.
Ich schlage vor, diese ausdrücklich aufzulisten und sich Gedanken zu machen, wie diese Werte im alltäglichen Unterricht sichtbar werden können.
Zusätzlich hilft eine ausdrückliche Beschäftigung mit den eigenen Werten im Konfliktfall zur Unterscheidung, welche Abweichung ich noch als erträglich bewerte und welche Werte ich tatsächlich unverzichtbar finde und darum auch durchsetzen werde.

Eigenen Erfahrungen

In unserer Kultur hat jede und jeder schon eigene Erfahrungen mit der Institution Schule, mit Lehrerinnen und Lehrern und mit unterschiedlichen Formen von Unterricht gemacht.
Für eine professionelle Leitung von Lernprozessen erscheint es mir als sehr sinnvoll, sich die eigenen Erfahrungen und Bewertungen bezüglich der selbst angestrebten Tätigkeit bewusst zu  machen. So können diese von den Erfahrungen der Kolleg*innen und Schüler*innen besser unterschieden werden.
Selbst habe ich sehr viel Unterricht im Vortragsstil erhalten. In Stress-Situationen neige ich – wie wahrscheinlich viele meiner Kolleginnen und Kollegen – dazu, „den Stoff doch noch durchzubringen“ und trage dann auch selbst vor. Wenn ich darüber anschließend nachdenke, erschließe ich mir diese Zusammenhänge und weiß auch, dass der Vortrag oft nicht die geeignete Form der Wissensvermittlung und der Unterstützung von Lernen der Schüler*nnen darstellt.

Lern-Vorstellung und passende Mittel

Wer bis hierher gekommen ist, kann auch schon ahnen, dass nicht jedes Unterrichtsmittel für jeden Unterrichtsstil geeignet ist. Selbst habe ich – auf dem Hintergrund meiner Vorstellung von Lernen – die begründete Vorliebe, dass Schüler*innen immer wieder auch selbst erarbeiten, aneignen und vertiefen, um wirklich zu lernen.
Folglich sind in meinen Unterrichtsentwürfen passend:

  • die Selbststeuerung der Schüler*innen herausfordern
    (eigene Ziele und Erfolgkriterien finden, eigene Lernwege suchen und erproben, regelmäßig auswerten)
  • vielfältige Unterrichtsmethoden mit Gruppen- und Projekt-Arbeiten
  • immer auch die Herausforderung, eine eigene Stellungnahme zum Unterrichtsinhalt zu entwerfen und fest zu halten.

Unterstützungsstrukturen

Kollegiales Netzwerk

In meiner Konzept-Idee, sind Lehrkräfte keine Einzel-Kämpfer*innen, sondern arbeiten zusammen!
Vielmehr spricht für mich vieles dafür, sich kollegial zu vernetzen und – besonders in der Ideen-Findung für neue Unterrichts-Entwürfe – gegenseitig anzuregen.
Wenn die Unterrichts-Entwürfe und das Material dann später auch ausgetauscht werden, entlastet dies sehr.
Aus den Rückmeldungen und Anreicherungen meiner Ideen, gewinnt mein Unterricht wieder.

Eine solche Vorgehensweise heißt allerdings, sich mit der Angst der Bewertung durch andere auseinander zu setzen. Dies scheint vielen Kolleg*innen schwer zu fallen.
Ich vermute, dass in der Lehrer*innen-Ausbildung unangenehme Erfahrungen mit Rückmeldungen und Bewertungen gemacht werden.
Ich wage die Aussage: Ich entdecke bei vielen Lehrerinnen und Lehrern ein Bewertungs-Trauma oder zumindest eine sehr ausgeprägte Vermeidung von Bewertung, die ich mit der Ausbildung, besonders dem Referendariat, verbinde.

Schade, weil so viel wechselseitige Unterstützungen verhindert werden.
Ich behaupte allerdings auch, dass diese Hinderungsgründe für kollegial unterstützendes Verhalten ausgeräumt werden können.

Entwicklung einer Optimierungs-Spirale

Nach jeder Unterrichtseinheit oder nach jedem Projekt schlage ich eine kurze Reflexion (besser mit anonymisiertem Feedback der Beteiligten) vor.
Manchmal sind drei einfache Fragen und der Austausch darüber ein guter Einstieg:

Was waren unsere Ziele?
Was hat gehindert und sollte verbessert werden?
Was war hilfreich und sollte beibehalten werden?

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Ursprünglich entwickelt Anfang 2010;
überarbeitet am 3. November 2021       Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag