Ungläubig entsetzt über die aktuelle Finanz- und Bildungspolitik in Baden-Württemberg rufe ich besonders Eltern und Ausbildungsbetriebe auf, sich bis Mitte Dezember zu beteiligen und den Plänen der Landesregierung zu widersprechen.
Update vom 19.12.12: Der Landeshaushalt wird wurde am 19.12 2012 beschlossen werden. Spätere Proteste sind dann nun nur noch tragisch-komisch.
Bei der Bildung wird überdurchschnittlich gespart.
Dass Bildung und ausgeglichene Staatsfinanzen wesentlich für den Lebensstandard zukünftiger Generationen und für die Entwicklung des Landes sind, setze ich als weitgehenden gesellschaftlichen Konsens voraus. Darum bin ich auch dafür, Ausgaben zu begrenzen und Schulden abzubauen.
Wenn ich die geplanten Kürzungen genauer anschaue, bin ich entsetzt und fassungslos: Der Bildungsbereich und die Schulen sind überdurchschnittlich betroffen. 11.600 Lehrerstellen sind bis Ende 2020 zur Streichung vorgesehen. Damit verschärft die aktuelle Landesregierung die Politik ihrer Vorgänger, auf Kosten der Bildung und damit der Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen zu sparen. (Der erwartete Rückgang der Schülerzahlen ist nicht so schnell und schon gar nicht überall spürbar und auch nicht einfach in die Schulplanungen umsetzbar. – Inzwischen dürfen es alle wissen: Die Prognosen des statistischen Landesamtes waren nicht zutreffend.)
Angetreten war diese Regierung mit dem Versprechen einer Bildungsoffensive. Jetzt versucht sie Veränderungen „kostenneutral“ (das heißt: ohne zusätzliches Geld) zu bewirken. Ja, sie kürzt sogar massiv.
Erste Vorboten sind größere Klassen und Kürzungsideen ausgerechnet bei kulturellen Angeboten.
Erste Auswirkungen der neuen politischen Richtung sind für mich in der Praxis schon erkennbar: Klassen werden zusammengefasst, Unterrichtsgruppen werden größer. Die Qualität des Unterrichts scheint zweitrangig zu sein. Hauptziel ist es, Lehrer-Deputate einzusparen. Solche Eindrücke und Befürchtungen höre ich auch aus anderen Schulen.
Leider ist das ja nur der Anfang: Langfristig werden kleine Klassen und auch kleine Schulen geschlossen werden, wenn keine Lehrkräfte mehr dafür zur Verfügung stehen. Das bedeutet weitere Wege für die Schülerinnen und Schüler.
Pädagogisch wertvolle Wahlangebote und Beiträge zur Schulkultur – wie AGs oder Schul-Theater – werden zuerst gestrichen werden. Das empfinde ich als dramatisch, weil diese besonderen Angebote für das Lernklima in den Schulen bedeutsam sind.
Hier bitte ich Sie als Betroffene um Ihr Engagement.
Eltern, Beschäftigte, Handwerksbetriebe, Wirtschaftsvertreter, Arbeitgeber und Bildungsverbände sehe ich als Mit-Betroffene und Mit-Verantwortliche. Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, die Wählerinnen und Wähler sind herausgefordert.
Gut ausgebildete Schulabgängerinnen und Schulabgänger sind wesentlich, um die politische Kultur und den gesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.
Politik reagiert durchaus auf Widerspruch und Einflussnahme.
Den deutlichen Protest vermisse ich bisher. – Was ist passiert?
Mich selbst hat diese Entwicklung überrascht. Vielleicht gab es auch so etwas wie eine zeitweise Schreck-Starre seit den ersten Kürzungs-Ankündigungen im Juli.
Ich möchte die Veränderungen aber nicht resigniert oder gar zynisch zur Kenntnis nehmen und einfach für mich alleine überleben!
Selbstverständlich sind wenige Einzelstimmen nicht ausreichend. Aber auf Gruppenäußerungen oder Protestbewegungen reagieren die politischen Entscheidungsträger sehr wohl.
Mein Appell: Kommen wir in Bewegung! – Vor allem die Stimme der Eltern ist wichtig.
Lassen Sie die politischen Entscheidungsträger nicht weiter in der irrigen Annahme, dass Sie mit den Einschnitten im Bildungsbereich einverstanden seien.
Teilen Sie Ihnen mit, dass Sie diese nicht einfach hinnehmen wollen.
Beteiligen auch Sie sich an dieser wichtigen politischen Weichenstellung für den Bildungsstandort Baden-Württemberg.
Für Ihr Engagement bin ich dankbar. Über Rückmeldungen freue ich mich.
M. Veeser-Dombrowski Religionslehrer an beruflichen Schulen Supervisor und Coach
Einige Aktionsideen für die Zeit vor den Beratungen des Landeshaushaltes im Dezember 2012:
Gelbe Karten an die Landesregierung und die Landtagsabgeordneten schreiben
Pressemeldungen mit Leserbriefen kommentieren
Blog-Artikel (wie diesen) kommentieren
sich über die rechtlichen Grundlagen und Möglichkeiten informieren: z.B. Ist wirklich alles MAU? – Expertise von Herbert Huber
Fragen und Antworten zur aktuellen Haushaltsplanung der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg (leider nicht mehr online)
Die Bildungsgewerkschaft GEW fragt nach bildungspolitischem Konzept in Zeiten des Sparens und kritisiert den Haushaltsentwurf 2013/14 (leider nicht mehr online).
Pressemeldung des Berufsschullehrerverbandes blv vom 27. November
Für jene, die genaue Zahlen lesen wollen Entwurf des Haushalts 2013/14 – durchaus anstrengend aber informativ. Besonders die Übersichten über die Personalstellen sind sehr aufschlussreich.
Stellungnahme der Kultusministerin Warminski-Leitheußer mit der Hauptaussage, dass im laufendden Haushaltsjahr 4 700 Stellen geschaffen Personen eingestellt wurden – trotz fallender Schüler/innen-Zahlen – und in den nächsten beiden Haushaltjahren jeweils 1000 und 1200 Stellen gestrichen werden. (Pressemitteilung vom 13. Dezember 2012)
Herzlichen Dank an viele Begleiter/innen bei der Entstehung dieses Textes.
erstellt am 21.11.2012; zuletzt inhaltlich bearbeitet am 21.07.2013 / 12.40 Uhr (V12); zuletzt gebrochene Links gelöscht am 25.02.2026 Drucke diesen Beitrag
Herbst ist die Zeit der Feste: Zum Beispiel feiern die Winzer ihre Ernte und freuen sich über den Ertrag. Auch die anderen haben sicher etwas, wofür sie lernen können, zu danken.
Die traditionellen Feste sind mehr als Folklore
Im Jahreskreis der bäuerlichen Erzeuger hatten die Erntefeiern ihren festen und sinnvollen Platz: Die schwere Saison der Arbeit ging zu Ende. Daraus entwickelten sich sinnenfrohe Feste, die bis heute in unsere arbeitsteilige und weit vom bäuerlichen Leben entfernten Zeit noch gerne gefeiert werden.
Die christlichen Festkalender legen die Erntedankfeste anfangs des Monats Oktober. In dieser Tradition wird daran erinnert, dass die Menschen zwar arbeiten, ja schuften können, das Gelingen aber von größeren Zusammenhängen abhängt und oft unverfügbar ist. Folgerichtig wird dann gedankt, dass sich Erfolg eingestellt hatte. – Letztlich findet man immer etwas, wofür man danken kann.
Nehmen wir die Anregung auf: Wofür können wir danken?
Auch vom Grunde her kritische Menschen können Aspekte in ihrem Leben finden, für sie danken können oder wollen. In meinem Falle bin ich zutiefst dankbar für
meine Familie
einen schönen Beruf mit vielen angenehmen und kompetenten Kolleginnen und Kollegen
Freunde
Gesundheit
die schöne Landschaft, in der wir leben dürfen
das immer wieder empfundene Gefühl, dass mein Leben Sinn hat.
Wenn Sie selbst sich überlegen, was es in Ihrem Leben gibt, wofür Sie dankbar sind: Was finden Sie? Wem können Sie Dank aussprechen?
Dankbarkeit kann zufrieden machen.
Nach meiner Erfahrung übersehen wir im alltäglichen Getriebe, zwischen den vielen Verantwortlichkeiten und Tätigkeiten diese Anlässe für Dank, Genuss und Zufriedenheit.
Weil wir die Anlässe für den Dank nicht sehen, können wir das gute Gefühl dazu nicht entwickeln und spüren.
Die Aufmerksamkeit auf diese Punkte zu lenken, für die wir danken können, kann unseren Blick auf unsere Welt verändern; sie kann den Zeiger der Gesamtstimmung mehr in den positiven Bereich drehen. (Es geht dabei nicht um Schönfärberei und Anpassung. Im Gegenteil kann ich, wenn ich die Anlässe für den Dank weiß, schärfer auch die Problemlagen erkennen!)
Dank kann motivieren
Wenn Sie etwas mit anderen zusammen erreicht haben, so kann ein Dank an diese Kooperationspartnerinnen und -partner sehr motivieren und – auf jeden Fall – Freude machen: „Danke für die gelungene und erfolgreiche Zusammenarbeit und Ihre Aufmerksamkeit für … !“ Das freut, lässt die Arbeitsbeziehung wachsen und macht den Erfolg und die Anteile daran ausdrücklich und damit sichtbar. Letztlich fördert es die Zufriedenheit der Beteiligten.
Herzlichen Dank an meine Familie, Lehrer und Kolleginnen und Kollegen für Anregungen und kritische Begleitung
Frage an LehrerInnen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus? — herrlarbig (@herrlarbig) August 6, 2012; inzwischen nicht mehr erreichbar.
Schnell wurde ihm wohl klar, dass diese Frage nicht in 140 Zeichen beantwortet werden kann.
Diese Frage passt wunderbar: Vor meinem Schuljahres-Start setze ich mir Ziele
Eigentlich beißt sich die Reflexions-Schlange hier in den Schwanz, denn Anregungen für die Ziele stammen häufig aus der Auswertung des letzten Schuljahres und meinen Erfahrungen mit meinem Unterricht und dem Nachdenken darüber, der „Reflexion“ eben.
Für jedes Schuljahr entwickle ich einen Wochen-Routine-Plan.
Als Nutzer eines nicht-digitalen Terminplaners auf Ringbuchbasis, habe ich die Möglichkeit, selbst entwickelte Formulare einzuhängen. Sobald ich meinen vorläufigen Stundenplan bekommen habe, übertrage ich diesen in eine Wochenübersicht. In diese trage ich dann bei der Unterrichtsplanung die Stunden-Themen, manchmal auch Stichworte zu Zielen, auf jeden Fall aber den Medien-Bedarf ein. In meinem Planungsmittel liste ich fehlende Klassenbucheinträge (ein fortwährender Stress-Punkt für alle „kleinen Fächer“ mit gemischten Kursen) und den Kopien-Bedarf auf. So kann ich nebenher auch den Kopier-Aufwand verkleinern: Ich gehe meist nur zwei Male pro Woche zu größeren Kopier-Einheiten.
Nach Unterrichtseinheiten reflektiere ich.
Nach jeder Unterrichtseinheit reflektiere ich mit den Schülerinnen und Schülern nach einem standardisierten Verfahren und mache mir meine eigenen Gedanken und Notizen (entweder auf den Ausdruck des Unterrichtsplanes oder auch gleich digital).
Einer kollegiale, pädagogische Fallbesprechungsgruppe
Seit dem Schuljahr 2009/2010 gibt es eine kollegiale Fallbesprechungsgruppe an meiner Schule.
Fünf bis maximal acht Kolleginnen und Kollegen vereinbaren sich zu Beginn eines Unterrichtsjahres zu einer verbindlichen Zusammenarbeit in fünf bis sieben 90-Minuten-Treffen.
Wichtig dabei ist, sich wechselseitig Vertraulichkeit zuzusichern und dieser Zusicherung auch Glauben schenken zu können.
Schwere Konflikte können in dieser kollegialen Selbsthilfe-Form nicht bearbeitet werden.
Am Ende des Schuljahres hole ich mir Schüler-Lehrer-Feedback
Wie schon verschiedentlich in diesem Blog beschrieben halte ich viel von Feedback und bitte daher meine Gruppe um ein Schüler-Lehrer-Feedback und auch ausgesuchte Kolleg/innen um Rückmeldung und gebe auch Feedback.
Nach dem Unterrichtsjahr werte ich aus und überprüfe meine Ziel-Erreichung
Am Ende des Schuljahres bin ich oft erschöpft und sehne mich nach Abstand und Erholung. Allerdings habe ich mir angewöhnt, mir noch ein paar Tage Zeit zum Ausklingen, Auswerten und Ordnen zu gönnen.
Diese Erntezeiten möchte ich inzwischen ungern missen:
Ich sichte die Feedbacks der Schüler/innen und notiere mir manche Anregungen für das nächste Schuljahr für den Inhalt, die Methoden oder die Steuerung des Unterrichts.
Beim Vergleich mit meinen Schuljahreszielen entdecke ich Fortschritte und kann diese würdigen und bekomme auch wieder Anregungen für die Ziele des nächsten Unterrichtsjahres (siehe oben).
Auch das nicht so geliebte Aufräumen tut gut und oft wird noch ein gutes Element oder eine gelungene Methode gefunden und kann dort abgelegt werden, wo ich sie dann bei Bedarf auch wieder finde.
Ich halte Reflexion für sehr wichtig und förderlich für die Weiterentwicklung.
Zusammenfassend:
Ich halte viel von Reflexion und habe sie in meinen Arbeitsalltag – wie selbstverständlich – eingebaut. Tatsächlich schreibe ich regelmäßig Tagebuch und erkenne dabei, bei welchen Themen sich lohnen könnte, genauer hinzuschauen.
Nach meine Erfahrung gerät Nachdenklichkeit in Stress-Zeiten unter Druck. Genau dann aber ist Reflexion besonders wichtig, weil wir so Lösungen (er-) finden könnten. Wenn der Druck einmal zu groß wird, suche ich zuerst kollegiale und dann professionelle Unterstützung, z.B. in einer Supervision.
Schließlich habe ich mir im Rhythmus von zwei-einhalb Monaten Reflexionszeiten in meinen Kalender eingetragen, an denen ich über meine Arbeit, Ziele und den nötigen Entwicklungsbedarf nachdenke. – So soll Reflexion auch in Druckzeiten nicht vergessen werden.
Haben Sie auch Zweifel an der Rationalität des Menschen und der Behauptung, gerade in wichtigen Fragen entscheide man doch verantwortlich und das heißt dann vernünftig? Dann sind Sie in guter Gesellschaft.
Eine Rezension
Der Verhaltensökonomiker, Dan Ariely, untersuchte die Irrationalitäten der menschlichen Entscheidungen und beschreibt seine Fragestellungen, Experimente und Ergebnisse amüsant und mit einer wohltuenden Brise Selbst-Reflexion und Ironie – auch gegenüber sich selbst – in seinem Buch: Dan Ariely: Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen
Alle sind betroffen
Tatsächlich sind alle betroffen: Wir behaupten, unsere Entscheidungen nach reiflicher Überlegung und getreu unseren Kriterien zu treffen.
Dabei bleiben viele Fragen offen: Warum lassen wir uns von Sonderangeboten, oder gar Gratis-Zugaben zum Kauf im Grunde ungewollter, auf jeden Fall aber unnützer Dinge verleiten? Warum spielen Vergleichspunkte (auch manipulativ eingeführte) eine so bedeutende Rolle? Warum geben durchschnittliche Menschen mehr aus, als sie haben, und verschulden sich im Laufe der Zeit zunehmend? Und warum sorgen wir nicht ausreichend für unser Alter, also die Zeit nach der Erwerbstätigkeit, vor – obwohl wir doch alle wissen, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, unseren lieb gewonnen und gewünschten Lebensstandard zu halten? Warum schieben wir wichtige Tätigkeiten immer wieder auf die lange Bank?
Eine grobe Zusammenfassung
Wir alle fällen (komplexe) Entscheidungen, indem wir den anstrengenden Weg der Faktoren-Klärung irgendwann abbrechen und aufgrund weniger – vor allem emotionaler – Faktoren intuitiv entscheiden.
Irrationale Entscheidungen haben an der Börse weitreichende Folgen
Besondere Bisanz bekommt das Nachdenken über die menschliche Irrationalität mit der Immobilien-, Finanz- und schließlich Schulden- und Währungs-Krise. Die These des Verhaltensökonomikers Dan Ariely lautet: Es ist kein Zufall, dass Menschen sich in dieser Weise krisenfördernd benehmen. Sie neigen zu irrealen Handlungen und man kann diese Neigung systematisch erfassen und schließlich voraussagen und das bedeutet, auch damit rechnen! – An dieser Stelle seines Buches startet er einen schon fast tragisch wirkenden Appell an die (Nation-)Ökonomen und alle Entscheidungsträger, mit diesen neuen Erkenntnissen das in der Ökonomie noch weitgehend vorherrschende Modell vom Mensch als „homo oekonomicus“ (Jeder Mensch suche systematisch seinen Vorteil und handele nur rational gemäß diesem Ziele.) zu revidieren oder wenigstens zu erweitern: Wer mit der Möglichkeit, irrational zu entscheiden rechnet, kann auch Wege finden, diese Einladungen mit zu bedenken und so etwas weniger wahrscheinlich zu machen – oder wenigstens mit dem Verhalten der Menschen zu rechnen. Wer die Möglichkeit grundsätzlich ausschließt, dass auch wichtige, z. B. wirtschaftliche Entscheidungen von einem Bündel menschlicher Motivationslagen beeinflusst werden könnte, wird immer wieder in die gleiche oder ähnliche Fallen tappen.
Eine Lese-Empfehlung für die Sommerzeit – auch in kleinen Abschnitten lesbar.
Weiterführende Links
Ein sehr nachdenklich machender Vortrag von Dan Ariely über Täuschungen (optische und kongnitive) und ob wir Herr unserer Entscheidungen sind.
erstellt am 10.08.2012; zuletzt inhaltliche bearbeitet am 27.12.2012; zuletzt dysfunktionale Links entfernt am 1.03.2026 Drucke diesen Beitrag
Ein launisch-engagierter Vortrag – unterhaltsam und gehaltvoll – als kritischer Beitrag auch zu aktuellen Diskussionen von angemessenen Organisationsformen der Kirchen und ihrer Weiterentwicklung. Manche hingeworfene Anmerkungen zu aktuellen Veränderungen in modernen Arbeitsfeldern: empfehlenswert.
Ein Impulsvortrag bei einem Zukunftskongress der ev. Kirche in Oldenburg von Prof. Dr. Gunter Dueck:
Besonders beeindruckt mich die für diesen Redner typische Art, quer zu denken und sich die Mühe zu machen, auf den Punkt zu kommen – auch auf die Gefahr hin, dass andere anderer Meinung sind. So können wir weiter kommen. Ich teile nicht alle Ideen von Herrn Dueck, aber ich finde ihn anregend.
So ist die Erkenntnis, dass Anspruchsvolles und Komplexes unter Stress schnell verloren gehen kann, in meinen Augen sehr bedeutsam.
Für erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen ist es kein unerwarteter Befund – und in seiner drastischen Deutlichkeit doch erschütternd:
Eine große amerikanische Längsschnittstudie problematisiert die zur Zeit fast überall propagierte Einführung frühkindlicher Krippen-Plätze und zeigt:
Unabhängig von der Qualität der Kleinkindbetreuung wird das spätere soziale Verhalten nachteilig beeinflusst.
Der medizinisch gemessene Stress-Level (Cortisol-Profil im Laufe eines Tages) der unter Dreijährigen erinnert an den Belastungsverlauf bei einem Manager.
Diese Einschätzung mag manchen Interessengruppen nicht so recht ins Konzept passen. – Wahrnehmen und erwägen sollte man die Befunde allerdings auf jeden Fall.
Die empfohlene Perspektive, die Familien in ihrer Erziehungsaufgabe innerhalb der familiären Zusammenhänge zu unterstützen, halte ich für sehr sinnvoll und einsichtig.
Und ich bin mir bewusst, dass die schnellen und einfachen – und erst gleich gar nicht moralisierende – Lösungen meistens doch nicht „stimmen“. Andererseits möchte ich mit diesem Beitrag auch die andere, vielleicht unangenehme Seite der aktuellen Lösungsversuche für die Kinderbetreuungen in die Diskussion bringen.
Jesper Juul: Wem gehören unsere Kinder? – Dem Staat, den Eltern oder sich selbst? Ansichten zur Frühbetreuung Streitschrift für einen Blick auf die Interessen und das Selbstbestimmungsrecht der Eltern des bekannten dänischen Familientherapeuten
erstellt am 6. Mai 2012; zuletzt bearbeitet am 17. November 2025; dysfunktionale Links entfernt am 1.03.2026 Drucke diesen Beitrag
Es kommt mir so vor, als würden wir gesellschaftlich mehr verwalten, alte Lösungen für neue Herausforderungen anwenden und uns dann auch noch ärgern, wenn diese nicht greifen.
Wir bedauern fehlende Visionen, suchen aber auch nicht danach, sondern belächeln jene, die sich Visionäres vorstellen und es anderen vorschlagen.
Wir haben uns überwiegend Blick-Richtungen antrainiert, die weniger nach Sinn sondern mehr nach Rendite oder schnellen, pragmatischen „Lösungen“ suchen.
Heute nun fand ich einen großartigen Beitrag einer Schulvisionärin, Frau Margret Rasfeld aus Berlin, mit einer beeidruckenden Darstellung:
Sie fordert eine andere Leitungskultur und damit eine Abkehr vom Bild der „verwalteten Schulbildung“.
Sie stellt eine andere Kultur des Lernens vor, welche die Neugierde pflegt und die Übernahme von Verantwortung fördert.
Sie kündigt an, diese andere Kultur von Leitung und Lernen verbreiten zu wollen.
Margret Rasfeld: Warum Hierarchien verschwinden und neue Führungskompetenzen nötig werden
http://youtu.be/Bjgb4TYzimM
Ich bin begeistert und wünsche diesen Grund-Ideen mehr Raum.
Skeptisch bin ich an zwei Punkte:
Woher nimmt Frau Rasfeld die erschreckend hohe Quote von 80 % Frontal-Unterricht, die sie behauptet?
Wieso soll eine Reform der Schulen nicht möglich sein, sondern nur ein radikaler Schnitt die Lösung bringen? (Ist nicht Ihr eigenes Projekt ein Beispiel, wie im staatlich anerkannten Schul- und Bildungs-Wesen ein sehr beeindruckender und innovativer Ansatz möglich ist?
Ich weiß, dass solche Pionier-Projekte sehr viel Energie und oft eine charismatische „Fackel-Trägerin“ benötigen.
Ich bin aber auch zuversichtlich, dass mehr Aufmerksamkeit für solche Ansätze mit dem Lauf der Zeit das gesellschaftliche Klima öffnen werden, in dem nächste Schritte der Veränderung möglich werden.
Lernerfolge hängen eng mit der Lern-Atmosphäre zusammen. So hindert z. B. Angst und Stress das Lernen. Darum ist der Umgang mit schwierigen Situationen eine wesentliche Aufgabe für Lehrerinnen und Lehrer.
Eine positive Grundhaltung zu Menschen hilft zum Lernen
Es darf als erwiesen gelten, dass eine freundliche und zugewandte Atmosphäre für Lernen in jeder Form hilfreich und außerdem angenehm ist. Manche Menschen vermögen solche förderliche Rahmenbedingungen durch ihr persönliches Naturell, andere nach einigem Training und wieder andere durch harte Arbeit erreichen. Darum habe ich an anderer Stelle formuliert, dass Lehrkräfte folgende Eigenschaft mitbringen sollen, wenn sie dauerhaft mit Freude erfolgreich unterrichten wollen:
kommunikative Persönlichkeit
an Menschen und deren erfolgreichem Lernen interessiert
selbstreflexiv
kooperativ
lernbereit (bereit zu Reflexion, zu kollegialem Feedback und Fortbildung)
Dann können Lehrerinnen und Lehrer durchaus von ihren Schülerinnen und Schülern auch als Vorbilder gewählt werden, also Bedeutung für die persönliche Weiterentwicklung gewinnen.
Andere Grundhaltungen lassen Lehrer auch als Hassfiguren erscheinen.
In einem Radio-Beitrag vom 10.03.12 von Klaus-Dieter Schuster mit dem sprechenden Titel Zwischen Vorbild und Hassfigur (leider nicht mehr online verfügbar) werden einige Beispiele von abwertendem und beschämenden Lehrer-Verhalten aus dem Erleben von Schülerinnen und Schülern dargestellt, die ich erschütternd finde. Schulleitungen, Psychologen und betroffene Schülerinnen und Schüler und Eltern berichten und bewerten die Vorkommnisse.
Probleme ansprechen und bearbeiten
Wenn eine Situation zwischen Lehrkraft und Schüler/in unangenehm oder gar entwertend wahrgenommen wird, empfehle ich Klärungen zu versuchen.
Erster Schritt: Gespräch mit der Lehrkraft
Dringend empfehle ich allen Beteiligten zuerst den direkten Klärungsversuch: Schüler sprechen bitte die Lehrkräfte an und Lehrer/innen bitte die Schüler/innen – bevor Dritte eingeschaltet werden.
Sehr oft lassen sich unangenehme Erlebnisse auf diesem Wege ausräumen.
Zweiter Schritt: Gespräche mit Vertrauten
Wenn ein erster und direkter Klärungsversuch nicht gelingen sollte, so ist Unterstützung und auch Kontrolle durch den Kontakt mit Vertrauten zu empfehlen: Man schildert seine Wahrnehmungen und sein Erleben und bittet um Rückmeldungen und Einfälle. Häufig werden Situationen durch solche Gespräche anders deutbar und es gelingt, Wege zur Klärung zu finden.
Wer niemanden findet, kann auch die anonyme NummergegenKummer wählen:
In den Fällen, in denen immer noch keine zufriedenstellende Klärung ereicht wurde, empfehle ich nun Schüler/innen oder Lehrer/innen die Schulleitung einzuschalten.
Im Kontakt mit den Schulleitungen ist zu erwarten, dass diese sich zuerst kollegial und schützend hinter die Lehrkraft stellt. Das kann ein Lehrer / eine Lehrerin erwarten. – Dies bedeutet aber natürlich nicht, dass ein Gespräch mit der Schulleitung von vornherein nutzlos bleiben wird, denn die Leitung wird sicherlich auch versuchen, zur Klärung und Konflikt-Regelung beizutragen.
Vierter Schritt: Hilfe von außen holen
In Einzelfällen ergibt sich auch noch Einbindung der Schulleitung noch keine zufriedenstellende Klärung.
Dann ist die Anfrage um Unterstützung sinnvoll bei:
Beratungslehrer/in
Schulsozialarbeiter/innen
schulpsychologische Beratungsstellen
psychosoziale Beratungsstellen …
Feedback-Kultur ist im Konfliktfall sehr hilfreich
Eine Übung, sich gegenseitig Rückmeldung zu geben über angenehmes und eher unangenehm empfundenes Verhalten, widersprüchliche Wahrnehmungen auszusprechen und so dafür zu sorgen, dass alle ihr Verhalten reflektieren können, hilft in Konfliktfällen.
So haben manche Schulen Schüler-Lehrer-Gespräche, kollegiales Unterrichtsbeobachtungen, Schüler-Lehrer-Eltern-Gespräche und regelmäßige Feedbacks der Schüler/innen am Ende von Unterrichtseinheiten oder Schuljahren eingeführt.
An vielen Schulen gibt es inzwischen kollegiale Fallbesprechungsgruppe und auch Supervision oder Coaching.
Ich arbeite für Klärung - auch bei Cookies - und muss Sie leider befragen:
Ich verwende Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Manche sind technisch notwendig. Wenn Sie den anderen zustimmen, kann ich Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie diese Einwillligung nicht erteilen oder zurückziehen, könnten manche Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Präferenzen
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.